Montag, den 8. §§bruar
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Saa Oaradiea der Lrde.
Nonlnn von Ada von G e r s d o r s f.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Groß -Runow, Lbends sieben Uhr. Den ganzen gestrigen Dag war mir furchtbar zumute, Stunde um Stunde ivuchs die Beklommenheit, die mir die Brust zu- snmmenpreßte, und fortwährend gingen mir die Worte, die ich heute zu dein Baron sprechen sollte, durch den Kops und eine lähmende Angst befiel mich, wie sie wohl über jeden loiirmt, der die unerschütterliche ?lbsicht hat, ins Wasser zu sprängen, weil er sonst keinen Ausweg mehr aus den dunklen Wirrnissen seines Lebens sieht Mit wem ich auch sprach, immer raunte mir dazwischen eine ferne leise Stimme zu: „Harro Rehn, Harry Rehn, roas bist du für ein charakterloser Kerl geworden, ein eiender Mitgiftjäger, der sich mit dem Gclde dieses kleinen Mädchens eine aggenehme, sorglose Existenz gründen will, da er das mit dem Gelbe seiner toten Tante nicht mehr kann." Nichts, auch nicht der Gedanke an meinen geliebten Beruf, an meine Pferde und alles Schöne, was man für Geld haben kann, znm Ersatz für versagtes Liebesglück, wollte diese Stimme znm Schweigen bringen. „Es ist weit mit dir gekommen," rannte sie unerbittlich. „Du schwankst zwischen Wollen und Nichtwollen, aber Lüge, Heuchelei und Selbstbetrug erhält die Oberhand Meinst du nicht, daß der Zeitpunkt gekommen wäre, wo du dieses reine Buch für immer zuklappen solltest - dieses Buch, tu dein nie etlvas stehen soll, was Kaiser Friedrich und Goethe nicht lesen dürsten?" —
Ich kann nicht beschreiben, wie elend und müde mich dieser innerliche Streit über Recht und Unrecht machte. Daß er jetzt so heftig entbrannte, war ja natürlich Ich stand am Vorabend der Schlacht! —
Nachts zwölf U h r.
Beim Abendessen vermied ich es, den alten Baron anzusehen. Er sprach in seiner gemütlichen langsamen Art mit den Beantten unb Volontären, die abends mit uns essen. Ab und zu aber begegnete ich seinem Blick, der nachdenklich und fragend aus mir zu ruhen schien, und vor denk der meine sich unwillkürlich senken lvollte.
Als wir uns erhoben hatten, lvandte er sich aber direkt au müh und sagte freundlich: „Ich möchte nachher gern ein paar Worte über eine ernste Sache mir Ihnen reden, lieber Rehn, in herzlich väterlicher Gesinnung eine gewichtige Frage alt Sie richte». Ihnen einen wohlgemeinten Vorschlag machen. Es loird Sie von dem alten Mann nicht überraschen, der so viel von Ihnen hält wie sonst von keinem andern jungen Manne." Im ersten Augenblick erschrak ich so, daß ich das brennende Streichholz, mit dem ich mir die Zigarre anzünden lvollte, auf den Teppich fallen ließ.
„ . ,,Mein Himmel!" dachte ich entsetzt. „Sollte es möglich fein? Das ist ja beinahe beleidigend für mich! Jetzt hält er
einfach um mich an! Aber wer weiß, was er für sein einziges Kind zu tun imstande ist. Väter in höherem Alter pflegen solch kleinen Spätling ihrer Liebe sehr zu verwöhnen. Wenn sie reich sind, kaufen sie ihm alles, wonach das kleine Herz gcrad' verlangt."
„Kommen Sie," sagte er freundlich, „wir wollen uns auf die Veranda setzen. Der Abend ist prachtvoll und nach dem Garten hinaus ist es schön still, ohne daß uns' jemand hören kann."
Schweigend gehorchte ich und setzte mich in den großen Korbsessel ihm gegenüber. Zwischen uns stellte der alte Lüttich den Tisch mit den Ranchntensitten und einer Flasche Moselwein.
„Es spricht sich gemütlicher über heikle Dinge, wenn ein guter Tropfen im Glase perlt," meinte der Baron jovial, während er langsam mit der etwas zittrigen Hand den goldenen Trank in den hohen grünen Römer füllte.
J©Hr waren die Lippen wie zugedrückt. Ich wußte nicht, was ich antworten sollte, und legte oie Zigarre nnangezündet neben mich, stumm sragend zu ihin hinübersehend.
Er tat einen tiefen Zug, ans den ich ihm scknveigend Bescheid tat, und sagte dann freundlich ernst: „Wie steht es mit Ihren Zukunstsanssichten, Ihren Verhältnissen, lieber Rehn? Ich frage aus aufrichtigem Interesse, weil ich weiß, daß Sie durch den plötzlichen Vermögensverlust in äußerst mißlühe Lage gekommen sein müssen. Es liegt ja nun sehr nahe," fuhr er ruhig fort, in den abendlichen Garten hin ausblickend, „nach dem üblichen Auswege zu greifen, sich nach einer reichet! Partie nmznsehen. Die meisten Männer, die sich durch ihre Persönlichkeit berechtigt halten dürfen, in jeder Familie als Bewerber willkommen zu sein, werden cs unter Zustimmung der ganzen Welt so machen. Aber um Sie täte mir das leid. Und ich möchte Sie geradezu bitten, diesen üblichen Ausweg lieber schon als ultima ratio zu betrachten, wenn jeder andere sich unerwarteterweise Ihnen verschließen sollte. - Ich möchte Sie auf Ihre eigene Kraft verweisen, um Ihr schweres Geschick zu bezwingen. Ich weiß, daß ich mir eine ungewöhnliche Freiheit nehme, so geradezu mit Ihnen etwas zu besprechen, wonach Sie mich nicht gefragt haben, aber das, was ich im Sinn habe, verlangt völlig« Offenheit."
„Ich räume Ihnen das vollkommenste Rocht dazu ein, Herr Baron." sagte ich furchtbar beklommen.
Er nickte mir freundlich zu.
„Ein junger, gesunder Kierl, ein gescheiter Mensch, dem sich so viele Türen geöffnet haben und öffnen werden, dem so viele Liebe und Freundschaft geboten wird der sollte nicht imstande sein, sich durch seine eigene Arbeit und seinen festen Willen zu erhalten, sich ein schönes Leben selbst zu zimmern, lieber Rehn? Muß ja nicht durchaus in den gewohnten Verhältnissen sein, wird auch gehen unter veränderten Verhältnissen.
„Genau genommen ist es, trotz allem Hergebrachten, eines körperlich und geistig gesunden jungen Mannes, wessen


