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einigten Staaten in Paris, Livingstone, kennen, der mit den gleichen Ideen vertraut mar und sich schon 1797 bemüht hatte, Dampfboote auf dein Huudson fahren zu lassen. Fulton brachte nach Paris auch den Plan eines Unterseebootes mit, und es ist ja ge>- rade irr letzter Zeit oft darauf hingcwiesen worden, daß er damals sein Tauchboot ,,Nautilus" den, ersten .'Konsul Bonaparte vorsührte und so als der Erfinder des II-Bootes gelten muß. Während diese Idee aber noch 100 Jahre brauchte, um ihre reifen fruchte zu tragen, kam er mit seinem Tampsboot früher zunt Ziel. Er baute mit Livingstones Geld 1803 ein Tampsboot, mit dem er auf der Seine Versuchsfahrten unternahnr, ohne praktische Resultate zu erzielen; das Schiff ging viel zu langsam und zerbrach schließlich unter dem Gewicht der Maschine. Lein Vorschlag Mr Napoleon, mit seinen von Wind und Wetter unabhängigen Schiffen eine Armee in England zu landen, fand nach diesem Mißerfolg nur noch taube Ohren. Er selbst aber ließ den Mut nicht sinken, ließ sich bei einer berühmten englischen Maschinenfabrik eine Dampfmaschine nach seinen Angaben Herstellen und ging nun nach Amerika zurück, wo er mit Hilfe Livingstones 1807 das e r st e brauchbare Dampfschiff herstellte, das er zu Ehren von Livingstones Wohnort „Claremont" nannte. Am 17. Äug. 1807 vollendete dieses Damptboot glücklich seine erste größere Fahrt auf dem Hudson von New Dort nach Albany, legte also eine Entfernung etwa wie von Köln bis Mainz zurün.
„Am Morgen, als ich New Bork verließ," hat Fulton selbst erzählt, „gab es reicht 30 Personen, welche glaubten, daß mein Boot auch nur eine Meile stündlich laufen würde, und während wir die Landungsbrücke verließen, welche mit Zuschauern bedeckt war, mußte ich viele sarkastische Bemerkungen anhören. Dies ist die Art, in welcher Unwissende die Leute begrüßen, rvetche sie „Philo- sophers" und „Projektenmacher" nennen. Auch die Aussicht auf persönlichen Vorteil wurde mir als Beweggrund zugeschrieben, doch ich fühlte unendlich mehr Vergnügen in dem Gedanken an die ungeheuren Vorteile, die meinem Baterlande dadurch zuteil werden würden." Zuerst mir Angst und Schrecken, dann mit Bewunderung und Hellem Jubel sah die Menge das schwarze Wolken ausstoßende und Funken sprühende Schiff sich „ganz von selbst" dahinbewegen, und die Mannschaften der Schiffe, denen es begegnete, fielen auf die Knie und beteten zu Gott, sie vor dem Flammen speienden' Ungeheuer zu beschützen. Das denkwürdige Schiff, das eine Länge von 42.67 Meter, eine Breite von 4,57 Meter, einen Tiefgang, von 0,ol Meter und eine Wasserverdrängung von 180 Tonnen hatte, war mit einer Dampfmaschine von 20 Pferdekräften ausgerüstet, und die 4,57 Meter im Durchmesser messenden Ruderräder hatten je 8 Schaufeln. Ein regelmäßiger Tampferverkehr war nun rasch in die Wege geleitet. Fulton aber begnügte sich nicht, dem friedlichen Hcurdcl ein neues Werkzeug gewonnen zu haben, sondern er machte seine Erfindung auch dem Seekrieg dienstbar, und nach seiner Zeichnung wurde nun der e r st e Kriegs- dampser gebaut, der am 29. Oktober 1814 in New Bork vom Stapel lief und den Namen „Fulton I." erhielt. Die erste Probefahrt dieses schwerfälligen Kastens, mit dem doch eine neue Aera des Seekrieges begann, hat sein Erfinder nicht mehr erlebt. Aber sein Name ist auf ewig verknüpft m t d'eser epochemachenden Geistes- tat, die den Dampf zum Beherrscher der Meere machte.
Der Hessen ttriegrruhnr.
