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Standes er auch sei, doch unwürdig, sich von einer Frau ernähren zu lassen, der er oft nicht einmal das Aeauivalent seiner Liebe zu bieten hat. Muß ein mittelloser oder mittellos gewordener junger Offizier unter allen Umständen sein nächstes Auskunstsmittel darin erblicken, erst mal zu sehen, ob er nicht seine Person oder seinen edlen Namen verkaufen kann, um dann entweder als Beschützer seiner vermögenden Frau zu leben uiib hierin seinen Beruf zu erblicken, oder seiner sonstigen Neigung zu irgend einer Beschäftigung zu folgen, die meistens keine ernste Arbeit, sondern mehr oder weniger ein Sport ist. Um Männer wie Sie, lieber Rehn, ist es schade, wenn sie das „Glück" haben, in dem Moment des Zusammenbruchs eine „gute Partie" zu finden, die sic sozusagen wieder in den gewohnten Sattel setzt. Die zunächst liegende Sorge für einen Anfänger in Ihrer neuen Lebensführung erlauben Sie mir mit Ihnen zu teilen und zu besprechen, als älterer wohlmeinender Freund, der ich Ihnen gern sein möchte. Ihnen steht die Welt offen, die schölte Weit starker, zielbewußter Arbeit. Glauben Sie mir, öfter als Sie denken, gilt auch dabei das heilige Bibclwort: .Suchet, so werdet ihr finden? Nur daß die meisten von Ihnen diese Welt der Arbeit einzig als Mittel betrachten, sich nröglichst schnell und mühelos eine angenehme Existenz zu schaffen. Ich habe aber einen und den andern aus Ihren Kreisen gekaitnt, lieber Freund, der bcn bunten Nock ans- ziehen mußte, weil ihti veränderte Verhältnisse dazu zwangen. und der mit stolzem Mannesmut sich wieder aus die L-chulbank setzte. Der eine machte mit fast dreißig Jahren noch sein Abiturium und studierte Medizin uiib ist jetzt ein gesuchter Art mit einer bedeutenden Praxis, die ihm gestattet, Mutter und Schwester bei sich zu haben; der andre ist Bankbeamter geworden, und als er selbst genügend erwarb, um standesgemäß zu leben, da erst hat er eine wohlhabende Frau geheiratet. Ein dritter wandte sich der Landwirtschaft zu, besuchte die höheren Fachschulen und ging dann nach Südamerika, um dort sein Wissen und Können, seine Pflichttreue und Ehrenhaftigkeit in die Dienste eines Farmers zu stellen. Dort fand er sein Brot lind eine hochinteressante Arbeit unb ich glaube auch ein liebes Weib. Ich bin nicht der vielverbreiteten Ansicht, daß die Ojsi- ziere, die durch unverschuldete Verhältnisse aus der Armee zu treten genötigt sind, unvermeidlich auf die schiefe Ebene geraten müssen, weil sie zu alt wären, sich eine andre anständige Existenz zu gründen. Sie brauchen nur den festen Willen, die Energie, die Ehrenhaftigkeit, die sie in des Königs Rock besitzen mußten, auch auf einen neuen Beruf als erste Faktoren zu übertragen. Ebensowenig glaube ich, daß junge Offiziere in kleinen Garnisonen durchaus immer geistig zurnckkominen müssen. Danach der Mann ist - heißt es auch hier. Wer einen guten .Kern in sich hat, der wird ihn in engeren Verhältnissen leichter finden lernen und entwickeln lönnen als in den Umgebungen, Freuden und Zerstreuungen der Großstadt, die unter' allen Umständen eher zersplitternd und zerreibend auf gute Anlagen wirken, als konzentrierend und vertiefend. - Verzeihen Sie einem alten Mann, der Ihnen gern Vater geworden wäre, diese lange warnende unb mahnende Znspracke. Ich weiß, daß Sie der Mann sind, die Erfahrungen und Ansichten älterer Leute nicht als wertlos in den Wind zu schlagen. Sie haben einen ernsten Charakter und einen Haren Geist in sich. Gehen Sie hin und holen Sie ihn heraus!
„Sie werden den Dienst quittieren müssen, zurzeit ein sehr schmerzlicher Gedanke für Sie, das glaube ich gern. Aber ob Ihnen ans die Dauer diese große Passion für „des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr" treu geblieben wäre, das möchte ich Ihrer stanzen mir bekannten geistigen Veranlagung nach fast verneinen. Und wenn es nun jetzt schon geschehen soll und muß. so gelvinnen Sie Zeit, sich für einen andern Beruf tüchtig zu machen.
„Au wtträftiger Hilfe für den Anfang soll es Ihnen nicht fehlen. Diese Sorge bitte ich ans wahrer herzlicher Freundschaft zunächst mit Ihnen teilen zu dürfen. Sie müssen die Ellbogen frei haben, nicht von außen gedrängt tverdcn. Ich freue mich, wenn Ihnen meine Freundschaft die Mittel dazu bieten kann. Dieses Recht erbitte ich mir von der Ihrigen, mein lieber junger Freund."
