Ausgabe 
1.2.1915
 
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jetzt, da sie die Ziegelsteine wie eine Art Masse in den Händen Wllen, zu Bestien geworden. Ein Steinhagel sauste der Wache entgegen. Diese zog vom Leder, die Klingen blitzten, die Helmte funkelten im Glicht. Wir sahen ein paar Burschen nieder- stürzen. War cd die in 20 Jahren erworbene Gewohnheit, ärzt­liche Hilfe zu leisten, war es die dunkle Macht, welche sein Ge- chick lenkte, genug, Schuiclienstiel sprang vorwärts und beugte ich über -einen der Gefallenen: da sauste auch schon der Säbel eines berittenen Wachmannes ans ihn hernieder, ein breiter, roter Streifen floh über sein Gesicht, dann wankte er und siel.

vermischte».

* Lichtmeß und B o l k s a l a u b e. Hat der Landmann erst die Lichtmeß (2 Jebruar) hinter sich, so längt er an, seine Vorbereitungen für das Frlihsabr zn treffen: denn nun nehmen die Tage raset, ivieder au und die Sonne beginnt warn,er zu scheinen. Aber der Landinann weiß auch aus feinen vielfachen Beobachtungen, da» »varme Tage in, Februar noch feinen Besiand haben und daß dann ge»vobnl,ch doch noch ein kürzerer oder längerer Rachivmter kommt. DeShckb finben mir i>! Deutschland in Srr'chnwrieru viel­fach die Ansicht vertreten» daß zu Lichtmeß noch ein wmterlirt es Wetter herrschen nulßLicht,neb in, Schnee - Ottern in, Klee"» sagen die Landleute in der 'HaU; bei den Landleuten in DlecNen bürg beifet eS:Liebtnnsseu dunkel» denn rvard der Bur 'n Jmiker*. Ein Sprichwo't, das in ganz Deutschland lind darüber dinauL ver­breitet isi, heißt:Wem,- au Lichtinel; schneit, in der Faühlrng nicht mehr weit, isi's dagegen klar und hell, konnnt der ivviiblma nicht so schnell" : ein anderes Sprichwort bringt denselben Gedanken zum Ausdruck, wenn es sagt: »Find'l die Gang zu Lichtmeß dunkel und nab, hat das Schal zu Marien (25. März) '^ras". AtlS der Z it, da im Winter noch öfter Wölfe auüraten» stannnt ein Sprich­wort, >'aL laut t:Besser, das; die Wölf in den Schainall tonunen, als daff zu Lichtmeß scheint die Sonnen " Ob es zu Lichtmev friert oder ichneit, ob es regnet oder Stürme über das Land toben, das ist de,u Landwirt gleich, nur die Sonne soll au diesem Tage nicht schemen, deim sie täuscht einen Frühling vor, der noch nicht kommen kann.

'Was e , »l c englische G o u v e r.n ante in einem deutschen Prinzen banse ,h e r a u S f a n d". Wenn noch irgend ei»! Menfch in den beiden Erdhcilften übrig sein sollte, der von Deutschlands Schuld au der Anstiftung des gegenwärtigen Volkerkrieges nicht überzeugt ist. so lvird er eine einfache, aber znüunende Antivort zwischen beu Teckeln des kleinen Buches..Was ich beransfand" erbatteii." So kündigt ein grobes Londoner Blatt ein soebeil erschienenes Blich an, das bertlien sein soll, iu Europa und Amerika eine grobe Sensation zu erreaen. Tie Verfasserin ist e.ne junge Engtäitderm, die anonym bleibt, aber doch viel voil ih er Person und ihrer Fauulie erzählt, um sich als glaubwürdige

