Ausgabe 
27.1.1915
 
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5eldhunior.

Von einem O f f i - i e r i nr Fe1 b e.

(Nachdruck verboten.):

Au f in den Ka mpf."

Das Dort A. in 9tordostfrankreich wird durch einen Kanal, her an beiden Ufern von Sumpsstreifeu bonleitet ist, in zwei Hälften geschieden. Die diesseitige Dorfhälfte war von uns gestürmt worben, wir konnten jedoch nicht über den Kanal, da die einzige über ihn führende Brücke iin feindlichen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer aus dem Rand der jenseitigen Dorf- hälfte lag. Also hieß es, in ^cm der Brücke zugekehrten Rande der diesseitigen Dorshälfte Stellung nehmen. Das war nicht ganz einfach, da diese Häuser nur dem Feinde zugewandte Ein­gänge besahen, die überdies verrammelt waren. Aber zu den praktischen .Kriegserfahrungen gehört es, eine verschlossene Tür mit einem Fußtritt _ju sprengen, uiü> so gelangte ich denn glücklich mit meinen beiden Maschinengewehren in eins der vor deren Häuser und begann mich dorteinzurichten". Die beiden Maschinengewehre wnrdeu auf Tischen ans Fenster gerückt, die Blüschtisckchecken verhinderten sehr schön ein Rutschen der Ge­wehre. die Bedienungsmannschaft nahm in kissenbelegten Korb­sesselnStellung", mir selbst rückten sie einen urgemütlichen Großvaterstuhl in .die Mitte,seulemeut un demr-heure", und dann begann das Gefecht gegen die im jenseitigen Dorfrand ver­steck teil Schützen. Ab und zu mußten wir freilich unsere Stel­lung ändern, lvenu nämlich das feindliche Feuer gegen unfcrc ftencitr zu lebhaft wurde.Klack llak, tlak" ging es Dann gegen die Wand oderpiiing piiiug" durch die Fensterscheiben. Tann setzten wir uns eine Stufe tiefer, nämlich auf den Fußboden. Wenn wir wieder schossen, verstummte drüben das Feuer, wahrscheinlich machten sie es dort drüben genau so.

Was unsere Behaglichkeit aber am meisten erhöhte, rpar die Entdeckung eines Phonographen im unteren Stocke unseres Hauses. Schnell wurde er von sachkuirdiger Hand in Gang ge­bracht, und während oben unsere Maschinengewehre ihr rasendes Tack tack rack" hämmerten, klang es von unten brau­st herauf:Auf in den Kampf, Torerv..Ich l)abe noch me meine Schützen mit solcher Hingebung schießen sehen wie ber dieser Begleitung!

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H a l t wer d a?"

Das Bataillon hatte Ersatzmannschaften bekommen. Ta die alten Mannschaften erschöpft waren, wurden sie gleich vom Ersatz abgclöst. Auch ein ziemlich nah am Feind stehender Posten wurde von einem Ersatzmann besetzt. Wacker stand der neue

Kneger auf seinem Posten, und die Minuten wurden ihm in

fieberhafter Spannung zu Ewigkeiten, indes die Nacht immer tiefer ihre schlvarzen Schatten breitete, so daß mau kaum zehn Meter weit sehen konnte. So mußte p»r sich denn zimr gut

Teil auf sein Gehör verlassen. Er lauschte lauge, lange. La endlich hörte er vor sich im Felde ein Knacken, Breckn-u, Schlür

~V*' cr schlug ihm bis ans Herz. Er täuschte sich

nicht. Das Gewehr inachte er schußbereit. Er würde seinen. Posten nicht kampflos verlassen. Näher kam das Raschln nun gewahrte er auch dicht vor sich einen schivarzeu Schatten^ ^etzt war es Zeit?Halt wer da?" rief erach seiner Vorschrift. Kerne Anttvort; die Gestalt hatte einen Augenblick gesttitzt, jetzt benagte sic sich genau auf ihn zu. Noch ziveimal gellte rasch hintereinander des Postens Anruf:Halt wer

da?" Dann knallte er los. Ein rasendes Alarmseuer die jchwar^e Gestalt verschwand.

Tie ganze Linie war alarmiert. Tie. t»orberen Schützen lagen im Anschlag. Tie Reserven bezogen ihre Stellung. Im Laufschritt rückte die Feldivachc zu dein Posten, der das Alarm fkuer gegeben hatte. Ter stand noch vor Aufregung erftarct. Behutsam fchlrch sich eine Patrouille zu der Stelle vor, wo der Posten den Angriff erkannt zu haben glaubte. Richtig da lag der Feind Hl seinem Blute. War's auch diesmal' nur eme äknh, so doch immerhin eine französische!

