Ausgabe 
1.3.1915
 
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m laß mich aus dem Spiel, mein Leben ist so herrlich uninteressant, und verheiratet bin ich nicht... Gott sei Dank! Perzeih, aber du" .

Sie lachte:O ja rch bms und fest auch noch!

Na, und das Theater? Wie ging's denn damit?"

Ueber ihr sckstvammiges Gesicht, in denl nur bic Augen noch an die alte, hübsche Tony gemahnten, glitt ein trauriger Zug.Das war eine böse Sache. Max! Zuerst, als ich herkam, gmg es mir wie dir, mir war's, als hielte ick's keinen Tag aus in demNest', da steckte auch mir der Großstadtdochmut noch in den Gliedern Die kleinen Straßen, die kleinen Menschen, alles erdrückte mich!"

Warum bliebst du?" .

Dir recht geben? Lieber sterben! Der Antang will eben ge­macht sein, ich wollte es schon vorwärts bringen, aber das mit der Tatenlosigkeit scheint dock mehr als nur Böswilligkeit von dir ge­wesen zu sein!"

Siehst du!" -

Ja gedacht l)abe ich wie oft an dich? Ich versuchte es da und dort es ging nicht! Schließlich kam ich hierher zunick und war noch froh, daß sie mich haben wollten. Klein wurde ich, immer kleiner, so, wie man hier eben sein nruß! Dann kam mein Mann" Sie lachte plötzlich wieder und drückte auf eine Klingel. Gleich darauf öffnete sich eine Tür und vier dicke, kugel­runde, bloubc Mädels drängten sich heraus, um sofort wieder zu verschwinden. als sie des Offiziers ansichtig wurden, der da bei der Mutter stand. . , . . L ^

Siehst, das sind meine Bühnenerfolge!" sagte die Frau halb lachend, halb traurig.Du hast eben doch mein wahres Talent erkannt!"

Und du wolltst es m i r leider nicht glauben?"

,La, ja, aber, wer lveiß, wozu es gut war! Wir beide, ich glaube immer, wir batten doch nicht zueinander gepaßt!"

Vielleicht hast du recht, aber ich meine, du hast daS bessere Teil erwählt, Tony! Schließlich ist die Hauptsache ja doch, wenn man seine Ruhe und sein gesichertes Auskommen hat."

Wenn auch in der Provinz, ivo's nicht einmal ein amtän- diges Kaffeehaus gibt, nicht wahr?" unterbrach sie ihn lachend, möchtest mit mir tauschen?"

Um Gotteswillen. nein! Ich will ja heraus aus dem Alltag: ich sehne mich nach dem großen Erleben, das dieser Krieg uns Deutschen bedeutet. ich weiß ja nicht, wie ich es eine Spanne Zeit hier aushalten soll, solange mich der Dienst sesthält "

Sie sah jhn von der Seite an und nickte.Damals als wir jung ivaren. hast dus nickst verstehen wollen, daß cs so.in mir rumorte, daß mir graute vor der großen Stille, die damals dein Leben war! Ich bin ja jetzt ruhig geworden und du "

,Za." sagte er leise,ich möchte mich jetzt, vor Torschluß noch einmal hinausflückten in das Erleben, weil in der Oede des Alltags mein Leben fast vorübergegangen wäre, ohne mir zu dem Bewußtsein verholfen zu haben, daß es wert war, gelebt zu werden!" Und dann plauderten sie von Alltäglichem, als hätten sie einander nie etwas Tieferes zu sagen gehabt.

nur in Ländern getragen werden, in denen man nicht kämpft. Da» Himmelblau lmserer Uni'ormen findet Beifall überall auf der Welt, und deshalb darf inan eS Unseren Frauen nicht übel nehmen, wenn sie sich allch in diese Farbe des AetherS kleiden, die unsichtbar macht."

* Grüne Pferde. Bei der Musterung der Pferde für Kriegszwecke pflegt man in Frankreich wie anderwärts allch die Schinnnel als untauglich für ben Kriegsdienst zu erklären, weil sie zu weit sichtbar sind. Die Franzosen dachten jedoch, ihre au»- gemusterten Schiminel künstlich in eme Art Feldgrau zll kleiden, das sie ebe»lso unsichtbar lnachen sollte, »vie die deutschen Krieger in ihrer feldgrauen Uniform. Eine ganze Reihe von Erfindungen wurden der Negierung vorgeleqt und nach langem Hin« und Her­beraten entschied Ulan sich dcvür, eine dieser künstlichen Pferde­farben einzuführen. 24 Schimmel »vurden zu dem Versuche requi­riert und alsbald feldgrau angestrichen. Dann machte man mit ihnen eine Geländeübung. Cie dienteil als Artilleriegespanne. Bei den schwereil Manöverarbeiten singen sie an, kräftig zu schwitzen, und darnit hatte der Erfinder des feldgrauen Allstrichs ft'ir Pferde offenbar nicht gerechnet: das Feldgrau verlor seinen schönen Farbenton ulld wurde statt dessen grün. Null sitzen die Frailzosen da: erstens mit der traurigen Erfahrung, daß man Schimmel nicht feldgrau färben kann, zweitens aber mit 24 Pferden, die vormals Schiminel waren, jetzt aber grün anziifehen sind. Die .Minerva*, die diese drollige Geschichte erzählt, ohne sich übrigens für die Wahrheit 51 t verbürgen, meint, diese grüilen Schimmel könnten vielleicht inl Heeresdienste doch verwendet werde»», wenn die Wälder und Wiesen im Schmncke des neuen Frühlingsgrün» pra,lgen.

