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die Arbeit der germanischen Pioniere in diesem Teil des Ostens zu verfolgen.

In drei verschiedenen Strömungen hat die deutsche Kultur im Laufe der Geschichte die Karpathenländer befruchtet und dabei im engsten Zusammenhänge sich über alle Teile des weiten Gebietes erstreckt. Das erstemal waren es die Scharen der Völkerwanderung, Goten und Vandalen, Heruler und Langobarden, die die Gebiete des römischen Pannonien in den ersten christlicken Jahrhunderten Überfluteten. Der Ansturm.dieser jungen Völker verrauschte so rasch, wie er ungestüm herangebraust war. Nur einzelne Ortsnamen und archäologische Funde von bedeutendem Kunstwert legen noch Zeugnis ab von diesem germanischen Vorstoß. Doch schon zur Zeit Karls des Großen kämpften hier wieder deutsche Krieger, und deutsche Kolonisten hatten dann gewichtigen Anteil an der Auf­richtung des ungarischen Reiches, das Stefan der Heilige schuf. Um die gleiche Zeit bahnten sich die ersten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen an, als Kaiser Otto III. zum Grabe des hl. Adalbert nach Gnesen pilgerte. Um 1200 waren die Deutschen bereits bis nach Siebenbürgen vorgedrungen und hatten Schlesien zu einem germanischen Land gemacht, von wo sie m polnische Ge­biete und bis nach Galizien kamen. Nach dem vernichtenden Einsal der Mongolen blühte die deuksche Besiedlung erst recht empor aus den Trümmern und schuf ein früher nicht gekanntes Kulturlebeni in den Städten und auf dem Lande. Tiefe Entwicklung, die im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, dehnte sich aus bis zum Sercth und Pruth, bis in die Walachei und Bukowina und schu 1 die Grundlage für das Aufblühen dieser Länder, obwohl feind­liche Gegenströmungen dem deutschen Einfluß entgegentraten und ihn zeitweise ganz unterdrückten. Im 18. Jahrhundert ist dann noch eine dritte bedeutende- Einwanderung von Deutschen in die Karpathenländer erfolgt, die neuen Aufschwung des gesamter: Lebens hervorrief. Die wichtigste Kulturarbeit aber hat die viele Jahr­hunderte währende Kolonisation des Mittelalters geleistet und be­sonders aus Galizien ein Bollwerk germanischer Kultur gegen die östliche Barbarei geschaffen.

Ueberall, wo die Deutschen hinkamen, brachten sie auch ihr Recht mit, und diesesdeutsche Recht", mochte es nun das am meisten verbreitete Magdeburger Stadtrecht sein oder Breslauer 'oder Neumarktcr, entband die Ansiedler von jedem landesüblichen Gesetz und erkannte ihnen bedeutsame Freiheiten zu. Weit über Polen und Ungarn bis ins heutige Rumänien war dies deutsche Recht verbreitet, es wurde von den polnischen Landesfürsten, aber auch von anderen weltlichen und geistlichen Herren verliehen. Nicht nur Städte und Gemeinde::, sondern auch einzelne verdiente Männer und ihre Angehörigen konnten durch Zusicherung des deutschen. Rechtes ausgezeichnet werden. Die höchste Instanz dafür war der königliche Obergerichtshof zu Krakau, dein die Urteile der einzelnen Lehnsgerichte, der Vögte und Schulzen in strittigen Fällen unter­breitet wurde::. Uebrigens begnügten sich die deutschen Ansiedler aber manchmal auch mit diesen königlichen Verfügungen nicht, sondern wandten sich nach der Heimat, um genaue Auskunft in Rechtssachen zu erhalten. So finden sich in verschiedenen Krakauer Sammlungen von Schöffensprüchen Magdeburger Urteile, die vor 1356 und später eingeholt wurden. In einem findet sich die Be­merkung:Dies war der erste Brief, der zu Magdeburg von dem Krakauischen Stadtschreiber geholt ward 1376." Doch ist damit nur die erste Reise eines bestimmten Schreibers gemeint: die Urteile wurden schon viel früher direkt aus Deutschland an den Krakauer Gerichtshof gebracht. Sehr bald entstanden auch deutsche Rechts­bücher für Polen und Galizien. Bereits aus dem Jahre 1346 ist eine Krakacker Handschrift erhalten, die in deutscher Sprache 308 Artikel nach dein Sachsenspiegel und 112 Artikel des deutschen Stadtrechts aufzählt. Kasimir der Große ließ dann auf der Grund­lage des Magdeburger Rechtes das 502 Artikel umfassende deutsche Rechtsbuck Herstellen, das für die Urteilssprechuna seines' Oberhofes auf der Krakauer Burg maßgebend war. Dies deutsche Recht hat sich in.Galizien bis weit ins 18. Jahrhundert geltend erhalten- :n den angrenzenden russischen Gebiete:: hielt es sich noch länger und ist *. B. in Kiew erst durch den Ukas vom 23. Dezeniber 1835 ganz beseitigt worden.