Der Kriegsrubin der Hessen, der letzt wieder aus dein östliche" Kriegsscbauvlatz eine Erneuerung erfuhr, läßt sich biß inß 91 Iter- tum znrnckveriolgen, sind doch die Hessen als die Abkömmlinge der alten Cbatten anz,»sehen, die den Eroberungsheere», der Römer in Germanien die beste Gegenwebr boten. Welche Roll die Hessen in der welrlichen und kirchliche», Geschichte des Reimes in» sechzebnten Jahrh»,ndert spielten, ist bekannt; Philipp der Großmütige war es, der an der Spitze seiner Hessen Sickingen und den Bauernaufltand unterdrückte und der durch einen glänze»,den Handstreich in, Jahre 1534 den Herzog Ulrich von Württemberg ln feine Staaten wieder einsetzte. Seine Hessen kämpften siegreich gegen den Herzog Heinrich den Jiingeren von Brannschweig und schlugen sich tapfer, vo», Philipp den Huge, otlen 311 Hilse gesandt, aus freu,dein Boden. Noch trefflicher bewährte sich der Hessen Kriegstüchtigkeit unter den, Landgrafen Wilhelm V., der sein hessisches Heer nach schwedischem Muster schulte und an der Seite Gustav Adolfs tapier socht, freilich später der Uebernmcht der Ka»serlichen weichen mußte. Indessen war WilbelmS Hessen-Heer kriegstüchtig genug, um auch noch unter seiner Witwe Amalie Elisabeth, die nach den, Urieil eines gleichzeiligei, französischen Schriftstellers „alle Eigenschaften eii,es großen Feldherrn besaß, um eine Armee zu kommandieren", das Hessenland von den Katserlichei, zu besreien.
Im 16. Jahrhundert erwiesen die Hessen ihre Kriegstüchttgkett im Siebenjährigen Kriege. „Die Kriegskundigen n,ögen entscheiden," so sagt Karl Bernhardt, „ob eS wahrscheinlich sei, daß Friedrich der Große auch dann ans dem Siebenjährigen Kriege siegreich hervorgegangen wäre, wenn die hessische" Truppen gegen ihn gesochten hätten, statt für ihn. Soviel ist jedoch gewiß, daß von der Gegenseite alles ausgeboten wurde, u,n ihm diese Hilfsschar zu entziehen. Man hatte näinlich den Erbprinzen von Hessen heimlich zur Annahme des katholische», Glaubens veranlaßt, und
als er au, dringendes Verlangen der Landstände sich verpflichtete, daß memals die Truppen dieses fürstlichen Hauses ganz oder ein Teil derselben einer katholische,, Puissance oder einen', dieser Religion zugetanen Reichsstand gegen protestantische Mächte oder La»,der z», Hilse geschickt oder in Sold überlassen werden Eliten', da fehlte es weder an gelehrten Deduktionen, welche die Un' Verbindlichkeit solcher Gelöbnisse nachwiesen, noch an Plänen, den, Erbprinzen zur Erledigung von diesen Verpflichtungen zu verhelfen. Landgraf Friedrich blieb jedoch, als er noch während des Krieges zur Negierung kam. dem Willen seines verewigten Vaters und de», Wünschen des Volkes ei»tspreche»,d, Pre»»ßens treuester Bnndcsgeuosie."
Der Hesse», Kriegsruhn, hat dem kurheisischen Staate dann schwere Wunden geschlagen; ein Fürst verkaufte seine LcmdeS- kinder. damit sie sich für England in Ainerika und in Flandern gegen Frankreich schlugen. Die Grobherzoglich hessischen Truppen hielten sich auch im Kriege von 1866 wacker, und wenn sie an, 13. Juli bei Laickach eine blutige Niederlage erlitten, so vermochte diese doch den altbewährten Kriegsruhin hessischer Truppen nicht S" beeinträchtigen, denn es ward anerkannt, daß die Schuld an dieser Niederlage den, Fehler der Führer zugeschrieben werden mußte, daß die Truppen selbst aber sich tapfer schlugen. Und da§ taten sie auch in dem Deutsch-Französischen Kriege 1870/71, in welchem die Hessen als 2b. Division unter Führung des Prinzen Ludwig den, 9. Armeekorps a,,gegliedert wurden und an denen Ehren rühinlichen Anteil nahinen. Die Schlacht be, Gravelotte und die Kämpfe an der Loire waren besondere Ruhmestaten der tapferen Hessen. _
wird die grau hässlicher?
