haben. 05cbt mir Euer Wort als Kavalier, daß Ihr an diesem Tage mich benachrichtigt und eine Woche ans mich wartet.'' „Kavaliersparole!" '
„Ich danke Euch." A ,
Und Jan machte kehrt und wars die Tür hinter sich zu. Um die Fortezza donnerten noch die Kanonen. Gerade reefit fi). In» stieg in dcn Sattel. Iefit stürmen künnc-n! Seine Wut toben lassen! Schreien, schießen, stechen! Marie- Anne heiratet einen Wüstling — oder einen Schurken. Eine herrliche Welt! Was geht's dich an, wen Marie-Anne heiratet. „Nichts," zischte Jan grimmig, „nichts!" Woher aber der Schmerz in der Brust, der würgende Ekel in der Kehle.
Frag' nicht, Jan. „ , ^
Um ihn tobte die Soldateska. Das Heer hatte wie ein wüster, sch in ii Pi ge r Strom die niedergeworsene Stadt überschwemmt Ganze Kompagnien, betrunken und blntdurstig, taumelten in die Häuseir und wieder heraus. Weh dem Menschen, der sich noch iiicht zum Tabernakel geflüchtet hatte Man forderte und fragte nicht mehr. Zerschliig und zerfetzte Leiber und Vorhänge, Polster und Gemälde. Mit Aexten zerhieb man marmorne Treppen und Kamine, nur um Aachen zu hären, Splitterii uiid Brechen. Flammen liebte man besonders. In jeder Gasse brannte es. Unter funkensprühenden Tüchern lagen Soldaten mit offenen Mäulern um eine Weintonne, die man gefunden hatte. Ihr wüstes Gelächter begrub zusammenstürzendes Gelxilk. Andere schütteten ihre Pulverhärner zivischen die Oelsässer in den alten Gewölben aus und warfen brennende Lunten aus den glitzernden schwarzen Hausen; die Soldaten wurden gesotten wie Fische. Eine Dirne, die sich zu früh den wahnsinnigen Kriegern genähert hatte, zwang man, nackt im Kreise zu galoppieren, wie ein Pferd zu lvieherri, indessen die Spitzen von Kürassierdegen sie anseuerten. Sie brach zusammen und man ließ sie Mutbcbccft im Schmutz liegen.
lieber dein allen lag eine wütende Junisonne mit ihrem glänzenden Leib nub preßte die Wolken von Pulverqualm, Branddamps, Blutdunst, die ausstieaen, wieder in die Stadt hinein. Diese Wolken hatten einen fürchterlichen, betäubenden Geruch, der berauschte. Jan fand einige seiner Leute und hörte von ihnen, daß die Fortezza übergeben sei. Sie zeigten Hände voll Goldstücke und schlugen aus ihre Taschen, die von Gold- und Silbergeräten gebauscht ivaren. Einer hatte das Staatskleid irgend einer vornehmen Tome llber seine schmutzige Uniform gezogen; alles jubelte über seine Tänze.
05ott, weshalb sollte ich's nicht nehmen? dachte Jan. In einer Seitengasse stand ein düsteres Haus mit zwei Reihen
f iotischer Fenstern. Es schien von den Plünderern noch ver- chont. Aber als er hineinkam, fand er Truhe und Schränke zerschlagen: aus dem oberen Stockwerk drang Lärm. Jan stieg hinauf und sah zwei Kerle ein sich windendes Weib sest- halten. Der dabeistand, war Bolini. Jan packte ihn beim Genick und stieß ihn zu Boden. Seine Wut brach los.
„Zackerbombenundflöh! Du Verräter! Räudiger Hund! Du, in Mantua? Ich will dir deinen Judaslohn in den Hals stopfen, daß du erstickst!"
Bolini überschlug sich wie eine Katze und stand wieder ausrecl)t, die Hand am Degen.
„Ich bin Soldat — wie Ihr!"
„Mantua verraten, und noch plündern Helsen? Hinaus!" -^Jch diene in Eurem Regiment; der General hat es mir zugestanden. Ich habe Euch emporgebracht! Und Ihr?"
-,^Jn meinem Regiment ? Du, in meinem ehrlichen Regiment? Fort oder — zum Fenster hinaus!"
„Ihr habt kein Recht —"
Jan packte ihn, schleifte ihn zur Tür und warf ihn diö Treppe hinunter. Seine zwei Kerle stolperten ihm nach.
Inmitten des Zimmers saß auf dem Fußboden^ ein schönes, blasses Mädchen, das vor sich hinstarrte und von tränenlosem Weinen geschüttelt wurde.
„Sucht meine Mannschaft zusammen", rief Jan. „Posten vor das Tor. Hier ist metn Quartier. Und Wein schafft her!"
Seine Soldaten rasselten davon.