Die deutschen Einwanderer kamen zum großen Teil aus Schlesien > zwischen Breslau einerseits, Krakau und Lemberg an­dererseits, haben lange Zeit die engsten Beziehungen bestanden, und viele deutsche Ansiedlungen tragen die Namen schlesisäier Orte. Doch stammten die schlesischen Siedler wieder größtenteils aus den niederländischen und mittelfränkischen Rheingegenden, aus denen s:ch fett etwa 1150 ein starker Kolonistenstrom nach dem Osten ergoß. Auch Süddeutschland und die Schweiz boten reiche:: Zuzug. Besonders wichtig war die Verbindung mit dem gewerbe- fteißigen und kunstsinnigen Nürnberg, die für das Aufblühen der Kultur in Galizien bedeutsam wurde. Wie (groß diese deutsche Ein­wanderung war, läßt sich nur schwer abschätzen, doch ist für Krakau berechnet worden, daß in der Zeit von 13921400 1097 Aufnahmen in die Bürgerliste stattkanden, wovon 833 ans Deutsche entfielen. Es wanderten also jährlich etwa 100 deutsche Bürger m diese eine Stadt ein. Manche Familien waren weithin über das Land zerstreut: so die Nürnberger Stoß, von denen der große Bildhauer stammt: sie sind in Krakau und zugleich in Sieben- bürgen nachzuweisen. Viele Orte lassen sich schon durch die deut- Ww Namen als deutsche Orte erkennen, so Kaiserwald, Bartvald. Sonnenschein usw. Auf sckstesische Einwanderer weisen Namen

hin, wie Landshut (Lancut), Landskorn (Lanckorona), Rosenbera, Freistadt, Görlitz (Gorlice).

Mit ihrem deutschen Recht erhielten die Städte auch ein be­deutendes Maß von Selbstverwaltung zugestanden und konnten so hier im slawische:: Osten eine schöne Blüte deutscher Städte- kultilr :ns Leben rufen. Die polnische Sprache bewahrt noch heute d:e Erinnerung daran, daß städtisches Leben und seine Einrich- tungbn erst durch die Deutschen in Polen eingeführt wurden. ^Rynck (Ring) heißt der Marktplatz, den die Deutschen als Mittelpunkt anlegten: auf ihm steht dasRatuez" (Rathaus), in de:::Burmistrz" (Bürgermeister) undRadca" (Ratsherr die Geschicke des Gemeinwesens lenken. Die Stadt war durch Krewtcze" (Kreuze) in Bezirke geteilt: Mauern mit Türmen und Gräben, über die Zugbrücken führten, schützten gegen feindliche Anstürme. D:e Straßen waren gepflastert, woran sich die Polen nur langsam gewöhnten. Auch dasSzlachtnz" (Schlachthaus), ^Browar (Brauhaus) und dieSzynk" (Schenke) waren deutsche ^"luhningen, die ihre Herkunft iwch heute in den polnischen Ausdrücken bewahrt haben. In allen Dingen der Verwaltung und Organisatwn wurden die deutschen Ansiedler vorbildlich, im Brücken- und Wegebau, wie in den Flußregulierungen, im Er­richten von Kirchen und Krankenhäusern, in der Einführung von Feuerordnungen, Don Sicherheit- und Marktpolizei. Sic grüw- deten die ersten Schulen, in denen in deutscher Sprache gelehrt wurde D:e Finanzverwaltung und Wirtschaft der deutschen Städte war so vortrefflich, daß ihnen auch die polnischen Fürsten be­sonderes Vertrauen schenkten und z. B. die Kroninsignien dem Lemberger Rute zur Aufbewahrung übergeben wurden.

