IJan von Merlh.

Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ans! Olus! Jan!" ries er und schüttelte ihn.Sie sind fort, aber wir haben sie bald. Ans, auf, Reisegenoß, Gutsreund!"

Und als Jan sich erhob:

In den Sattel, Herzbruder!"

Die alte Vettel von einer Wirtin schüttelte er in hellem Uebermut.

.Holdes Weib, bete den alten Reisesegen: Dir nach ich sehe, dir nach ich sende, mit meinen fünf Fingerlein, fünf­hundert Engetein! Vorwärts, Jan! Offen sei dir des Sieges Tor, und offen sei dir des Glückes Tor!"

Die ermunterten Pferde wieherten uub die Freunde ritten eilends davon und in guter Zuversicht, denn sie hofften nichts geringeres, als am Abend mit den französi­schen Kavalieren einen herzhaften Becher zu leeren.

Sie hatten vergeblich gehofft. Sie lvaren nicht eine Stunde weiter, als sich Jan vor Schmerzen die .Haare sträubten. Er wollte nicht vom Gaul herunter, sollte er sich auch das Fleisch vom Gebein herunterreiten, Zackerbvmben- undflöh! Schwang vorerst einmal ein Bein herüber und ritt wie ein Weib; im Trabe mochte so weiter gehen. An der Furt des Knnmerbachs lagerten einige zwanzig spanische Soldaten, die ihnen .Hohnworte nachriefen. Im nächsten Dorf hatte ein ganzes Regiment Quartier, alte mit Ordre nach Brabant Die Dorsstraße war von johlenden Männern erfüllt. Jos6 Maria und Jan mußten avsteigen und ihre Pferde führen. Der Abbe fragte ein paar Soldaten, die untergesaßt vorbeijchwankten, nach der Reisekntsche. Zwei, drei lvaren durchgekommen. Erst soeben eine.> Waren zwei Fräuleins drin, nicht wahr?Zwei Frälllein meint Ihr? Die sind drüben in: Gasthof. Ihr seid wohl der Beichtvater?" Und sie stießen sich mit beit Fäusten in die Seiten unb lachten wiehernd

Jan hatte sein Pferd scholl quer durch die Menge ge­zogen. Sie sind hier! Sein Gesicht rötete sich, die Schmerzen hatte er vergessen. Da lvar der Gasthof. Lärm mtb die dünne Stimme einer Fiedel scholl heraus. Durch die grünen blasigen Fenster konnte er nicht sehen. Auch Jose Maria kaut heran; Jan lieft ihm sein Pferd und trat ein. Wie es nach Tabak und Wein roch, und nach Menschen stank, die eben ans Winterquartieren kommen? Und lieber Gott die Fräuleins waren gemeint? Die zwei Dirnen, die da im Tanze sprangen, daß ihnen die Brüste ans den; Mieder hüpften?

Er schüttelte nach Jose Maria nur den Kops und sagte: ..Weiter".

Borm Dorse festen sie den Pferden noch einmal dte .Hacken ein, aber es wurde nur ein schiebender, schleifender Arab. Wütend starrte Jan in den grauen Sand der Straße.

Wie lang ist Durantes Rechnullg," fragte lächelnd der Abbe.

Gr wird mir alles lassen inüssen, was er hat, che dte Rechnung glatt ist," er sagte es dumps und zornig.

Meile auf Meile. Jan stieg ab. War schon gleich, die Gäule gingen omf> nicht schneller wie er. Und Berae rollten sich aus, die mit schwarzen Tannenwäldern bedeckt waren. Es schien, als weml der Frühling hinten bliebe. Es wurde kalt, und lvo eine Schlucht lvar, lag grauer Schnee. Meile auf Meile. Und erst als endlich Gemünd mit wenigen grau­blauen Häuschen aus einen! finsteren Tale heraufsah, wurde es den Kameraden ein wenig freundlicher zu Sinn. Die Pferde nahmen noch einmal die Kräfte zusammen und trab­ten los. Aber in Gemünd wußte niemand von einer Kutsche und zwei Fräuleins und zwei Kavalieren.

Eine ungeheure Gleichgültigkeit gegen alte Fräuleins und Kavaliere der Welt stieg in den Freunden auf. Der Wunsch; nach Paris, regte sich nicht; aber der Wunsch nach Schlaf war ihr ganzes Wesen. Wie sie standen, sielen sie auss Stroh. , .

Aber noch vor Tag richtete sich Jan enrpor. Werter, weiter! Frisch und mutig ging's voran. Bergaus, bergab, ins Tal der .A-ll, Gerhardstein dräute noch vor Mittag vom scharfen Fels, sechs Sturrden später stand Bitbnrg golden im Abendlicht. Und am rrächstcn Tage nach einem Ritt von zlvei Stullden in der Frühe durch milde Luft klapperten die.Hrrfe ihrer Gäule über die Brücke und durchs Brückentor nach Trier hinein. Alles tvimmelte von spanischen Truppen; man sprach von Krieg mit Frankreich, aber wie Jose Maria auch fragte, von den zwei Fräuleins sprach niemand.

Da saften sie nun im GasthausZum weiften Hahn", am Tisch sich gegenüber, einen Krug Burgunder zwischen sich und sahen sich tiefsinnig an und sagten nichts als; Ent­wischt! Und dazu nickten sie.

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Jan ritt nach acht Tagen wieder, wie es sich für einen guten Christen gehört, links ein Bein und rechts,ein Bein, auf dem wiegenden Pferderücken dahin und psiss das Lied vom Innsbrucker Landsknecht. Unter den Husen ihrer Gäule war die Pariser Landstrafte und sie wollten am Abend noch Verdun erreichen. Denn daran war nun einmal nicht zu deuteln; nach Paris muftten sie.

Es gab ein Märchen " sagte Joss Maria und lieft die Augen über die Hochfläche schweifen, die kahl und gelb an der Maas sich hinzog,ein Märchen, in dem ein gewisser Abb^ neben einer gewissen Gräfin ritt, indes hundert Schritt zu­rück ein sagen wir ein Kammerdiener und ein Zöschen das Lied vom Innsbrucker Landsknecht sangen, das du ge­rade pfeifst. Und ich glaube fast, du selbst hast mir das Märchen erzählt, Jan. Ein schönes Märchen, ma foi."

Schweige doch "