Die Küche im Kriege.

(Nachdruck dringend erwünscht.)

Kohlsuppe: Etn kleiner Kopf Wirsing oder Weiß­kohl. 2 Eßlöffel Fett, 4 Eßlöffel Mehl, IV 2 Liter Wasser, Messerspitze Pfeffer, Salz. Der Kohl wird yepvtzt, in Streifen geschnitten und gewaschen, das Fett flüssig gemacht, der Kohl hineingeschüttet und darin gedünstet, das Mehl darüber gestreut und gut durchgerührt, mit dem Wasser a.us- gefüllt und l^ibis 2 Stunden langsam gekocht, abgeschmeekt.

Kartoffel-Karbonade mit Fleisch: Etwa für 6 Personen. 250 Grannn Schweinefleisch (Wellfleisch), 10V Grannn Kartoffeln, 140 Gramm geriebenen Zwiebacr, Salz usw., 25 Gramm Mehl, 30 Gramm Palmin. Das Fleuch wird einmal durch die Maschine getrieben, mit den gekochten ge­riebenen Kartoffeln und dem geriebenen Weißbrot Vermischt, Salz, eventuell etwas Pfeffer hinznaetan und ans dieser Masse flach gedrückte Klöße geformt, die in einen Mehlbrei eingetunkt und in einer Pfanne in Palmin gebraten werden. Man gibt sie mit einer Sauce und Kartoffeln.

vermochte».

* Der russische Stiesel der Pariserin. Die Fran­zösin ist auf ihre Verbündeteil ,licht gut z»l sprechen. weil sie sich in deil Hoffnungen, bie sie auf sie gesetzt hat, enttäuscht siebt. Die Russen sind noch nicht in Berlin, lind die Engländer hoben die Deutschen noch nicht ausgehungert, »vas sie doch nach foätestenS einein Vierteljahr erlvartete. Jmmerhtn fiiib ihr die alten Ge­nossen aus den» Osten ,lvch lieber als die neuen Freunde voll im» feite des Kanals, denn die »lahe Berührung blieb ihr erspart, dlirch die man sich ja bekanntlich erst richtig femim lernt. Ein Beweis für diese Gesnhle sind die neuesten Dieben der Pariserin, denn sie ist ja gewohnt, ibr geheinlstes Empsinden in ihrer Meldung a,,4- zudrücken. Währe,ld nun jede Anspielung aus England seblt, tragen die sranzösischell Danlen letzt mit Vorliebe russische Stiefel Es ist kein zierlicher Schllh, sondern ein richtiger Stiefel mit ziemlich weiten Stulpen, die Falten schlage»,, eine gena»le Nachahnl»,ng des etwa» plnmpen und haltbaren SchuhwerkS, aui das der russiiche Bauer so stolz ist. Natürlich aber hat der russische Stiesel eine Der einerung erfahren. Er ist a,ls se nstein »veichem Leder geser- ligt. auS schwarzem Lackleder, das wie Seide glänzt, aus blauem Maroquiuleder, oder aus weichster Antilopenhaut. die sich an- schnncgt wie ein Handschuh. Was nützten aber diese schönen Russen- stiesel, lvenn man sie nicht sehen würde? Deshalb trägt die Da,ne daz»l ganz kurze Röcke, die breit fallen, und bringt die Farbe dieses Rockes in Einklang mit der Farbe ihrer Fußbekleidung. Deshalb gibt cL Rnssenstiefel in allen Farben, blau, flaschengrün, braun, tiesschwarz ilsw. Der Plauderer desJournal des D 6 bats*, der nnS diese Einzelbeiten ans der neuesteil Kleidung der Pariserin verrät, meint, daß überhaupt die Toilelle der Danien wenig mit der Einfachheit übereinsiimme, die man allgeinein als das Passende inr den Krieg predige. »Plan soll nicht g!a»»ben, daß die Plode während deS Krieges nicht ivecbsele. Im Gegeiiteil, iiiemals bat sie sich schneller verändert. Dian sagt nl,s, daß man neue Plodelle i'ir die Fremden verfertigen muß und daß alle diese Kriegstoiletten

Schach-Ausgade.

Schwarz.

nbcdefgh

Weiß.

Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer r Becken (als geographischer Begriff. Varbiergerät, musikalische» Schlaginstrilmelit, Teil des Skeletts) Ecken.

Schriftleitnng: Anq. Gock. - Rotationsdruck und Verlag der Brüsst'sche,' ttninersitäte.Dnch- und Steindruckere,, R. Lange, Gießen.