duck schulentlassenen Töchter gebildeter Stünde, wie sie die Garten- bauarbeü im Rahmen der Schule bieten kann, finden wir fast nirgend-. Es mutz aber unbedingt mehr für die Gesundheit als duch für die Erweckung der lebendigen Anteilnahme unserer weiblichen Jugend getan werden. Wir wollen kräftige, widerstandsfähige Frauen haben; wir wollen ferner Menschenfinder unserer Erziehung entwachsen sehen, die, obgleich dem leider oft mit Recht verspotteten schwachen Geschlecht angehörend, dennoch mit fiarer Ueberleaung und offenen Auges, selbständig oder als ebenbttrfiger Kamerad des zukünsfigen Gatten, durchs Leben gehen können.
Zur Stählung des weiblichen Körpers, wie auch zur Heran bildung eines fiaren Blickes und einer vertieften Anteilnahme cm allem, was unsere Umgebung ausmacht, trägt in nicht geringem Maße die Gartenbauarbeit bei.
Ihre naturgemäße Forderung ist die fortwährend wechselnde 'Körperbewegung, durch die jeder Muskel in Tätigkeit versetzt wird. Die oft einseitige Inanspruchnahme der Körperkräfte, wie man sie bei manchen Arten von Sport antrifft, wird hierbei ausgeschaltet. Bücken, Kauern, die verschiedensten Arm- und Beinbewegungen, Heben, Tragen, Springen, all dies wechselt ganz von selbst miteinander ab. Daß die hierdurch wieder notwendig gewordene sach gemäße lose Kleidung, die selbstverständlich das in den Entwick lungsjahren so überaus schädliche Korsett ausschließt, zum Gedeihen des jugendlichen Körpers beiträgt, braucht wohl nicht besonders erwähnt werden. Eine wohltuende Müdigkeit und infolgedessen ein erquickender Schlaf sind die unmittelbaren Folgen der Gartenarbeit; nicht darf aber auch der rege Appetit nach solchen Anstrengungen vergessen werden. Ein tüchtiges, sogar trockenes Stück Brot mundet dann besser als die feinsten Leckerbissen, mit denen unsere oft an Unlust zum Essen leidenden jungen Mädchen verzärtelt werden und die doch anerkanntermaßen der Entwicklung des Körpers fast gar nicht dienen, wenn sie derselben nicht sogar schaden. Der leider bei den Städterinnen so häufig anzutreffenden Bleichsucht wird hierdurch wirksam ent gegen gesteuert. Ern weiterer, nicht hoch genug einzuschätzender Faktor ist auch der regelmäßige Aufenthalt in frischer, gesunder Luft. Mit geröteten Wangen kehren die fleißigen Gartenarbeiterinnen heim und erfreuen ihre Mitmenschen schon allein durch ihr gesundes, blühendes Aussehen, das Vorrecht der Juaend.
Welche Bedeutung der Gartenbauunterricht für die wissenschaftliche und hauswirtschaftliche Bildung unserer Mädchen hat, braucht wohl nicht eingehender erörtert werden. Viele sehr oft wohl dem Namen nach gekannte Pflanzen müssen gründlicher studiert werden; Lebensbedingungen, Pflege, Wachstum, Ernte der Gartenpflanzen und ihr Nutzen für den Haushalt werden jeder Schülerin durch eigene Anschauung und Arbeit bekannt. Auch das Gebiet der Tierkunde wird durch diesen Unterricht berührt, denn eine kluge Gärtnerin muß selbstverständlich auch die vielen ihren Pfleglingen schädlichen Tiere kennen, über ihre Bekämpfung und Vernichtung genügend Bescheid wissen und dieses. Wissen praktisch anzuwenden verstehen.
