Ausgabe 
10.3.1915
 
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hat, bi« von verschiedenen GenevalkimtmanLoS geradezu als Ver­ordnung bekannt gegeben wurden, sagt in seinem 5. Gebot:Die Kartoffeln müssen unsere Grmrdnahrung werden und die fehlende Körnerfrucht ersetzen. Der Erwachsene muß <mf den Kopf und den Tag seine Kartoffelnahrrmg um 400 Gramm steigern, sei es ver­mittels Kartosfetbrot oder Kartoffelsuppe oder gekochte oder ge­bratener Kartoffeln."

Wir sehen also, die Kartoffel erfreut sich in diesen schwerer: Zeiten einer Wertschätzung wie nie zuvor, nur schade, daß sich diese gewiß.erfreuliche Tatsache auch in einer recht erheblichen Preis­steigerung der Kartoffeln bemerkbar macht.

Wie die nreisten rmserer Kulturpflanzen, so war auch die Kartoffel ursprünglich nicht bei uns heimisch. Während aber un ser Volk so vieles, was aus fernen Ländern eingeführt wurde, oft über Gebühr schätzte, eben weil esweit her" war, wollte es gerade von der Kartoffel nichts wissen, lmd ihre Einführung und ihr Anbau begegnete ungeahnten Schwierigkeiten. Lange Zeit rvar frc nur eine Gartenpflanze, dieihrer schönen Blüten halber" ge­pflegt wurde, und nur ganz allmählich erkannte man ihre Bedeu­tung als Volksnahrungsmittel.

- < Hrmrboldt ist die urspriingliche Heinmt unserer Kartof sei Chile und Peru; hier wurde sie seit alter Zeit von den Ein­geborenen angebaut und kommt auch noch heute als Wildling mrt kleinen, ungenießbaren Knollen, aber wohlriecheirden Blüten vor. Die Spanier waren die ersten, die die Kartoffeln nach der Eroberung von Peru nach Europa brachten und schon um die, Mitte des 16. Jahrhunderts auch in deil Niederlanden, Burgund jnw Italien, einführten. Hier erhielten sie wegen ihrer äußer- licheii Aehnlichkeit mit den bereits bekannten Trüffeln den Na­men der letzteren: Tarttifoli. Das italienische Wort ging bann als Tartuffel ins Deutsche über und lvard später zur Kartusfel, Kar­toffel. Im 17. Jahrhundert versuchte man den deutschen Namen Grübling bäum" einzubürgeni, mau wollte damit die Pflanze als einenBaum" bezeichnen, dessen Früchte ausgegrübelt, aus emer Grube herausgeholt werden, aber weder dieser Name, noch die Bezeichnungen Erdapfel. Erdbirne oder Grundbtrne vernioch- ten sich dem Frenchwort gegenüber durchzusetzen.

^o84 kam die Kartoffel durch Walter Raleigh nach Jrlaird, Ittdd durch den Sklavenhändler Hawkius oder, wie aiidcre be haupten, durch dessen Verwandten Franz Drake nach England. Aiifangs rvußte man aber mit der neuen Pflanze nicht recht Be­scheid: einem Freunde der kühnen Seefahrer, der sie in seinem Kurten anbaute, geschah es, daß er die Beeren z»bereiten ließ und natürlich über ihren Geschmack entsetzt war. Erst als er die Kar­toffelstauden ausreißeil und nebst anderem Unkraut verbrennen ließ, merkte er an dem Dufte der geröfteten Knollen, welcher Teil der Pflanze zur Nahrung zu gebrauchen wäre.

Die Einführung der Kartoffel in den übrigen Ländern Europas ging nur sehr allmählich vor sich. Die Bauern wollten anfangs von denGiftknollen" durchaus nichts wissen, setzten ihrem Anbau den zähesten Widerstand entgegen und saheneine Bosheit der Vornehmen darin, daß man ihnen dieses Schweinefutter empfahl, !?dhrend man doch wisse, daß die menschliche Nahrung in Korn, HülsenfrÄchtcii und Fleisch bestehe". Besonders widerspenstig zeig­ten sitz z. B. die Württemberger. Dort versuckste der Waldenser An­toine Seignorct um 1700 den Anbau der Kartoffel zii erreichen, al>er tvas die Bauern am Tage unter Aussicht gelegt hatten, das rissen sie des Nachts wieder heraus und gaben vor. das Wild habe dies getan. Als dann endlich mit unnachsichtlicher Strenge gegen die Bauern vorgcgangen wurde, und sie zur Kultur der Kartoffeln' gezwungen wurden, weigerten sie sich, von den Kartoffeläckern Ab- aaben zu leisten, weil in den alten Rechtsbüclseru nur voni Zehnten des Getreides die Rede sei. Es half ihnen freilich wenig, die Re­gierung setzte ihren Willen durch, aber noch 1728 galt die Kartoffel m Stuttgart als eine Seltenheit, und in Reutlingen war sie noch um 1760 völlig unbekannt.

