181
Der alte hasste.
Novelle aus Ostpreußen von Fritz Mack (Erfurt).
* Y° Bernhard Haffke: auf einem kurzen, massigen Körper lavKopf Der harte Schnitt des Gesichts wurde durch ?9~ \!Sl ? u ? om seltsam blanken Augen gemildert und um den lchvn etwas erngefallenni Mund zuckte es häufig »nie Wetterleuchten üder^einem stillen See. Die qanze eckige Erscheinung wirkte wie ein fnorrtaer, wetterharter Wewenstrunk.
m 9* stebzig Jahre alt; man nannte ihn den alten Haffke zur Unter,chndung von seinem etwa dreißig Jahre cl n - ^ber wer ihn. den Pflug in der Faust, stundenlang VÄA. T , L$ mC r r i n Ackergaul traben sah, mochte ihm sein patriae - Alter schwer glauben. Im übrigen ivar der alte Hasfke
Su«ui 0 r' ^er über vielerlei nachgedacht, manches gelesen und über alles seine eigenen Gedanken hatte.
Es, daß man ihm seine ungebeugte Rüstigkeit neidete. $artn straffte sich fÄne Gestalt noch mehr als sonst, und Mit einer Stimme. m der aufmerksame Zuhörer die leisen Untertöne 5^'«v "wen Stolzes vernahmen, antwortete er dann: ..Auf eige- Brot nährt besser gesünder als anderswo, und selbstgebautes
ihm ?SI, EM Grund und Boden leben und schassen, das war ® tnn Daseins Er hatte noch die ursprüngliche ^ßhaftem Besi^s^^ Gn Stolle und den gesunden Stolz des
Obwohl der alte Haffke die Wirtschaft längst denr Sohn über- gebm hatte, arbeitete er noch wie dieser, von früh bis spät Er stand mit den anderen um vier Uhr morgens auf und am Abend
,*4 • ... ; Y -, " —r . «ui um jriumu
'Nit ihnen hnm. Der lunge Haffke Mid die Frau stellten . C k i ü §2* r ,mmer ?neder einmal vor. daß er doch gar nicht nötig habe, sich so zu plagen. Der Alte sagte daraus nur:
- ich> nicht mehr arbeite, lebe ich nicht mehr." Er ivar von, er Anschauung so ttef durchdrungen, daß er sich auch bei An- en körperlichen Unbehagens keine Ruhe gönnte: „Man darf feiner Natur nicht nachgeben. Sie tut immer das, was man von ihr
S?*eÄff*'" m “ Wür bic
.^„Eine Schwäche, die im Grunde schlecht zu ihm passen wollte.
energftche alte Mann freilich auch,' er war wan- schwer und nur bei ganz wichtigen Anlässen ve»nock„i- inan ,hn dazu zü bewege», bis in eines der uächstgeleqenen kaum Dörfer mitzugehen Gegen das Reisen mit der Msenbahn aber hatte er eine beinahe krank,mite Abneigung An
Vl n a 5 anb fonn t c er Herzählen, wie oft er drüben in .her^kleuien Bahnstation war. Es schien, als fei er mit der Heimat- kriech geheime zauberhafte Fäden verbunden. In einer er sein sonst nur schwer zu erschütterndes 2m & r t <fca ,utbe sicher, wortkarg und mißtrauisch. Er kam sich dann selbst vor wie ein entwurzelter Baum
«- *'£•?? * ***" Menschen nicht anders wie mit Pflanze und
er. wenn man ihn ob seiner Schwäche anf-og i wir.nur auf dem Boden, in dem wir gewachsen sind Dir Lerche baut im FÄd und der L>tar auf den Bäumen Sie ^rbenS me anders machen " Zn anderen Malen pflegte er auch Wohl das zu sagen: „Die Luft der Heimat ist für uns. was der Blume die Sonne ist In der Fremde lebt der Mensch wie im I J? b Wärme fohlt, da gibt's knne rechtc zcln »ich?,ies" Farben, Im ungewohnten Boden gehen die Wur-
