Ausgabe 
10.3.1915
 
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voneinander, um mit Drohungen und oft zurückblickend und feuernd, langsam in ihr Lager oder ihrcStaot zurückzukehren. So viel auch der Regimenter Spinola heranzog, er zwang die Stadt nicht. Wurde Bresche geschossen, so tauchten in ihr wimmelnde Hunderte von Bürgern und Soldaten auf, und ehe die spanischen Regimenter übers Blachfeld waren, starrte eine neue Mauer von Steinen und Sandsäcken ihnen ent-- gegen, von der rasendes Musketengelnatter sie begrüßte.

Jeden Morgen fuhr Spinola die Linie der Batterien ab. Zuweilen richtete er sich auf und sah iiacf) der Stadt hinüber, von deren Türmen noch immer die Fahne der Nord staaten flatterte. Eine Kanonenkugel zerschmetterte die .Hin­terräder seines Wagens. Als er sich mit Schmuv bedeckt wie­der erhob, war sein hageres gelbes Besicht in Wut gerötet. Cr schüttelte die geballte Faust nach der Stadt hinüber und schrie:

Und wenn du in der Erde wurzeltest, ich will dich aus- reißen unb zertreten!"

Der Zorn machte ihn sogar wieder gesund. Er konnte bald das Pferd besteigen mtb war unermüdlich im Angriff.

Was nutzte es, da die Stadt nach der Schelde zu offen war? Und che die spanischen Schiffe heran waren, konnte noch mancher Soldat Spinolas den Boden decken. Draußen, zwischen beit Inseln Schoutvcn und Walcheren, kreuzte die holländische Flotte und ließ nichts hinein, was nicht gut hollandsch war.

Da errichtete der Spanier gegenüber dem Katharintor eine neue Batterie. Er brachte in einer Nacht achtund zwanzig Geschütze in Stellung, die während drei Lagen imd zwei Nächten ungeheure Massen von Eisenknaeln gegen Mauer und Wall schmetterten.

Und wenn du in der Erde wurzeltest, ich will dich ausreißen und zertreten!"

Früh fünf am vierten Tage ritt der spanische General ,n dle Batterie. Trüben sah er die breite Bresche klaffen und er lächelte. '

Acht Feldkornetts ließ er aufstellcn, die mit Ketten- luaeln in die Menschemnassen feuern mußten, auf die Männer und Weiber, die in fieberhafter Eile an der Schließung der Bresche arbeiteten. Plötzlich wandte er sein Roß und ritt zurück. Da standen vier erlesene Reginienter, als erstes, abgesessen, die Sturmius-Dragoner und stürzten aus seinen Wink wie eine Sturmflut auf die Stadt.

Jan mit. Ein rasendes Feuer empfing sie. Ueber Leichen sprangen sie vorwärts. Bis an den Grabenrand kamen sie. Eine regellose Masse holländischer Soldaten brach ihnen aus der Bresche entgegen. Jan roar es plötzlich, als sei er allein von seinen Kameraden noch übrig, denn er sah mit sich nichts als feindliche Gesichter; es krachte ihm aus Musketen und Pistolen entgegen, drei, vier Degen bissen wütend auf ihn ein, er konnte nur abwehren, nicht zustotzen. Weiber ivarsen ihr anfeuerndes Geschrei ins Ge­tümmel und drüberhin donnerten die Kanonen. Plötzlich bekam Jan Luft. Die Wessenberg-Kürassiere jagten ihre ,ch baumenden Hengste in das Getiimmel, er stieß ein Zu ,und sah zu spät einen geschwungeneii Mus­ketenkolben über sich und siel hin und Nacht ioac um ihn.

In der Abenddämmerung erwachte er. Es ging in Kopf ein Gebrumm, ivie von hundert Bienenkörben, ^"gen sah er um sich. Nichts als Leichen oder sterbende die mit einem schauerlichen anschwellenden und abbrechenden Laut stöhnten. Bor ihm die Mauer, fast konnte ?n^7^7^nge>i. Das Jener schwieg fast ganz. Er ver JW C aufzurichten und nach dem spanischen Lager zu sehen. 2lper sofort knatterten von der Mauer die Mus keten; eine Kugel riß einen Fetzen Haut von seinem Kopf Gesicht """ ft,U/ mt tot ,mb bas Blut lief ihm übers

Es wurde dunkler. Nur hie und da blitzte es über ihm

auf und krachte. Oder die Spanier warfen eine Bombe

blC r U L T tx Mun c funtensprühend am

ber Stobt klang Gesang. Es ^ Melodie, wohl ein Kirchenlied, und f ' Cle " ihre« harte« «,,d

Sei/Än? K .^ art ^ begann Jan zurückzukriecheii.

schien ihm eine einzige brennende Wunde zu bank bcr schmerz machte ihn fast besinnungslos. Die Toten-

