Ausgabe 
1.3.1915
 
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Weshalb- Mir ist so plauderhaft."

Wann sind wir in Paris?"'

In vier Tagen, Jan. Wem? dich die Gräfin fragt, Jan weshalb du so spät tommst, so laß mich dich entschuldigen. Ich werde ihr sagen, daß ich keine Sänfte für dich hätte aus- treiben können. Uebrigens konnte auch Karl der Fünfte das Reiten nicht vertragen, werde ich ihr sagen."

Joss Maria du wirst das nicht tun!"

Sei ruhig, Jan, ich glaube es auch nicht. Tenn deine Gräfin wird gar nicht in Paris sein, sondern jetzt vielleicht gerade beim Kurftsürst von Köln speisen. Tenn den Schwirr, daß du damals nicht geträumt hast, kannst du sicher nicht leisten."

Jan zog ein Papier aus dem Wams und hielt es Jos« Maria unter die Nase.

Ist das auch geträumt?"

Joss Maria besah sich das Papier.

An Seine .Herzogliche Gnaden von Oranien, Herrn Moritz, Statthalter der Staaten, und hier das Siegel der Königin Mutter, Maria,"

Der Abbs sah gedankenvoll vor sich hin.

^d) bin von Mutterleib an neugierig, Jan. Auch sonst ist es nicht ohne Borteil für uns, zu wissen, was in diesen! Briefe steht. Ich lverde ihn öffnen."

, Joss Maria, gib her!"

Jan beugte sich nach ihin hin und versuchte ihm den Brief zu entreißen. Mer der Mb6 zog ihn an sich und in diesem Augenblick ertönte hinter ihnen das Rollen eines Wagens. Beide sahen sich um. Ta kam in scharfem Trabe große iReisekutsche, die in ihren Riemen schwankte, und voran trabten zlvei Reiter.

Jan hatte gerade des Freundes Ar>n gepackt und plötz­lich preßte er ihn so stark, daß der Mb« stöhnte. An ihnen vorbei trabte Monsä Durante neben seinem Genossen, grün­seidene Vorhänge flatterten aus den: Wagenfenster und einen Augenblick starrte Gneis blasses Gesicht die beiden Ritter an.

Griet!" wollte Jan schreien, aber der Abbs preßte ihm die Hand aus den Mund. Tie zwei Lakeien. die hinten auf dem Wagentritt standen, sahen sich erstaunt um. In einen Hohlweg verschwand der Wagen.

< , plötzlich lagen sich die Freunde in den Annen und lachten.

k^/^"en sie die Gäule gespornt oder begannen sie von elbst zu traben- Bor sich sahen sie die Kutsche wieder und ie blieben m immer gleicher Entfernung, bis rechts der vtraße ein ncklößchen sichtbar ward, an dessen Mauern sich ein Dutzend Hütten drängten. Ein Büchsenschuß weit voraus stand ein einsames Haus, dort hielt die Kutsche.

Es war ein Gasthaus; an einem langen Arme hing em Zumkrug quer über die Straße.

^° en 'V? ö r tc 3ose Maria und trat ein. Jan ruckte sich zurecht und folgte.

Es standen vier Tische in der niedrigen Kammer. Durch die mit Pergament verklebten Fenster siel nur ein matter Dcheul vom Tageslicht. Das Kaminseucr beleuchtete Du- Ä Begleiter. I», Dümmer saßen die Dame,

Der Wirt in blauer Bluse trat zu Durante und sagte:

.Fhäteauneus. gnädiger .Herr, erreicht Ihr nicht vor * erb \ m iu Vorspann bekommt Ihr hier rB Lf7n"kö7n.K'"""^ Wf Könicst.. von Frank.

Zeigt es mir."

saß an, Kaminfeuer und las sein Brevier Za^i hielt sich mit dem Rücken nach den, Fenster und ve» chlang Durante mit seinen Blicken' Kaum war der Fran° Me hinaus, stand Griet auf. Jan eilte ans sie » U1 ,l

e 5 rc,rf >feii sich ihre Hände. Sie 'sahen sich üluästrahlend und wortlos in die Augen, bis Marie" Annes aiigstliche Stimme fragte:

Mein Gott, Margusrite, wer ist das?"

'Jan! Jan aus Köln ist es, Herzenskind! Jan!"

Und fte zog ihn an den Tisch heran, wo die Gräfin saß. flefol 9 t?" mCln £>f rr '' * nf|tc Marie-Anne,Ihr seid uns

stammelte Jan und suchte nach schonen Satz, fand ihn aber nicht

..Nehmt Platz, mein Herr. Unser Kerkermeister wird es

ÄPSWS'Ä

/-verzeiht ihm, er betet sein Brevier."