^/tor mlnntc ihn einmal einen „Fanattker der Scholle"
und der alte Hasfke hatte es gar nicht ungern gehört. — --
Es war gegen Ende Juli Der Sommer war heiß und trocken ä" 1 ',“ 6 die Frucht bog sich segcuschwcr aus den Halmen Di' daMcs begannen „,,l der Einbringung der Ernte. Der junge HaMe sah mit gerunzelter Stirn, wie sich der Rater abrackerte Schlftß ich tan, ihm der Unwille aus die Zunge. Der Alte fuhr hart dagegen . "Bosiauftg mußt Mich schon noch für voll nehnien Fcb mack NW»! Teil, sorg' du für deins " lind die Arbeit ging mütr
aa J®“ Ti!”’ sch»» wochenlang gper Europa kwänenden
Wetterwolken der Blitzstrahl nieder: der Krieg war erNärt
Dagm^ins Fel^^ Landfturmmanii schon in den, ersten
»»_.-Dorg'^ich nickt, wir rwingcn's auch ohne dich." Mil dielen
Wvkten nahm der alle Hasse Wschied von denn Sohn ' Dann chna « wieder an die Arbeit. Er schaffte für »,vei fo tw»s T!! 0
um «neu Tag später fertig wurde, als man gehofft
Man hatte eben die Last des letzten Wagens in der Sck-„„- untergebiachl. und Hasfke zündete sich zichjedei', bir ißfrife «i.
Da stellte ft* b*r Mmt-Mnencr mitten in die Straße, fSnn bic Ortssckplle und verkündete, die Kvsaken seien im Anzug Den
Wt'^u rVr<tUe "' SKnbfr das Mel, Lsi£
„vei Eickel 7nr ÄTÄ" di- Sohnsirau und fHne
K^uT U ’ u f,C uuch Danzig „Od) bleib' daheim: einer muß das HauS hüten."
.. Er verharrte bn diesem Entschluß, als schließlich auch noch
SK S ^ Dorfes, durch Gerückte über Greueltaten der Kosaken erschreckt, Haus und Hof verliehen. Eneuaren der
K ti f°? # ich auf meinem Boden sterben " Und Hasfke bhcfc mit ein,gen wenigen als Wächter des Dorfes
zurück. Er. vcrnchtete seine Feldarbeit wie gewöhnlich und fina sthon an, srch über dre voreilige Flucht der Nachbarn zu ärgern da tönte «ars Abends, als er sich.^rade aus d^^elmw^ gebenwollie, Pserdegetrappel von der Landstraße lterübcr.
Lne lktosaren!
Der alte Hasffe hatte nxKfj. kauin Zeit gehabt, sich mit dem Gedanken verlraut »u machen, als die Russen, vier wild aueftch-nde ^^nnllstruptngen Bärten, auf «einen, stinken Pferden, ihm
.Dcr FÄhrer der Patrouül« fragte ihn in gebrochenem Deutsch. ^deu>llche^Soldaten ,m Dorfe snen und befahl ihm dann, sic in »ich in, Dorse"fti^^bU' Unterwegs erkundete er sich noch, ob Hasfke erschrak.
wittdeii pezahltn alles mit gme russische Rubel," schrie einer von den Kosaken
Unterdessen warm sie am Eingang M Dorfes angekonkmen. -.Dem Haus," schne der Führer der Vatronille.
Vaffke nnes nnt zitternder Hand ans rnn Besitzttrm.
^Wo jfin Stall?"
ob und ließen sich in den Stall füh- dann eine .Kith und zlver Ziegen lüünerkten, wichcr- i* tef? l0er Ueberraschuna. Einer band sofort die Kuh
los, und der Fiihrer trat vor den Besitzer hin. 7
„Ötcr ist zrveiknmderl Rubel für Kuh."
Ho'tte drohte nmzusinken. Mlhsam machte er den Kolaken verständlich, er das Trer für tue Wirtschaft benötige und bat, ihm die Kuh zu lassen.
Der Kosakensührer schüttelte energisch den Kops.
,,Nir. Branchen Kuh iwttvendig."
