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den Pausen i» die Logen des Parketts und bitten um ein« Gäbe |unt Tabak für die Truppen. In den KaffocS erscheinen immerfort Mädchen, die Opaken-Stücke fonuiidn, und auf den Büchsen steht yeschrielnu: ..Tabak für die Soldaten" oder auch ..Tve für die Truppen". ..Warme Kleider für' unsere Kriegeck' usw. In den Straßenbahnwagen n»erden Lose verkauft für eine Kriegslotterie, deren erster Preis 200000 Mark beträgt In jedem Hotel und aitf jck»c, EiscLbadnftatioir sitzt rin freiwUligcr Sam,«1er. der ^ederr Borüdergeheichen um eine Gabe für die Soldaten und die Verwundeten anspricht.
'Verschwundene „Pariser Berufe". Ter Krieg, dar dav Bild von Paris so völlig verändcn bat, hat auch eine Reihe ,ener tnmschen Pariser Beruie verschwinden lassen, die so manche? zu der Eigenart des StraßenlebenS an der Seine bet- triMeit. ^^<erge! enS fncht man vor dem Louvre und de«n Hof deL Louvre", fo erzählt ein Mitarbeiter des „Iounml des Töbat»", «jene bermnlnngernden Leute, die iulnerfort aut der Lauer tvareit, jedem Borubergebenden in allen Sprachen der Welt anzubieten. ste »vollte» ibn zur Giocouda führen. Ter Louvre tft nämlich geschloffen. «uib Leonardos Meisterwerk schlummert nach feinen mancherlei Irrfahrten der letzten Zeit sicher in den Gewölben von Montauban. Voin Boulevard sind die eifrigeit Sannnler vo»i Zfgarreiiftunimel verscknvnnden, nicht etwa, «veil die Tugend mm unter der Pariser Bevölkerung fo groß geworden ist, daß mau den Genu» der Nikotins anfgeaebe«, hat. sondern weil vor den G-nteß die Tische und Stühle verschwmldeii sind und keine muntere Menge liier mehr plaudert und uienia,id Zigarren wegwir't. V»intcc den Troschken. die, mit Kostern beladen, von beu Bahnhöfen her ka,nen. liefen „üher jiniae Leute her, »ind der Sieger in diesem Wettlauf ertauate als Belohnung d,e Gunst, die Koffer bis in das fünfte Stock,verk hinauf zu tragen. Auch bi^fc nützlichen Mitglieder der Men' heit stnd verschwunder, nnd man hat jelst das Bergungen, sich fem Gepäck selbst hinaus zu schleppen unter den, gleichgültigen Blick des trägen nnd fpott,scheu Portier». In der Umgebung der Oper^ in der Nachbcnfchaft der groben Banken traf man sonst Hunderte von Männer« an. die unter den Armen sorgsällig verschlossene große Portefeuilles trugen. ES luaren die Kasse«,boten, die ÜetS einen Eindr««ck von Reichtum nnd blühenden Geschähen machte«, Seit dem Moratorium stnd ste nicht inehr sichtbar. Wohl gibt eS noch Banken nnd Bautbeamte: aber die teureren bleiben m den ersteren, denn es gibt nichts mehr auSzuz'ahlen. Vor den Türen der Paläste nun*» bei große«, Enrpiängen u«,d Gefeltfchaften stets zahlreiche Gaffer vc,sammelt, eine bunte Menge, Zeitungsjungen. Kinder, Greise und Bettler; sie bildeten Spalier nnd sahen d«e Tanren in den kostbaren Toiletten und Velber, auL den eleganten Autos steigen, nnd ein bewunderndes Flüster«, lief durch die ärmilchen Reiben. Diese Pariser Ctraßenszenen sind mit einen, Schlage sortgeivcht: eS gibt feine rauschenden Feste mehr Und selbst an den Pforten deS Institut», gegenüber dem Pont des ArtS. wo sich bei den öffentlichen Sitzungen der Akadenrie das lebendigste Bild enlfal:e»e, ist es mm öde nnd leer. Keine Veranstaltung war ja besuchter, «vurde von der großen Welt mit höheren, Prunk ausgestattet, als d,ese große«, Tage der vierzig Unsterblichen. Tie Akademien halte«, zwar noch in»n,er ihre öffentlichen Sitzungen. aber vor den Toren «vie hinter den Türen fehlt das gewohnte Bild. Alle» ist öde und leer. In den nur mäßig gefüllten Na»«,neu halten die Gelehrten ihre Borträg« vor einem uninteressierten Publikum: die Wistenschast steht auf einem verlorenen Posten, denn die Gesellschaft fehlt . . ."
Die Küche im Kriege.
(Nachdruck dringend envürrscht.)
Ro te b e e ts u ppe Vs Pfund Rindfleisch, 2 große rote Rüben, Suppengemüse, 3 Liter Wasser, V. Liter sanrc Milch, 3 gehäufte Eßlöffel Mvhl. Salz, Pfeffer Die roten Rüben werden geschalt, in Streifen geschnitten, dad Suppengemüse ebenfalls und mit dem Fleisch in daS kochende Wasser {$&» geben, Solz hinzugesttgt und das Gan^e l'/r Stunde gekocht, dann wird saure Milch und Mehl ansgequirlt und zu der Suppe gegeben. Sehr gut schmeckt es, wenn ein Kopf Weißloht in Streifen geschnitten in die Suppe gegeben wird.
