Juckreizes Ta- utid Nacht nicht schlafen kann. Wiederholt versicherten wir die Truppen im Öfter,, sie hätten lieber Hunger, Durst und Schmerzen gelitten, als das unerträgliche Jucken.
Im -Frieden sehen mir die Kopf- und Kleiderläuse sehr häufig bei ärmeren Bevölkern ngsschichtcn, die aus Körperpflege wenig achten, bei verwahrlosten Kindern, in Asylen für Obdachlose. Ich hatte häufig Gelegenheit, sie bei Prostituierten zu sehen. Aber auch in bessere Gesellschaftskreise verirren sich namentlich die Kopfläuse manchmal. Stellt dann der Arzt in diesen Kreisen die Diagnose „Lauset, so ist das Erstaunen gross. Denn schon die Nennung des Namens der Krankheit hatte bisher etwas „Geheimnisvolles und Abschreckendes". Heute spricht man über dieses Thema ebenso offen, wie über andere Krankheiten.
Auch der Scherz l-at sich desselben schon bemächtigt:
Aus dem Kamme der Karpathen wimmeln russische Soldaten, Machen eine Bergpartie, doch nicht lange machen sie.
Aber was sie hinterlassen, ivimmelt dort in grauen Massen, Seit sie ostwärts abgesaust, ist der ganze Kamnr verlaust."
Schon Goethe erwähnt in seinem Fällst l. und 2 Teil das Lästsethema.:
Ter Herr der Ratten und der Mäuse,
Der Fliegen, Frösche, Wanzen. Läuse Befiehlt dir, dich hervorzuivagen . . ."
(Studierzimmer, Faust 1.)
ittNd
„Der Schalk in dem Busen
Verbirgt sich so sehr;
Vom Pelze die Läuschen,
1 Enthüllen sich eh'r." s ' (Faust II.)
Wir unterscheiden erstens die sogenannte Kopflaus imo zweitens die Kleiderlaus, von denen die erstere den behaarten Kops bewohnt, während die andere nur in den Kleidern lebt und nur zum Zlvecke der Blutsaugung diese verläßt. Jedes Weibchen der Kops- und Kleiderlaus legt cttva 50—75 Eier, die es an die Kopfhaare oder an die Fasern der Hemden und Unterkleider klebt. (Sogenannte Nissen.) Nach 5—6 Tagen entwickeln sich junge Läuse aus den Eiern. Es findet also eine ganz enorme Vermehrung statt. Eine gewöhnliche Kopflaus ist etwa 1 Millimeter breit und 2,5—3 Millimeter lang, ist aber mit freiem Auge sehr leicht zu sehen. Wgs nun 'die äußere Form betrifft, so kann der Stift des Lituanus keine bizarreren Formen zeichnen. Aus dem ovalen, 1 Millimeter breiten grauen, drei Millimeter langen Körper ragen 6 Beine mit Haken zum Festhalten hervor: aus dem ovalen Kopf, der mit dem Körper halsartig verbunden ist, ragen die Saugwerkzeuge hervor. Zwei vorspringende Augen liegen zu beiden Seiten des Kopfes.
Im Frieden Übernimmt nun die Behandlung der Läufeerkrankung der Arzt, im Kriege jedoch gelten andere Grundsätze. Im Kriege muß angesichts der großen Ansteckungsgefahr durch die heimkehrcnden Krieger auch die Allgemeinheit wissen, was sie gegen die Parasiten, sei es zur Vorbeugung und zur Behandlung zu tun hat. Bon diesem Gesichtspunkts aus hat auch der Berliner Polizeipräsident eine Bekanntmachung erlassen, daß das durch die Kleiderläuse übertragene Fleckfieber nicht nur unsere Streitkräfte im Osten bedroht, sondern daß es auch nach Deutschland eingeschleppt werden kann. Der Kampf gegen die Läuseplage hat daher eine große hygienische Bedeutung.
Was zunächst die Kopfläuse anbetrifft, so sollen die Haare uw glichst kurz geschnitten werden. Dann wird der Kopf mit Tibinsluid oder Sebadillextrakt gründlich mittels eines Lappens oder mit der Hand cingerieben, oder aber besser ein mit dieser Flüssigkeit durchtränktes Tuch wird einige Stunden oder die Nacht hindurch auf die Kopfhaut aufqebundeti, wobei man daraus achtet, daß die Flüssigkeit nicht in bte Augen kommt. Im Notfälle genügt auch gewöhnlicher Essig. Auch Einreibungen und Auflegen von mit Petroleum durchtränkten Tüchern, Binden oder Watte hilft sehr gut gegen die Kopfläuse. Jedoch ist wegen der Feuergefährlichkeit sehr große Vorsicht nötig.
