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Ein Hund jaulte in der Ferne ans, dann lvar es wieder still.

---Gras Behlen gab einen .leisen Befehl, und alle «glitten

aus den Sätteln und führteil die Gäule langsam und vorsichtig' durch den Chausseegraben in die Eichen schouung links von der Chaussee. Ter Unteroffizier stellte einen Doppelposten aus. Jeder Mann durch ein Gebüsch gedeckt, den Karabiner schuhfertig im Arm. So warteten sie, dah die Nebelwand sich lichten sollte. Nach der Karte muhte etwa zweihundert Meter nach vorwärts ein gröberes Tors liegen, das schon durch russische Truppen be­setzt sein konnte. Ein Herangehen bei dem starken Nebel aber konnte die Offizierspatrouille, die eine bedeutsame Aufgabe zu lösen hatte- in die Gavalt des Feindes bringen und so die Erreichung ihres Zweckes möglich machen- Also hieb es warten, in fiebernder Un­geduld warten, bis das Gelände übersehen werden konnte.

Eine Viertelstunde verging. Gras Behlen blickte ans die llhr. Tie Nebelwand rückte und rührte sich nicht.

Na, dann nicht!" meinte der Oberleutnant.Tann muh es auch so gehen!" Er orientierte sich iwch einmal aus der Karte; dann teilte er den Trupp in zwei Teile und gab seine Anordnungen. Wieder ein leises Kommando. Die Leute sahen im Sattel und lenkten aus die Chaussee zurück. Tann trabte der Braune des Oberleutnants an und drei andere Gäule folgten. Der Rest for­mierte sich und ritt unter der Führung des Unteroffiziers im Schritt nach.

Nach wenigen Minuten tauchten die ersten Häuser des Dorfes schemenhaft, verschwommen aus dem Nebelmeer auf. Gras Behlen setzte denl Braunen die Sporen ein und preschte, gefolgt von seinen drei Ulanen, in die Dorsstraße, vorbei an den winzigen Häusern, vorwärts, was das Leder halten wollte. Wütendes Hundegekläff begleitete das Klappern der Hufe, sonst blieb alles ruhig. Am Dorfausgang wartete man aus den Rest der Abteilung, der auch im Galopp das Dorf passierte und nun ging cs vorwärts mit allen Vorsichtsmaßregeln, wie sie im vom Feinde besetzten Gebiete er­forderlich waren. Bald schloß sich die Nebelwand hinter dem letzten oer grauen Reiter, bald verhallte das letzte Kläffen der anfgeftörten Hunde.

2lh!" Ter Knecht stöhnte auf unter dein Truck der Faust, die sich um seinen Hals legte. Er starrte entsetzt in das bärtige Gesicht des Kosaken, der ihm wie aus der Erde gctvachsen gegenüberftand. Er hatte sie gesucht die Mordbrenner des Zaren, und nun er sic gefunden, kroch ihm hündische Furcht in das Gebein.

Guter Freund!" gurgelte er hervor und brach dann in die Knie. T^r Russe versetzte ihm einen Fußtritt und band ihm dann die Arme mit einem Strick zusammen.

Ms deutsches Schwein!" Und er stich ihn vor sich her bis sie in das Bereich des Büvakseuers kamen. Dunkle Gestalten hockten und lagen umher, die Klepper am über den %m gestreiften Zaum haltend. Sie schliefen oder starrten vor sich hin, teilnahmslos, stumpf.

Ter Offizier am Feuer blickte auf.Wo ist? Spion? aushängen?" und er wies nrit der Rechten liber die Schulter ans den Wald, dessen Bäume gespcnstcrhaft ihre Aeste durch den Nebel reckten.

Du baumelst in einer Minute, mein Bürschchen. Wir werden dir das Spionieren austreihen!" meinte der Leutnant gelassen in gutem Deutsch.

Erbarmen, Herr General! Ich bin kein Spion, ich bin gut Freund! Ich habe die Kosaken gesucht, um sie zu sichren!"

Du lügst. Hallunke!"

Ich schwör bei alleni, was mir heilig ist. Herr Offizier! Ich tvill Sie führen in deutsches Torf, reich und groß, tvo was zu holen ist!"

