— 142
Wißt Ihr etwas dagegen zu sagen?"
Jetzt wurde daS Gelächter noch lauter, lind selbst Jan glaubte, die Sache würde gütlich ablaufcn. Deshalb fragte er:
.„Beantwortet, ich bitte Euch, eine Frage: sind die Fräuleins in guten Händen- Sind sie noch hier? Was geschieht mit ihnen?"
„Die Fräuleins? Um die sorge dich nicht, um so we. Niger als sie von dir nichts wissen wollen. Sie haben jede Verbindung mit dir und deinem schwarzrockigen Gesellen abgeleugnet. Wie vorauszusehen war. Also bleibt der nackte Straßenraub, die Entführung und der Mord, ein doppelter Mord vielleicht. Aber du sollst einen Geistlichen haben, ehe du hängst. —■ Schreibt, Herr Retz: Jean soi disant de Werth. . ."
Jan hörte nichts mehr. Griet hatte ihn verleugnet? Marie-Anne hatte ihn verleugnet? Ihn, der ihretwegen den blauen Hecht verlassen, Frau Josepha und das sichere Köln- Vielleicht hatte auch Josv Maria ihn verleugnet, ihn, der auf glühendem Rost noch zu seinen Freunden sich bekannt
S ätte! Hängen wollte man ihn? Weil er nach einer guten.
at gegriffen, wie ein Knabe nach einem Apfel am fremden Baum- Hängen?
„Herren, ein ^köort," rief er und stürzte sich gegen den Tisch, hinter dem die drei erschreckt hochfuhren.
„Sat est! Finitus est! Schafft ihn fort!"
Er ließ sich willenlos absühren. In seinem Gefängnis stand er blaß und gebrochen, mit Hangenden Armen, stundenlang.
Die zweite Nacht seiner Gefangenschaft kam. Jan erwachte langsam wieder zum Leben. Er trat zum Fenster. Aber der Mond, der ihm gestern so gütig das Land in Verklärung gezeigt hatte, wollte nicht kommen. Mer plötzlich hörte er — hach, eine Trompetensanfare, irgendwo, fern, fern in der Nacht. Vielleicht zogen französische Völker heran, oder spanische. Noch einmal: die Fanfare. Er lies ihm den Rücken herunter und kribbelte ihm in den Kniekehlen, dieser wackere Ruf. Als wenn ein langer Blitz plötzlich eine lveite nächtliche Landschaft erhellt, so zeigte ihm diese Fanfare ziel>enden Heerestrab, ungeheure samtdunkle Rohre, die auf breiten, eisenbeschlagenen Rädern rumpel- ten, Eisenhauben. Piken, Degen, Musketen, Standarten — ein stolzes Durcheinander von tödlichem Kriegsgerät. Und weiter: Feuer in der Nacht, von Pulverqualm halb erstickt, rasende, rasselnde Riesenmassen Reiterei. Fußvolk verbissen ineinander, und die Trompeten, die Trompeten schrien!
Da sprang ein eiserner Wille in Jans Fäuste. Verrecken am Hochgericht, wo rings die Trommel ging und die Mutigen lockte- Aus dem Schindanger eingescharrt werden, statt vor dem Feinde, Kamerad links, Kamerad rechts und die gesenkten Fahnen rauschten über sie? Am jüngsten Tag aus Pferds- und Rindsgebeinen sich herauswuhlen, anstatt kreudig ausstehen: guten Morgen, Kamerad?
Er wrang hoch. Den Schemel her. Die Fäuste ins Eisen- gitter, die Zähne verbissen, daß die Backenmnskeln zu zer- platzen drohten und: Ruck! da siel er hinterrücks, aber das Mitten in den verkrampften Fäusten. Es polterte. Jetzt komme "ur /iner! Ick, schlag sie zusammen mit diesem Schmachgerat. Niemand kommt? 1
wischte er sich den Schweiß von der Stirne.
r i -rx £ e, \ au * ^cm Fenster. Stücker zwölf rheinische Schuhe, just so viel wie aus seines Vaters Bodenfenster. ,
Er lachte: ist nicht das erstemal und sprang. Sprana ins Rutschen, den steilen H^ng hinab, auf dem die Mauer stand. Tann war'er wieder hoch. Und ohne sich umzusehen, lief er davon, erst der Landstraße entlang über den verwünschten Bach -war und dann geradewegs in den Wald. \
r«,Dw!o 2 ämn,e !' t ':, ,a . ln “ an eine Wotdhütte. Ein Mann Hunde^ ^ aben ou f' ^"ter dein Gatter heulten wütend die
„Wem dienst du, Freund?" fragte er.
7,Dem Herrn von Luxemburg."
