Ausgabe 
1.3.1915
 
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Guck, Max wer isss?" Ms sie sein Gesicht sah. lachte fte laut auf:

Du hast wohl stehend geschlafen?". .

Lach nur!" gab er brummig zurück, während er seinen Arm m den ihren schob:lieber eine halbe Stunde warte ich schon! Daß du auch nie pünktlich sein kannst!"

Brummbär!" Sie schmiegte ihr niedliches Gesicht schmeichelnd an ferne Schulter:Der Professor hat heute mit mir meine Rolle durchgenommcn Hie ich spielen werde: wenn man eben so dabei ist mit Leib und Seele..sagte sie pathetisch.

Ich bitte dich, laß die überspannten Faxen! Bildest dir am Ende wirklich rwch ein. daß du Talent hast!. Die ganze Schau- . spielerschule, ist. euch ja doch nur Mittel zum Zweck, zur Unter­haltung, nichts weiter!"

Sie zog hastig ihren Arm aus dem seinen und blieb stehen: uft verbitte mir diesen Ton?" Sie bemühte sich, ihrer Hellen Kmderstimmc einen energischen Klang zu gebe,,, und reckte ihre zierliche Gestalt höher.

Lachend faßte er sie unters Kinn:Gib dir keine Mühe, Kindchen, mir brauchst du nichts vorzuspielen, ich glaube an dein Talent darum , doch nicht und es wäre an der Zeit. Tony, daß du mit den Dummheiten endlich eininal aufhörst! Ich bin zrvar ein geduldiger Mensch, aber wir wollen doch heiraten, denk ich! Also wird es besser sein, du vertauscht die Theaterschulc mit einer tüchtigen Kochschulc das hat dann wenigstens einen praktischen Zweck!"

Bist du jetzt fertig- Gut!" Sie zerrte ihn zu der nächsten Laterne, stellte sich so, daß ihr Schein voll auf ihrem Gesicht lag und sagte dann großartig:Sieh mich mal an, Max!"

Mit Vergnügen! Schaust süß aus, so erhitzt und zerzaust?"

Siehst du nnr gar nichts on?" '.

Nein, was soll ich dir ansehen?"

Na ja, was sollst du auch sehen! Hast ja keine Augen im Kopfe! meinte ste spöttisch. Dann trat sie einen Schritt zurück, machte einen drolligen Knix und sagte in schnippischem Tone: Gestatten Euer Gnaden, daß ich Ihnen die jüngste, talentlose Nawe des Egerer Stadltheaters vorstclle!"

Tony, was sollen die Narrheiten?"

Narrheit? Wahrheit, bitte!"

Was soll das heißen?"

Daß ich engagiert bin, trotz meiner von dir so liebenswür­dig betonten Talenrlosigkeit. für erste Rollen, nach Eger!"

"Und du willst das Engagement annehmen?"

Ich habe den Kontrakt soeben unterzeichnet, daher die kleine Verspätung!"

Das ist denn doch " brauste er auf, mäßigte sich jedoch gewalttam und sagte ruhig:Und ich, Tony?"

tvirst dich eben damit abfinden müssen, mein Lieder eure doch nicht so ganz talentlose Braut zu besitzen!"

Memst du? Und du denkst, ich werde ruhig hier sitzen blei­ben und auf dick) warten, während du dich aus allen möglichen Schmieren herum trn bst!"

Oho?" fuhr sie erregt auf,Eger ist keine Schmiere, und ivenn man ernste Rollen spielt, treibt man sich nicht herum!"

Aber, Kind, Kind, das ist ja alles Wahnsinn! Tonychen, be­denke doch nur du willst weg von mir, in die Welt hineinlaufen, m eine Welt, die du dir ganz anders vorftellst."

