Ausgabe 
6.3.1915
 
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Ragout Gaiiit-Jeail nennen. Im übrigen ist es ein Essen für einen Kardinal."

Und sie setztm sich zu dritt an den Tisch, und es wurde eine zwar stninme, aber desto innigere Feier.

*

Und welches sind nun deine Pläne, Jan," fragte der Abb6, nachdem Jan ihm seine Geschichte erzählt hatte.

Pläne?" machte Jan:nun einen'Wunsch habe ich: den falschen Weibern meine Verachtung ins Gesicht zu sagen. Dazu muß ich nach Paris. Morgen schon.".

O Jan, wie sehr beklage ich, daß ich dich lebensfremden Jüngling in die große Well geleitet habe! Du bist ein Kind, das sich zu Unrechter Stunde von den Rocken der Frau Josepha losgerissen hat. Bleib sitzen, Feuerkopf. Bist du denn sicher, daß Ehren dein Richter dichnicht angelogen hat? Und wenn er die Wahrheit sprach, was lvirfst du den Kindern Untreu und Verrat vor. Hätten sie sich zu dir be­kannt, würde inan ihnen dann nicht bös zugesetzt haben? Und wenn sie um den Preis der Lossage von dir sich frei machten, bist du wirklich so wenig ritterlich, daß du ihnen das Opfer deiner selbst nicht bringen würdest ? Meiche, ineine Freundin, er bleibt ein Bauer, er wird mich fressen, aber sei's drum."

Jan sah ihn verdiitzt an, dann ivurde er brennend rot. Es blieb eine lange Stille. Dann fuhr er sich durch diel Haare und sagte:

Das ist also erledigt. Ich danke dir. Aber nun will ich trotzdem nach Paris. Wieder gut machen, was ich in Gedenken an ihnen gesündigt. Ob sie verheiratet oder eingekerkert oder gar geköpft werden ist alles eins. Ich gehe geradewegs in den Rachen des großen Fischs hinein und rette sie. Gelobt, geschworen und kein Wort dagegen."

Und wie zur Bekräftigung nahm er einen langen Schluck.

Heilige Mutter-gottes von Kevelaer," ries Meisje,steh den armen Kindern bei. Wenil Ihr sie habt, Herr Jan, dann bringt sie hierher. Es soll ihnen nichts abgehen. Ich habe da oben zwei schöne Stuben; weiin man sich ein wenig aus dem Fenster lehnt, kann man den grooten Lambert sehen. Und welche von beiden wollt Ihr heiraten?"

Jan zwinkerte mit den Augen und rieb sich die Hände; und es war schon wieder der alte Jan, der jetzt sagte:

Ich will in Durantes Hände fallen, wenn es mir nicht schon leid geworden ist, seitdem ich Euch gesehen habe."

Meisje wurde rot und stand auf, um eine frische Kanne zu holen. *

Trinkt, Herr Jan, das ist besser als häßliche Reden fithren."

% Inzwischen hatte sich die Schenke mit Gästen gefüllt. Jetzt traten zwei Dragoner herein, von denen einer, ein dicker, grauhaariger Mann mit rotem Gesicht, ein Wacht­meister war.

Es sind Werber," raunte Jose Maria Jan zu.Ant­worte nie: ja, ivenn sic dich etwas fragen."

Also: nein?"

Das ist besser."

Liegen denn in Lüttich Soldaten in Quartier?"

Der Wachtmeister, der die Frage gehört h«rtte, trat heran: '

Wackere Soldaten," rief er,>will ich meinen. Die besten Regimenter. Sturmius-Dragoner Satanskerle, sag ich Eiich. Wir gehören zum Regiment."

^ . "A"" sieht Euch die Tapferkeit an, Gesicht an," sagte Jofe Maria. ö

.,Wenn die Herren nicht inkommodiert sind ?" meinte der Wachtmeister und setzte sich zu ihnen.Man sieht's uns an Wahrhaftig, Herr Abbö. Meint Ihr nicht auch?" fragte

Jan glotzte ihn an und sagte dann:

Rein."

>Hoh! Galgen und Prosoß! Habt Ihr nicht bessere Mei­nung von uns?" "

Rein," saate Jan und glotzte.

Jungfer Meisje: einen Krug, Burgunder. Ter König von Spanien zahlt alles!", und er schlug sich auf seine Hose darin es klingelte. * ' '

-recht" Trin?t mst " e * n ^"goner,der Wachtmeister hat

Jan iiahm uiid trank.