t eugiu ausznweisen. Tnrch ihren Grobvater, der amerikaniscler eeoisizier ,var und als solcher die Bekanntschaft des Prinzen Heinrich gemacht hatte, ist sie in, Jahre 1909 in die Stellung einer engli'chen Gouvernante bei zwei kleinen Prinzen im Alter von 5 und 6 Fahren, den Söhnen eines königlichen HmsieS, über das sie allerhand A,»deuti,naen umcht, ohne es jedoch zu neiinen, gelangt, und hier hat die englische Miß alle die Abenteuer erlebt, die sie erzählt und die Deutschlands sinsiere Pläne lange vor den, Ans- briich des Krieges erkennen lassen sollen. Gleich die erste Be gegnuug mit ihren Zöglingen enthüllten ihr ein düsteres Schreck bild. Die kleinen Prinzen spielten in einem Gartenhaus, als sie ankam, und man hörte schon von weiten! wildes Schreien, das die Grobe ihres Vergnügens anzeigte. Und waS inußten d,eAg^n der Engländerin seh n? Auf dem Fußboden war ein vollnändt>,es Modell der E i t y von London aufgebaiit. und über den Srrabeu und Plätzen, den Türrnen und Kirchen flog eine Flotte von kleinen Zepoel inen, die die Kinder sehr geschickt lenkten. .Niemals Feit oder Zitate» ial verschwenden," schrie eine Männer­stimme-Paßt ans, wie ich es niache. Ich bin über Westminier- Abt i " Der so sprach, war ein junger preußischer Leutnant, der d,e uiilitarische Erziehung der Kinder zu letten hatte. Als er die Engländerin erblickte, war er etwas u angenehui überrascht, er­klärte jedoch, eS wäre ein unschuldiges KnegSipiel, das der Er- sinder Graf Zeppelin den Kindern geschenkt hätte Die englticbe wlib hatte so aber gleich einen Borgefchmack von den» wilden r an erhalten, den sie dann aus Schritt und Tritt zu verspüren glaubte. Jeder,nanu in ihrer Umgebung hat sich augenscheinlich i'che ge­geben, ihr das klar zu machen. Schon dan,als so erzählt sie t,ente - hörte sie von der wundervollen .Ueberraschung" flünern, die a,ü den Krl'pvwerken m Vorbereitung wäre. Der junge Leut uant. der zunächst, wie sie verschämt andeutet, einen vergebltchen Angriff auf ihr kühles Herz unternahm, schüttete der Spröden troh- dem ,em ganzes Herz aus und erzählte ihr, daß das deutsche Heer ebenso n'ie die Flotte lim .den Tag" beteten, womit die Ber- foneiin einen hübschen Anachronismus begeht, denn das so be tttelte wtücf Barries und die darin liegende "Anspielung auf den bei nhintenHatzaesang gegeti England" sind za erst nach dem Ausbruch des Krieges entstanden: aber derartige kleine llu* gereunthelten stören die Verfasserin nicht >m mindeien. Auch der

düstereGra> JPmiTjavbi* hatte vor tfx keine Geheimnisse über den militärischen Ehrgeiz seines Landes. Und selbst der Kaiser hat sic einer Atkseinandersetzung über seine Anschauungen gewürdigt, sich darüber beklagt, daß die Deutschen in der ganzen Welt rricht verstanden lvürdeil. dab niemand ihnen gerecht würde und alle nur eikerjüchlig ans sie u>ären; wenn sie ein Blich schriebe, ko täte sie gut, ihn vorher ihre Notizen lesen zu lassen, er könnte ihrem Urteil Hellen . . . Fügt man noch lnuz», daß die Verfasserin erzählt, daß eine hervorragende Gräfin ihr gesagt habe, der deutsche Kronprinz iväre mit dcr zngeüaiidenen Abncht »iach Jndietl gereist, unter beu eingeborenen Herrschern Unsiieden zu sli ten, iind Aegypten hätte er auf dein Wege in Atlinchr bringen tolle»!, daß sie weiter erzählt, sie habe im Juli einen Brief an den engltschen Premicrmiinsler geschrieben, um ihn zu warnen, aber dieser Brie» sei genohlen tvorden, und sie wäre dann unter den größten Gefahren geflüchtet, - so hat man eine kleine Bluten­lese vo,i all bem Unsinn, den die Engländer der Welt alS wichtige»! ^weis für Deutschlands Schuld an dem Kriege vor­setzen wollen.

