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,-Order vom General. Kein Pestkranker darf im Lager bleiben."

Jan alarmierte mit seinem Toben die ganze Stadt. Oberst Mercy eilte herbei, ja selbst General Aldringhen, der gerade aus Deutschland gekommen war. Es wurden Streif wachen in die Umgebung geschickt, um Jos6 Maria zu ucheu. Sie kamen wieder und ließen mit hängenden Köpfen )ie fürchterlichen Schmähreden über sich ergehen, die Jan über sie ausgoß. Am dritten Tage hielt er es nicht mehr aus. Er ritt, schwach jund bleich, auf einem hellgrauen Maul tier im Schritt davon, hinter sich einige Musketiere. Nach abermals zwei Tagen fand er Jose Maria^n einem Kar­thäuserkloster, aus einem Hügel, oicht am Po. Er schlief, als Jan in die winzige Zelle eintrat. Der dienende Bruder hatte ihn beruhigt. Nein, der Kranke hatte nie die Pest gehabt. Nur das Fieber. Landleute hatten ihn aufgelesen und hierher gebracht.

Da saß nun Jan, sehr glücklich und ruhig. Er sah in des Freundes klares und blasses Gesicht, mit der stolzen Nase und der adligen Stirn. lieber ihm, an der kahlen Wand hing ein großes Kreuz. Zlvischen den durchstochenen Füßen des Heilands und dem Holz der Marter stak ein Büschelchen von aelben Primeln. Ach, ja, der Frühling kam. Er wehte durch das offene Spitzbogenfenster hinein. So weit Jan sehen konnte, draußen im Land, war feilte Spur des Krieges. In dem späten Tageslicht §og der mäch­tige Strom spiegelglatt und goldglänzend seine königliche Bahn. Ein Schwarm weißer Tauben zog eilige Kreise um das Kloster. Er kehrte immer wieder, mit schwebenden Flügeln, die beim Wenden rosig schimmerten. Eine ganz kindliche Glocke begann zu tönen. Der Angelus, ja/ der Angelus. Und jetzt sang tief in den Mauern ein ernster Chor in einer starken einfachen Melodie, die sich kaum bewegte. Der Angelus. Gott ja, ich verrotteter Kriegs­kamerad, dachte Jan. Ich verkommener Hund. Und er faltete

die Hände und begann zu beten:Der Engel des Herrn_"

Aber in seine Worte mischte sich eine andere Stimme. Herrgott! Jose Maria! Wahrhaftig, da lächelten ihn die Augen des Freundes an. Er wollte rufen. Aber Jos6 Maria, freilich mit einem ganz leisen Beben in der Stimme, betete halblaut weiter, die Augen fest aus Jan gerichtet, und Jan gehorchte, Jan betete mit, und erst als sie dasAmen" aus den Lippen hatten, lagen sie sich in den Armen.

,/) Jos6 Maria!"

,T) Jan!"

Die Glocke klang immer noch.

Im März des Jahres 1630 stießen zum kaiserlichen Heer frische Regimenter. General Collalto wurde abberufen Und an seiner Stelle erhielt General Aldrinahen den Ober­befehl. Sofort kam frischer und heiterer Geist in die Trup­pen. Der Generalissimus zog mit strahlenden Augen von Quartier zu Quartier. Und überall int Lager hörte man sein dröhnendes Lachen, das so aus dem Grunde des Herzens kam, so daß der Griesgrämigste bei seinem Klang lächeln mutzte. Ende April brachen die Regimenter aus. Sie zogen rasch und in guter Ordnung aus Mantua ,und umklammer- ten es zum zweitenmal, jetzt mit eisernen Armen, die nicht mehr locker ließen. Ein nicht abbrechender gewaltiger Don­ner schlug über Mantua zusammen, und es konnten kaum so viel Kugeln und Bomben herangeschafft werden als die großen Kanonen verschossen.

Es kamen höllenbittere Tage über die Stadt Die Mantuaner behaupteten, daß die Juden das von den kaiserlichen Truppen zurückgelassene Gerät, das verpestete nach Mantua geschleppt hätten. Jedenfalls war plötzlich die Seuche in der Stadt, und so viel herzogliche Krieger auch von den Kugeln der Kaiserlichen getötet wurden: die Pest würgte schneller. Es kam vor, daß die Menschen auf der Straße umfielen und in wüsten Krämpfen endeten. In so aroßen Massen starben die Menschen, daß man nicht mehr daran dachte, sie zu begraben. Die Soldaten des Kaisers sahen in hellen Nächten unübersehbare Züge von Karren am mantuanischen Ufer erscheinen und ihre Last von Pest- letchen in den Mincio schütten. Die Toten trieben in der schleichenden Strömung langsam davon und blieben in den Sümpfen im Ritcken des Heeres hängen. Wer sich in jene Geaend wagte, sah die weiten und toten Wasserflächen nicht

n \ ßa ? b ^wachsen zu sein. Aber

dieses Land waren zusamniengedrängte Massen ungeheuer

aufgetriebener Bäuche und schwarzblauer Gesichter, die mit offenen Augen den Himmel angrinsten.