,Jhr mögt mir glauben, edle Dame, das Plündern ist mir vergangen, seit ich mit so Dreckskerlen Kompagnie machen muß. Saubere Zeiten, und ich möchte nicht, daß mein Mädchen an Eurer Stelle wäre. Ich hoffe zwar, sie würde m solchem Falle ein ivenig klüger sein und rechtzeitig in die Kirche flüchten. Aber der liebe Gott hat nicht alle gleichmäßig bedacht. Als ich in Holland diente, hatte ich einen Kerl
im Kornett, der war so dumm, daß er den Krieg als einen guten Scherz ansah. Als er sich in einem Gefecht den Feinden gegenüber sah. lachte er sie an, beim et glaubte nicht, daß es Ernst wäre. Sie haben ihn totgeschossen wegen seiner Dummheit, womit ich Euch nur ein Exempel erzählen wollte. Aber steht auf, ich bitte Euch. Hier ist ein Sessel. Wenn auch letzt dieses Haus mir gehört, so erlaube ich Euch gern, vorläufig hier zu wohnen. Ich bin gegen Damen mein Lebtag höflich gewesen. Also steht auf." .
Aber die Dame schrie auf, als er sie anfasfen wollte.
„Was wollt Ihr von mir?"
„Mein Fräulein," rief Jan, „ich bin der Oberst Jan de Werth, Zackerbombenundflöh, und Ihr steht unter meinem Schutz." ^
Und er packte sie und setzte sie auf einen Stuhl.
„Habt Ihr den Bolini erstochen?" fragte sie heiser und mit vorgeneigtem Kopf.
„Meinen Degen mit solchem Blut beschmutzen —?
„Dann hängt ihn auf. Er ist der größte Schuft von ganz Mantua." Ihre Worte zischten und pfiffen wie Kugeln. „Er hat mir nachgestellt, schon immer. Einmal hat er sich in meinem Hause versteckt. Ich habe ihn geschlagen. Heute kommt er: „Ich habe Mantua erobert!" schreit er.
Und bringt seine Häscher mit. Ich konnte mich nicht mehr wehren. Ihr habt mich gerettet. Dank! Dank!" Sie glitt von ihrem Sitz und lag auf den Knien, die Hände gefaltet und das bleiche, erregte Antlitz erhoben, die Lippen weit geöffnet, auf denen noch das Blut der zornigen Scham stand.
Jan stand auf, und sein Gesicht rötete sich.
„Oh," sagte er, „ich bitte, erhebt Euch."
In der Tjür stand der Wachtmeister Schulte, in beiden Fäusten die Henkel einer kupfernen Conca, in der roter Wein schwankte.
„Schulte," rief Jan, „hier ist mein Quartier."
Der Wachtmeister, der kaum aus den Beinen ftehen konnte, lachte so gewaltig, daß er den Wein verschüttete.
„Hahaha, hohoho!"
„Setz' hin. Schaff' Becher her! Weißt du, wo General Aldringhen quartiert?"
„Im Schloß. Hahaha. Habe ich dir nichts gesagt — hohoho — daß der Krieg ein wacker, luftig Geschäft ist? Freilich, schöne Dame, habe ich ihm das gesagt. Aber er ist mir ans Leben gegangen. Mit scharfem Stahle, mit grausamer Klinge, wie's im Liede heißt, hat er mich bedrängt und in mein Ohr ein Loch gemacht. Hahaha! Trinkt, schöne Jungfrau!"
,Jch werde dir das Ohr ganz abschneiden. Fort! Und sag's jedem, die Dame steht unter meinem Schutz!"
„Ja, Herzensoberst, sie steht unter deinem Schutz. Freilich unter deinem Schutz. Hahaha! Alles Scherz, Herr Oberst. Wachtmeister Schulte pariert Order."
Und er stand wie ein Rohr im Wind, glücklich lachend, Hand am Helm. Im Hinairsschwanken ballte er:
„Du wirst noch Oberst, habe ich ihm gesagt, und er ist's geworden. Eine Seele von einem Oberst. In Stücke bauen lassen wir uns für ihn. Willst du Widerpart halten?" schrie er einen Dragoner an, der ihm aus der Treppe begegnete, und krakeelte mit ihm davor:.
Jan eriuhr, daß die Dame eine Waise war und sich vermessen hatte, ihr Erbe zu behcurpten. Jan versprach sich schöne Abende mit ihr am Kcrmßn, denn sie gefiel ihm. Vielleicht war sie ihm ein wenig zu sebr Glut. Die geringste Handlurrg von ihr dampfte von Leidenschaft. Aber wie er ihr sein Herz ausschüttete und von fernen zwei anderen Schützlingen und von Durante erzählte, von Du- rante — da hatte sie Mer diesen eine schreckliche Flut zorniger Worte ergossen, in der Durante, Bolini, diese zwei Namen, immer wieder austauchten.
,Ja," sagte Jan, „und Bolini soll in meinem Regiment dienen. Vielleicht soll ich noch mit Durante in einem Bett schlafen."
Und er verabschiedete sich mit vielen Kratzfüßen von der Dame und ritt nach dem Reggiopalast, wo Aldringhen quartieren sollte. _ (Fortsetzung folßU
Die wunderbare Errettung des (Befreiten Michael Huberle.
Von Kurt Küchler.
Die Gesuchte von der wunderbaren Errettung nreines Freundes, des Gefreiten Michael Huberte, die ich hier erzählen will, klingt ein wenig unalaubhast. Ich bin sogar darauf gefaßt, daß eS manchen geben wirb, der es sich am Schluß energisch verbitte^


