Ausgabe 
15.3.1915
 
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dir und einer guten Flasche Wein zn Hause verbringen $u können. Aber da du ans das Rathaus gehst, so gehe ich mit, damit du meine Freundschaft siehst. Der hochwürdigste Herr Jesuitengeneral Pater Lamormain hat mich dringend auf­gefordert zu kommen. Also gehen wir."

Jan setzte wortlos den Hut aus und ging mit. Als sie schon das Rathaus in Sicht hatten, nahm er den Abb6 plötz­lich am Arm und sagte:

Du, Jos6 Maria, wenn wir umkehren »vollen...?"

Nein, jetzt komm!"

Und Jos6 Maria zog den Freund nicht unerheblich scharf am Ohr und sagte:

Dummer Jan!"

Sie konnten passieren, als sie ihre Namen nannten und liefen gerade Spinola in den Weg. Er begrüßte auch Jos6 Maria freundlich und bat. ihm zu verzeihen, wenn er ihm seinen Freund gleich entführe. Aber er »volle ihn einigen Herren empfehlen, und das müsse inan sofort tun, sonst, nach dem Mahl pflege das Gedächtnis schrvach zu »verden, und er wolle Jan nicht der Gefahr aussetzen, vergessen zu »verden.

So führte er Jan zu einer kleinen Gruppe, in der es von Ehrenkelten blitzte.

Mcrch", rief er,hast du »»och ein Kornett frei? Hier ist Herr von Werth, dessen Dienste in Flandern ich nicht ver­aessen habe. Er geht draus »vic ein Eber. Kannst ihn krauchen!"

Kommt morgen i»l mein Quartier," sagte der Oberst von Mercy.

Und wenn Ihr, Herr Aldringhen," wendete Spinola sich an einen z»veiten,ein wenig auf diesen Jüngling acht­haben wollt? Denn zweifellos werdet Ihr Generalissimus in Italien. Ihr könnt ihin getrost ei»» Streiskorps geben, und er »vird Euch Wunder zeigen."

Gern," sagte Aldringhen.Aber Ge»»eralissimus? Herr Kamerad, dazu kann man »nich nicht gebrauchen."

Bei Euren Meriten ?"

Meriten hin, Meriten her! Bei den Jesuiten steht noch kein Handkuß von mir angeschrieben."

Aber um Gott, Herr Aldringhen, wer sonst als Ihr?"

Es »st ein hoher Herr angekommen, heute, zugleich mit dem Herrn Kurfürsten Maximilian. Sie haben einen schrvar- K» Schwanz von Soutanen hinter sich gehabt. Und der Herr Präsident des Hofkriegsrats "

Collalto?"

Zu dienen."

Später zeigte Spinola Jan den Grase»» Reimbolt Collalto, einen starren Herrn, Mitte der fünfzig:

Seht, der soll's sein."

rv v ma( ^ c 3an,Gott helf der Armee, »vo ein

Federfuchser koininandiert."

Der General schob vertraulich den Arm unter de,» seinen:

Vielleicht irrt Ihr. Man hat Exempel, daß ein Stu­benhocker vorm Feind die größte Courage zeigt. Indessen an­dere. wie Graf Götz" er schaute sich rings im Saale um --er »st nicht da. Seht, Graf Götz. wenn Ihr ihn seiht, meint Ihr, er müßte so eine Lunlpenstadt »vie Mantua mit einen» Maulausreiben verschlingen. Aber wenn der Feind Mit fest" ai, ^ rct ^' er Collalto ist schweigsam, der

Collalto. Collalto klingt italienisch."

Italienisch? Er ist in Mantua geboren "

Und würde gegen seinen .Herzog

,, . "Gegen seinen Herzog zu Feld ziehen, ja. lieber Werth. Uno beim Herzog kommandiert vielleicht ein Deutschem Die Welt kennt keine Treue mehr. Alle wollen Fort»»,» machen Gebt einem Aussichten und er verrät seinen Vater. Zeitlauf"

Jan sah den General groß an.

Daß ich so offen bin," sagte der,wundert Euch. Gott- ? <u!* ? CI ' C morgen nach Spanien ab. Darf schon ein wenig das Maul rühren und will's."

In Jan stieg der Zorn auf.

Ich »vill verdammt sein, wenn ich je für eine andere als deiltsche und katholische Sache den Degen ziehe."

Ihr »verdet's nie zu et»vas bringen, denkt an mich.

Freund sieht nach Euch. Laßt ihn nicht warten."

