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Und Nordens Höhlen spein, so wie des Osts, Barbaren

Und Ungeheu'r, Dich zu verschlingen aus.

Och W)\ ich sehe schon freut Euch, o Preußens Freunde

Tic Tage Deines Ruhms sich nah'n.

Nngewirtern zieh'n die Wilden stolz heran:

Toch Friedrich winket Dir wo sind sie nun, die Feinde?

Ist das ein Gedicht aus unfern Tagen? Wann hätte je schon vorher ein Deutscher so gesungen, so singen dürfen? Mit gutem Recht hat man gesagt, daß Deutschland sich heutein der Lage Friedrichs des Großen" bcfiirde, und Strophen aus dem 7jährigen Kriege sind cs auch,das beste -Kriegsliü» der ftiederiziani scheu Zeit 'c Ewald von KleistsOde an »die preußische Armee". Wenn wir in diesen gewaltigen Tagen, inchenen die Gegenwart uns ganz gefangen nimmt, eines vor zwei Jahrhunderten geborenen, fast vergessenen Dichters gedenken, so muß sein Wesen und Werk iu unsre Stimmung Hineinpassen, und das ist bei der Persönlichkeit und Dichtung Kleists in hohem Maße der Fall.

Der preußische Major, der bei Kunersdorf den Heldentod starb, ist der eigentliche Sänger der Heldentaten Friedrichs, so wie Körner der der Befreiungskriege und wie Liliencron der von 1670. Auch bei ihm sind Leben und Dichten unaushörlick) ver­knüpft, und diese Weihe des tiefsten Gefühls, diese innere Wahr­heit hebt seine Verse über die von ihm angeregten, so prächtig nachempfundenen Grenadierlieder des Kanonikus Gleim. Wie Körner und Liliencron ist er durch den Krieg erst eigentlich zum Künstler geworden. Alles, was er vor diesem großen Erlebnis ge­schaffen, ist zwar begabt, aber matt, tändelnd undnnversönlich: selbst fern viel gerühmterFrühling", der lange für das Muster eines be­schreibenden Gedichtes galt, ist ein Stubcngewächs und trotz vieler feiner Bilder und anschaulicher Züge ohne rechtes Leben. Im zweiten schlesischen Krieg<. in den: er an keiner der großen ruhm­reichen Schlachten teilmymen durfte, hatte er nur die Kehrseiten des Waffen handiverks, die Greuel und Entbehrungen, kennen ge­lernt. Seine weich-e empfindsame Seele flüchtete sich deshalb zur friedlichen Jdyllik, und sckiauderird stellt er einmal eine Schlacht­szene als furchtbares Gegenstück dem Bilde eines ländlich-stillen Glücks gegenüber. Erst die Feuerprobe des preußischen Staates, der 7jährige Krieg, entlockt dieser träumenden und innerlich grü­belnden Seele Töne nrännlichster Kraft und heroischer Erhabenheit, hämmert das empfindsame Herz stahlhart, und von dem treuen Freunde Lessing beraten, führt er nun das Morgenrot einer nationalen patriotischen Dichtung herauf, wird zum ersten Ber- Arrlicher einer preußischen Vaterlandsliebe und gibt zugleich die Anregung zurwahrsten Ausgeburt des siebenjährigen Krieges", wie Goethe LessingsMinna von Barnhelnr" genannt hat. Als Mttlchöpser des deutschen Patriotismus und als Urbild des Tellheim wird uns Ewald von Kleist stets teuer bleiben als -Sänger und Held wie als Jdealgestalt des preußischen Offiziers.