7,Gott sei Dank," stieß Jan heraus und hob die Arme. ■V 4. Kapitel..
m oii aSrebn.
b«s Dragoners von Breda kannte jeder- mann in Link; in Luik ja, denn lvas ein richtiger Vläme
i fr , n l n l’, U l f " fl tlie6le8 ‘ Kütttch recht den Spaniern »nm Tort S» 1 f Der Dragoner von Breda dies, eigentlich
Benediktus Drommeloc, aber Namenspatron wenig Ehre,
er machte feinem heiligen eher fernem Vatersnamen
Drommeloe, welches, wie man zugeben muß, ein hübscher Name für einen Kriegsmann ist. Benediktils hatte lange Jahre unter dem Grafen Moritz gedient und war ein so guter Dragoner wie nur einer, berühmt vor allen wegen der Streiche, die er vollfijhrte, und wegen der Liebe zum guten Wein. Als schon der Herzog von Parma, achtundachtzig, Bergen belagerte, siel Benediktus mit einem Strciskorps in Luik ein und die guten Bürger schleppten ihn in die Schenke zum Ginsterkranz, die gleich am Sankt Lambertsmarkt in einein spaltbreiten Gäßchen lag und die wegen ihres guten französischen Weins und ihres Genevers bekannt war. Wie so die Rede auf die Gefahren kam, die Benediktus schon ans- gestanden, verschwor er sich einmal, so durstig gewesen zu (eilt, daß er seinen Reiterstiesel voll Maaswasser in einem Biegen ausgetrunken habe. Es gab Ungläubige: acht Amsterdamer Maß könnte kein Mensch heruntertrinken. „Acht?" sagte Benediktus, „mein Schutzpatron soll mich holen, wenn nicht zehn Maß in meinen Stiefel gehen." Es wurde eine Wette geschlossen, man wollte den Stiesel mit Wein füllen und wenn zehn Maß hineiugingen, sollten die Bürger sie bezahlen, acht Maß aber sollte Benediktus ans einen Sitz austrinken. Es waren nur acht Maß und Benediktus trank sie ans. Mer ehe er von der Bank siel, lallte er noch: Wia schade, daß nicht zehn Maß hineingingen.
Dieser Dragoner heiratete später, als er invalid wurde, die Wirtin zum Ginsterkranz, eine ehrwürdige Dame von fünfzig Jahren, mit der er aber noch eine Tochter zeugten Mersje Drommeloe. Er taufte den Ginsterkranz nun „Zum Dragoner von Breda" und hängte seinen Reiterstiesel ins Wirtshansschild. Als er älter wurde, behauptete er, sein Magen verengere sich, und er trank fortan nur noch Genever. Er trank in all den Jahren so viel Genever, daß sein Leib kein Leib vou Fleisch und Bein mehr war, sondern ein Schwamm, der sich mit Geneoer voll gesogen hatte. Und das war so die Ursache, weshalb er nach seinem« Tode noch! zwölf Spanier in die Flucht schlug. Als Luik wieder einmal' belagert wurde, schossen die Spanier so viel Kugeln in die Stadt, daß niemand sich mehr aus die Gasse wagte. Als Benedlktus 511 dieser Zeit starb, legten seine Witwe und ne Gaste ihn in eine große Kiste, nagelten sie zu und trugew ie ln beit Keller. So schlief der Dragoner von Breda schon uns Monat im Keller, als endlich die Stadt siel und die Spanier enidrangen. So ein Dutzend drang auch in Drom- meloes .Haus, kam in den Keller und fand die Kiste. Da sie Kostbarkeiten darin vermuteten, brachen sie dieselbe aus und fanden Benediktus, der einen lieblichen Wohlgeruch nach Genever verbreitete. Indem nun einige den alteil Dragoner aus seiner Kiste nahmen und an die Wand stellten, denn sie hielteu das Garize für eine List und glaubten Schätze in der Klste zu finden, meinten andere, Benediktus sei gar nicht tot Indern nur pumvenvoll betrunken. Ein Frechling schlug Feuer und hielt dem ehrlichen Dragoner den glühenden schwamm unter die Nase. Mer da begann Benediktus blaue Flammen aus beit Nasenlöchern zu blasen und aus dem Mund schlug eine blaue Flamine, so daß die Plünderer in ihrer Angst sortzulanfen begannen, wobei einer Bene- dtktus anstieß, der nun slammenspeiend mit großer Wucht aus die anderen Plünderer stürzte, die, gebeugt über die Mste, noch nach Goldgulden und Karotins suchten Ihre entsetzte Flucht war von wildem, wahnwitzigen Geschrei begleitet, wie es sich denken läßt. Benediktils aber brannte m,t schöner, blauer, ruhiger Flamme zu Ende, und es blieb nichts von ihm ubria, wie ein wenig Asche, die seine Witwe sammeln und ans dem Lambertuskirchhof bestatten tiep.
(Fortsetzung folgt.)
vir rosa Zamllie.
-Eine heitere Kriegsepisode von E. Fahrow (Berlin)
SAN- - M -
„Na, so laß sie doch rein, die Alte." gebrach/" *** nwW<e ich auch, aber sie fat doch das Pich mit- „Was hat sie?"


