Ausgabe 
13.3.1915
 
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fcrfcb, büfj sich unter Euch, die Ihr schon bisher stets das Un­mögliche möglich gemacht habt, ein Freiwilliger melden »vürde -nein, hört mich erst zu Ende," fuhr er fort, als er voller Stolz und Genugtuung bemerkte, wie bei seinen letzten Worten eine Be­wegung durch die Kvmpagnie ging, als wollten sie alle, die da vor ihn, standen, sofort als Freiwillige vortreten.Hört mich erst zu Ende," bat er nochmals.Es wird ein Freiwilliger ge­sucht. nur einer, aber der muß es an Mut und an Tollkühnheit und an Geschicklichkeit mit zehn anderen zusammen ausnehmen. Es handelt sich um die schwere, aus dicken Eichenbohlen erbaute Holzbrücke bei dem Dorf Raincivillet, Ihr alle kennt die Brücke. Ihr wißt, ivic oft es schon versucht mürbe, die za nehmen, Ihr wißt, nnc cs selbst unserer Artillerie nie gelang, diese Lief und verdeckt liegende Brücke unter wirksames Feuer zu nehmen, und Ihr wißt auch, daß die Brücke endlich in unseren Besitz kommen, oder daß sie wenigstens zerstört loefcbeit muß, damit sie auch für den Feind unbrauchbar ist. Diese Sprengung muß noch heute nacht erfolgen. Wer will das Wagnis unternehmen? Ich sehe es Euren Gesichtern an," fuhr der Hauptnvann nach einer kleinen Pause fort,Ihr bearnft, um was es sich handelt. Ter Tod, wenigstens fast der sichere Tod, roartet aus den, der sich freiwillig von Euch meldet. Das wissen auch Eure Borgesetzten, und deshalb ist die Belohnung, die für den Tapferen ausgcsetzl wird, eine hohe. Gelingt es einem von Euch, die Brücke zu sprengen und kommt der beU oder verwundet zu uns zurück, dann winkt ihm außer der Be­förderung zum Unteroffizier das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse. Gelingt die Sprengung aber, ohne daß der Betreffende wieder­kehrt, dann wird das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse seinen 9ln- gehörigen für den auf dem Felde (Aesallenen überwiesen werden und außerdem zahlt das Oberkommando die Summe von fünf­tausend Mark an die Hinterbliebenen des gefallenen Helden oder an die Adresse und an die Person, die derjenige von Erich angibt, der das Wagnis unternimmt."

Ter Hauptmann hatte geendet und blickte nun auf seine Leute. Die sahen einander stumm an. Ein jeder von ihnen war ein Held, zu dutzenden Malen hatten sie dem Tode in das Auge gesehen, ohne mit einer Wimper zu zucken. Mer was jetzt verlangt wurde, war mehr als alles bisher. Wie sollte einer allein das Künste stück fertig bringen, die Brücke in die Lust zu sprengen? Wenigstens brauchte man doch nach einen oder zwei Kameraden, die die Ar­beit an der Brücke durch ihre ylmvesenheil sicherten, die aus jedes vei-dächtige Geräusch achteten und das Herannahen feindlicher Posten oder Patrouillen meldeten. Aber auf der andren Seite, wenn überhaupt, dann konnte es nur einem einzelnen, niemals aber mehreren gelingen, sich durch die feindlichen Doppelposten auf einem in der Nacku völlig unpassierbaren Gelände, durch Moor mid Schlamm, durch Hecken und Gräben der Brücke zu nähern. Leise, völlig unhörbar galt cs vorwärts zu schleichen, das leiseste Geräusch brachte die Entdeckung und den sicheren Tod.

Nicht den Tod fürchteten sie. sondern den unnützen Tod, denn wie sollte das Wagnis gelingen?

Da erklang die Stimme der HauptmanuS:Ich habe Euch Zeit gelanen alles zu überlegen, jetzt heißt es:Freiwilliger vor!"

Der Ruf der Konrpagnie st/»nd aus dem Spiele, so trat denn Mötzlich statt des. einen mehr als ein Dutzend vor, aber aus diesen Vielen trat dann einer noch ein paar Schritte näher an den Hauptmann heran und bat mit beinahe flehender Stimme:Mich müssen der Herr Hauptmann gehen lassen, imr mich allein!"