„Die Frau tvird häßlicher?" Das war der Alarmruf, den kürzlich in einem Aufsätze dre weit verbreitete amerikanische Fa- milien- und Frauenzeitschrift „The Family" ausftieß und begründete. Das Echo, das diese Warnung fand, war überrascheich stark. Aus allen Teilen der Vereinigten Staaten gingen der Schriftleitung Zustimmungserklärungen zu. Nicht etwa, als ob die Briefschreiberinnen für ihre Personen die Tatsache zuyegcbcn hätten, daß die Frau häßlicher rverde, wohl aber fanden sie die Behauptung richtig, soweit ihre Mitschwestern in Betracht kamen. Bon, Worte schritten die unternehmenden Amerikaneriimen alsbald zur Tat, das heißt natürlich zur Gründung eines Vereins, der sich durch Zweigvereine binnen kurzem über das ganze Gebiet der Bereinigten Staaten ausdehnte. Die erste Leistung dieses Vereins bestand nun in der massenhaften Herstellung u,ch Verteilung einer Flugschrift, die einen „Aufruf an die Frauen" zur Pflege ihrer Schönheit enthält. Die Schrift geht davon aus, daß jede Frau, selbst die weiriger glücklich bedachte, von der Natur mit Reizen ausgestattet und auch in der Lage sei, diese sich lange zu wahren und zu erhalten, wenn sie ihrer Schönheit nur die nötige Pflege angedeihen lasse. Gesundheitspflege, vernünftige Ernährung, Reinlichkeit, Körperübung, frische Lust und Schlaf, das sind die wichtigsten Rezepte zur Erhaltung der Schönheit, die die Schrift den Frauen empfiehlt. Außerdem aber gibt sie noch eine ganze Reihe von Einzelanwcisungen zur Erhaltung der weiblichen Schönheit, die nicht ohne Interesse sind. Diese Vorschriften beginnen mit der Pflege der Gesichtsyaut und -färbe. Nicht mit rauhen Handtüchern das Gesicht abtrocknen, es nie mit zu kaltem Wasser waschen und von der Verwendung der Seife für das Gesicht vollständig absehcn: das sind die drei Ratschläge, auf die ftlr d,e Pflege des Teints besonderes Gewicht gelegt wird. Empfohlen wird eine ans pulverisiertem Hafermehl und ein wenig Wasser hergestcllte Paste, die dreimal in der Woche unter leichter Reibung zur Reinigung des Gesichts verrvandt werden soll. Sie erfüllt diese Ausgabe in vorzüglicher Weise und erhält zugleich der Haut ihre samtene Weichheit. Unr das Erscheinen der so wenig beliebten Runzeln soiveit wie möglich hinauszuschieben, empfiehlt die Schrift den Frauen, sich von Kind aus möglichst aller Grimassen und Gesichtsverzerruugeu zu enthalten, denen sie einen großen Teil der Schuld an der Runzelbilduug zuschreibt. Es wird weiter aus die Gefahren für die Frauenschönheit hingewiesen, die zu enge Kleider, zu kleine Schuhe und .Handschuhe, die endlich das Schnüren mit sich bringen. 'Für Hand- und Armpflege tvird aus die Verwendung der Massage und der Elektrizität hinge- tviesen, die freilich auch möglichst von Kiird ans erfolgen soll, um die jugendliche Geschmeidigkeit der Glieder und Gelenke zu erhalten und zu steigern. Zur Nagelpflege sind nicht harte Werkzeuge, tvie Scheren und Messer, sondern nur solche aus Holz und kleine Pfeilen zu verwerrden. Die Haare müssen, uvilf mau sie in ihrer Schönheit erhalten und pflegen, vor allem immer wieder gebürstet werden. Seifen und Ammoniak sind ihtien schädlich, besoirders wenn das Haar schon von Natur zur Trockenheit neigt. Sehr vorteilhaft soll dagegen etwas Zitronensaft in Wasser wirken. Hervorgehoben wird die große Wichtigkeit der Frisur für die ErsclMnung der Frau. Ein langer Kopf braucht eine in die Stirn reichende Frisur und volle Haarwillste au den Seiten; einem zarter,, nrageren Gesichte stehen die Haarkiwten au, Hinterkopfe gut, ivährerch die Frau, die ein volles, rundes Gesicht hat, sihre Haare über die Stirn nach, hinten känunen soll. Die Schrift rät den Frauen, sich tvohl nach oer Mode zu richten, aber nicht ihre Sklavin zu werden. Sie svllen ihren persönlichen Typus