Ein Sinnbild des Geistes der Ordnung, der mit de:: Deut­schen ms Land zog, ist der Umstand, daß unter ihnen die ersten! Uhrmacher tvaren und nun Turmuhren der deutschen Orte mit ihrem Hellen Schlage die Slawen z:rr Pünktlichkeit erzogen. Das Postwesen m Polen wurde zum guten Teil von Deutschen ein- genchtet: Generatpostmeister des Reick>es tvaren meist Deutsche, und für das Ueberwiegen der Deutschen in: altpolnischei: Postwesen p.^t auch das polnische Poczmistrz" (Postmtelster).Mvnomslrz" heißt Munzineister, ein Beweis dafür, daß auch Deutsche in erster Urne be: der Münzprägung und -Verwaltung tättg tvaren. Deutsche Ritter und Drenstmannen standen den polnischer: Fürsten zur Seite: un Heer sind bis ins achtzehnte Jahrhundert Deutsche in hohen Stellungen, besonders bei der Artillerie, dem Jngenieurwesen und dem Sanitätsdienst. Wiederholt wurde deutsches Fußvolk zum Schutz des Landes angeworben. In der Venvaltung des Landes stoßen wir immer wieder auf Deutsche als Vögte, Schulze:: und andere Beamte. Trrrch ihre Tättgkeit wurden die reichen Boden­schätze Polens und Galiziens erst nutzbar gemacht. So ist die Ent­wicklung des Bergbaus durch sie hauptsächlich gefördert worden. Die Bergwerksorte Bochnia und Wielicka gehöre:! zu den ersten Städten, die 1253 und 1269 deutsches Recht erhaltene unter den Beamten :rnd Arbeitern ist von Anfang an eine große Zahl Deutscher: das polnische Bergrecht hängt eng mit dem deut­schen zusammen, und auch die Sprache, dieser klare Spiegel des Kultureinflusses, weist fast für alle Bezeickmungen des Berg- und Hüttenwesens Worte deutschen Ursprungs auf. Die Ausnutzung der großen Wälder, die Einrichtung eines regen.Floßverkehrs er­folgte durch die Deutschen: deutsche Müller bilden einen eigenen Stand, der eine bevorzugte Stellung genießt und ein besonderes Müllerrecht" besitzt. Ja, selbst den Weinbau bringen die Deut­schen nach Galizien und bepflanzen in Lemberg den sonnigen Berghang unter der Burg mit Reben, die einen reichen Ertrag brachten.

Es ivar ganz natürlich, daß sich so der Handel hauptsächlich unter deutschem Einfluß in den galizischen Städten entwickelte. Die WorteHandl' undJarmarck" sind noch heute die allgemein üblichen Bezeickmungen für alle Geschäfte und Märkte, und ebenso Mid die meisten polnischen Worte für Gewichte, Waren und Aus­drücke des Handelsrechts deutschen Ursprungs. Handel und Kauf- mannsstand entwickelten sich so glänzend, daß Handiveick und Ge­werbe gegen sie zurücktreten mußten. Krakau vermittelte den Han­del mit Ungarn und den deutschen Städten, Lemberg vor allem den Verkehr nrit dem Ostern daneben bestand ein lebhafter Han­del zwisck/en den deutschen Städten Galiziens untereinander. Die Formell des Handels und die Organisatton des Marktes voll­zogen sich ganz nach dem Muster Deutschlands bis in alle Einzel­heiten. Es gab auch Kaufmannsgilden: aber den .Hauptbestand­teil der Bürgergemeinde bildeten tvie in den deutsck>en Städten >:e Handwerkszünfte: sie hatten ihre Gesetze und Ordnungen, ührten erbitterten Kanrpf gegen alle Pfuscher, dieBönhasen" und stellten beivasfnete Kompagnien zuu: Schutze der Stadt. Die außerordentlich große Anzahl von Zünften in den bedeutenderen Städten läßt darauf schließen, wie hoch entwickelt dainals die von den Deutschen eingeführten Handwerke und Gewerbe in Galizien tvaren: sie hatten den größten Einfluß auf die Kultur, und

manckie von ihnen, wie die Goldschmiede, pflegten den Kunstsinn, der sich in reichem Maße regte.

Die Kunst und Wissenschaft der Karpathenländer im Mittel- alter ist vorivieyend deutsch oder doch deiltsch beeinflußt. Beit Stoß, Peter Bischer und sein Sohn Hermann, Hans Behauch alles Nürnberger, sckmfen in Ibrakan herrliche Bildwerke: auch :n Lemberg ttaten deutsche Bildhauer und Bildgießer aus. Ihre