Jan von Werth.

Vornan au- dem Dreißigjährigen Kriagn von Franz Herwig (Nachdruck verboten)

(Fortsetzung)

,,Jan, mein Soh»» Wie dankbar mußt du Gott sein, daß er dir mich als Führer und leidlichen Schutzengel, sozusagen, gegeben hat Wenn ich nicht im Rausche bin und du weißt daß ich der enthaltsamsten Menschen einer bin, ein immerwährend und leuchtend Vorbild für dich, so sehen meine Augen dort eine recht wohlaewachsene Sprossenleiter von einiger Länge. Mer sieh selbst zu, Jan. Auch du siehst sie, nicht wahr, und nun folge mir; laß das Licht brennen. Frau Josepha schläft nicht nach dem Hofe heraus? Nein. Also gut. Uno nimm deinen Degen, aber zerbrich ihn nicht stoischen den Beinen. Lebewohl, trau­liche Klause, du Dduschelschale, in die ich mich barg, du Zu­flucht der stummen Freuden. Vals. vale. Et nunc: procedamus iu pace."

Es schlug elf, als sie aus dem finsteren Höschen standen. Eo wurde nichts gesprochen Sie fetzten die Leiter an bas niedrige Stallgebäude und stiegen aus das Dach Ein Ziegel rasselte herunter und zerknallte im Hof. Sie blieben aus denr geiieigten Dach liegen, ohiie sich zu regen Endlich lvagten sie es, die Leiter nachzilziehen und auf der an­deren Seite herunterzulassen Dort lies eine enge Gasse hin, iu der kein Licht schien. Borsichtig stiegen sie hinao.

Der Druche ist überlistet, o Jan," sagte Josv Maria. Gestehe, daß es unrecht von dir war, zu verz»oeiseln!"

Und sie setzten ihren Weg munter und zuversichtlich

fort.

Es ir-ar noch nicht ganz die verabredete Zeit, als sie das schwarze Kreuz, von dem Griet gestochen, an der Gartenmauer fanden. Sie verhielten sich sttll und lauschten auf jedes Geräusch. Endlich schlug es Mitternacht. Groß Sankt Martin sang stockend urtb miß tönt g da- Lied über die schlafende Stadt hin :

Du Fürst und König. Kaiser du.

Auch dem letzt Stüridlein naht herfür.

Sorg, daß du sterbst in guter Ruh.

Und sich dir vssn' die Hmnneltur Daß Satan nicht werf'dein Gebein Alsbald in bittere Höllenpein.

Als der letzte Don verhallt war, hingen zwei starre Augeirpaare an den Übervagenden Zweigen des großen Birn­baums fest. Aber nicbtS regte sich. Also warten wir ein wenig.

Die Stacht war kalt. Gedämpft, aber seltsam deutlich, hörte inan daS dumvfe Rauschen des Rheines. Irgendwo rief ein Käuzchen Die beiden Freunde lehnten sich an die

Mauer. Das Mordkreuz erhob über sie seine schn»arzen Arme.

Eine Biertelsturrdc verging. Da flüsterte Jan leise und mühsam, denn seine Lippen bebten vor innerlicher Aw reguna:

».Hilf mir. Ick lnuß wissen. Ich will hinüber."

Ioss Maria krümmte den Rucken, Jan stieg hinauf, den Degen zwischen den gähnen, faßte die Kante der Mauer und zog sich empor. Er starrte in undurchdringliche Finstev- nis. Eine Angst überfiel ihn.

Äarte Her," raunte er zurück und verschwand im Geäst deS Baumes

Es dauerte nicht lange, so war er zurück. Mit eine« Satz war er unten

Sie sind fort!" keuchte er, ,^ie Fenster stehen offen, altes ist finster, kein Mensch ist da! Der Walfisch hat sie verschluckt!"

,Hallo!" saate der Abb6 uird wurde lebendig,jetzt wird daS Spiel interessant. Komm. Zuerst müssen wir fest­stellen, ob sie wirklich fort sind. Wir klopfen an daS Haupt­tor, das an der anderen Seite liegen wird. Oessnet man nicht, so tvissen wir Bescheid. Oessnet man, so bin ich ein Priester, der zu einem Kranken gerufen ist und sich in der Tür geirrt hat."

Sie fanden das Tor. Sie klopften, daß es durch die Gasse schallte. Sie klopften unaufhörlich, Jan in ohnmäch­tiger Wut.

Gegenüber in einem kleinen Hause wurde es hell. Der Abbs trat heran und pochte. Ein Fensterladen öffnete sich spaltbreit Er sei in jenes Haus gerufen, sagte Jofs Maria, und jetzt öffne ihm niemand. Eine Geisterstimme antwortete ihm, daß um acht Uhr etwa, ja, etroas vor acht Uhr, eine Reisekutsche vorgesahren sei. Eine Dame habe inan hinein­heben müssen, zweifellos tvar sie krank Und dann fort und zwei Reiter hinterher.

Der Abl>6 dankte und er und Jan sahen sich an Jan tobte:

Vorwärts zum Ulretor. Zu Roß Und.dann müssen »vir auS den Mauern heraus und wenn ich die gairze Tor­wache zusammenhauen soll"

Ihre Pferde standen bereit. Sie schwangen sich util Hilfe >ei* Stallknechte in den Sattel, und da die Flüchtlinge icherlich die Straße nach Paris elngeschlagen hatten, ritten ie zum Gereontor. Der Abbs bedeckte seinen legen mit >em Mantel und ritt an die Schildwache heran

>.Höre, guter Freund," sagte er, und hielt einen Gold- gulden hoch,ist wer eine Reijekutsche durchgekommen, mit zwei Kavalieren zu Pserd dabei T*

Der Soldat machte große Augen nach dem Goldstück und sagte:

Ja, so vor Stücker vier Stunde»», meiner Treu."

Jos6 Maria gab ihm den Golbisulden und zog einen zweiten: