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Die feldgrüne Jacke.
Ein lustiger Kriegszug.
Bon Else von Steinkeller.
Also, es handelte sich um einen aemeinscl-aftlichen BesorgungS- Hummel, und ich hatte mich mit der Geheimrätin verabredet. Treffpunkt vor denr Warenhaus. Ich, pünktlich zur Stelle, die Ge- heimrätin nicht! Nackideur ich etwa eine halbe Stunde gewartet batte, kam sie daun nebst ihrer Tochter Tüla angebraust. Tilla, sehr sanft und zart, momentan sogar etwas melancholisch aussehend. die Geheimrätin imposant und temperamentvoll. Mit flatternder Stola und schief sitzeirdem Federhut kaut sic daher.-ungefähr auzuschauen wie ein Eilzug in voller Fahrt.
Sie war total aufgelöst.
,/O Gott, liebste Frau v. H., entschuldigen Sie, daß ich Sie warten lieb, aber genau so, wie Sie mich hier sehen, laufe ich schon sttt drei Stunden in der Stadt umher und suche eine feldgrüne Strickjacke für Tilla!"
„Eine seid grüne Strickjacke?"
„tya, natürlich, felbar ft tt, so die Nuance wie die Waffenröcke der Jager!" lispelte Tilla.
Die Geheimrätftr rang nach Luft imd gab dem Federhut einen Stotz, so daß er nunmehr nach der anderen Seite schief saß.
„Eine ganz einfache Farbe," stöhnte sie, „die jeder vernünftige Mensch jetzt kennt? Nur in dieser unmöglichen Stadt ist sie nirgends aufzutreiben. In zehn Geschäften sind wir gewesen, überall macht man dieselben töricküen Gesichter. vlch, es ist rein zum Verzweifeln, wo das Kind die Jacke doch so dringend braucht! Mer warum mache ich auch an einem Freitag Besorgungen, und noch dazu am 13. des Monats, das muß ja schief gehen!"
n ©eHnträtfa 1 war ersichtlich am Rande ihrer seelischen
Leistungsfähigkeit. Tilla seufzte hörbar.
Ich sah unendliche Verwickelungen voraus. Immerhin, wir hatten uns verabredet, ich durfte mich nicht feige drücken. Wohl oder übel mußte ich letzt also mit ins Warenhaus hinein, denn cr n • k' c Möglichkeit, das GerMlnschte zu finden.
Warenhäuser sind für mich ftirchtbar, eine Zusammensetzung von sastechter Luft, schlechter Laune und Neberanftrengung. Nichts DCfto troft, TTOitig schritt ich durch den Eingang. Ter Portier wies uns auf Befragen in den dritten Stock, „Mteilung Tainengav- L^obe . In überfülltern Fahrstuhl landeten wir in schwindelnder Döhe, durcheilten im Zickzack den ganzen dritten Stock und fanden die „Abteilung Damengarderobe" schließlich dicht an der Stelle.
Fahrstuhl verlassen hatten. Eine übermäßig nwderii gekleidete Jungfrau mit tizianblondem Haarschmuck trippelte uns in der durch ihre Rockeiige gebotenen Schnelligkeit entgegen.
„Die Damen wünschen?"
„Wir möchten eine feldgrüne Jacke!"
„Fel d grün? Wir haben „Saftgrün, Frühlingsgrün, Spinat- gnm , — auch feldgrau ist große Modefarbe! Die Damen meinen wohl letzteres?
, „Ich meine feldgrün, wie ich schon sagte!" betonte die Ge- heimrätin gereizt. •
... ,"Ach so die Nuance, wie die Wäsfenröcke der Jäger!" Itipelte Tula.
. Die tizianblonde Jungfrau lächelte herablassend. Sie geruhte drei Jacken zu präsentiereil. deren „Nuance" aber nicht stimmte
»Unmöglich!" entschied die Gehennrätin. Tilla seufzte laut.
Die Trzianblonde sah uneiidlich gelangweilt aus.