Er hatte mir wiederholt Zeit gelassen, ihin zu wider- sprecheir Ich habe es nidit getan, sondern in schtveigender Zustimmung vor ihm gesessen und sein scharfes, kluges Auge nicht gemieden. Meine stumme Sprache aber hat er rickttq
zu denken gewußt, und als ich anfstand und er mir die Hand reichte, war es ein langer fester Druck, ein Manneswort. —>
Ich kann nicht anssprechen, wie frei, wie wohl mir ist? Me nainenlos dankbar ich bin für diese Lösuna. Ter Kampf um mein besseres Selbst ist glücklich bestanden und wie ein Phönix ans der Asche soll es ans diesem Siege empor- steigen.
Es ist etwas Großes darum, wenn man sein besseres Selbst begraben zu haben meint, einen Menschen zu finden, der einem den Stein von dem Grabe wälzt.
Ich werde vorläufig hier bleiben uild überlegen, was meine nächsten Schritte sein müssen. Das Allerschwerste ist bereits getan: auf diesem Tisch liegt mein .Abschiedsgesuch und nun geht es ab.
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„E l d o r a d o h o t e l", I ul i. Der Gedanke an Pon- calct beherrscht mich inehr und mehr. Ist er wirtlich tot? Oder lebt er irgendwo, so weit weg und so versteckt, daß er für uns ebensogut tot sein konnte? Wenn ich nichts von seinem Tode höre, werde ich ihn suchen, und wenn ich ihn finde, können mir vielleicht unsere Wege, für eine Weile wenigstens, verbinden. Mit Rat und Tat wird er mir zur Seite stehen. Ich hoffe, daß der Verlauf Mollos eine anständige Summe bringen dürste, und habe die Absicht, das Pferd Gräfin Wanda anzubieten. Die >vaufsumme, die sie mir einmal bot, war sehr annehmbar, für den Liebhaber aber nicht zu hoch. Was es 7nich kostet, Apollo zu verlieren — dariwer Schweigen!
An Frau von Betzingslöwen habe ich geschrieben und sie gebeten, mir mitzutcilen, wo ich sie aussnchdn dürfte. —> Einen Moment dachte ich auch nach Sylt zu fahren, um Gräfin Wanda su sprechen. Aber ich hörte von dein Regen- walder Inspektor, der heut in der Stadt zu tun hatte und wie ich im „Eldorado" zu Mittag speiste, daß die Grüsinnen Wietersberg überraschend plötzlich Sylt verlassen haben und bereits nach Regenwalde zurückgckehrt sind.
Ich sprach mit dem Baron über Poncalet und teilte ihm meine Absicht mit, ihn eventuell bei neuen Lebensplänen zu R.ate zu ziehen. Seit sieben Monaten aber befinde er sich auf Reisen im Kaukasus und ich hätte seitdem nichts von ihm gehört. Der Baron, dem ich über Poncalet natürlich nicht mehr sagte, als ich durste, hält viel von ihm, und riet inir, mich an Poncalets Iagdsreund, Herrn von Lehselden, zu wenden, vielleicht wisse dieser um seinen Aufenthalt odev könne wenigstens einen Fingerzeig darüber geben. Daß man doch das Nächstliegende so oft im Ansturm des Schicksals überspringt!
Z w i c l i t sch, „E l do r a d o". Tn lieber Himmel! Wie dehnbar ist dieser Begriff. Vor kurzen! war mir Zwielitsch das Paradies der Erde jetzt ist das Eldorado auf eist prosaisches Gasthaus zusammengeschrumpst!
Welch ein Unterschied! Diese Nacht wachte ich plötzlich aus. mit einem unklaren Gefühl, daß ich sehr glücklich sei. Wie lain ick dazu, da ich doch nichts wie Unglück gehabt hatte? Da fiel inir's ein: ich war nicht verlobt mit Lilli Kallwein, ich war frei, frei, frei! Branche mich nicht mit dem Studium abzuquälen, wie man auf künstlichem Wege das Leben einer Frau durch „den Sonnenschein wahrer. Liebe" verklären könnte, wenn man für diese Frau absolut nichts übrig hat. Aber ach!
„Liebe läßt sich schwer, Haß leicht Gleichgültigkeit gar nicht verbergen."
.Ich war heute bei Herrn von Lehselden, Poncalets Iagdsreund. Poncalets Todespläne und die Affäre Bcyings- löwen sind ihm natürlich unbekannt. Der Gras hatte ihm Jagdberichtc ans dem Kaukasus versprochen. Da sie ans geblieben waren, wußte er nichts über dessen Aufenthalt, empfahl mir aber einen ihm persönlich aut bekannten Kriminalkommissar a. D. in Berlin, der mich in meinen Nachforschungen erfolgreich unterstützen könne.
Ich will morgen nachmittag nach Regenwalde. Ich habe fl} 1 “) brieflich anaemeldet, in Geschäften und um mich zu ver- abschreden. So sieht er doch nicht ausdringlich aus. Eben bekam ich eine Postkarte von dort mit einem: „Herzlich willkommen!"
(Fortsetzung folgt.)