^ Verhältnismäßig zeitig kam die Kartossel nach Sachsen Kur­fürst Christian I. bat 1591 den Landgrafen Wilhelm IV. von Heisen-Kassel um Zusendung emiger in dem berühmteii Lustgarten gepflegten seltenen ausländischen Pflanzen. Der Landgraf ließ auch eine Sendung abgehen und fügte einen Brief bei. in dem es u a rjciBt: Wir überschicken E. L. unter anderen, ein Gewächs, so wir vor wenig Jahren aus Italien bekommen und Tartonphli genannt wird. Dasselbe wächst in der Erde und hat schöne Blumen, guten Geruch, und unten an den Wurzeln hat es viele tubera (Knollen) hangen: dieselben, wenn sie gekocht iverdcn, sind gar anmutig zu

Zunächst galt sic aber auch hier als botanische Merkwürdigkeit oder blieb em gelegentlicher Genuß der wohlhabenden Stände, als aber 1680 em aus England in seine Heimat Unterwürschniu der Oeleiiitz zurückkehrender Zimmergcselle sie in seines Vaters Garten anpflanzte, gewann sie rasch viele Freunde. Das Vogt­land, ans dessen magerem Boden der Getreidebau nicht lohnte war die erste deutsche Gegend, in der die Kartoffel in, großen auf den Feldern angebant wurde und als wirkliche Volksuahruna diente. Anfangs legte man sie allerdings nicht einzeln in die Erde, sondern säte sie wie das Korn aus. Daun wurden sie Untergeeggt mrd die obenliegeuden in die Erde gedruckt. Tie tief- CH ^drehmi imfeucr am besten, und so ging man allmählich ^öu "ber, alle zn stecken und zwar in Furchen oder Reihen. Die wohlhabenden Bauern de, Lommahfcher Pflege und der Leiv-

derts belehrten sie aber eines Besseren.

'Engherzigen Vorurteilen und hartnäckiger Gleichgültigkeit be­gegnete die nahrhafte Feldsrucht auch in Frankreich. Ludwig XVI. bemühte sich fett 1783 vergebens, den Anbau der neuen Staude zu verallgmieinern. Tie Bauern gönnten ihr kaum ein Stücken Land zur Aussaat und waren nicht zu bewegen, die Knollen zu aenießen. Da kam der Chemiker Parmentier auf einen klugen Ge­danken. Er pachtete, zum Teil unter großen persönliche,, Opfern, be, Paris groge Strecken Landes und ließ sie mit Kartoffeln be­stellen. Im Herbste »rächte er dann bekannt, daß der Diebstahl an der neuen Pflanze mit harten Strafen geahndet werden würde. PX ^'lder wurden am Tage sorgfältig bewacht, in der Nacht zogen ffch die Ausseher aber zurück. Durch das strenge Gebot nmrde die Aufmerksamkeit der Bauern im hohen Grade aus die neue Frucht gelenkt. Sie sagten sich, es müsse doch etwas ganz Besonderes um die neue Frucht sein; weshalb sonst die peinliche Bervachung? llnd da die Felder m der Nacht schutzlos waren, so gingen sie «hin und stahleil wie die Raben. In wenig Jahren war die Kartoffel über ganz Frankreich verbreitet.