Ter Vorgesetzte blickte auf. Ter da vor ihm stand, der Gefreite Petersen. war nicht nur der hübscheste und strammste Mann seiner ^nzen Koinpagnie. sondern auch der klügste und intelligenteste. Wernl einer das fast Unmögliche fertig bringen würde, dann um* «r cs. Aber trotzdem-, daß gnade der beste Mann unter feinen) Leuten in den ftrfxrrei» Tod ging, das wollte ihm dock) nicht soi recht in den Sinn. Der Gefreite war ihm beinahe an das Hnz öeroacfriT» bei vielen Gelegenheiten hatte er der» als Menschen und als Soldaten in gleicher Weise von dn besten Seite kennen ^ate er denn jetzt:Daß gerade Sie sich melden! würden. Gefreiter Petersen, habe ich mir gedacht, aber gleichviel, Sie^sällt^"^ Wert daraus legen, daß meine Wahl aus

Da sah der Gefreite den Hauptmann an und er erriet, daß der Umr etnrns zu sagen wünsche, »oas die anderen Kameraden nicht tu hören brauchten. So winkte der Vorgesetzte denn den anderen Leiten, vorläufig zurückzutreten, während er selbst mit dem (geist­lichen, der gerade neben ihm stand, und mit dem iZkfreiten Peter- fen ein paar Schritte zur Seite trat.

?lls scknrme er sich fast, es einzuaestchen. begann der Gefreite: Wenn ich den Herrn Hauptmann bitte, gerade mich zu schicken, dann ist eS des Geldes, der fünftausend Mark wegen. Ich habe vöncktch gester-n einen Brief von der Mutter bekommen. Herr Hauptmann Und der läßt mir keine Rübe. Seitdem der Vater tot ist, haben die M-utter und ich allein unser elektrotechnisches Ge- fchäft geführt. ES ging auch sehr gut, Herr Hauptmann. aber da ^nt der Krieg, ich und die anderen Arbeiter mußten fort. Das Geschäft ging immer mehr zurück, die Mutter geriet in Schulden, sie hatte kerne Einnahmen und mußte trotzdem ihren Berpllich- tungen Specht werden Gestern ram lxtt sie eS nur gestanden, am nächsten Ersten rvtrd sie gepfändet, dann »vird ihr altes gcnrmv* men, dann sitzt sie auf der Dttaße. rveun eS ihr nicht noch km letztm Angenbllck aelinat. den Betrag von fünftausend Mark anf-

zubnngen. Und darum und deshalb. Herr Hauptmanu. als ich vorhin hörte, daß ich mir vielleicht die fünftausend Mark für die Mutter verdienen kann sie ist nicht mehr die Jüngste, Herr Haupt- nunrn, und waS soll auS ihr werden? Wie gesagt, Herr Haupt" mmm. da habe ich gleich gewußt, was ich zu tun hätte. und wenn ich trotzdem noch einen Augenblick zögerte, da geschah cs nur. Hochwürden, weil ich nicht wußte, ob es eine Sünde ist, wenn ich das Wagnis unternehme."

Wer cm Opfer dem Vaterland bringt, tut fein Unrecht!" sagte langsam der Geistliche.

Ta blitzte es in den Augen des Gefreiten hell aus, dann fragte er:So iverdcn der Herr Hauptnvann mich also gehen lassen?"

Der nickte schweigend Gewährung seiner Bitte, bis er dann, wenn auch gegen seine Ucberzeugung sagte:Ich hoffe natürlich immer noch, Gefreiter Petersen, daß Sie wieder zu uns zurück- kehren. Aber wenn nicht, dann werde ich Ihrer Mutter schreiben, wie lieb Sie die hatten, und daß Sie sich wünschten für sie sterben. Nun aber gilt es für Sie, sich bald auf den Weg zu nrachen. Vielleicht, daß Sie vorher noch von Ihren Kameraden Abschied nehmen wollen. In einer Stunde müsseii Sie aufbreäien, vorher aber enüssen Sic sich noch die Sprengpatronen und was Sie sonst noch brauchen, geben lassen."

Vorher aber wollen tvir noch alle für Sie und mit Ihnen beten," nahm der Geistliche das Wort,wir wollen beten, daß Jhiren die Ausführung Ihrer Aufgabe gelingt und daß Gott der Herr Sie ans Ihrem Wege begleitet."

Gleich darauf rief der Hauptmaiu» seine Konipagnie wieder zusammen und plötzlich wußten alle Leute, warum der Geistliche zugegen war. Bor der Mitte der Koinvagnie kniete der Gefreite Petersen entblößteii Hauptes, und der Geistliche reichte ihm das heilige Abendmahl.

In ttefer Ergriffenheit standen alle l-erum, und voller Er­schütterung sahen alle dem Gefreiten nach, als er bald darauf. alS die Dunkelheit völlig hereingebrochen tvar, lautlos in der Nacktt verschwand.

Wird es ihn» gelingen, die Brücke zu sprengen, und werden wir ihn Wiedersehen? Das war die Frage, die alle beschäftigte.

Aber als es wieder Tag geworden war. ohne daß der Gefreite Petersen zurückkehrte, lourdc eine Offizierspatrouille abgesandt, um! sestzustellen. ob die Brücke gesprengt sei oder nicht. Auch das war ein sehr schwerer Auftrag. Er war säst unausführbar, wenn die Brücke noch stand, wenn die Sprenaung den Feind nicht gczwuw, gen harte, sich auf das jenseitige Ufer zurückzuziehen.

Die Patrouille machte sich aus den Weg, und Stunde »mt Stunde verrann, bis der Offizier sich wieder zur Stelle meldete. Er berichtete kürz:Der Feind hat sich zurückgezogen, die Brücke ist bcsprengt." Und dann sagte er ernst und cüi rvenig stockend: Wir haben auch den Gefreiten Petersen gefunden. Der lag öirt diesseitigen Ufer. Tot."

Erschüttert stand der junge Offizier, nnd der Hauptmann nickte leise.Arme, glückliche Mutter . . .!"

vermischter.

'Wie sich Bruder Ion a t h a n über John Buli lustia macht. Infolge des tatkrästiaen Eingreifens unserer Unterseeboote und des sckmöden Mißbrauchs der neutralen klaaae durck. England Ist in der Cttmmung der an erikanffchen Presse ein merklicher Umschwung einaetretcn. Das erkennt man am besten an dem feinsten aller Stimmuugsbarometer der öffentlichen Mein­ung: an den Witzblättern. In den amerikanischen Witzblätiern spielt neuerdings der briusche Löwe eine teils komiscM, teils kläg­liche Rolle. Hehr hübsch ist z. B. ein Spotlbstd. welches in dem auDes MoineS" erscheinenden .Register and Leader" veröffent« licht worden ist. Da siebt man den britischen Löwen an seinen» Futter,»arf« sieben. Ader im Beartffe, daraus seine Nabrung zu schlecken, macht er rollenden Auges die Wahrnehmung, daß der Napf leer ist. Und leer bleibt, obwobl cr aar grausig seinen Schwanz durch dt« Lust oeitscht, an welchemBrinsckn Flotte" zu leien siebt. Und das Geheimnis seiner Enttäuschung? Unter den» großen Vieh sieht man einen langen schmalen Dackel, der den Futtcrnavi längst außgeleert bat und nun mit bestiedigter, iucit beransdänaender Zunge den Zorn der großen Bestie beobachtet. Selbiger Dackel aber verkörpert die deutscher» U-Boote. Ein ziveiteS Bild bringt die in New Port erscheinendeWorld". DreseS Bild bezieht sich auf bei» Mißbrarich der amerikanischen Flagae durch England. Man siebt da den britische,, Löwen, der in seiner Tatze kranwidait eine arnerikanssche Fadne balt. die er hock, über sich wehen läßt. .Zuerst Sicherheit T lautet die charakteristische Unter­schrift dieses Bildes, das d'e Flucht Englands hinter eine fremde Flagge an den Pranger stellt.

* U n z n v e r l ä s I i g e Bundesgenossen. Seitden» die »Große Armee" des ersten Napoleon durch Kalte »u,d junger zu­grunde ging, spielen in den KriegSberecknuingeu der Rr»hen klinla- tische Vorgänge eine große Rolle. ES »kt bekannt, daß Nckolauö I. bei leinen Kämpfen gegen die verbundcleu Wesin,ächte stark aus den ^General Februar" bosite und von» »Punch" verhöhnt »vnrd/, olS dieser ihn tu» Stich ließ Auch in» jetzige», Kan,ps gegen »mS und unsere Bundesgeuossei, hat derGener-l Winter" versaat, und dasselbe Pech hatten die sttussen schon im Japanischen Kriege.