„Vielleicht bekommen die Damen solche Jacke in der M- te.lung Sport"!" bemerkte sie gnädig und überließ uns unserem Schicksal. Die „Abteilung Spvi't" befand sich inr sogenannteii „Znnschenstock".
In der Eile verrechneten luir uns in beu Treppen und dnrch- suchten statt dessen den ersten Stock. Bon Osten nach Westen, von Süden nach Norden durchkreuzten »vir ihil. (Warum es nur in Warenhäuser,r noch keine Untergrund- und elektrischen Bahnen gibt 5 )
Als die Geheimrätin mir eben versicherte, daß sie nahe daran wäre, ihren Geist auszugeben, belehrte uns ein höflicher Jüng- lmg. daß wir ans falschem Wege wären. linb begleitete, uns auf den rechten. '
Erschöpft endigten »vir unter Rodeln. Schneeschuhen, Sweatern und gestrickten Mützen. Mail sah manches Grüne hier, feldgrünes in der „richtigen ycuance" nirgends!
Dein höflichen Jüngling »var dieser Mißerfolg unsagbar pein- lich, er verbeugte sich bedauernd uiid nach allen Seilen, und statt der Jacke PneS cr uns Eisprikel. Schneebrillen. Pelzstiefel und dergleichen nützliche Gegenstände an. — Die Geheimrätin »var wütend. — Tilla sah jetzt schon manliq aus.
Wir rasten aufs neue davon? Diesmal ins Parterre. „Abteilung Handschuhe". '
.Air besichtigten ungezählte Dutzende dieses Artikels, selbstverständlich »var eine Strickjacke nicht darunter. wohl aber fiel
üntUuanifl' fffef an,
Glücklicherweise bekam die Geheimrätin jetzt vor Aufregung ^ihren §>^zklaps Es gelang mir daher, sie und Tilla zu be- w-?en, im Erfnsckmnasraunr eine Tasse Kaffee zu trinken, ehe wir die feldgrnne ^agd kortsetzteii. Als »vir bei der vierteii ^kasse
waren, ging der Geheimrätin nicht nur der Mund auf, sondern das Herz auch und endlich erfuhr ich, »velche Bewandtnis eS ei gütlich mit dieser Jacke hatte.
Also, Tilla schwärmte ftir jemand? „Er" »var Jägerleutnant! (Das hätte ich Mir eigentlich denken können!) Und um „ihm" vor seinem dlusrücken ins Feld bei zufälligem Begegnen noch recht zu gefallen, »vollte sie die Farbe seiner Feldun, foen tragen.
. „Ist das nicht ein reizender Gedanke T meinte die Geheimrätin, während Tilla hold errötend Schlagsahne löffelte.
Ich stimmte zu. ,La, sehr reizend!"
„Nickt »vahr, und nun verstehen Sie's, liebste Frau v. H., daß nur die Jacke durchaus haben müssend"
Ich verstand vollkommen, und ein glänzender Gedanke kan, mir, ,ch interviewte das Fräulein am Büffett, das gerade Würsteln mit Kartoffelsalat austeilte und dabei eine wsa Strickjacke trug.
Woher sie die hätte! Ach, die gab's ja oben im zweiten Stock Ju 1 «;- «5 n S! ftfltn in öIIen ^rben! Hurra! Die neubelebte Geyennnum schivankte an meinen! Arm die z»vei Treppen hinunter.
mSSt 11 L 3®' ^ n x te ” ^ie, und Gott sei Dank NN gutes, nettes Mädel daber als Verkäuferin! Ich setzte mich beruhigt auf einen Stuhl und versank allsogleich in eine Art Dämmerzustand, rn dem sich Berge von Strickjacken vor meinen Augen türmten, wahrend die Geheimrätin und Tilla als feldgrüne Woll- knäule dazwischen einhertroddelten.
. ^Ein Freudenschrei erweckte mich. Da lag die Geheimrätin platt v^ Rührung m den Annen der Verkäuferin, ihr ersichtlich ewige Freundschaft schwörend, »vährend Tilla selig ein grünes Etwa m der Luft schwenkte. Die „Nuance" war richtig, die feld- grüne Strickjacke gefunden.
