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sagte der Wirt nur: „Du lustwandelst auf meinem Eigentum," und als Jan einen Hustenansan bekam, daß er blaurot im Gesicht wurde, nieinte er wohlwollend, ohne im Geldzählen innezuhalten: „Roter Aßmannshauser mit Zi- beben, und im Kessel heißgemacht, Hilst am besten gegen Husten."
Im Gegenteil war Krau Josepha begierig, mehr von den Neuigkeiten des „Störrischen Ochsen" zu vernehmen:
„Zwei Pserde, sagtet Ihr?"
„Zwei."
-.Und wohin die Reise geht, und mit wem und wohin, daS sagt mir doch geschwind."
„Wohin und mit wem, kann ich Euch nicht sagen. Nur daß die Gäule gleich nach Mitternacht bereit stehen sollen, habe ich gehört."
„Seit wann reisen rechte Ehristcnmenschen um Mitternacht?"
Aber der Gastwirt hatte sein Geld ausgezählt, sagte „Behüte Gott" und ging hinaus.
Jan hätte sich gern eins gepfiffen, um harmlos zu erscheinen, ooch fühlte er die Blicke der Frau Josepha wie zwei Degenspitzen an sich herumkitzeln und brach schließlich heraus:
„Zunr Teufel, ich tveiß von nichts!"
,,Du weißt von nichts, aber ich weiß von etwas. Von höchst verdächtigen Dingen weiß ich etwas, die da Vorgehen, lieber Jan, und wenn du mir nicht auf der Stelle, vor meinen sehenden Augen und hörenden Ohren schwörst, die Wahrheit zu sagen t dann—. Also der Abbs loill verreisen, nicht wahr? Das wissen wir ja. Mer wozu braucht er zwei Pferde und woher hat er das Geld, und ivas ist das für Geld, das noch in deiner Tasche steckt, und was hat es mit dem schwarzen Kreuz aus sich und mit der Abreise um Mitternacht? — Nun, lieber Jan? Tu antwortest nicht? Also weißt du alles. Und ihr beide wollt fort, du mit, wehre nicht mit den Händen. Aber ich werbe zunr hohen Rate gehen und zum durchlauchten Herrn Kurfürsten. Man wird dich in Eisen legen, Jan. Das ist noch immer die Strafe für freche Verstihrer gewesen und ich bin eine ehrbare und unbeschriene Witwe. Eine arme Witwe, Gott sei's geklagt, die du deinen schmutzigen Gelüsten gefügig gemckcht hast. Ogottogott, daß doch der selige Schmitz noch lebte; aber deinen sauberen Herrn Abbs lasse ich in den Schuldturm werfen, so wahr ich selig werden will, denn cs gibt noch ein Recht für schutzlose Witwen hier aus Erden und drüben im Jenseits."
Jan fühlte sein Herz wegschmelzen. Er kam sich in der Tat ungeheuer schlecht vor. Und nun weinte sie noch dazu. Sie war unschuldig und er war ein Wüstling. Zacker- bombenundslöh. Und wenn er in Eisen lag und Jo!s Maria im Stockturm, wer rcfcete dann Marie-Anne und Griet?
„Frau Josepha," stotterte er, „ich bitte Euch, weint nicht so schrecklich, ich schwöre Euch —"
„O, Jan, daß du mich verrateil konntest!"
„Ich schwüre Ellch —"
„Tu schwörst mir — daß du mich nie verlassen willst? Schwörst du das?"
Jan dachte zwar, daß er gestern abend geschworen hatte, er wolle um Mitternacht —, aber das ging nun schon in eins hin.
„Hier in meine Hand schwöre!" sagte Frau Josepha und ihre Tränen tropften herab.
„Ich schwöre es!"
„Bei Gott."
„Bei Gott!"
,/D Jan," rief sie und umarmte ihn, „wenn du dock- recht ein sehen wolltest, wie gut ich es mit dir meine."
Und sie führte ihn zu der Wirtsbank und zog ihn neben sich und legte sein Haupt an ihre Brust, die heftig wogte.
„Sieh, sprich nur ein Wort an rechter Stelle, und du kannst hier immer sitzen, als mein lieber Mann, mit dem Läppchen aus dem Kopf und wenn die Gäste mit dem Becher ausstoßen, dann brauchst du nur zu rufen: Jupp, oder Klees, eine Kanne Achtzehner. Und den Beutel gib nur mir. Ich wahre ihn dir gut."
Aber Jan erinnerte sich plötzlich des Weines für den „störrischen Ochseir" und schwur, sofort in den Keller zu nmssen. um abzuzapfen.
Doch erst mußte er noch sein Gesicht in einer Sturzflut tränenfeuchter Küsse baden lassen, ehe er die schwere Fall
tür heben und in den Keller steigen konnte. Sic rief noch in die Finsternis hinunter:
- „Das <Yeld, Jan, vergiß nicht, mir das Geld zu geben."
