Ifan von Werth.
No man aus dem Dreißigjährigen Kriügp von Franz Herwig.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Jan Pflegte von nun an von sich nur als von „Jan Pöbel zu sprechen und Jose Maria mit allen Zeichen einer übertriebenen und darum verletzenden Ehrfurcht zu behan- oeln. Und eines Abends, als er den geistlichen Freund in innigem Gespräch mit einer stattlichen und schönen Dame fand, me nur ein wenig nach dem Gewürzladen ihres Gemahls duftete, zog er die Tür mit tiefen Verbeugungen wieder hinter s'ch zu, nachdem er einmal übers andere gesagt hatte:
„Eure Exzellenza, Pardon, ich will Euer hochgeborenen Exzellenza Beichte nicht stören."
. An diesem Abend strich er durch die Gassen. Es war im Anfang des März, lind da er die warme Lust des Vorfrühlings um seine Stirne streichen fühlte, dachte er mit Sehnsucht des Tages, da es nun endlich nach Süden ginge. Ein Heer von nahezu 30000 Mann lag um Regensburg, die Donau entlang bis nach Nenburg in Quartier, nur der Oberbefehlshaber war noch nicht ernannt und Jan hatte sich noch zu keinem Regiment gemeldet, tveil er bei der Vorhut sein lvollte und nicht wußte, wie die Regimenter marschieren würden.
. So kam er an das Rathaus und sah es hellerlenchtet. Auf dem Marktplatz drängte sich eine Fülle prächtiger Rutschen, in denen vornehme Herren und Damen in strahlenden Gewändern saßen. Aus den geöffneten Fenstern des großen Kaisersaals hörte »er die abgerissenen Töne, mit denen Musiker ihre Instrumente stimmen. Da das Aussteigen vor dem Portal nicht sehr rasch vousratten ging, staute sich den ganzen Platz entlang die Reihe der Karossen und da auch Jan, wegen der Volksmenge, die gassend an den Häusern entlang stand, nur langsam vorwärts kam, so hielt er mit einer Kutsche Schritt, die er mit seltsamer Aufmerksamkeit zu mustern be- gann. Der gelbe Anstrich, die vier pausbackigen Engel auf dem Kutschdach — wo hatte er die schon gesehen? Er versuchte einen Blick in die Kutsche zu werfen und gewahrte rosa Atlaspolster, und sofort sagte er: Koelvarden? Und blickte nochmals hinein, und der Schein einer Laterne fiel gerade auf das Gesicht Spinolas. Da schlug Jan das Herz vor Freude. Er nahm den Federhut ab, den er an diesem Abend trug, und ging ehrerbietig neben dem Schlage her, bis Spinola sich ein- mal hinauslehnte um zu sehen, ob noch nicht endlich an ihm die Reihe sei anszusteigen, und Jan gewahrte.
„Mein Gott," rief der General, „der tolle Hans! Grüß Gott, lieber Rittmeister!"
Und er streckte Jan die Hand hin und zog ihn neben dem -schlage der und Jan strahlte übers ganze (Besicht, trotzdem er mit Mühe ernsthafte Augen machte.
„Welcher gute Wind treibt Euch nach Regensburg, Kamerad?"
„Der Wind, der nach Süden weht, Exzellenz."
„Habt dem Tillp Lebewohl gesagt?"
„Nach Euer Exzellenz Kommando hat mir nicht ein anderes geschmeckt."
_ „Bei welchem Regiment steht Ihr? Götz? Langenberg? Schaffgottsch? Oder seid Ihr Eurer Waffe untreu geworden ?"
„Hab mich noch nicht entschieden, Exzellenz."
„Nicht? Höchste Zeit. Kommt aufs Rathaus. Viel- lelcht kann ich Euch helfen. Fragt nur nach mir und Ihr könnt Passieren. Die Stadt gibt dem Kurfürsten von Bayern, der nach Prag zum Kaiser reist, ein Fest. Ich erwarte Erich."
_ Noch ein Händedruck. Der Wagen hielt. Jan stand am schlag.
„Also ich erwarte Euch."
Und er stieg langsam und mit einer Würde, vor der das Geflüster der gaffenden Menge verstummte, die Stufen zum Portal hinall.
Kehrt Jan. Nach Haus! Ein wenig schneller, alter Junge, sonst läuft dir der Glückstag davon. Treppauf, drei Stufen mit eins. Schreit nach dem Diener: Den blaueil Atlasrock. Lümmel! Die Mailänder Sporen! — Und schnell begann er sich umzukleiden. Kennst du mich? fragte er sein Spiegelbild. .Hack, da stand ein rosiger Kerl, blond wie Rheinwein, in hiinmelblau Atlas, die weichen gelben Stiesel nm- gefchlagen. die neuen silbernen Sporen lvie Wagenräder so groß und einen Degen an der Seite, dessen gelbe Lederscheide keinen Flecken hatte. Und nun den Hut, den hellbraunen Hut mit den schwankenden hellblauen Straußfedern: Zackerbom- benundflöh! Und Damen lvürden da sein, von den Generals ganz zu schlveigen. Man mußte einen süßen und runden Mund machen und den Kops ein wenig auf die linke Schulter neigen, wenn mall mit ihnen sprach. Üitb auf sie zugehen mit hohen, langsamen Schritten, etwa so... llub er stelzte auf den Spiegel zu und schlvenkte den Hut, daß die Federn die Dielen hegten.
„Schöne und edle Dame," begann er. „Wohledle Dame."
Aber da öffnete sich die Tür und Josö Maria trat ein.
„Ei Jan," sagte er erstaunt. „Willst bu zum König?"
„Weshalb nicht?" machte Jan und zupfte an den Brüsseler Spitzen auf der Brust. „Weshalb sollte ich nicht znm König wollen? Können mir Hochwürden einen Grund dafür sagen? Glauben Euer Hochlvürden, daß nur Sie mit Exzellenzen verkehren dürfen, wobei ich richtige, nach welschem Parfüm duftende Exzellenzen meine uitb nicht solche, die nach Regensburger Krämerläden riechen? Allerdings, hochehrwürdiaer Herr, zukünftiger Beichtvater von Fürstinnen, gehe ich. Im. Pöbel, zum Fest auf das Rathaus, von Seiner Exzellenz dem Herrll Marchese di Spinola, General, persönlich invi- tiert."
Der Abbo hörte ihn ernsthaft au.
„Das ist schade." sagte er. „Ich hoffte den Abend mit