DaNke deutete verschüchtert auf die Ziegen.
t"i 1 lT ” r dock. Hier ist zweihundert Ru
bel! Da fuhren uns zurück tu Ort. Vorwärts!"
Dasfke sah ein, daß er gehorchm nmßte. Wie gebrochen schleppte er sich neben der guten alten Lisel l^r. Tie Kosaken rittend abwechselnd vormis odor hinterher. 9lls sie endlich am waren, bemerkte er, daß der ganze Ort von den stiussm besetzt war. '
Nachdem er von dem Führer entlassen worden, machte er sich, noch immer betäubt von dem Erlebten, aus den Heimweg. Er Klug euren kurzerm. quer über die Felder führenden schnialen Fußpfad cm.
an l ? ar n I’° ber Krieg! Und die Kosaken waren der Feind! chs^Land'^ ^ ,ucri)e,t ' mentl bic Runen iveiter hereinkamm ..Halt!"
Glimmer, das geheimnisvoll uild undurchdringlich über den Aeckern schwebte, lösten sich zlvei Gestalten.
„Wer fern du? Wo konwien her?"
^Nann zitterte vor <&f>recf am ganzen Leibe: er ver- mochte kern zusammenhängendes Wort hervorzubringen „Schon verruchtes!"
Die Angen des Russen rolllen vor Wut. Dem» packte er den Gefangenen mit derbem Grits am Arm, der andere faßte Hasfke m a0CU ' schleppten sie den vor Ausregung schlottern
den Mann nnc Stunde lang über die Stoppelselder. bis sie end- Uflj m nn Dorf kamen, das ebenfalls von russischen Soldaten wimmelte.
^Arr^ a ^ fe # *° nntc nicht erkennen, ivo er ivar. da es inzwischeil vöN'g dunkel geworden war. Man führte ihn vor einen Offizier^
I ^tsch sprach. Er wurde^ durchsucht und die zweihundert Rubel wurden thm abgenommen, meiner Erklärung, wie er zu dem Gelde gekouune,!. glaubte man nicht. Ein Soldat band ihm die Hände fahren woltt-^ kchob ihn ans einen Wageri, der gerade los-
^ Fahrt dauerte ettva Lwei Stunden. Ueber Hasste war eine stumpfe Ergebung in sein Schicksal gekonunen. Als man ihn aus- §?& btC ”' nur slücknig. daß er jetzt in einem größeren
Städtchen war. Wieder kmn ein Ofsrzter. verhörte ihn und sagte dann unfreundlich: „Wrr werden untersuchen!"
Dann wurde.Haffke ins Gefängnis geführt. Es war eine sehr Münale, niedere <,elle,rn der ein inuffiaer, übt er Geruch herrschte. Das ft''-'«-' w«»ttge Fcnftcrckten. init Etsenstäben vergittert, war verschloiie» In der Ecke lag ern mi, Stroi, gestillter Sack, denr NN Nnderlicher Gestank entströmte.
x-e- ^bllig erschöpft. Er ließ sich aus den Steinplatten
des Fußbodens weder. Aber bald stand er toieder auf Die un- aewobntc Eime des Ramnes bedrückte ihn. Die Luft ,var hier so dick, daß er kamn atmen konnte. Kalter Schlveiß perlte auf seinn- Stirn. Er fürchtete, zu n-sticken.
Ais der Wärter, ein Soldat, am Mvrgert kam, um ihm eine bunuf Siiw* zu bringen, hatte Hasste noch kein Mge zugetan.
Das Essen, das rn einer vor SckMntz starrenden Schilssel schwamm, berührte er Nickt.
,, Der T-nick mif der Brust ivollte »licht weichen. Er ging in der schmalen Zelle hin und her und attnete in tiefen, schweren Zügen.
Als er endlich gegen Abend vor Müdigkeit einaeschlmnmert war, träuntte ihm' die Wände der Zelle känrcn auf ihn zu und drohten ihn zu erdriicken. In ^>ckitveiß gebadet, erivachte er. So oft er aui kurze Zeit dre Angen schloß, im'mer ließ ein quälender Traum