* D i e e r s i n d e r i s ch e S ch u l j u g e n d. AuS Sänger- l> a n s e n wird uns geschrieben: Wie überall im Deutschen Reiche »nacl-t sich auch iu »ulierein Lrte als euiziae Knegsnot empsindllcher P e t r o l e u in m a u g e l bemerkbar. Viele Haushaltungen sind tage- und rvocheulang one citieti Trov^en veud toi und >ver keinen Auschlui; all die l^asleitiing hat oder die teirre und dabei doch tiur unvoltiommene KerzenbetenchtuW scheut der»! bleibt nichts ande»eS übrig, als mit Hühnern und Spatzen sich m Biorphens Hut zu be­geben Dieser Tage iiihrle die Petroleuniknappheit zu emer eigen­artigen Folgeerscheiitnng, dre des heiteren Beigeschmacks nicht ent- beli> t. Es hatten bereits ieit geraniner Zeit mehrere Sangerhansener Schüler ihre hänslrchetl Arbeiten mir unter geschickier Ausnutzung des schon so frühzeitig scheidenden Tageslichts secktguellen können. .ll4 sie aber do n einmal die Dunkelheit überraschte und zu Hanse keine brennsähigen Lampen au'gctr>eben rverden Io »nten, ,var guter iat teuer. Doch sie wußten sich zu hel'en. Und so sehr auch der Versucher flüsierle, man könne dod, einfach anderen Tags mit dem leeren Schreibhe t vor ben .ebrer treten und das Fehlen der HauS- ausgaben entschuldigend mit dein Fehlen des Petroleums begründen die Knaben drüutsn sich dennoch nicht. Vietinehr sah »nair sie an, nasjlalten Winterabend burch die Stadt laufen und ^lusschan halten nach einer gm leuchtenden Straßenlaterne. Und ihre Bemühungen bliebe» nicht ohne Erfolg: unter einem GaS- kandela er ivählten sie sich einen ziigigen Brückenkopf zu ihrem Schreibtisch aus unb erledigten hier unbekümmert um ihre helfen Fiiiger lind das Schmunzeln der Vorübergehenden ihr Vensinn in Treuen. Ter beutfeije Junge des Kriegsjahres 1915 besitzt Pflicht- bennißtsein!"

Die Küche im Kriege.

(Nachdruck dringend erivünscht.)

Grün kern supp e: Man schneidet reichlich Sellerie, Larich, Mohrrüben fein, kocht alles mit geschmorten Zwie­beln zu einer kräftigen Brühe, rührt diese durch und kocht iu derselben daun Grünkeriistocken. Mn Mgelb znm Schluß verschönert die Suppe, ist rtber nicht nötig.'

Getrocknete Mohrrüben mit Harnmel - oder R l n d f l e i s ch. y 8 Pfd. getrocknete Mohrrübetl, »/. Pfd. Fleisch, 3 Pfd. Kartosseln, Salz, Petersilie. Die Mohrrüben lverden gewchä-en, in kaltem Wasser eing^veicht, am folgen­den D-age mit dein (Sitlweichwasser lind Salz aiifgesetzt, das Fleisch dazugegeben und das Flericht sehr langsam gar>- gelocht. Nach V.Sturrden Kochzeit werden die in Stücke ge­schnittenen Kartoffeln zn den Mohrrüben geschüttet. Wensr alles gar ist, wird die Petersilie hinzngefügt.

Sttatenratfei.

AuS jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, f* daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Ich weiß nicht, ivas soll es bedeuten ....

2. Was? Dec Blitz! Das ist ja die vwstel aus Blajewitz.

3 ''Alles ist verloren, nur die Ehre nicht.

4. Für die Jugend in daß Beste gut genug- b. Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrl-eit me hören wollen.

6. Musik in der Schlüssel vom iveiblichen Herzen.

7. Kein Dlensch muß müssen!

6. Geld allem niacht nicht glücklich, man mu& es auch haben. 9. Zwischen uns sei Wahrheit l

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der'.sethaiten Jnsclnist iu voriger Stummer:

Co a rätselhane Julchrtit zu ent-rfferu, is noet (tst nicht) einiach.

S christieitu ngr Ang. Goetz. - Rotationsdruck und «erlag der Brübl'ichen Univerfitäts-Buch. Steindnickern R. Lgnae, Gietzsn.