Ein scharfer Blick traf den Verräter. Der .Kosakenoffizier zog seine Pistole uns dem Futteral und hielt ihre Mündung ans den Zitternden gerichtet.

Los, führe uns. aber das merke dir, spielst du ein falsches Spiel, hast du ausgelcbt! Dann martern wir dich zu Tode du, tvir rösten und braten dich, du Hund, bcu ich verachte?" Und er spich ihm in das fahle, zuckende Gesicht.

Ein Befehl! Im Nu sahen die Kosaken zu Pferde und ran­gierten sich in Marschkolonnen. Zwei von bru Steppenreitcrn fes­selten dem Verräter die Hände aus den Rücken, und banden ihn mit schmierigen Lederriemen an, so dah er zwischen ihren Pferden taufen muhte. Dann ging es in kurzem Trab vorwärts.

Es setzte Fuhstühe uird Knuteuhicbe, wenn der Gefesselte nicht mit den Pferden Schritt halten konnte. Ter Knecht bih die Zähne zusammen. Er wollte nichts fühlen. Was lvaren ihm körperliche Schmerzen, was Denrütigungen! Seine Rache sollte befriedigt wer­den? Der unsagbare Hah, der in ihm loderte, der ihn verzehrte wie srcsscirdes Feuer, der ihn nachts nicht schlafen lies; und tags Über ruhelos hin- und herjagte, dieser Hah sollte wüten dürfen, sich ausrasen dürfen, wie sie die Reiter des Zaren in Feindesland übten. Er, der fremde Knecht, der sich widerspruchslos hatte ducken müssen, er würde Herr sein über die, die ihn bis jetzt beherrscht. Er würde das deutsche Mädchen, dessen Peitsche ihn für ein ver wegeues Mort gezüchtigt, erbeben sehen in Augst und Not. Er wollte ihren Stolz brechen, sie in den Schnmtz zerren. Er würbe die Kosaken gut führen, und wenn er daun frei war unb Mord und Brand durch das Dorf rasten, dann sollte seine Stunde schlagen, die er seit jenem Mgenblick herbeigesehnt, da die scharfe Reitgerte ttmi zischend über die frechen Augen fuhr.

Vorwärts Bursche!" Ein Kolbenstoh ins Kreuz versetzte rhiu einen Augenblick den -Atem. Er achtete dessen nicht. Er sah das blonde Haar, sah die strahlenden Augen, sah die Gestalt, die rhu bezaubert hatten, bis die tolle Leidenschaft für die Tochter seines Herrn sich in keck zudringlichen Worten Lust gemacht hatte.

. ..vorwärts Lump!" Er fühlte den Fuhstotz nicht. Mecha­nisch lies er den wohlbekannten Waldpsad zwiscl)en den Pferden. Bor seinen Augen stand das Mädchen in seiner deutschen Schönheit und Anmut.-

Halt halt!" Heiser und rauh, abgehackt kam es heraus.

Da da vorn?" Er bemühte sich, mit dem Kopf die Rich­tung zu weisen.

Ein Pfiff die Gäule standen regungslos.

Sind Feinde im Dorf?"

'Nein, Herr Offizier."

Ist das Nest trotz deiner Behauptung besetzt, gibts eine Kugel vor den Schädel, merk dir das mein Sohn'!." Der Offizier hob die Rechte und rin kurzen Galopp ging es in Reihen zu zlveien auf das Dorf zu. Born kaum den Boden mit den Füßen berührend, halb geschleppt von den Kosaken, rannte mit versagendem Atem der Verräter seiner Stunde entgegen.

Die .Hunde in den Gehöften schlugen an, wild und lärmend, hrer und da klirrte ein Fenster auf und wieder zu, denn in dem­selben Augenblick klatschte eine Kugel gegen die Mauer oder splitterte die Scheibe in Trümmer.

Wo wohnt der Bürgermeister?"

Der Verräter »nies den Offizier zum Gemeindevorsteher, der eben, ein Weihes Tuch schwenkend, vor der Tür seines Hauses stand

Ter Offizier svinkte ab.Gut gut! Haben Sie deutsche Soldaten verborgen?"

Nein, Herr Kapitain!"