Der Gartenbauunterricht gibt aber auch den Erziehern Gelegenheit, ihre wichtigste Pflicht gegenüber der ihr anvertrauten Jugend zu erfüllen: Erziehung zur Freude an der Arbeit. Dies Zwingendste Gebot für Eltern und Lehrern wird leider so oft unter dem Druck der Alltäglichkeit vergessen, leider aber auch zurveilen selbst in den Schulen. Die Mädchen lernen teilweise nur aus Pflichtgefühl oder aus Furcht vor Strafe; viele unserer Backfische kann der rein wissenschaftliche Unterricht nicht fesseln und befriedigen; sie sehnen sich nach praktischer Arbeit. Diese wird ihnen beini Gartenbau geboten. Mit Ungeduld erwarten sie die Stunde, wo es binausgeht in den Garten, wo sie graben, säen und pflanzen dürfen, wo sie die Früchte ihrer eigenen Hände Arbeit und Geschick beranreifen sehen und ernten können. Mit leuchtenden Augenl betrachten sie den offenbaren Erfolg; etwas, ich möchte saaen. Lebendes verlangt ihre Sorge und Mühe und zeigt sich danwar da- mr. Mit welchem Jubel Selbstgezoaenes begrüßt wird, wie keine Arbeit gescheut wird, die kleinen Pflänzchen zu prachtvoNem Gedeihen zu bringen — das haben wohl alle diejenigen an sich selbst erfahren, die schon einmal ein Blumenbeet oder aar einen Teck der GemüseanPflanzung ihr Eigen nannten. Freude, an der Arbeit, sogar an der zuweilen mühsamen und ermüdenden — hier finden wir sie?
Wenn so unsere jungen Mädchen tagtäglich sich mit den wunderbaren Gebilden der Schöpfung beschäffigen können, dann wird in ihrem Herzen auch die Liebe zur Natur erzeugt. Woran sie früher oft achtlos vorbeigingen, was sie in ihrem Werte gar nickst zu schätzen verstanden, durch den Gartenbauunterricht wrtt> ihr Mae sehend und ihre Seele erfüllt von Bewunderung und Andacht vor so vieler Schönheit. Die Religiosität muß in unserem Volke neu erweckt werden, die Frauen müssen ihre Hüterin sein. Zu dieser Charakterbildung beitragen kann der Gartenbauunterricht infolge der durch ihn gepflegten engen, tiefinnerlichen Fuhüing mit dev Natur.
D^s Ergebnis dieser Betrachtungen und ihr Schluß auf prak- sche Nutzanwendung fasse ich nun kurz in folgenden Worten zu- .nrmen: Wegen seiner großen Bedeutuirg für die Gesundheit, für leist und Gemüt der Heranwachsenden weiblichen Jugend darf der lartenbcnmnterricht im Lehrplan unserer modernen Mädchen* len nicht mehr fehlen.
An und hinter der französischen 8ront in Zlandern.
Schilderungen eines holländischen Kriegsberichterstatters.
Von Amiens aus ist in den letzten Februartagen eine größere Anzahl von Kriegsberichterstattern an die französische Front gegangen, darunter auch ein Holländer, der jetzt über seine Erlebnisse dem Nieuwe Rotterdamsche Courant" einen fesselnden Bericht schickt. Die Kriegsberichterstatter wurden in zwei Gruppen geteilt, deren eine die Neutralen, die andere nur Untertanen der Verbündeten enthielt. Nachdem der Holländer eine kurze Spanne fteier Zeit vor dem Aufbruche zur Besichtigung der Kathedrale von Amiens verwandt hatte, ging die Reise in fünf Automobilen der Front entgegen. „Es ist eine eintönige Landschaft —" schildert der Holländer. „Wir nähern uns Flandern. Am Horizont eine wehmütige Erinnerung an unser Land. Eine Windmühle ragt über die Bäume empor. Sie ist in der Mitte eingeschnürt, trägt wkett einen weißen Kragen um den Hals und winkt uirs uiraus- hötlich mit den Armen zu. Gegen Abend kommen wir nach . . emer alten Stadt, wo die Verproviantierunasstelle des Heeresl ihren Sitz bat, das wir besuchen wollen. In dem alten Gasthofe, wo wir absteigen und wohin wir jeder: Tag zurücKehren soffen, ist eine Gruppe ftanzösischer und englischer Offiziere einquarfiert. Unsere Ankunft löst ein ziemliches Aussehen und sparsame Sympathie filndgebungen aus . . . Am nächsten Tage: ein Zug von sechs Autos fährt uns am frühen Morgen von . . . nach . . - dem Hauptquartiere des Generals de Maud'huy. Der Weg senkt sich in ein Tal und steigt dann plötzlich aus den Hügelkamm. Es