Wie Tellheim fühlte auch er sich vor allem als Soldat. Er glüht vor Kampsbegier und empfindet als sein größtes Unglück, baß er mcht vor den Feind kommt.Ich wünsche nichts mehr'," schreibt er an Gleim,als nur einmal mit 200 Mann komman- mert zu fein und dann von 2000 Oesterreichern aufgegriffen zu werden^: wenn ich mich ergebe, so möchte mich immer der König junt Schelme machen lassen." Voll Ingrimm nimmt er seine Versetzung aus seinem altpreußischen Regiment in ein neues, aus den besiegten Sachsen gebildetes auf. das ihn zum. Drill und Gamaschendienst verurteilt:Huirdert andern wäre eine Ver­änderung, wie die meinige ist, gedient gewesen. und die müssen int Felde bleiben, und ich. dessen größte Glückseligkeit es gewesen wäre, dann zu bleiben, ich muß heraus und hinter die Mauer, Es will mir in gar nichts glücken." Ein andermal heißt es: Ich habe so viel Ehre wie alle die Kerls, die besser geachtet werden als ich, und niuß hinter der Mauer sitzen." Aber alle Nngerechttgkett und aller Tort können ihn nicht einen Angen^ bnck wankend machen m seiner begeisterten Liebe zu seinein großen König, den er für eineninkomparableu General" erklärt und der eben Wichtigeres zu bedenken hat als dos Wohl des Ein- '-"eben derbem Humor und stolzem Heldentum steht bei ihm wie bei Tellheim eine zarte, weiche, fast schivärmerische Emp­findung. Das melancholische Nachgesübl einer unglücklichen Liebe, zu jener Wilhelm ine von der Goltz, der Minna ihren Vor­namen verdankt, verschleiert seine Visionen und gaukelt ihm das verlorene Liebesglück in fchäscrlich elegischen Versen vor. Ein Zwiespalt zwischen Berus und Neigung ist in dem eintönigen, im gletchnräßigen Ablauf täglich sich wiederholenden Garnison- leven. m dem durch die vielen Soldaten zu einer einzigen Kaserne umgewaitdelten Potsdam quälend hervor.Potsdam ist für mein /melancholisches Temperament zu traurig." meint er.ich kann es nicht darin aushaltcn". Er sinnt beständig auf Reisen, die Mn "st als Hauptmann in Werbegeschäften bis in die Schweiz und zu den Vorkämpfern der neuen Dichtung führten: er eilt oft ohne Urlaub nach Berlin, wo ihn die literarischen Kreise an- Lseyeil.Unter den Offizieren ist es eine Schande. Dichter zu au ftr ??d feilte Tollkühnheit in dem Kriege ist durch Sr 11 ! ** r ?4 t ** Worden, als sogenannter Schöngeist seine

mWMr * K ^. n rohen Draufgängertums zu sichern.

Wohl hat er über fernem Mttwn einmal vergessen. di« Wache ab- zulöftn, aber aenwwlltch ivar er eisern streng im- Dienst. Erholung fw thin ein ftöhi -cher Rru durch die Umgebung Potsdams: mit

N»n Fußfühlt er sich schon m Steigbügel", auch beim Dichten. Aus solchen keckeil und doch nachdenksamen Ausftügen ist sein Frichlmg" geboren worden. Mer auch durch die lieblichen Bil­der des Naturgedichts klingt der dunkle Mollton einer unbe­friedigten, nach Taten durstigen Seele, die riefe Sehnsucht nach kühnem Fechten und schönem! Sterben. Den hellen Klang der Große und des Sieges fand er erst, als die gwßc Stunde des Kammes schlug. Prophetisch rief er damals ans:

Auch ich, ich werde noch vergönn es mir, o Himmel! Einher vor wenig Helden zieh».

Ich seh' dich, stolzer Feind, den kleinen Häufelt flich'n.

Und ftnd' Ehr' oder Tod inr rasenden Getümmel.

. . Todesahnungen hatten deit melancholischen Krieger schon oft betallen. Früh begegnen lvir in seinen Briefen Ausrufen tvie dem schmerzlichen:Warum müssen doch die sterben, die gerne leben daß sie leben, und warum sterben die nicht, deren 2^-^ Iöd Tod wäre!" Seine Phantasievermählt sich im- dem Kirchhof .und so wachst ferne Gestatt zu einem todes- mrklärtcn Blutzeugen des preußischen Heldenruhmes einpör. Die Freundlchait nnt Lessing, ein echt antiker Bimd gegenseitiger Hin­gabe und Verehrung, läßt diesen letzten Jahren erst die dichterische Reise erbluhen. Von der gefühlvoll zerfließerrden, mit Rede- schmuck und schnorgligen Arabesken des Stils überreich verzierten Wortmaleret schreitet er über eine Periode knapper Epigrammen- kunst zu crner Prunklos schlichten, nach ernster starrer Größe ringcn- v ü nr # l u ^ n , cmj Preußisch^römischen Hcldenpathos, das,