Eingescknittener Sch weinskopsin Gurte n- sauce Vr-SchwemSkops, 5>Ps Suppengemüse, 60 Gramm Mehl, 40 Gramm Fett, Salz. 1 kleine Salzgurke, Psesfer. Der Schweinskops wird mit viel Wasser und Suppengemüse gargekocht, das lick, bildende Fett sorgfältig abgeschöpft: eS kann gut als Bratfett oder als Brotbelag venvertet werden. Fett und Mehl werden hell oder dunkel geröstet, mit Vi Liter Schweinskopfbrnbe aufgegossen, in Würfel geschnittene Salzgurke, Pfeffer und Salz darangegeben, me Sauce gut dnrch- aelocht und abgeschmeckt. Die Hälfte Fleisch wird in die Sauce gelegt Die zweite Hälfte zu einer Sülze nach nach- stehendem Rezept verarbeitet.
vüchertlsch.
— DieKnnst In den Bordergnmd de» Inte,effe» dürfte nach glückliche, Beendigung dieieS Krieges die Frage des «Reiterstandbildes" tveteiu Tritt doch dann an o>e bculfcbeit Künstler die Aufgabe heran, unseren hervorragenden Heerführern würdlge Denkmäler zn schaffen, die auch in künstlerischer Hinsicht den höchsten Anforderungen emfprechen. Einen sehr lesenswerten, mit prachtvollen Beispielen guter Deukmatskunst illustrierten Ausictz über diese» Thema veröffentlicht die Münchener Kunstzeitfri rift i e Kunst" (Verlag F. Bruckmann A.-G.) in ib»e>n Febnrarheft. Vo,r tiefen, En,st erfüllt, trog «nancher hmnoristischer Züge, sind die Büder von Adolf Hengeler „Au» einem Tagebuch 1914", in denen die Empfindungen deS Künstlers zun, Ausdruck kounnen, weiche der Krieg und die Tücke unserer Feinde in ihn, au»lösten. Dieser Aufsatz ebenso wie der über Franz Krüger, der nnS in feinen Parade-, Jagd- nnd Spoubildern lebendige Schilderungen aus der ersten Hätte des 19. Jahrhunderts gibt, dürften gerade jeRt ganz besonderes Interesse stnde«,. In die Idylle sommerlichen Landlebens führt nn» der Autz«tz über da» Landhaus EliwMSki an, Atterfee von dem Münchener Architekten I. H. Rose,» t hat. Endlich «vären noch an Auffähen dieses wieder sehr reichhaltigen nnd besonders abwechslungsreiche«, Hefte» der „Kunst" zu nenne«,: T,e Silhouetten von Frau I. B. Schäfer mit Abbildungen melir- farbiger Silhouetten, welche die Besonderheit dieser Künstlerin bilden, so,vie Arl«iten von Euch Riegel: Kirchengeräte, Taselzierai, Schmuck und Bucheinbände.
— Der Griechische Roman und seineBorlaufer. Bon Erwin R o h d e. Dritte^ durch einen zweiten Anhang ver mehrte Austage. Leipzig. Bre,tkopi & Härtel 1914. k # . XXI,
636 S. — Mit unvergleichlicher Meisterschaft hat Erwin Robde in der 1876 erschienenen ersten Auflage deS vorliegenden Werke» ein damals fast noch völlig unberührtes Gebiet der Literaturgeschichte für die wissenschaftliche Forschung erschloffen. Nicht nur die erotische Erzählung der hellenistischen Dichter, sondern auch da» werte Gebiet der ethnographischen Fabeln. Romane und Utopien, foivie d«e Entwicklung der griechischen Sopbtstik der Kcnserzeit hat in Nohdes berühmten, Buche eine ebenso tief schürfende wie geistvolle Behandlung gefunden. Als einer der Ersten hat Rhode auch die engen Beziehungen des fvätgrrechifchen und buzantmischen Liebesromans zur ron,antischen Poesie deS Westen» im frühen Mittel- alter dargelegt, bereu Fäden sich bis auf Boccaccios Tecamerone herab verfolgen taffen. Rachden, im Jahre 1i.00 von F. Slboell ein nur ivenig veränderter Nachdruck de» Werkes veranstaltet worden war, hat der durch eine Reibe hellenistischer Studien rühmlich bekallnte Tübinger Philologe Wilhelm S ch n, i d die Herausgabe der vorliegenden dritten Auflage übernommen. Mit vollen, Rechte wurde von einer Umarbeitung d s kiafsiichen Werkes völlig abgesehen Dagegen hat der Herausgeber in einen, Anhänge zu dem unverändert wiedergegebene«« Texte RohdeS eine a««nerordent- tich lehrreiche kritische llehersicht über die ne««en Entdeckungen und Forschungen auf dem Gebiete deS 'griechische«, Romane fett dem Erscheinen der ersten Auflage gegeben und eine Reihe von wichtigen Berbefferungen, Ergänzungen nnd Belegen zu RohdeS Text angefügt. Schmid'S Ausführungen über den Eutwtcklung»- zufammeuGang zwischen Novelle und Roman und über den Uy sprunq der Rahmen - Erzählung sind auch für die allgemeine Literaturgeschichte bedeutsam nnd werden RohdeS Meisterwerk auch über den Kreis der Philologen hinan» dankbare Leser gewinnen
Zchach Ausgabe.
Scknvarz.
Auslösung der altägyptischen Hieroglyphen in voriger Nummeti Fleiß ist der Vater de» Glück».
Schriftleitung: Au». Goeh - Rotationsdruck unb Verlag drd Brüht'lchen Universität»-Vuch- und Steindn,ckerei, R. Lange, Gießen.