Von den Beobachtungstürmen, die man auf den Be- lagerungswätlen errichtet hatte, sahen die Kaiserlichen in die Straßen der Stadt. An jedem Tag durchzog die Pro­zession mit dem Sakrament die verödeten Quartiere, und zuweilen trug der Wind abgerissene Stücke aus wilden und düsteren Klage- und Bittgesängen herüber.

Oder es entstand ein Tumult. Man sah regellose, Haufen von Männern und Weibern, die mit rasender Schnelligkeit durch die Straßen eilten, Menschen aus düste­ren Gebäuden schleppten und sie mit dem Kopf nach unten an die großen Haustore nagelten. Das waren Juden, an denen man sich rächte. Zutoeilen auch brachen brüllende Scharen von Soldaten aus den Aussalltoren und warfen sich auf die Kaiserlichen. Eines Nachts drangen sie bis vor das Quartier des Generalissimus,-der mit seinen Offizieren beim Becher saß, und in jener Nacht war es, daß Jose Maria wieder einmal einen Degen in die Faust nahm und in seiner kühlen Art, ohne einen Tropfen Schweiß zu ver­lieren, ein Dutzend Soldaten abtat. Er bildete den Kern des Widerstandes, der die allmählich herbeieilenden Sol­daten anzyg, daß sie sich um ihn scharten und den Ausfall zurückschlugen.

Jan, der au jenem Abend bei Mdringhen war, suchte bei solchen Kämpfen immer nur den einen: Durante, wenn er auch sonst nicht gerade wählerisch war und nebenbei jeden ab tat, der ihm in den Weg kam.

Ich bin nicht hochmütig," lachte er,jeder Soldat will sein gutes Recht."

Jan lag mit seinein Kornett noch immer in und um den zerbrochenen Brückenkopf von San Giorgio. Er sah hundertmal des Tages nach der Stadt hinüber, ob die kaiserlichen Kanonen noch immer nicht Bresche geschossen hätten. Ihm bangte nur davor, daß die Mantuaner den Platz übergeben würden, ehe es zu einem regelrechten Sturm kam; dann entging ihm der Franzose wieder.

Da die mantuanischen Truppen sich die mondlosen Nächte für ihre Ausfälle aussuchten, machte sich Jan an einem Juniabend, der finster und regnerisch war, auf. um seine Posten entlang des Flusses zu revidieren. Der Feind pflegte lautlos auf großen Kähnen in einer breiten Reihe, aus dem Dunkel heraus, dicht am kaiserlichen Lager zu erscheinen und Jan hatte deshalb angeordnet, daß kleine Kähne mit wenig Soldaten die Nächte hindurch in der Mitte des stillen Flusses kreuzen sollten. An diesem Abend sprang er selbst in einen der Kähne und ließ sich in die Finsternis hi'nausrudern. Die zwei Soldaten tauchten nur zuweilen leise die Ruder ein, um in der matten Strömung in gleicher Höhe mit dem kaiser­lichen Lager zu bleiben, und Jan stand an der Spitze des Kahnes und starrte dorthin, wo die Stadt lag.

Es war sehr still. Nur der Regen machte mit gleich­mäßig fallenden Tropfen ein eintöniges Geräusch. Zuweilen krachte auf einem der Ufer ein Schuß und eine funken- sprühende, heulende Bombe zog einen feurigen Bogen über dem Strom. Für Augenblicke blitzte dann das Wasser im Wi­derschein auf. Einmal war es Jan, als sähe er nach der Stadt zu einen langen schwarzen Körper auf dem Wasser schwim­men. Er gab seinen Soldaten die Richtung an und fuhr vor­sichtig los. Da tauchte plötzlich dicht vor dem seinen ein Boot auf, eine gedämpfte Simme ries:Nicht schießen", und dann lagen die Boote ilebeneinander.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsche Kulturarbeit in Galizien.

Aus der Geschichte des Deutschtums in den Karpathenländern. Von Dr. Georg Kuhn.

m Galizien, in den Karpathen und in der Bukowina siegreich die «moskowitische Flut zurückdrängen und vertreiben, kämpfen'in diesen polnischen und slavischen Gegenden nicht nur in einem höheren Sinn für deutsche Krütur und deutsches Wesen, sondern auch im eigentlichen Verstände denn in all diesen Ländern sind deutsche Ansiedlungen zu verschiedenen Zeiten entstanden, haben deut che Gesittung und deutsches Recht ihre segensreiche Wirkung entfaltet und deutsche unverwischbare Spuren bis auf den heutigen Tag hinterlassen Dies wenig bekannte und doch so ruhmvolle Kapitel aus der Geschichte des Deutschtums im Auslaiide hat der Czerno- witzer Professor Raimund Friedrich Küindl in einem großen grundlegenden Werke behandelt, und es ich gerade jetzt interessant