hat nachts geschneit und gereift, die Sonne bescheint das Land und läßt tausend Kristalle in den Bäumen glitzern. Das Auge folgt den Linien der Felder, der Weiden, Brachen, der kleineu Gehölze, die alle mit einem feinen Reif bedeckt sind: irgendwo geht ein einsamer Pflug im Felde. In der Ferne heben sich die roter: Dachflächen eines Hauses von der violett schimmernden Erde ab. Große Kruzifixe säumen der: Weg, schmerzvoll sieht ein Heiland zum Himmel. Drei Raben sitzen aus seiner Schulter, und krächzend komntt aus dem Westen ein ganzer Schwarm der schwarzen Vögel, um seine Gefährten nach den Schlachtfeldern mitzunehmen. Im Tal stößt ein Schornstein Rauchwolken aus, beladene Züge verkclzren von der Front und nach der Front, die nicht mehr fern ist. In dem Stcüstchen, wo das Hauptquartier untergebracht ist, herrscht reges Kcmrmen von Automobilen und Wagen. Aul dem Marktplatze fegen deutsche Kriegsgefangene den Schnee beiseite. Ein paar Sttahenjungen werfen mit Schneebäffen nack) ihnen und werden durch drohende Bewegungen oder kräftige deutsche Flüche in die Flucht gejagt. Dann beffagen sich die Sttaßenjungen darüber, waS die Deutschen für „Hammes möchantS" sind . . Un
serem Zuge haben sich drei Offiziere vom Stabe des Generals de Maud'huy angeschlossen. Wir warten in einem ffeinen Raume, dessen Wände mit riesigen Karten des umgebenden Gebietes bedeckt sind, auf denen affe Laufgräben, auch die des Feindes an* gegeben sind. Man hat sie auf Grund von Fliegerphotographien eingezeichnet. Plötzlich wird die Türe geöffnet. Ich höre ein« Stimme rufen: General de Maud'huy und ein nicht großer, lebhafter, noch fast jugendlicher Mann mit ergrauendem Haare kommt herein. Er begrüßt uns und versichert uns, daß er uns, soweit es irgend möglich ist. daS Frontgebiet zeigen lassen nrirb. Er hat ein freundliches Gesicht mit hellen, energischen Augen, ist sparsam mit Gebärden und höflich tm Ausdruck: er stammt vom bre- tontschen Landadel, und seine Vorfahren sind Seeleute gewesen Wal-rend des Krieges ist er vom Divisionsgeneral zu seiner jetzigen Stellung aufgerückt .... Wir besteigen wieder die Autos, die uns an die Front bringen werden. Gestern hat man durchblicken lassen, daß man uns vieffeicht in das Dort C. führen wird, das dadurch merkwürdig ist, daß ein Teil von französischen, der andere von deutschen Truppen besetzt ist. Man führt uns auf eine interessante Höhe, die eine strategisch b^eut- same Uebersicht gestattet, abgesehen von dem prächfigen Anblick der Landschaft. Die Autos machen Halt, und zu Fuß gehen wir auf einem Seitenwege nach dem Hügelkamm. Bor uns erstreckt sich das ebene flandrische Land, ohne Furche oder Falte; hinter uns liegt das anmutige Hügelland von Artois. Seit dem Oktober hält das französische Heer diesen Hügelkamm besetzt, während die Deutschen sich weiter weg in der Tiefe eingegraben haben. Links steht ein großer gelber Fesselballon am Himmel und bald steigt ein zweiter in unserer Nabe auf; rechts in der Ferne hängt ein deutscher Ballon in der Luft, und ganz rveit weg hört man das Geschütz. Hier ist alles ruhig, nur das Gerassel eines Maschinengewehrs unterbricht manchmal die Stille. Wir sind in der Nähe des Waldes von Bouvigny, rechts vor uns ist die Kavelle von Notre Dame de Lorette, die von beiden Seiten abwechselnd beschossen, genommen, aufgegeben und wieder genommen ist. Rechts sieht man das Dorf Earency, auf das während eines einzigen Tages die französischen Batterien eine unerhört große Anzahl von Geschossen geschleudert haben; seit dem Beginne des Krieges war ein solcher Geschützdonner noch nicht da. Aus der Ferne hört man das Geknatter der Maschinengewehre. Das Tempo ändert sich, denn die Ueberlegen- beit (?) des französischen Maschinengewehrs beruht gerade darauf, daß die Schnelligkeit der Schüsse willkürlich geändert werden kann. Pie interessanteste Art des Gebrauches, die man hiervon macht, ist.