Ünd Jan stieß einen Seufzer der Befriedigung aus, als er sich an dem Tische niederließ.

Und wie hast du uns gefunden, Jan?" fragte Griet.

, Oh, es muß Gott geivesen sein, der uns geführt hat," erwiderte Jan, und sah mit rollenden Augen in ihr frisches Gesicht.Denn wir verloren am zweiten Tage eure Spur."

.Ja," sagte Marie-Anne und ihre zarte, klingende Stimme bebte,wir sind nicht den rechten Weg gereist; wie es kam, wissen wir,ücht."

Der Wagen hielt plötzlich," fuhr Griet fort.Du- rauke sagte: es sind Spanier. Das hörte ich. Die Borhänge durften wir nicht öffnen. Und als der Wagen weiter fuhr, hörte ich: es ist sicherer so. Und einmal hielten wir mitten

Walde und Marie-Anne behauptete Wölfe heulen zu

In diesem Augenblicke trat Durante wieder ein. Er machte gewaltige Augen, als er Jan am Tisch sitzen sah-.

Zwar bebte Jan der Schnurrbart vor Erregung, aber er jagte sehr langsam, mit beherrschter Stimme zu Marie- Anne:

'Jedenfalls rate ich, jetzt nicht nach Paris zu reisen, sondern mit uns zu kommen. Tenn"

Erlaubt mein Herr Irgendwersagte Durante, noch an der Tür.

Denn ich habe mir sagen lassen, daß Eminenz Walfisch noch immer nicht der Teufel geholt hat."

>,Mein Herr," schrie Durante,spnckt eure Lästerungen tm Stall aus, aber nicht hier."

Jan lächelte.

Nach meinem Belieben, nrein Herr. Und wenn ich schon zu wählen habe, wohin ich spucke, so scheint mir ireine Fratze, Kerl, das rechte Ziel!"

Durante stieß nur ein Knurren zwischen den Zähnen heraus und zog. Jan warf mit dem Fuß seinen Stuhl zurück und sein Degen blitzte.

^"Entschuldigt, meine Herren!" sagte plötzlich sehr laut Jos4 Maria und trat heran, in der Linken das Brevier, den Zeigefinger als Buchzeichen und unterm Arm den Degen eingeklemmt.Entschuldigt, meine Herren, aber mir scheint, d.°V cs Kavalieren nicht geziemt, in Gegenwart von Damen Nch zu schlagen, um von mir zu schweigen, trotzdein ich die Soutane trage Dürfte es nicht möglich sein," fuhr er ver­bindlich fort,daß eine sörinliche Aussprache die hier vor­liegenden Mciniingsverschiedenheiten beseitigte?"

Der Gefährte Durnnles öffnete die Tür und trat ein Euch, mein Herr," sagte der Abbe und machte mit der Rechten eine einladende Geste,bitte ich, Richter zu sein. Die Herren streiten sich wegen des Spuckens, - die Damen mögen verzeihen. Dieser Herr dort," er deute,c auf Durante,ist der deutlich ausgesprochenen Meinung, daß dieser Jüngling im «tall aus spucken solle. Der Jüngling wünscht aber diesen behaglichen Raum nicht zu verlassen. Was meint Ihr?"

ranl >"^ ® ot dcn Kardinal und mich beleidigt!", schrie Dn-

Wenii cs so ist ", sagte sei» Genosse.

Er hat die Damen beleidigt, indem er ihnen vorschrci- be wollte, nicht nach Paris zu reisen!" '

Meine Herren," sagte Jose Maria,ich bin nach Berus und Neigung cm Mann des Friedens, aber auf die Gefahr hm euch mißfallen, muß ich sagen, daß mir scheint, als wcmidicDamen wirklich besser daran täten, nicht nach Paris

(Fortsetzung folgt.)

Uomödien des Lebens.

Skizze von Irene Gerhard.

letzt rum zehnten Male im Verlauf der letzten Viertelstunde feine Uhr hcrausgezogen und stets wieder miss neue seufzend in das dunkle, schmale .Haustor geschaut Resrarnert lehnte er sich an den Gaskandelaber, der dicht vor dem Hanse stand Mit halb geschlossenen Augen blinzelte er die leere >SL ra fyrv^ in Ä ^ n } nci fefter schlossen sich die Augen des Warten­den. Die tiefe Ruhe ringsum; das flackernde Licht und das wie aus werter Ferne herübcrklingende Ävogen und Branden eines hastenden Menschenstromes das gedämpfte Waqenqerafsel und Klingeln, all das imrkte einschläfernd.

Hollah Tony!"

® a,| S verstört starrte et in das lachende Gesicht des iuuaen 9*1«? tam, bfl5 lf,m B °" rMwiirt * beide Hände über die Nug?"