Ausgabe 
4.3.1915
 
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Isn von Merth.

Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

A (Fortsetzung.)

Jan hatte kaum Zeit, sich Ln dem guten roten Wein ein wenig Mut zu trinken, da holte man ihn. In einem Saal stellte man ihn in eine Erke. Zwei Musketiere standen an der weißen Flügeltür. Zwei andere gingen auf und ab, die Muskete auf der Schulter. Eine lange Tafel in der Mitte stand unbenutzt. Nur an einem kleinen Tischchen saß ein Alter in einem schwarzen, abgetragenen Rocke und schnitt mit zärtlicher Sorgfalt Federn. Er trug eine große Horn­brille mit kreisrunden Gläsern, über die er zuweilen nach Jan sah.

Dent begann das Herz zu klopfen. Aber welche seltsamen Grün,Massen machte der Alte da? Er zog bedauernd sein Ge­sicht lang und schüttelte den Kopf, indem er aus dem Fenster sah., Jan folgte seinem Blick, aber da war nur der weite Himmel zu sehen. Dann nahm er die Brille ab und rang die Hände, indem er seufzte. Und Plötzlich sah er Jan starr an, nickte ihm traurig zu und zog mit dem rechten Zeige!- finger einen Kreis um seinen .Hals, deutete an die Decke und verdrehte die Augen. Darauf schüttelte er wieder den Kopf und nahm eine frische Feder vor.

Jan überlief ein Granen. Träumte er hier? Sah er mit offenen Augen Spuk?

Vor der Flügeltür wurden Stimmen laut. Die Mus­ketiere standen attention und der Schreiber fuhr von seinem Stuhl empor wie eine Rakete. Herein traten zwei würdige .Herren, die mit lebhaften Handbeloegungen miteinander sprachen. Jan spitzte die Ohren.

Der Kaiser! Verlangt euch so sehr nach des Herrn Kardinals Ungnade? Was kümmert uns der Kaiser und sein Anspruch? Frankreich ist überall da, wohin seine Hand relcht, bedenkt's. Nach Verdun sagt Ihr? Damit der.Herr- Bischof, »an dem der Herr Kardinal einen sauberen Freund hat, ihn laufen läßt? Nein, Liebden Herr Retz, kurzerhand Rekurs: Eminentissimus: ergriffen gehört geurteilt - gehängt. Sela." ,

. c * üar üblich, als ob er einen handlichen Stein rn der Kehle hätte. Er räusperte sich gewaltig. Die beiden Herren setzten sich an die Tafel nieder und der Sprecher von vorhin warf ihm den Anruf ins Gesicht:

Jnkulpat!"

Jan strich seinen Schnurrbart zurecht.

Sein Name?"

Jan."

Hat er keinen anderen Namen?"

Jan von Werth."

Von Werth. Also seid Ihr von Adel?"

Wenn du cs wünschst? dachte Jan und sagte:

Mit Gottes Hilfe."

Woher stammt Ihr?"

Aus dem Jülich'schen."

. . "So, aus dem Jülich'schen," es klang teufelsmäßig spöttisch.Habt Ihr Besitzungen? Plaudert ein wenig von Eurem Leben. Ihr wart in Köln, uran hat Euch gesehen.

tr^bt Ihr dort? Ihr sollt Schenkknecht gewesen sein; wre Ihr -geben müßt, eine wenig ehrenvolle Tätigkeit für einen Kavalier. Wer war der geistliche Herr bei Euch. Sprecht, mein Herr."

Diesen kitzligen Fragen gegenüber wußte Jan nichts werter zu tun als verlegen zu schweigen.

Nun, mein Herr? Ihr liebt das Plaudern nicht?"

O gewiß," sagte Jan und erwachte,ich liebe nichts so sehr als das Plaudern, aber nur mit ausgestreckten Beinen am Kamin und guten Wein dabei."

Kavaliermäßig, konzediert."

Nicht wahr? Mein Vater, dem ich das Paradies gönne, sagte immer, Jan, wenn ich nicht wüßte, daß deine Mutter eine ehrbare Frau gewesen, so wollte ich schwören, sie hätte einen Kavalier wohlgefällig angeblickt."

Die .Herren lachten geroaltig. !

Also daher schreibt^sich Euer Adel? Mir scheint, er Ifi mit Euch ein wenig von der Bank gefallen. Euer Adel."

Daß er sich verredet hatte und daß man ihn höhnte^ wachte Jan wütend. Sein Mund zuckte ein paarmal unS ließ die Zähne sehen, wie bei einem bissigen .Hund.

.Verdamm mich Gott, wenn ich meine Eltern ver^ leugne. Herr, ich habe in meinem jungen Leben viel schurr kische Edellente gesehen, aber keinen schurkischen Bauern. Und lvenn ich zu wählen habe, dann stamme ich lieber von Bauern ab. Bon deutschen Bauern, um deutlich zu sprechen."

Mso vom Misthaufen gesprungen"

Ja, vom Misthaufen gesprungen, eines Tages, als mir schien, als sei hinter dem .Horizont auch noch Welt. Ich glaubte, mein Fortun zu sehen, das mir winkte. Küh hüten konnte ich, jetzt wollte ich mehr lernen."

Ah, und triebst dich landfahrend herum, wurdest Schenkknecht und ließest dich, von Gott roeiß wem, für zioci Dukaten dingen, um harmlose Reisende anzufallen! Straßenraub. Galgen."

Jan stampfte auf.

l,,Jch bin kein Straßenräuber. Ein halbes Kind, Herr, denl man die Eltern gemordet, sollte weggesckleppt iverden, vielleicht zu gleichem Los. Da ein Kavalier sie in der Ge­walt hatte, mußte ein Bauer sie befreien."

Mso verliebt bist du? Gar in die junge Gräfin? und die Herren lachten.

Warum nicht?" sagte Jan und strich sich den Bart. Mein Vater wußte einen alten Vers:

Die Liebe fällt wie der Wind sie weht,

Auf den Misthaufen oder das Rosenbeet,r