„eine wie heilsame Arznei der Wein ist," denn in der Sünd- flut des herben, feurigen, roten Weins ertrank das Fieber.
Der Abb6 zuckte verächtlich die Schultern.
„Erzähl deine Neuigkeit Troßknechten. Dummer Jan, mit HUtem Wein kannst du Sterbende wieder gesund machen, das ist eine alte Regel. Vorausgesetzt, daß man die Arznei nicht zu kärglich gibt."
An den goldenen Hängen des Comer Sees vorbei, der mit weichen, purpurblauen Wellen die bekränzten Gestade schlug, ergoß sich das Heer, breitete in der Ebene sich fächerförmig aus und umschloß mit eisernen Armen die Festungen Gozzolo, Borgosorte und Governolo.
Im Lager von Governolo lachte Jose Maria Jan aus, denn die Hauptmasse des französischen Heeres war längst davon und nur kleine Abteilungen, mit venezianischen Hilssvölkern vermischt, streiften im Lande.
Jan war vier Tage vor Wut krank. Als er wieder in den Sattel stieg, war sein Gesicht verzerrt. Er konnte vor Zorn kaum sprechen.
>,Jeder Franzose, der mir vor die Klinge kommt . . .", aber er schluckte nur ein paarmal und schüttelte die Faust.
Und indessen die kaiserlichen Kanonen Governolo zerschossen, daß es aussah, als habe ein Erdbeben seine Häuser und Tiirme durcheinander geschüttelt, ritt Jan auf die Streife und sing keinen Franzosen, den er nicht an der nächsten Ulme aufhängen ließ, wo der arme Schächer mitten in den Weingirlanden hinch die von Baum zu Baum sich schwangen und starr, mit verdrehten Augen aus die purpurdunklen Trauben sah, die über ihm hingen.
Jan fegte umher wie ein böses Wetter. Er setzte über den Oglio und trug den Schrecken bis nach Cremona. Nach einem wilden Ritt rastete er eines Abends in der Dämmerung am Wegrande. Er ließ eine Kalvakade anhalten, die des Weges kam. Ein guter Paß wurde ihm präsentiert, der auf den Namen eines Edelmannes namens Justino lautete und er gab den Weg frei. Plötzlich glaubte er in der Dämmerung ein Gesicht zu sehen, ein Gesicht...!
„Halt!" schrie er.
Die galoppierten davon.
„Schießt! Kerls schießt!" rief Jan seinen Soldaten zu und war mit drei Sätzen bei seinem Gaul.
Ein paar Schüsse krachten in die Dunkelheit hinein, noch ein paar. Jan stob den Kugeln nach. Einige hundert Schritt weiter lagen zwei am Boden. Er sprang ab. Sie hatten Kugeln im Rücken. Der eine war tot, der andere keuchte schwer mit weitaufgerissenen Augen.
„Mensch!" schrie Jan und schüttelte ihn, „wie hieß der Edelmann?!"
.^^^Erwundete sah ihn an und bäumte sich und stieß um sich. Blut quoll ihm aus dem Mund.
„Den Namen! Den Namen!"
„Durante," stöhnte er und streckte sich und lag still.
Jan sah sich um. Seine Leute stießen nach und nach zu chm auf müden Gäulen. Sie schienen auf dem weißen Min- cwnebel zu schwimmen, wie Gespenster. Hatte der Kerl, der zu leinen Füßen erkaltete, wirklich „Durante" gesagt oder hatten ihn Geister gerufen in dieser erdfremden Stunde?
Durante! Nein, nein er war's. Es war Durante Er hatte es gesehen, sein gelbes hageres Gesicht mit den großen Augen. Und plötzlich erschien Jan das Leben noch eins so schön. Er lachte aus seinen Gedanken heraus und schlug seinen Wachtmeister auf die Schulter:
„Ins nächste Gasthaus! Heut ist Festtag, grad fäll, mir s ein. Wir wollen feiern." —
Nach acht Tagen fiel Governolo. Die kaiserlichen Bölkei schlugen ziver ungeheure Halbkreise um Mantua, die sich gegeneinander schoben und sich eines Morgens bei den Händer faßten wie Mädchen beim Rundtanz. Oh, welch ein schöne, Tanz wurde das! Seine Musik war das unaufhörlichc Krachen und Donnern der kleinen und großen Geschütze, in das d,e Musketen eifrig und vorlaut hineinknatterten. Mer- cy s Regiment griff zusammen mit den Regimentern Sulz und Penner die Vorstadt San Giorgio an, und bei diesem Kampf, der von derMorgenfrühe bis gegei, Abend dauerte war tß wo Jan nicht weit vor sich im Gewühl Durante sap Da rühmte er nch m den Bügel aus, legte die Hände an den Mund und r,ef:
„Guten Tag, Herr Durante!"
. Und sah ihn über die Köpfe der Kämpfenden hinweg Degen nach Jan hinüber. In der engen Vorstadtgasse konnte Jan nicht an ihn kommen, er hatte ihn
durch Stunden inkmer im Gesicht, aber er kam ihm nicht näher. Am Abend zogen die Mantuaner sich hinter den Brückenkopf von San Giorgio zurück und seine Kanonen feuerten noch, als es schon völlig finster war.
