Jan von Werth.
Roman aus dem Dreißigjährigen Kriggfl von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
cut. "f >C r 11 Kavalier," klang die helle Stimme neben ihm.
"nÄ. r hochwürdigsten Herrn General der Jesuiten
nicht begrüßt?"
„Handkuß, nicht wahr?"
„Es ist Sitte so."
v sagte Jan und küßte ihre Hand. „Euch geb«
ich den Kuß lreber, straf mich Gott!"
Sie zog errötend die Hand an sich. Jan geriet immer mehr in Feuer. Er war sehr laut, als er sagte:
„Der Kurfürst von Bayern hat gesagt, wenn ein Jesuit und ein Engel in sein Gemach träten, so würde er erst den Jesutten grüßen und dann den Engel. Ich küsse erst den Engel und überlasse gegen diesen einen Engel..
„Nicht doch!"
rv P ,''® e .? en diesen einen Engel lasse ich dem Kurfürsten alte Jesuiten!"
Hinter der Minerva hatte eine Gruppe von Herren sich laut unterhalten. Plötzlich schwiegen alle, Jan drehte sich um und sah kalte und feindliche Blicke auf sich gerichtet. In .r Mitte, der kleine, magere Herr mit deni eingefallenen sketengesicht und ergrauten Bart fragte sehr laut:
„Wer ist das?"
«v r,®' da war ja auch der Jesuitengeneral und, wahrhaftig, Joso Maria...
^Kurfürstliche Gnaden, irgend ein Feldsoldat von schlechten Manieren!"
„Mein Freund, Kurfürstliche Gnaden," sagte Jose Ma- ria sehr bestimmt. „Der Rittmeister Werth, der in Flandern viel Fortun gehabt."
>,Jhr habt nette Freunde," sagte der Kurfürst mit einer harten, eiksalten Stimme.
„Keinen besseren als diesen, Gnaden Herr Kurfürst."
Jans Dame war aufgestanden. Er selbst wußte nicht, was zu tun. Da schmetterten die Trompeten.
„Zur Tafel," sagte der Kurfürst und schnitt dem Abbs das Wort ab.
langsam leerte sich die Galerie. Zwei Kanonici in violetten Mäntelchen waren die letzten. Einer streichelte, offenbar gedankenlos, im Vorbeigehen das runde Knie der Minerva.
,^Jhr müßt mich für einen Feigling halten," sagte Jan. „Ich kann den Kurfürsten nicht fordern. Aber jener Herr mit dem Jungferngesicht, der von einem Feldsoldat mit schlechten Manieren sprach, soll mir stehen, so wahr ich Jan heiße."
„Wenn Ihr mich zu meinem Vater führen wollt?"
Kan sah an der langen Tafel noch zwei.Plätze frei. Er
steuerte darauf zu und seine Schöne folgte ihm auch, wenn schon ein wenig widerstrebend.
Jan hatte zur Linken eine reife Dame, die fortwährend laut lachte, und deren Busen bei jedem Lachen Wellen schlug. Abenteuerliche Gerichte wurden ausgetragen; Gerichte, die Jan sein Tag nicht gesehen hatte: Pasteten in Form von Galeeren mit Kanonen aus Butter, gebratene Hasen, die Männchen machten, ungeheure Trappen, die die ganze Breite des Tischs bedeckten, geräucherte Ferkel auf ihren vier Beinen stehend und mit Wurstmasse gefüllt. Jan hielt fick zunächst an den Wein. Und als die warme behagliche, aber lebendige Ruhe über ihn kam, die er so sehr liebte, wandte er sich wieder tzu seiner Dame und sagie lächelnd:
„Der Feldsoldat ohne Manieren wird Euch morgen den Schnurrbart seines Beleidigers senden. Ihr könnt Euch ein Kettlein draus flechten lassen und es zu meinem Andenken tragen."
„Ich fürchte mich vor Euch. Wollt Ihr ihn wirklich fordern?"
„Könntet Ihr mich achten, wenn ich es versäumtes
,Lhr treibt ein häßlich Handwerk, Herr Kavalier."
„Ich gebe es aus, wenn es Euch mißfällt."
„Wirklich?" rief sie und schlug die Augen zu ihm auf.
„Ich werde bei einem Krämer in die Lehre gehen, wenn ich dafür mein Leben lang in Eure Augen sehen darf."
„Ach und morgen reitet Ihr davon und denkt nie mehr an Regensburg."
Die üppige Dame neben Jan lachte über irgend einen Scherz laut heraus.
„Wenn sie übersließt," flüsterte er seinem Fräulein zu, „ertrinken wir alle."
Sie hatte am Wein genippt und kicherte.
,/Oh, Herr Jan, Ihr seid ein Schlimmer!"
„Jungfrau Agnes..sagte Jan und rückte näher.
Schrägüber saß Jose Maria, weiter abwärts Spinola mit den Generälen. Am Kopfende auf einem gewaltigen Stuhl, in den: er zusammensank, der Kurfürst.
„Ihr müßt zugeben," sagte Spinola, „daß es das schwerste ist, den Feind, der davon will, zu fassen."
Aldringhen rief:
„Marschieren ist die Hauptsache, sagt Gras Wallenstein. Wer am längsten marschieren kann, gewinnt."
„General Tilly meint immer: der Krieg werde nicht mit Kanonen gewonnen, sondern mit dem Kops. Ein Feldzug sei wie ein Schachspiel."
„Dein Wohl!" ries Mercy dazwischen lind trank Spinola zu. —
„Jungfer Agnes, Ihr kränkt mich. Ich kann mir schon jetzt eine Zeit denken, wo es mir verlockend erscheinen würde, fortan in Regensburg 51t leben."
„Wenn Ihr alt seid, Herr Jan, blessiert und marode. Ihr habt unruhige Allgen. Ich glaube Euch nicht


