Jon von Werth.

Roman aus dem Dreißigjährigen '5ri« von Fcan Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die Zudringlichkeit gesiel Jan wenig. Er sprang aus und stieß den fremdeil Kahn fluchend mit dem Fuß fort. Das Fahrzeug schlug beinahe um. Seine drei Insassen riefen leise: Gut Freund! Gut Freund", und hoben die Hände zum Zei­chen, daß sie ohne Waffen waren.

Nicht näher heran als auf Ruderlänge!" rief Jan und hob die Pistole.Gut Freund, und ich soll Euch wohl um den Hals fallen!"

Aus dem Dunkel klang es:

Mißt Ihr, wo ich Herrn von Werth finde?"

Jan lies; die Pistole sinken.

Fahrt ein wenig neben uns dem Ufer zu und ich will Euch Herrn von Werth zeigen."

Lautlos trieben die Fahrzeuge nebeneinander her. Dort, wo der rote Schein der kaiserlichen Wachtfeuer das Dunkel erreichte, sagte Jan:

Ich bin, den Ihr sucht. Was wollt Ihr?"

In dem srenlden Kahn erhob sich ein kleiner, gelber Mann mit schwarzen, mandelförmigen Augen und lüstete den Hut:

Ich bin Bolini. Hauptmann in der Herzoglichen Garde. Ich biete meine Dienste an."

Dienste? Dienste welcher Art?"

Bolini begann erregt mit den Händen zu fuchteln.

Ihr seht in mir einen Erkannten. Ich habe Verdienste, Kreuz Gottes! Man hat mir einen französischen Offizier vor- aezogen, eine gemeine Bestie, den Monsü Durante." (Jan bin die Zähne zusammen.)Ich habe es satt, einem undank­baren Herzog zu dienen, der ein Landeskind von der verdien­ten Beförderitng ausschließt!"

Er beugte sich über den Rand des Kahnes, und sein langes, schwarzes Haar fiel über sein Gesicht. Er keuchte:

Ich will Euch die Stellungen sagen. Ich will noch mehr tun. Bott heute in zivei Tagen habe ich die Wache an der Brücke, zwei Nächte nacheinander. Wenn wir einig werden, will ich blind laden lassen. Versteht Ihr? Aber es kostet Geld."

Jan setzte sich auf eine Ruderbank. Den Kerl ersäufen wie eine Katze? Ihn gebunden zu den Mantuanern schicke;:: Hängt das Lumpenbündel!"?

Jener Durante" begann der Italiener wieder.

,^Jener Durante", sagte Jan,mag sein, wie er will. Wenn ich ihn hier hätte, würde ich ihn erstechen. Aber er ist guter Soldat. Hub Euer Herzog wird Gründe genug gehabt haben, ihn Euch vorzuziehen, tvenn ich so höre, was Ihr mir anbietet."

Er hat mich beleidigt."

So fordert ihn."

Da brach der Italiener los:

,^Jch will Euren Rat nicht. Beim Leibe der heiligen Jungfrau, wollt Ihr auf meinen Plan eingehen und Eurem Kaiser dienen, oder wollt Jhr's nicht? Dann -führt mich zu Eurem General!"

Es ist Krieg, dachte Jan.

Eure Bedingungen?" fragte er.

Zweitausend Skudi und ein Hauptmannspatent bei Euch."

Welche Bürgschaft wollt Ihr?"

Die Unterschrift des Generals und die Eure als /Zeugen."

Gut. Und wohin wollt Ihr Antwort?"

Der Italiener deutete zurück.

Drüben beim Turm Asinello habe ich Wache."

In einer Stunde habt Ihr Antwort", sagte Jan und hob die Hand halbtoegs zum Helm.Noch eins! ©agt mir doch, weshalb kommt Ihr zu mir?"

Der Italiener schickte ein verbindliches Lächeln über sein Gesicht:

Oh," sagte er,ich stand neben Herrn Durante und sah, wie Ihr den Kampf wie ein Sonntagsspiel betriebt. Wer ist jener Kavalier?" fragte ich.Der?" sagte Du­rante,ein gewisser von Werth: ich dachte, er hätte längst drei Fuß Erde auf seiner verdammten Fratze." Ihr ver­zeiht, aber er sagte wirklich so. Daraus glaubte ich entnehmen zu sollen, daß Ihr Euch wenig liebtet."

//Nein, in der Tat, wir lieben uns so wenig, daß wir gegenseitig unsere Bäuche mit Degenstößen zu Sieben machen könnten, und wir würden uns noch obendrein die Nasen ab- beißen."

Jan winkte seinen Soldaten. Die schlugen die Ruder ein. Der fremde Kahn verschwand in der Finsternis.

Jan rumorte Aldringhen wach, erhielt die Unterschrift und einen zärtlick)en Fauftstoß in die Seite, kratzte seinen Namen neben das ungeheure, selbstbewußteAldringhen" und schickte den Zettel an das mantuanische Ufer. Dann setzte er sich aus Jose Marias Strohschütte und redete zwei ge­schlagene Stunden von der erbärmlichen Treulosigkeit der Italiener im allgemeinen und eines gewissen Bolini im be­sonderen, flocht wie knallrote Blumen ein paar Flüche auf Durante in seinen Schimpfkranz und schlief endlich mit Knur­ren an der Seite des Freundes ein, der schon längst wieder schnarchte.

Am andern Morgen wurde Ruhetag befohlen. Joss Maria nahm Jan unter den Arm und ging mit ihm in der Gegend bei Brückenkopfes ein wenig spazieren.

,>Sieh, Jan," sagte er,du bist töricht, daß du den Herrn Pollo oder Polenta, oder wie er heißt, verwünschst. Ohne ihn könntet ihr noch lange vor Mantua liegen. Ihr habt die Mauern zerschossen und die Türme, gut. Ihr habt selbst in die Kuppel von Sant Andrea drei Löcher gemacht, und das