Selbstverständlich sind gründliche Seifenwaschnngen des behaarten Kopses so oft als nlöglich zu machen.
Tie Kleiderlaus ist unter den im Kriege geltenden Verhältnissen viel schwerer zu beeinflussen. Zunächst ist die Prophylaxe von größter Wichtigkeit, d. h. der Soldat soll — was leicht gesagt^ aber nicht leicht getan ist — sich nachMöglichkcit befleißigen, dre Orte und Personen, bei welchen Kleiderläuse fest- gestellt sind, zu meiden. Viele Soldaten schlafen daher lieber auf Stroh, als aus den Polstern und in den Betten. Gründliche Untersuchung auf Parasiten ist daher zu empfehlen. Seidenes Unterzeug schützt bis ftu einem gewissen Grade, da die Kleiderlaus sich vier nur ungern einnistet. Zur Tesinsektion der Kleider verwendet Inan mit besten strömenden Wafserdampf oder erhitzte Luft und, soweit dies möglich, das Auskochen der Kleider.
Mer wir haben noch eine Reihe anderer Mittel chemischer Natur. Sehr empfehlenswert ist die Mtötung mittels des Tibin- Versahrens. Dies besteht au- drei Präparaten, einem Tibinfalben- ftift, der in settfreier Salbengrundlage ätherische Oele und desinfizierende Miltrk enthält, die iniftanbf sind, nach dem Bestreichen der Haut mittels des Stiftes die Läuse vom Körper fern zu halten und den Fuckreir zu mildern. Ter Soldat kann diesen desinft- zierenden Salbenstist bequem mit sich fiihrxn. Aehnliche Sub
stanzen befinden sich in der Tibinflüssigkeft, das dann zur Verwendung kommt, um die Kleider entweder zur Verhütung der An- fiedlnng der Parasiten zu bestäuben oder zu bespritzen oder aber, falls die Parasiten schon in den Kleidern sich eingentstet haben, die abtötende Flüssigkeit mittels eines Lappens, einer Bürste, Watte, Verbandmull usw. gründlich in die Kleider einzureiben, ähnlich wie man mittels Benzin die Flecken aus den Kleidern wegreibt. '
Auf dem Marsche und im Schützengraben endlich kommt das Tibinpulver in Betracht, das in einem Zerstäuber verpackt, sowohl in die Kleider direkt, als auf dem Körper gepudert werden kann. Xylol ist zu umständlich und zu feuergefährlich. Dasselbe gilt vom Schwefeläther. Forntalin tötet die Läuse nicht sicher ab. 15 prozentiger Bergamottölspiritus hat sich im Balkankriege bewährt, seruer 30prvz. Kalmustinktur mit 70proz. Alkohol. Auch 5 bis lOproz. Anisöl und Fenchelspiritus, ferner 2 bis 3proz. Naphwlspirittls und lOproz. Naphtalinsalbe werden empfohlen. Besonderes Gelaicht ist an den Grenzstationen auf die Reinigung der Eisenbahnwagen zu legen, in denen Verwundete und krieasgefangene Ritssen transportiert wurden. Ich habe in der Zeitschrift „Die Hygiene" Nr. 10 1611 vor vier Jahren schon auf die Ansteckungsgefahr der Eisenbahnwagen und Schlafwagen hingewiesen. .Heute, wo wir wissen, daß der Erreger so lebensgefährlicher Seuchen, wie es Flecktyphus und Rückfallfieber sind, durch Läuse übertragen werden können, ist dieser Art der Hygiene besondere Auftnerksamkeit zu schenken.
Aber auch die Oeftentlichkeit darf diesen Erkrankungen nicht mit verbundenen Augen §egenübertreten. Aufklärung bis in die weitesten Kreise, das ist die Devise.
<Vtto Ludwigs deutsches Nationalgedicht.
(Zum 50. Todestage des Dichters, 25. Februar.)