Recht erheiternd liest sich auch. uwS uns Nettelbeck über die Einführung der Kartoffel ui Kolberg bcrickstet. Durch) Friedrich den Großen erhielt die Stadt im Jahre 1745 eineil Frachttvagen voll, ^eder Garten- und Landbesitzer bckaiu einige Metzeil Krwllen und gleichzeitig ivurde ihnen eine Vorweisung über deren Aussaat Pflege und Verivendung vorgelesen. In dein Getümmel achtete aber niemand mlf die Vorlesung. Venvundert nahm man die Knollen m die vand, roch, schmeckte uiw leckte daran, brach sie ivohl gav entzwei und warf sie den Hunden vor. Da btefe sie auch ver­schmähten. meinte man:Die Dinger riechen nicht und schmecken nicht, und nicht einmal die Hunde mögen sie fressen. Was wäre iins bannt geholfen?" Einige warfen die Kartoffeln fort, andere pflanzten sie in der Hoffnung, daß große Bäume daraus tvachsen 1)0,1 denen sie die Früclste schütteln könnten, andere steckten sie zwar m die Erde, kümmerten sich aber nicht weiter darum, andere schütteten sie auf einen Haufen, so daß sie zu einen: dichten Filz zusammenwuchseu. Mit eineur Worte, die Kolberger behandelten das Königliche Geschenk recht ivegiverfend. Als dann der Rat un nominer eine Kartoffelschau hielt mid die sairmseligeu )erren rmt Geldstrafen belegte, kam die neue Frucht ganz in sernif. Der König ernelierte aber in, nächsten Jahre seine Sen­dung und schickte gleichzeitig einen geborenen Säiwaben mit. unter dessen sachgemäßer Anleitung der Anbau kräftig gefördert wurde. Dennoch fand Nettelbeck erst 40 Jahre später bei Stargard im freien Felde dre ersten Kartoffeln.

Ejt viel anders war cs in den anderen Provinzen des Landes. Obwohl d,e Regierung sich alle Miibc gab. der Landbevölkerung die Vorzüge der neuen Feldfrucht klar zu machen, obwohl man selbst von der Kanzel ihre Segnungen pries, das Volk rvollte nichts wissen, hörte nicht auf den Rat der fürsorglichen Obrig­keit und verswttete die Geistlichen, die sich der guten Sache mit Eifer airnahmen, alsKnollenprediger". Erst die Mißernten in den Jahren 1770 1772, 1793 und 1817 und die ihnen folgenden Hungernsnöte schufen gründlich Wandel. Jetzt lernte man den Wert der Kartoffel als einer vbrthelferin temtcu und» schätzen, und seit dieser Zeit trat sie ihren Siegcszug an fast über me ganze Erde.

vermischt«-.

Die enge Hose. Der aus dem Offrzrersstande hervor- gegangene Romanschriftsteller Carl Baron Torresani, der in der österreichischen KriegSaeschichte durch seinen Patrourllenritt von Condom (21. Jul, 1866) eine historische Berühmtheit erlangt hat, drug mit schwärmerischer Verehrung an Bencdek. dessen Unglück- ttckU'^ Ende er lebhaft beNagte, u,id er weiß von diesem Sieger von Solfttino viele schöne Züge zu berichten, freilich auch manch)« drol­lige Eigenheit. Mit grützter,Strenge ging Benedek gegen diejenigen vor. die nicht ganz vvrschristsmäßig adjustiert waren. So hatte er einen besonderen Haß gegen die überengen BeinNeider. ivelche die Offiziere, wie uian scherzhaft nieinte,denr Schn,eider um den Kopf M"Sen. falls sie bei der Anprobe überhaupt hiueinkaine,i". Eines ^ages nun erblickte Benedek auf einem Spazierritt an den Beinen, ernes Reiters die verpönte enge Hose. Da der Mann zu weit eiitjernt war, foimte er das Gesicht nicht erkeniien. Er setzte sich rn Lrab, der andere tat desgleichen. Benedek geht in Galopp über, jener jöfort auch. Das Tempo verschärft sich beiderseits, und wenn ^Mier ein gewandterer Reiter lvar, so hatte Benedek das bessere Pferd, und schon wurde der Zwischeuramn kürzer. Da konmrt gevlide, wie sie au den Bahndantnr gelangen, der Kurierziig her- angebrarlft, der Verfolgte gibt die Stwren rmd setzt über die Schranken. Nun war Benedek ein berühmt schneidiger Reiter, aber als General buiftc er ein solch Husarenstücklein nicht wagen. Er nuißte also die Berfolgriiw aufgeben und koirnte den Namen des Attrapprerten nicht seststellen. Wie er ihn nach langem vergeh- lichen Forschen doch noch entdeckte, erzählt Torresani tu folgender r ^/nds. als er schon alle Hoffnung aufgeaebeii,

erblickte Benedek beim Betreten des Kasseehatiscs kiiapp vor sich ein

Billard-

ip^ horizontal in die Luft ansgestrecktes Bein: das Bcin eines Bi>