Jos6 Maria winkte Jan zu. Er zoa ihn in einen großen 8^lS von Bürgern und Geistlichen. Jan kam neben eine Mlatlliche Schöne zu stehen, die ihn um Haupteslänge über- raate. Jan sah gerade auf ihren Busen und errötete vor Wohl- -efassen.ZackerbomhynnndM," knurrte er innerlich und

stürzte sich in ein Gespräch mit dlesir Dame, als gelte eS sein Leben.

Die Musik setzte ein. Sie schlug klingende Wellen, die von Decke und Wand melodisch zurückvrandeten. Spinola ging mit Aldringhen an Jan vorbei und nickte lächelnd.

Ja," sagte der Abbö auf eine Frage..,Der General hält große Stücke auf ihn. Er hat ihm die Kulsche nicht vergessen."

Und er begann den Umstehenden von dieser Kutsche und von Koewarden zu erzählen.

.Darf ich führen?" fragte mit einem gewaltige»» Kratz­fuß Jan seine Dame.

Ja, Herr Kavalier, nennt mir die Rainen der Generals."

Sie segelten davon, Jan eifrig und strahlend, das Fräulein ein »venig besangen, denn Jans heißes Herz wärmte ihr Mieder.

Ein paar Takte der Musik klangen hold »vie ein lang­samer Schleifer.

Tanze,» »vir?" sagte Jan.

Nicht doch, Herr Kavalier, das Zeichen ist noch nicht gegeben."

,Qh. das ist schade. Nächst dem Gefecht mit einen» Handsesten Burschen liebe ich nichts mehr »vie das Tanzen. Vielleicht noch einen guten Trunk. Ihr müßt aber nicht glauben, daß ich ein Raufbold und Zecher bin," sagte er. als das Fräulein ihren Arn» i»» seinen» lockerte. Er klemmte ihn fest und fuhr fort:Wenn ich ehrlich sei»» soll, so l»ebe ich allerdings den Tanz über alles, »venu wir im Lager a»»ch nur italienische Fräuleins als Partnerinnen haben."

.Herr Kavalier!"

Euer Hockwohlgeboren!" ries Jan erschreckt,verbannt der» Gedanken, daß ich nicht einen Unterschied machen könnte. Jene Fräuleins"

Wir wollen umkehren."

Ihr könnt ebensogut sagen, daß ich »»»ich aushängen soll. Entzieht mir Eure Nähe nicht. Mit Euch"

Er wurde gestoßen. Eine Be»veg»»ng lief durch die Menge. Ein schmutzbedeckter Kavalier eilte quer durch den Saal, ei»» Pergament in der Hand. Zwei .Herren winkten aufgeregt der Musik, in deren Nähe Jan gerade war, zu schweigen. Sie brach ab mit einem Mißton. Eine dicke heisere Stiinrne ries etwas in den Saal hinein. Ei»»zelne schrien Bivat.

Vergebt, »nein Herr," sagte Jan zu einen» Nachbar, was ist geschehe»»?"

Herr Collalto ist zum Generalissimus"

Die Trompeten schmetterten, die Pauken donnerten. Alles schrie Bivat.

Jan zog sein Fräulein davon. Sie lvar ihm »vichtiger als alle Generalissimi der Welt. Sie erreichten eine Seitcn- galerie, in der nur wenig Menschen »varei», und zu Füßen einer Minerva, die ihr poliertes Alabasterknie dreist aus dem geschlitzten Geivaud streckte, fanden sie eine Polster­bank.

Beliebt es Euch ein »venig zu sitzen?"

Er blieb stehen, inbein er die Linke auf das Postament der Minerva stützte und mit verklärten Blicken auf seine Schö»»e heruntersah.

Zürnt Ihr mir noch? Ich bitte Euch, tut es nicht."

Ich sollte es dennoch tun, Herr Kavalier," erwiderte sie und schlug die Augen auf, die er mit seinen Blicken sesthielt.

Jan," raunte etwas an seinem Ohr. Jose Maria flüsterte ihin zu:

Teufelsjan. Reich ist sie, schön ist sie, und ihr Vater wird Bürgermeister. Aber...", und er entfernte sich mit einem alten lächelnden Herr nin geistlicher Kleidung.Aber," ries er laut,denk an Paris!"

Geh ins Kloster und bete für mich," knurrte Jan.

(Fortsetzung folgt.)

Kaninchen.

Skizze von E. Sierra.

Nun laa man schon acht Tage im Schützengraben in Nässe und Kälte. Aber cs n>äre trotzdem ganz gemütlich gewesen, »venu nicht die Granaten unaufhörlich gefunkt hätten, was bei mehr­stündiger Dauer auf die Nerven fiel und leider ailch täglich neue Opker forderte.