In diesen Tagen deutscher Größe und deutschen Ruhmes «sisb die Erinnerung an einen urdeutschen Dichter in uns wach ge rufen, der am 2b. Februar ein halbes Jahrhundert dieser Erde entrückt ist. Otto Ludwig darf uns als das Idealbild deS deutschen Poeten gelteit, so wie ihn sich die Volksphantasie in ihren Träumen aus- gemalt: eine echt germanische Erscheinung in seinem Aeutzeren. das immer mein: vergeistigt wurde durch jenen edlen Leidenszug. den die Piuse so oU mit ihrem Kusse dem Künstler auf die Stirn drückt; ein leidenschaftlicher Bewunderer seiner deutschen Leintat, der mit Märchenaugen die Schönheit deS deutschen Waldes, des deutschen Wortes, deS deutschen Menschen erschallte und Werke einer inntgen Heimalkunst geschaffen hat; ein Mensch dessen Entwicklung ganz atti's Innerliche gerichtet war, deffeit §eele ein immer strabl nderes Leben entfaltete, je mehr Opfer und Leiden die schrankenlose Hingabe des Dichters alt seinen Berns verlangte, eilt Märtyrer seines Schaffens, der die itrbentfctje Sehnsucht nach Klarheit und Reinheit der Form bis zum tragischen Höhepunkt anskostete. Otto Ludwigs dichterisches Wachsen und Werden ist eine iutnter reichere Offen- baruitg deutschen Wesens und deutschen Geistes, tmd seine Gedattken, die sich in großartigen Entwürsett erschöpftett, kreisten mit Vorliebe um die deutsche Geschichte, fitesten die teuren Helden der Vergangenheit lebendig ztt tttache>t. Unter den zahlreichen Dramen- lkizzen, die ihren Stoff dem fiebeit großer deutscher Männer eilt- nehmen, sittd die Arminius, Wallenstein und Friedrich d. Gr. ge- weihten Werke am tveitesteit gediehen. Während er an sein.Leben und Tod Albrechts von Waldstein" die letzte Hand nicht mehr legen konnte, scheint seilt BolkLschauspiel .Friedrich II.* vollendet gewesen zu sein, obgleich uns eilt böses Geschick nur daS prächtige Vorspiel .Die Torgatter Heide* erkalten hat. All diese Pläne tmd Hoff- nungen eiltes int Wollen so übermettschlich hohen Wirkens hat aber der Dichter kurz vor seinem Lebensende in einem ungeheuren letzten Entlvttrs z»isantlneuge*aßt, in dem sich Morgen und Abend feines LebeuS seltsam berührten und gleichsam die Summe feine« Wirkens wie in einer erhabenelt Vision vor sein sehnsüchtige- Auge trat. ES ist der Gedanke eines detltschert Nationalgedichts, „der schon meinen Ktnderjahren angehört tmd der tttich nie völlig loSgelafsen*. In der Leipziger Jugendzeit hatte er sich diesert Visionen monatelang hingegebett: dem Schiverkraukett traten sie kurze Zeit vor seinem Tode wieder vor die Seele. „Die eigentliche Hanpthandlung*, schreibt er, »nutfc eilte sür diesen Zweck prägnante sein, eine weltgeschichtliche, in lvelche die Hauptwendungen deutscher Geschichte tmd Entivicklnng sich cinschaltett lassen. DeS hartttotlischen Ein- druckS lvillett muß die Toitika des Gedichtes Lob, Ruhm und Ver- herrlichtlttg sein tntd Schutach tmb Warnung nur der herauGhebende Schatten des Bildes. Die Heldengestalten Deutschlaitds aller Art, mit physischen und geistigen Waffen, sändett Platz, keine irgettd historische Stadt Deutschlands dark ohite gebührettdett Ruhm bleiben, tvoztt dann irgend eine patriotische oder ztt Deutschland« Ruhm gereichettde Tat in deren Geschichte ztt vertvendeit ist. Jeder Stand desgleichen, z. B. die Bäcker bei Gelegenheit Ludwigs des Bauern: keine malerische Gegend darf übergaitgen werden.* Den Rahmen für das ganze Werk sollte eilt Traum Ottos deS Groben geben, den eilt schöner Knabe in einen hohen Dom führt. „Der Knabe ver- schlviltdet ivie int Nebel von Weihrauch, der nebst wunderbarer Musik den Dom durchzieht, daß seilte Säulen voll der süßen Ge- ivalt zittern, nicht geschreckt, sondern wie vor Wonne. Da erhell sich ein wtutdcrvolles Rlesenweib von feinem Thron und heißt


