Samstag, -ex 0. MSrz
ILLZLiLLLLLL
Jan von Werth.
Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mynheer Elerbrand Bredero, der Dichter, hat ein Üieb davon gemacht, das sehr lieblich zu singen war und in seiner lustigen Komödie „De spaanftbe Brabanter" gesllngeu wurde, aber da die vlamisck»en Bürger das Lied mitsangen, in dem ein vlämischer Brabanter noch im Tode zwölf spanische Brabanter in die Flucht jagt, verboten die Spanier das Lied und Mynheer Bredero kam aus zwölf Tage in peinlichen Arrest.
Dieses ist also die Geschichte von: Dragoner von Breda, dem Mann und dem Wirtshaus in der Gasse am Lamberts- platz. Und diese Schenke war also bekannt in den Nordstaaten wie in Flandern, in Lothringen wie am Rhein, daß sogar der Abbe Jose Maria ihren Ruf vernommen und sie als würdig erfunden hatte, sich dort mit Jan zu tressen.
An den Gedanken hatte er sich schon gewöhnt, daß die Affäre mit den Fräuleins nicht glatt abgelausen toar. Henke war die Abenddämmerung des fünften Tages, er selbst war seit zwei Tagen hier, aber kein Herzbruder ließ sich sehen. Inzwischen gefiel es Jose Maria im „Dragoner von Breda" ausnehmend. Mit Meisje Drommeloe. die eine saubere Person gegen die dreißig war, mit niilchrveißer öaut und Apfetbacken, verband ihn bereits eine zarte Liebe, eine gemeinsame Liebe, um deutlich zu sein, zu fluten eßbaren Dingen Als wenn es gleichgültig wäre, ob man den Leib mit dickem Fuhrmannsessen vollschlug oder Gerichte speiste, die infolge des Ansgebots von Geist, mit dem man sie ersann, gleichsam geadelt waren. Freilich würden ketzerische Gemüter daran Anstoß genommen haben, lvenn sie Jose Maria am Herd gesehen hätten: eine weiße Schürze Liber die Soutane gebunden und den Kochlöffel in der Hand. Denn so konnte man ihn in der Tat seheil, neben ihn» mit andächtigem Gesicht Meisje. mit bloßen Armen und einem Grübchen am Ellenbogen.
Ach dieser selbstbewußte Veteran von einem .Herd!
Der sich nicht in irgend einem Küchenwinkel verbarg, sondern in einer überbauten ')kische breit und frei in der Gaststube stand, als wollte er sagen, daß jedermann sehen dürfe, was auf ihm gekocht wurde. Jedermann begleitete sein Gericht vom ersten Aufbrodeln an über die mannig sachsten Gerüche, bis es vor ihm auf dem Eichentisch dampfte , eine schöne Vorbereitung auf eine so wichtige Handlung wie das Essen. Und eine vertrauenerweckende Reihe voll blitzenden Knpferkesseln, die Meis/es Rkagd zweimal in der Woche au der Maas scheuerte, stand aus dem Bordbrett über der Herdnische.
„Ja," sagte Jos« Maria, „nun einen Schuß Genever."
Er hatte zwei Kessel über bem Feuer, das sein und Meisjes Gesicht beschien. In dem einen schmorten zwei Hühner, in einer kurzen Brühe, die nach Machandelbeeren roch. In dem anderen vrodelte dick ein seltsames Ragoilt von einem halben Quart Rotwein, von Schinkenwürseln (ohne Speck selbstverständlich), jungen Genlüsen und fleuten Bällchen, die aus dem gewiegten Fleisch der Hühnerlebern, Herzen und Mägen bestand. Eine winzige Spitze Knoblauch war auch daran, die man mit der Rase kaum wahrnahnt. Und nun sollte itorii ein Schuß Werterer hinzu
„So." sagte Jose Maria, und nahm die Hühner vom Feuer. Meisje mußte sie in kleine Stücke schneiden und in den anderen Kessel tun.
„Eine halbe Stunde noch lasse uran das Ganze schmoren," sagte er feierlich und kostete die Sauce.
In dicsern Angenblick trat ein Gast in die Schenke, der von dem Herdfener nur unsicher und zuckend beleuchtet war.
Josö Maria blinzelte in die Dunkelheit und plötzlich erkannte er Jan. Er ließ den Lössel fallen und breitete die Arme aus:
,Aerzensjirirge! Jan? Benedicamos Domini! Er ist da!"
Jan bleich, und mit beschmutzten Kleidern, trat näher und sagte mit bitterer Stimme, ohne die ansgebreiteten Arme zu beachten:
„Ah, man ergötzt sich hier, man läßt sich's wohl sein, meiner Treu! Indes unsereiner die Kugeln um sich pfeifen hört, mit Mehlbrei erstick! mabeu und dann gebangt werden soll. Und in beu Wäldern schläft wie ein wildes Tier, jawohl. Und verraten wird von denen, die er geliebt hat, für die er sich in Rot und Gefahr begeben hat. Verleugnet und verraten! Meint Ihr, das sei »licht »nöglich. ehrwürdiger Herr, wo Ihr doch im Begriffe steht. zum .Festschmaus Euch zu setzen, während Euer Gutgesell schon ans dem Schindanger faulen würde, wenn Gott und die vierzehn Rothelser ihn» nicht beigestanden??"
„Eine lange Rede, eine verteufelte Rede. Jan. Trink ein wenig von diesein guten Weißwein aus Soissons, damit dein Kops klarer wird."
Und er reichte ihm eine behäbige Kanne, die Jan an den Mund setzte und nicht eher losließ, bis der töstliche Strom versiegt war.
Dann tief; er sich auf die Bank fallen, streckte die Beine ans und seuszte sich eine Last von der Seele.
Indessen setzte Meisje die Schüssel auf den Tisch und Jans Rasenflügel begänne» 311 zittern. Langsam richtete er sich auf und hob den Deckel ein wenig.
„Was habt ihr da?"
„Da es nun lvirklich ein Festschmaus wird," sagte Joss Maria und band die Schürze ab, „so wollen wir das Geücht