*
f . Äch habe danach die Geheimrätin lange nicht gesehen. Vorgestern erst traf ich fte und Tilla ,nieder. Letztere sah bildhübsch stand" ^neui karmorsinroten Anzug, der ihren zarten Farben samoO
ich Ult ' ^ räuIcin ^ ÜIa ' wacht die feldgrüne Jacke?" neckte
Die Gehei,nrätin kniff mich in den Arm.
„Tilla hat sie ja an!"
„Mer »vo denn?"
^ ^ 5 " sie ja doch rot färben lassen. Feldgrün ist
^ denken Sie nur (die Geheimrätin nahm mich in wem Ohr), dieser Elende, der Jägerleut- £.• a J ^^liann, er hat sich noch kurz vor feinem Aus- rlrckcn kr,egstranen lassen mit seiner Cousine. Mer Tilla hat ihn vergessen, seit die feldgrüne Jacke sie nicht mehr aii ihn ennntrt. Sie schwärmt letzt für einen GeneralstabSossizier!"
vermischte». >
bahnwagen auf Gleise mit an. ^?rV.^bite übergehen. Das Bahnnetz Belgien- ^^btenTeüe Frankreichs kann von dem rollenden, Material der deutschen Eisenbahnen ohne weiteres befahren werden. u c dw Normalspurweite von 1435 Millimeter
besitzen Schwieriger gestaltet sich dagegen der Verkehr auf den Bab- des von uns besetzten russischeil Gebietes, die eine Spnr»veite N. Millimeter auflveisen. Doch gibt es schon seit längerer Zeit für den Güterverkehr nnt unserem östlichen Nachbar Sonder- wagen, die ein Auswechseln der Achsen in wenige,! Minuten er- möglichen und so ohne .großen Zeitverlust und ohne Umladen der Güter von einem Bahnnetz auf das andere überführt werden können. Derartig verstellbare Achsen besitzt auch der Hoszug des Zaren. „Prometheus" erzählt nun, wie die deutschen Wagen dank dieser Einrichtung auf das »veitspurige russische Ney übergefnhrt werden. Ein Gleis nnt normaler Spurweite fMirt abwärts in eine Grube und setzt sich hinter einem Querbalken als breites russisckies Gleis fort, das dann wieder emporsteigt. Dicht neben diesem Schienenstrang verläuft auf jeder Seite noch ein sckpnalcs Sckie- nenpaar, das ledoch nicht in die Grube hinabgeht, sondern ständig m der gleichen Ebene bleibt. Soll nun ein deutscher Wagen Mit Pas russische Gleis übergehen, so »verden an seinen Ecken vier kleine .Hiltsivagen untergeschoben, die auf diesen beid<m seü- nchen Gleisen fahren. Wird dann der Wagen vorivärts gefto^n so sch,vebt er. »venn er über der Grube anlangt, über seinem eigentlichen Gleis und wird durch die vier kleinen seitlick»en Wa- geir gehalten. Jetzt ist fs ein leichtes, die nonnalspurigen 9lck>sen Mis ibren Achsgabeln herauszunehinen und sic durch 2 neue Acksen öu, ersetzen, btc für das wenige Meter weiter hinten beginnende russische Gleis passen. Bald berühren die Räder der eriwitertfn Achsen wieder das eigentliche Gleis und die HilfSlvaqen können ansgeschaltet »verden.
^ Zur Geschichte der Brieftauben. Die Berweu- düng von Tauben zur Uebermittelung von Nachrichten ist uralt. Schon die alten ägyptischen Seefahrer meldeten von Bord aus ihre bevorstehende Heimkehr durch Brieftauben an. Filr den Kriegsnachrichtendienst scheinen sie zuerst in Italien gebraucht worden zu sein. Die Griechen benutzten sie, um Bekannten das Ergebnis von Kampffpielen zu übermitteln. Schon im 7. Jahr hundert würbe» Tauben zu wirklichen Briefträgern der Lüfte da eine öffentliche Taubenpost, und zlvar in Persien, eingericktel