Bitte hör aus!" unterbrach sie ihn.iolche langweilige Be- osu/bnUnd du willst ein moderner Mensch sein! Ein Mords-, Philister bist du! Wir wollen heilte auch hinaus ins Leben, wir Frauen."

r w hat in erster Linie zu tun. was ich für gut

o S £ irrm c "ana lo hart daß sie ausfuhr:Wehr der SBuib daher? Den Herrn spielen willst du? Mich knebeln? Ah. nein, du, da bist du an die Unrechte gekommen! Heiraten kannst du nnch erst in zwei Jahren, hast du gesagt, Nws sollte ich denn in der Zeit nach deiner Meinung tun?"

Vernünftig sein "

"^5 heibt bei dir wohl, daheim sitzen. Mutter in die Koch- löpse gucken, und Strümpfe stopfen?" unterbrach sie ihn heftig.

YjFiL ne lr't n -' ? u ? h k m Holz bin ich nicht, dazu habe ich kein Talent. ich fühls, daß ich zu etwas sHöberem geboren bm "

Quatsch auf, Tony, sonst reißt mir doch noch die Geduld .

"5 ^ ^ infrIci , Z'vang an. wozu noch ein Wort verlieren!

Zn vierzehn Tagen trete ich mein Engagement an'"

Das wirst du nicht, Tony!"

Das werde ich, Max-!"

h®/.ijL 8* b i,*. arl . , heran und fhe& schweratmend bfiuor .Und wenn bii durch deinen fmbudioit Starrsinn, durch

r"" 0 ' bf,nn " ,rbr ft ^ E' unsere Zukunft aufs Spiel

Lächerlich?"

w.» '",'d meine Mutter, Ton»! Ich kan» und

aiift I11 j ta Hf t,u '"s.LauS bringen, die sich in cincr ndrb 1,1 1 , inb mit frcmb E- immer fremd bleiben

b aa A' ""lange von deiner Liebe, dab du deinen M^blElchen Wunsch unterdrückst! Du wirst nicht »ach Eger

Mt ii" ihn doch betroffen an: das klang so crnstl

Abe, nachgeben, ans das verzichte», ivas sich so köstlich lockend

vor ihr ausgetan da« konnte sie nicht. Sic schmiegte sich an ihn und schmeichelte bittend:Sei doch nicht so hart. Mar schenke mrr zwei Jahre dann komme ick) zu dir zurück"

So, wie du dann kommst mag ich dich nicht"

Das ist kleinlich uiid engherzig!"

.Es ist, wie es ist! Wähle zwischen mir und der Erfüllung demer Laune!"

Es ist keine Laune, du!" sagte sie heftig.

Möglich! Dann mußt du erst recht überlegen, ob du um einer sicheren Enttäuschung nullen deine Zukunft an meiner Seite I opfern willst!"

! cv» r®* 1 ' tr ^ t hastig mit dem Fuße auf und warf den Kopf in den - Nacken:Gut. ich habe entschieden! Leb wohl!" Sie streckte ihm I die Hand entgegen.

Tony, so leicht gibst du Mich aus?"

Tu läßt mich ja gehen!"

iS! Sitt, sage endlich, daß du mich nur quälen wolltest."

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4? kein letztes Wort? Ueberlcge es gut!"

Es ist überlegt!"

.Er wandte sich blitzschnell um und begann die Straße hiuab- zulaustn.^ch muß chr mal den Ernst zeigen, dann nnrd sic schon E ha&M j r lln \ horchte angstvoll zurück. Jicfa? ron , n ,t itc nur nach da da höre ich schon ihre Schritte td> wußte es ia. Atemlos wandte er sich um er- stand allein sie war ihm nicht nachgekonimen!

Zehn Jahre waren vergangen. Was kaum einer so recht für 0 * lr^lwn, hockte sich erfüllt, der Knegsfturm brauste durck) die halbe Welt, erschütterte sie in ihren Grundfesten

^ffechauses in Eger am Haupt- ,ap ent .^andwehro fizzer, dem man'S ansah. daß er »vohl s^oe Zn hmdurtch bie Uniform nicht getragen Er war behäbig, sah sicher älter aus als er war.