Am andern Morgen ritt General Collalto die Stellungen ab, hinter sich Oberst Mercy, der die Vorpostew- stellungen hielt, und Jan. Coltalto sah auf seine Geburts- ftadt mit kühlem, hochmütigem Gesicht. Er hielt sein Roß an: „Achtet auf meine Worte: Gradaus der Brückenkopf. Kann flankiert werden. In einer Woche fällt er. Dahinten die Giorgio-Brücke. Eure Aufgabe zuerst ist, zu verhindern, daß sie gesprengt wird. Daher: Nachdrängen sobald die Besatzung im Brückenkopf losläßt. Dann habt ihr links der Brücke am jenseitigen Ufer den Boloardo. Niedrige Mauern. Rechts das (ürstello di Corte." (Das letzte sagte er mit erhobener Stimme.) „Nur mit Sturmgerät zu erobern. Tie Dippel ist Sant Andrea; daneben, spitz, der Glockenturm."
Und er hielt noch einen Augenblick und sah spähend nach seiner Vaterstadt hinüber, die in der silbernen Herbstsonne mit ihrem Reichtum an Türmen sich erhob. Dann gab er das Schußfeld für die Geschütze frei uno auf eine Handbewegung krachten die mit Vollkugeln geladenen Stücke gegen den Brückenkopf.
Die herzoglichen Garden, dre den Brückenkopf hielten, wehrten sich wie Wölfe. Es verging kein Tag, an dem sie nicht mit Ungestüm ausfielen. Jan ließ sich die wenigen Gefangenen, die die Oesterreicher machten, vorführen, und er wurde nicht müde, nach Durante zu fragen. So erfuhr er, daß dieser Herr nach dem Befehl des Herrn Kardinals Ri- chelieu sich nach Mantua geworfen hatte, um die Verteidigung zu leiten. Er führte den Titel Oberst und seine Soldaten klebten ihm an den Fersen.
„Ich muß ihn haben!" knurrte er. „Zackerbombenuird- flöh!"
Er drängte sich nach vorn, sobald das Musketenknattern einen neuen Llusfall verkündigte. Und immer wieder kehrte er niedergeschlagen in sein Quartier zurück, ein zerschossenes Haus, das die Musketiere mit Binsenmatten gedeckt hatten und sagte zu Jos6 Maria:
^,Er ist wie der Teufel. Alle Welt redet von ihm und keiner kriegt ihn unter die Fäuste."
Einmal war er ihm näher wie sonst.
„Hierher Durante!" rief er.
Ter lachte höhnisch und richtete die Pistole auf ihn.
„Feiger Marodeur!" schrie Jan. „Degen heraus!"
Ta krachte der Schuß. Jan warf sich blitzschnell hinter den Hals seines Pferdes. Der Gaul zuckte zusammen und schnob Blut. Jan richtete sich wieder hoch und rief:
„Eine Heldentat für einen Obersten! Pferde töten! Kein Wunder, Euch hat ein Walfisch zum Obersten gemacht!"
„Krach," sagte die zweite Pistole. Und „vorbei" rief Jan. Sein Pferd strauchelte, er riß es empor.
„Du bist hoch gestiegen, Herr Oberst! Ich werde dich bald nach Höher steigen lassen!"
Und er machte die Gebärde des Hängens. Aber da knickte sein Pferd mit den Vorderbeinen ein und stürzte hin. Jan griff im Getümmel einen ledigen Gaul, aber als er hoch war, zogen die Mantuaner schon wieder in den Brückenkopf.
(Fortsetzung folgt.)
vle vedeutung des Garlenbauunterrichts für die weibliche Jugend.
Von Frau Ully Pfältzer, Lehrerin am Gießener Pädagogium'.
Bedeutende Führer und Fübrerinnen der modernen Jugendbewegung haben schon lange auf die außerordentliche Bedeutung des Gartenbauunterrichts hingewiesen. In verschiedenen Landerz l eh u n As ([einten, sehr selten aber in höheren Schulen unserer Städte, sind iene Ermahnungen zur Tat umgesetzt worden und der Segen dieser frisch-fröhlichen Arbeit klar zu erkennen. Doch ist leider der Allgemeinheit die Notwendigkeit solcher Einrichtung noch nicht bekannt, notwendig und von allergrößtem Werte sowohl für die Gesundheit als auch für die Gesamtbildung unserer Jugend Ich möchte mich in folgenden Ausführungen nun hauptsächlich für unsere imigen Mädchen verwenden, für die zwar schon vi3 Atlant, — ich erinnere an die verschiedenen Kongresse und die häufigen Versammlungen von Lehrerinnen und Jugendpslege- rinnen —, aber doch noch herzlich wenig getan wurde. Wir finden -war hier und dort Wandervo^elgruppen für Mädchen und Pfad- finderinnenabteilungen, doch eme durchgreifende, streng geregelte. Tag für Tag festgesetzte körperliche BMtgung der schüpflichtigen A