den stärksten Allödruck in LessingsPhilotas" gesunden hat. aber auch wundervoll m Friedrichs j>. Gr. Schriften durch die sran- zos scheu Satze tönt, z. B. inr Lehrgedicht vom Kriege. In den letzten Oden, der stolz großartigenOde an die preußische Ar- nree .tu dem bitter kraftvollenGeburtslied". in der männlich religiösenHymne", die er, durch die frommen Lieder seiner Grenadiere auf dem Marsche gerührt, weinend auf seinem Pferde mitwarf. auch m dem schönenIrin" har Kleist sein Bestes als Dichter gegeben. Un Glerm schrieb er, was nun seine Seele poe- Inch erregte: ,,E§ muß Großmitt, unglückliche Tugend, wunder- bare Effekte der Vorsehung, Größe der Seele oder sonst viel Rührendes und Erhabenes in der Geschichte sein, sonst ist es mir fad und ich kann es nicht machen. Ich bin das Malerische, Ver­liebte ,ehr Poetische nsw. überdrüssig." Sein heroischer 4chwa- nengesang war daS HeldenliedCiffides und Paches". das den Opsertod zweier makedonischer Krieger bei der Relttlng deS Ba- tnlandes gegen die Athener schildert, ein Preislied aus Freund- schaft und Heldengeist, dessen Szenen hinter dem antifen Kostüm Kriegöerlebmlse der Gegenwart enthalten und dessen Krieger trotz der griechischen Namen Soldaten Friedrichs sind. Tie kalten steifen -Jamben dieses Gedichtes haben doch ihren feinen, inner­lich Klebten Zertstil, den .eines etwa zopfigen KlassiziSnuts. der bet Mer Befangenheit und unbewegten Plastik glüht und wirkt nt einer echten, heiligen Sttmmuirg, in einer monumentalcn For­menstrenge.Der König lvar ifnr zu groß:" ihn konnte er nicht stngen, aber den Geist derPotsdamer Wachtvarade" hat er ge- ftlngen und zugleich sein eigenes Sterbclied. In dem surckstbaren Kanrps von Kunersdorf empfing er da, Todesstteich. nEent er mit unvergleichlicher Bravour gekämpft und 15 Verwundungen erhalten lütte. Die schönen Schlußworte seines Epos waren in Er­füllung gegangen:

Ihr Krieger, die ihr meiner Helden Grab in später Zeit nodt seht, streut Rosen drauf und pflanzt umher von Lorbeern einen Wald.

Der Tod für's Vaterland ist ewiger Verehrung wert. Wie gern sterb' ich ihn auch, den edlen Tvd, wenn meut Verhängnis ruft!

cr> über Tod unb Grab hinaus hat diese nach einem schönen Wort Goethesgleichsam selig gesprochene beuffdK Dichtergeftalt" noch stärkend und besnlchtend ans den deutschen Geist gewirkt.

Man hat jetzt wieder daran erinnert, daß die Geburt des u <i' r« "Patriotismus, von dem mau um die Mitte des 18. Jahrhunderts noch nichts wußte, mit einer wichtigen kleinen Schrift verknüpft ist. mit Thon.as Wbts Büchlein ..Vom Tode fürs Vaterland" Bildet der Jnljalt und Gehalt dieser neuartigen Prc digt die Persoiilichkeit Friedrick)s d. Gr. und der durch ihn in die Welt gekommene Geist der Aniopscrung und des Heldentums, so M ihr eigentlicher Held Ewald von Kleist, an dessen Grab, nahe vor den Toren Frankfurts, der junge Professor den Plan zu seinem Werk faßte. Kleistsche E^edanken sind es. die hier ausgesprockwn werden: snne durch sein Mut bezeugte Auffassung von Liebe »lud Opseriimt für Vaterland und Herrscher ivird verteidig; seine Ge- stalt steht in verklärtem Licht hinter Mbls Worten.'und in einer Verherrlichung seines Heldentodes Nürgt die Sdrcitt aus:Wie jinüffeit nicht unfern Nachkommen die Felder von Arndorf und Kunersdorf sein! Zitternde Wehmut und ehrfurckstsiwlle Schauer müssen sie durcktzvandeln, tveun ihr Fuß auf die schoii lief eingefallenen Grabstätten tritt, unttr welchen Ep^umnoiiden liegen. Und wenn ich aus dem einsamen Spaziergauge, mitten unter dem lanrUnb«» iirtb unachtscnmm Pöbel, au Deiiiem Grab, unsterblicher Kleist, an Deinenr Gradc' vorübergelre: daun müsse iit Deine fürs Vaterland enipfangenen Wunden ÜtK'rzählen, Deine Eittschließung, ihm die schLM erschöpften Kräfte voUeiidS zu ,veU)en. fühlcud be- wnnd<ru und Dir den Taiik zollen, ivelcheit nnr den für unsere