^^Mißmutig sah er aut den Platz hinaus, auf dem cur ganz un- gewohntcv Leben herrschte. Wütend war er. einfach wütend.' WaS dals ihm nun seine flammende Begeisterung für die gerechte Aach»', sem ihm selbst so verwunderlicher Tatendrang, der über seine Bequemlichkeit, über seine so rege Vernunft den Sieg da- vougettagen, so daß er sich sofort zum Fclddienst gemeldet hatte,

^u warten bis seine Einberufung kam? Draußen, dort, wo is lhn hlndrangte. konnten sie ihn nicht brauchen, in so ein Pro- vinznest steckten sie ihn. zum Rrkrmendrillen! Na. wenn er das Freilich, auch das mußte, sein, auch damit diente man temem Kaiser, seinem Vaterland, aber er konnte mal ^ownzncftcr nicht ausstehen, er hatte sich ein frisch-fröh- Uches Hcldcntmn geträumt, das ihn mit einem Schlage heraus ht'beu sollte mrs der breiten Straße des Alltags, und nun saß er Sfjrf MN Kasfechaustisch und noch dazu in so einem Provinz- kasfeehaus. wo er alles scheußlich fand. Er ließ seine üble Laune au mm armen, kleinen Pikkolo aus. mit denr er unausgesetzt schimpfte. Eben hatte er lmedcr über die vorsintflutlichen Schwe- selhölzer geflucht die der Pikkolo ihm schlotternd vor Angst hin­gestellt, da ließ sich aus di'r Tiefe des Büfetts eine fettige Stimme vernehmen:Wenns dem Herrn Oberleuttiant bei uns so miß- wl t. M er doch nickck gezwungen, hier zu bleiben? Gibt ja noch Kaffeehäuser hier!"

w ÖT 1 ^ Qn ^ t0 , u ^ der kritische Gast um. Herrgott, »vur tws cm Ungetüm! Gar^ entgeistert starrte er aus die massige Frauengestalt die mit sckläsngem Gesicht da im Büfett saß. Nun

o.uu V .yMuui im- inu jaHamnem gesicht da tni Büfett saß Nun hob sie ^ir.Llick. so daß er ihre M.qen sah. Da stutzte er. aut semem Gesicht malte sich cm hastiges, quälendes Suchen Die Augm. woher kennt er nur die Augen!Der Herr Oberleutnant ^mmt ivohl direkt aus der Großstadt?" begann da die schläsriac Stimme auss neue, ungeniert zu ihm herüber sprechend. .Bei uns IN der Provinz spürt num eben den Krieg viel mein: do kann nicht alles so tipp topp sein, wir müssen froh sein mit tan, was lmr kriegen!" , '

Wie vorwärts gerncden stand der Offizier vor dem Büfett und starrte die Sprecher,n hilflos an Die lachte jetzt plötzlich

b E 8nr "'** -u der massigech Person vablr, ein »inder achcnJesus, ja. da ichan« du. ,oas Marl? Na ,a. anck nur. ich bi» es nnrklich, die Ton»! Tah :vir Fra,im doch «inner das bessere Gedächtnis haben! Denn vcrän- oert hast du dich schon auch in den zehn Jahren, mein Lieber, aber erkannt habe ich dich doch, trotz der Unifonn!"

Tony!" Fassungslos starite er ^le an.

"Beruhige dich nur. ich bin es wirklich. Max!" Sie seufzte am.Ich begreife ja, daß du staunst, denn ein loenig ander- habe rch wohl ansaesehen damals"

Tony, ist es denn möglich?"

Ja. ja, tzlaub's nur so ist der schreckliche Krieg doch zu etwas gut, bringt alte Bickannte wieder zusammen! Aber ich freu mich, dich zu sehen!"

Mühsam ins,,e sich der Offizier und schlug in die sleischigc Hand, die sich ihm so warm eutgegenstreckte.

Daß wir uns so »viedcrsehen würden. Tony."

- » was, und nach so langer, langer Zeit? Das Leben ist salt darüber vergangen!" Wieder seuffle sie:Alwr jetzt er,«die wie ,reht es dir, lnst du verheiratet?"