Sie bleiben als Geisel bei mir. Geschieht meinen Leuten das geringste zu Leide, werden Sie an die Mauer gestellt und er­schossen. Verstanden? Zeigen Sie mir, wo der Pfarrer und noch ein angesehener Mann wohnen.

Der Mann wies nach dem Herrenhaus.Ta drüben unser Gutsherr, der ist ja der angesehendste Mann hier."

Folgen Sie!" Der Offizier ritt auf den Gutshof

Laßt mich 'los jetzt ich l>abe Euch ehrlich geführt!" Der Knecht stand vor einem llnteroffizier der Kosaken. Der grinste und schüttelte den Kopf.

Ich will Euch Schnaps zeigen Wodka!" Der Russe grinste und verstand; er schnitt die Lederfessel durch und folgte dem Ver­räter in das Dorfwirtshalls, wohin ein großer Trupp folgte. Sie brachen in das Haus wie Räuber ein; sie schlugen alles in Stücke und leerten die Flaschen gierig.'

Ta klirrte die Scheibe, von einer verirrten Kosakenkugel zer­trümmert, und der Unteroffizier sank mit einem Aufschrei zu Boden.

Das waren die Deutschen!" Der Knecht hatte es gerufen, gellend und hell, und der Sinn ging den russischen Rettern aus. Sie drängten zur Tür hinaus; sie rissen die Fliitten von der Schulter und feuerten ivüteud, blindlings in .Häuser und schleu- derteu den Brand in die Gebäude. Zelluloidstreifen ftanimtcn auf und legten den zündenden Funken an die Wohnungen, lo­dernden Brand entfesselnd.

Dos Knattern des Gewehrieuers, .das Httsegeschrei der Frauen und Kinder, das Wlttgeheul der russischen Bestien misck> len sich zu einem schauerlichen Chaos. Und durch das Gewirr setzte in laugen Sätzen der Knecht nach bau Gattshof. Seine Stunde ivar gekommen. Unter der breitästigeu Linde vor dem Herren­hause tagen der Gutsherr und der Gemeindevorsteher in ihrem Blute. Der Kosak hatte sie zn Begum des Tumultes im Torfe ohne wetteres erschossen; dann war er mit seiner Begleitung in die Wohnung gedrungen. Auch hier züngelte die blutrote Flamme gierig empor, während die Feinde raubten und plünderten. Ter Knecht ja.fte die Treppe hinaus in den ersten Stock, wo er die Tockp ter seines erschlagenen Herrn vermutete. Er- klopfte au Ihre Zim- mcclür:Machen Sic auf, Fräulein, ich will Sie retten!" Der Schlüssel wurde herumgedreht, und vor ifjm stand das deutsche Mädchen, das er liebte und haßte bis zum Walprsinn. kalt und blaß, rührend in ihnr Schönheit. Und selbst in der heimtückischen Bestie wurde ein besseres Gefühl wach. Er zauderte der Augen­blick überwältigte iyn. Nur aus Sekunden! Es galt ja, feine Stunde auszunutzen. Und er riß die Wehrlose an sich mrd preßte seinen Mund aus ihre Lippen Da polterten Tritte die Treppe herauf. Der Kosakenossizier stürmte durch die offen geblielnme Tür herein und schlug den Frechen nieder. Und nun trat an die Stelle des Knechtes der Russe. Aber Eva von Manchall Initte ihre Fas­sung zurückgewonnen. Sie wehrte sich, fest entschlossen, elier zu sterben als die Schmach zu erdulden.

Während sie miteinander rangen, wurde draußen das Schießen heftiger. Lautes Schreien tönte ins Zimmer hinein.Die Deut scheu!"Die Deutschen!" Der Kosak lieh einen ?lugenbtick von dem Mädchen ab und lauschte; dann stieß er einen Fluch aus. feuerte die Pistole gegen sein Opfer ab und stürzte hinaus.

Er kam nicht weit! Im Hausflur brach er, von einer Kugel des Grasen Behlen getroffen, zusammen. Der Ulan stürzte wei ter die Treppe hinaus, und fand Eva von Marschalk. über der Leiche des verräterischen Knechtes ziisamnuRgesniiken.