Ja, ja," sagte der Wachtmeister,den spanischen Sol­daten geht nichts ab. Und immer tm Feld voran und ta*

mit bei der Beute. Ich sage euch, jeder Dragoner könnte sich schon ein Bauerngut kaufen, aber sie mögen nicht hinter dem Pfluge gehen. Und Weiber haben wir, iinmcr frisch, lästern sind wieder zwei venezianische Kurtisanen ins Lager gekom­men. Ihr habt doch die Weiber gern?"

Rein", sagte Jan.

Ha, der Appetit »vird schon kommen."

Ich bin ztvar qii den Umgang mit KriegSmännern gewöhnt," sagte der Mb« und strich seine Soutane gliUt, aber ich bitte Euch, schont die Ohren dieses Knaben. Im übrigen hat er eine Braut."

Was Braut?" schrie der Wachtmeister uitb schlug auf den Tisch.Spanischer Majestät Dragoner haben nur eine ^Brant: die Muskete."

Dieser Jüngling ist kein Dragoner."

Wird's! Wird's! So wahr ich mit dem tollen Christian bei Höchst die Klinge gekreuzt , habe! Dragoner! Tags die Muskete im Arme; wie sie heiß wird und Feuer atmet! Und nachts die Dirne im Arm, und morgens, lunm die Trom­peterAufsitzen" blasen, kein Lebewohl!"

Und wohin gehl's, wenn Ihr reden dürft?"

Wohitt, ehrwürdiger Herr?' '

Und schnauben erst die Rösser Und brennen erst die Schlösser An der Schelde oder am Rhein

Es muß geritten sein!-

Um ernsthaft zu sprechen, wir wissen nie, wohin es geht. Hatte gestern aus dem Rathaus die Wache. Ging die Rede, es sollte bald für den Franzos gesattelt werden."

Rach Frankreich?" ries Jan,nach Paris?"

Rach Paris? Kann leicht sein! Hast du Lust, milzn- reiten?" ' *

Rein," sagte Jan, aber er brütete.

Verflucht dein Jungsernwein! Trink dir Courage, Bursch, Meisje! Die Kanne ist leer. Spanische Majestät bezahlt!"

Trink nicht so viel, Jan," sagte Joss Maria.

Herr Ltbbs", schrie der Wachtmeister und rollte die Bürgen,lch weiß nicht, ob Ihr ein Recht habt, dem Bur­schen den Wein zu verbieten, aber wenn er Euch nichts angeht, dann möchte ich gerade heraus sagen: Laßt ihm sein Vergnügen."

Und ich niöchte Euch geradeheraus sagen, daß auch Ihr besser tätet, nicht so viel zu trinken, denn es steht grauem Haare schlecht an, aus einem Kopf zu wachsen, den der Wein verwirrt!"

Der Alte schlug wie rasend mit den Fäusten auf den

Trsch.

Ich würde Euch sordern. Aber Ihr seid geistlich, und ich kann Euch nicht töten."

Rein, das könnt Ihr wahrlich nicht," sagte J,os6 Maria und lächelte niederträchtig.Im übrigen scheint mir, daß Ihr weniger ein Wachtmeister seid als ein Paukenschläger. Mer Ihr irrt, dieser Eichentisch ist kein Kalbfell."

Allerdings war Jose Maria wütend. Denn er sah Jan vor sich hiiistieren und an den Lippen nagen. Erriet er seine Gedanken? Daß er hier wieder mit den Sturmius- Dragonern zusaniinentras, die ihm in Köln.zuerst die Cou­rage ins Herz trompete! hatten und die vielleicht jetzt nach Frankreich zogen, wo Griet saß und Marie-Anne saß, deren Schicksal ungewiß war.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Länger der Vaterlandsliebe und de§ Preußentums.

(-Zum 200. Geburtstage Ewalds von Kleist, den 7. März.) Von Tr. Paul Landau.

tinuocrwuno nes veer, mit dein Tod und Verderben In Legionen Feinde dringt,

Um das der frohe Sieg die güld'nen Flügel schwingt,

O Heer, bereit zum liegen oder Sterben?

-Sieh Feinde, deren Last die Hügel fast versinken,

Ten Erdkreis beben macht,

Zieh'« gegen Dich und droh'n mit Qual und etv'ger Nacht, Das Wasser fehlt, wo ihre Rosse trinken.

tr«bt riiedcrträch'ge Scharen m* Dkstund >Lüd herauf