Jn dein ausslamnienden Schein der Blitze von den Mauern sah er nicht weit von sich den grauen Kneöelbart seines Obristen. Sofort kroch er auf ihn zu. Sturmius lebte noch. Er hatte eine Kugel in der Brust. Ein Bein war ihm zer­schmettert. Langsam verebbte der Geschützdonner wieoer. Zwei Köter, die sich blutig gebissen hatten und ihre Wun­den leckten, hatten sick noch einmal voll Haß angebellt. Es wurde nun ganz still. Da nahm Jan seinen Obersten aus den Rücken und keuchte davon, stolperte, siel, stand Wieder­aus, und als er schon daran verzweifelte, das spanische Lager zu erreichen, tauchten dunkle Gestalten vor ihm auf. Er rief mit heiserer Stimme das Feldgeschret: Philippus und Brabant" und siel in die Arme der Kameraden.

War cs noch Nacht oder schon Tag, als er ertvachte? So recht wußte er es nicht. Er sah nur undeutlich Jos6 Maria sich über ihn beugen und wußte sich in guter Hut. Er versuchte ziu lächeln.

Ach, Joss Maria," saate er leise,sie sollen bei ihrem Käse bleiben und keinen rheinischen Jong fressen wollen."'

Und zufrieden schloß er die Augen und schlief weiter.

In den Tagen, da er lag und auf Genesung wartete, Zog ununterbrochen der wütende Donner der Schlachten über das Lager. Es war, als wenn ein vorweltliches Ge­witter in eiserner Hartnäckigkeit über Bergen stand und seine ungeheuerlichen Stimmen nur für Minuten z-urückhielt, um dann mit neuer Wut rasend loszubrechen.

Jan hörte es, als würden ihm Wiegenlieder gesungen. Er sinnierte dabei angenehm vor sich hin, indem er starr die gelbe Wand von Joss Marias Zelt, in dem er lag> ansah. Er gedachte seines abenteuerlichen Weges bis hier­her und immer sah er Griets und Marie-Annes Köpfchen, die ihm znnickten. Und es geschah nun, daß der holländische Offizier, den er vom Pferde gehauen, eines Tages geheilt zu ihm kam und sich auszulösen begehrte. Da er nicht mehr unter des Oraniers Fahnen fechten konnte, wollte er nach Paris gehen, wo allerlei vielversprechende und geheime Dinge sich anspinnen sollten.

Jan sah 3ofe Maria an und der sah ihn an.

Da richtete Jan sich aus und sagte:

Herr Offizier, was Euer Lösegeld betrisst, so ist dar­über nicht groß zu reden. Ihr habt Euren schönen Gaul verloren "

Kriegslauf, Herr Dragoner."

Laßt also meinem Kornett, dem dritten im Reaiment, enl halb Stücksaß Wein anfahren und die wackeren. Burschen werden auf glückliche Reise mit Euch anstoßen." Iso Maria nickte befriedigt.

Mer Ihr müßt mir ein Anliegen erfüllen."

Das wäre?"

P°ris geht, so habt -flr vielleicht Gelegenheit, insgehenn zu ersahren, wie eine zunge Gräfin Mar.e-Änne von Spanre lebt, lind wie ihre Kammerzofe lebt sie heißt Griet. lind wenn Ihr unauffällig eins von beiden sprechen könnt, so wärdc ich Euch bitte»

wuu/! 1111 ^ $° n 'f* trai und auch der

Abb6 lebt. Würdet Ihr das tun?"

Ich verspreche es ans Kavaliersparole!" - (Fortsetzung folgt.)

Aus der Geschichte der ttartoffel.

Bon Franz Pflüger.

. Ter gewaltige Bülkcrkrieg der nun schon über ein halbes Jahr tobt hat eme Umwertung vieler Werte im Gefolge gehabt) die wir Vei seinem Beginn nicht im entferntesten geahnt haben Da- von ist auch unsere alte gute Kartoffel betroffen worden Sie ge­hörte ia schon immer zn nnfcren wichtigsten Nahrungsmitteln ^ ollem infolge ihrer Billigkeitdas Brot des armen Mannes , und da sie selbst mit dem magersten Sandboden vor- lieb nimmt, und auch m hochgelegenen Gebirgsgegenden gedeiht so ermöglichte sie die Besiedelung großer Landstriche, die ohne die nahrhafte Knollenfrucht wohl auch noch heute unbeivobnbar em würden. Freilich trotz dieser nnd so mancher anderm Bm- Zuge hat man die Kartoffel immer etwas über die Achset äuge sehen Das ist nun aber mit einem Male anders geworden J

hi> £!.» iv ur srül-eren Jahrhunderten bei Mißernten

b e Bevölkerung großer Landestcile vor schiverer Hungersnot ^

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