Ausgabe 
24.3.1915
 
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Jan von Werth.

Koman aus dem Dreißigjährigen Kriegs von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

, k ßwMidj kam Jan an die Fortezza. Von deren Wällen und Durmen blitzte es noch mutig. Aber ringsum in einem gewaltigen Kreise standen die kaiserlichen Geschütze, und die Wirkung ihrer Kugeln war so stark, daß man sah, wie dis JJtauern langsam zerfielen wie Erdwälle im Wolkenbruch.

Jan faiid sein Regiment uiib seinen General Aldringhen. c * "Werth," rief der,du hrrugst das Maul, daß der Rapp' fast draustritt. Sei vergnügt. Reischach ist tot. Kriegst sein Regiment, Herr Oberst."

>,Wosür? Weil mir ein Verräter in die Arme lief?'

Und diese sechs Monate vor Mantua rechnest du füi Nichts?"

Lappalien. Sagt, stürmen wir?"

Der General nahm sein Roß fester in die Hand, eine )oombe schlug zehn Schritt vor ihin ein.

, . -Stürmen, Oberst? Ma no. Glaub's nicht. Steck! die Maria, Duchessa di Rethel, drin. Gravida nepote della Maesta Ja Imperatrice Leonora."

Jan wurde bleich.

Sei froh, Werth, daß es ein Ende hat."

Habe ich Urlaub?"

m ,,Gern" der General lachtehalt dich zu bei der Beute."

Der neue Oberst winkte seine Reiter davon. Die rassel­ten los. Es ging ans Plündern, wer weiß, wie lang. Frei­heit lebt:

_ Han ritt langsam zu Galeazzos Quartier zurück. Mai ließ ihn ein. Vor einer mächtigen, bemalten Holztür, die ei: Gesuns von poliertem numidischen Marmor krönte, stau! eine Wache. Da mußten Goldstücke springen, denn der Gene ral hatte verboten! Schon gut, schon gut. Jan drehte der Dürknebel mit einem Ruck herum und blickte gerade in die er staunten Augen Durantes, der in einem Lehnstuhl saß De: Franzose machte einen Versuch aufzustehn und sah sich rasck um vielleicht nach einer Waffe. Aber Jan winkte mit bei Hand, schleifte einen Stuhl herbei, ließ sich rittlings daraul und legte das Kinn auf die Lehne.

Guten Tag, Herr Durante," sagte er.

Ich bin Gefangener des"

"Za," sagte Jan und klappte den Mund auf und zu. Außerdem bin ich verivundet!"

-ose " ^ CiUt id) miU worden? Ich bin kein Fran-

Durante lächelte höhnisch und sagte:

Also wollt Ihr mir einen Krankenbesuch machen?"

,^Ja, und ein wenig mit Euch plaudern." Er kniff die Augen zu.Den Damen geht es hoffentlich gut?"

Den Damen? Ich denke, wir kennen nur eine Dame und em Kammerkätzchen?"

Da irrt Ihr, mein Herr. Eine Dame ist die Gräfin ^-paure, die andere ist die Verlobte des Obersten Werth."

Ah so."

Beliebt es Euch, meine höfliche Frage zu beant­worten?"

,Hhr begreift, daß ich mich erst jetzt der anderen Dame mehr widmen kann, nachdem ich weiß, daß sie Eure Verlobte ist. Was die Gräfin Spaure betrisst, so schrieb mir der Herr Kardinal, wenn ich mich nicht täusche, daß sie be­absichtige, den Herrn Jussac §u heiraten." Durante lächelte. Emen Herrn von altem Adel, trotz seiner achtundsiebzig Jahre noch recht rüstig, wenn er auch ohne Vermögen ist."

Jan klopfte mit den Hackeii auf.

Erstaunt Euch das?" fuhr Durante fort.Man hat Exempel, daß junge Damen gerade an alten Herren Gefallen finden, von denen die Matronen in den Salons erzählen, ein wie galanter Kavalier er in seiner Jugend gewesen. Und zu­dem wird sie nicht ewig im Kloster leben wollen, denn ich hoffe, Ihr wißt

Wrang

Kind!

aus.

Regt

Zaaervomvenundslöh!" schrie Jan und Verkuppeln an einen Wüstling das arme sich denn in Eurer Brust der Ekel nicht'?"

Aber verzeiht, vielleicht entschließe ich mich noch, si zu heiraten."

Wie?"

Und ^hr mußt zugeben, daß ich nicht aussehe wie ein Wüstling." Er klopfte mit dem Knöchel auf die Sessellehne Ein Soldat trat ein.Du kennst den Befehl des Generals, Niemand zu mir zu lassen!"

Kerl, hinaus!" rief Jan und fuhr auf den Soldaten los.

Herr Durante, Ihr müßt Euch schon darein fchicken, daß ich so lange mit Euch spreche, wie mir gefällig ist. Ich habe eine Frage:Gibt es nichts, was Euch ver­anlassen könnte, die Damen, von denen wir sprechen, srei- zulasten nach Holland hin?"

Nein. Ich verfüge nicht über sie."

Ihr könnt es. Also antwortet."

Ich habe keine Antwort."

Gut. Ihr erinnert Euch, daß ich leidlich gewandt mit dem Degen bin (Durantes Gesicht rötete sich), Ihr erinnert Euch auch, daß wir zwei einen gewissen Handel miteinander noch nicht abgeschlossen haben. Nun gut. Ich will auf meine Rechte verzichten, aber gebt die Damen frei. Versteht Ihr? Ich verzichte."

Aber nicht ich."

Dann wißt" Jan trat dicht vor seinen Feind.

>zhr braucht mir nichts mehr zu sagen", unterbrach ihn Durante.Wünscht Ihr fonft noch etwas?"

Ja- Eure Gefangenschaft wird eines Tages ein Ende