„Jawohl," dachte Jan, „Pipen und Flöten," itiib hielt sich mäuschenstill.
Ach, da lagen all die wohlgernndcten und behäbigen Fässer, große ehrbare Herren im dunkelbraunen Rock, und junge, mit bunten Kitteln, aus denen grüne Ranken gemalt waren. Er klopfte mit dem Knöchel an die Wandllngen und da wußte er gleich, wieviel Maß noch darin steckten. Und er kannte auch jedes Faß, unb es war ihm, als müsse er Abschied nehmen, denn er ließ nichts in Köln zurück, dein er so mit allen Neigungen seines Wesens anhing, wie diese Fässer.
Da drin reiste der Einnndzwairziger. War ein gutes Jahr. — Er zog ein wenig ab und trat zu dem Kellersenstcr.
„Sieh, sieh, gärst du noch immer? Mail müßte dich lüsten." Und ein anderes Faß sah er verächtlich an:
„Tunichtgut, mißratenes Geschöpf, habe ich dir nicht Hände voll spanischer Erde in den Hals gestopft und du wirst nicht klar und bleibst zäh wie Gerberlohe?"
Aber hier der Zwölfer Wein. Und hier, Drachenblut. Und da der gute Achtzehner, den ein Säugling statt der Muttermilch trinken konnte.
Jan feierte ein wehmütiges Abschiedssest, hier unten mit seinen guten Freunden, und es war Mend, als er von Rührung und Wein gerötet wieder zur Obenoelt cmporstieg.
Weshalb ging Frau Josepha nicht zu Bett? Es schlug nenn Uhr, aber sie rührte sich nicht. Und als die Gäste enw lich gegangen waren, schloß sie selber die Haustür, legte die Eiscnstanae vor und sagte ganz ruhig zu Jan:
„Komm bald. Ich habe noch mit dir zu reden."
Eine Weile saß Jan ganz betäubt ans der Bank. Gefangen! Er rasselte eine Litanei von Flüchen herunter. Die Mäuse saßen in der Falle. Und die Stunde würde verstreichen und die arme Gräfin und die kleine Griet würden weggeschleppt werden, nicht ohne ihn als einen Dieb und ehrlosen Verräter verflucht 511 haben.
Joss Maria! — Er eilte zu. ihm. Er fand ihn beschäftigt seine Bücher zu einem Bündel zu packen und der Abbs sagte, ohne bei seiner Arbeit inne zu halten:
„Ich komme ein wenig spät. Aber ich !var ausgehalten. Es gibt da einige Damen, die sich meiner SeelenführniiA anvertraut hatten und ich konnte nicht sortgehen, ohne ihnen wenigstens Lebewohl gesagt zu haben. Aber Gäule habe ich gekauft, Gäule, die unter jedem Reiterobersten Ehre einlegen würden. Ein kleiner zimmetsarbener Hengst ist für dich. Ein großer schwarzer für mich. Und sie sind fromm, sage ich dir; ich schlug sie auf die Hinterbacke,,/ aber sie zuckten nicht einmal nnt dem Schweif."
„O Iss Maria," ries Jan, „was nützen unö die Gäule! Wir sind gefangen!"
Und er erzählte ihm, was diesen Tag vorgegangen war'.
„Sollen wir sie mit dem Degen im Bett sestspießen? Das heißt — ich würde es nicht aus mich nehmen; oder sollen wir die Schlüssel ihr unterm Kopfkissen wegstehlen, denn ich will nicht Jan heißen, wenn sie sie nicht unterm Kopfkissen hat. Oder sollen wir mit dem Hebebaum daS Tor aufbrechen? — Aber antworte schnell, denn wenn du nicht antwortest, so geschieht Fürchterliches."
Selbst Jose Maria mußte Nachdenken. Dann öffnete er das winzige Fensterchen und steckte den Kopf heraus.
(Fortsetzung folgt.)
Die vekämpsung der Läusekrancheil.
Bon De. mcb. Dreuw, Spezialarzt für Haut- und Haarltiden
Berlin.
Flöhe, Wanzen und Läuse, welchen Kulturmenschen befiel nicht eine Gänsehaut, loenn er diese drei bisher so ui,salonfähige, Worte Hörle. Heute ist angesichts der kriegerischen Ereignisse dieses Thema aktuell und salonfähig, es ist von größter hygienischer Bedeutung, darüber offen zu sprechen, nicht njur im Interesse der kämpfenden Truppen, sondern auch des Heimatgebietes. Wissen wir doch mit Bestimmtheit, daß die Erreger der gefährlichen: Kriegsseuchen, des Flecktyphus und des Rü ck fall siebe rs, am häufigsten durch die Kleiderläuse übertragen ,verden.
Allein diese Tatsache erfordert es, der Gefahr zu begegnen durch Aufklärung der ,weitesten Kreise. Aber abgesehen von der Uebertracpingsmöglichkeit solch gefährlicher Seuchen leidet die Schlagserligkeit des Heeres, meint der Soldat infolge des starken