Die redliche Teilung.

Fm Ruhequartier. Ich ging gerade gemächlich die Dorf­straße entlang, als ich von meinem Hof her ein lautes Gczeteq -crnahm. Als ich hinging, sah ich einen Unteroffizier von mir damit beschäftigt, eine Gans zu schlachten, roährend zwei alte Knechte unter den heftigsten Gestikulationen auf ihn einredeten. Ta sie m Mir den Offizier erkannten, kaureu sie gleich ans mich zu gestürzt mrd beklagten sich in den lautesten Tönen, dar umn ihnen ihre Gans weygcnommen hätte. Ter. Uitterofsizi.' erklärte freilich, der eigimtlrckfe Besitzer des Hofes sei überhaupt nicht da und die beiden alten Leute seien höchstens Knechte, denen die Gans gewiß nicht gehörte. Wie dem auch mor, ich verlvarnte ben Unteroffizier und ermahnte ifnt, mit denEingeborenen" etnnrS lmmger grob zn verfahren, was er mir dann auch treu herzig versprach.

,Anf dein Rückweg kam ich wieder über den Hof. Ta fab ich tn einer Ecke die beiden alten Knechte brummend damit beschäftigt, die Gans zu rupfen, daß nur so die Federn flogen, wahrend der

Unteroffizier auf einem umgekehrten Bottich saß und behaglich fei,re Pfeife schmauchend der Arbeit mit breitenr Grinsen zusah. Ms ich. fragend, was nun los sei, herantrat, antwortete er schmunzelnd: Alles in bester Ordnung, Herr Leutnant! Wenn sie sch-n meinen daß ihnen die Gans gehört har, haben mir sie uns redlich geteilt. Sie bekommen die Federn und dürfen die Gans dafür rupfen. . .

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Das Weinfaß.

Ich war einem anderen Trupventeil zugeteilt worden und kam mit meinem Zug erst spät in ein kleines Dorf ins Quartier, das die früher ins Quartier gekommenen Truppenteile bereits belegt hatten. Auch die in den verlassenen Häusern ausgcsunbenen Wein Vorräte waren bereits verteilt. T« es ein anstrengender Tag ge­wesen war und ich großen Durst verspürte, gab ich meinem Bursche?, den Auftrag, unter nUen Umständen noch einige Flaschen Wein mr mich anfzu treiben. Er kehrte jedoch betrübt mit der Meldung zuruck, daß er keinen mehr finden könne. Ich ließ mich darauf.aber nicht ein, sondern wiederholte den Befehl in ctlvas schärferer Form. In einer Viertelftnnde ist Wein da, verstanden?!" Mein Bursche trabte ab.

Nach einer Viertelstunde erschien er wieder, einige alte Wcin^ pullen trnmiphierend in der Hand. Es waren ausgezeichnete Marken.Nun, Junge," fragte ich gnädig,wie bist du nun dazu gekommen?" Er lachte verschmitzt:Ich hatte in einem Keller eilt altes leeres Wem,an gefunden. Das Hab ich mm mit Wasser gefüllt und zum Nachbarhaus rübergerollt, wo sie ein ganzes Lager von Wemflafchen gefunden hatten.Herrschaften," sagte ich zu denen Drüben,seht mal, wir sind nur zu zweit mein Leutnant und ick, roas ,ollen wir mit einem ganzen Wein,aß? Gebt uns ein paar recht gute, extrafeine Pullen, dann bekommt Ihr das ganze Faß. Ihr werdet'ö schon klein kriegen." Na> und nu habe ich meine Pulten, und die norden an dem alten Faß schon nüchtern Meiben."

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Die Ablösu n g.

Ick) war Kommandant eines Schützengrabens, der mit ^00 schützen besetzt war. Als die Mannschaften abgelöst ivurdcu. waren mir zwei Kompagnien Landwehrleute als Ersatz zugesagt worden. Ich nahm an, daß ich mm eine große Streitmacht be­fehligen würde. Ms die alten wackeren Landwehrer aber an rückten., mußte ich erfahren, daß ihreKompagnien" nur et,va 50 Manu ?^^ltckltä,e Gefechtsstärke darstellten, so daß ich nur etwa 100 schützen zur Bersügung hatte, womit der Schützengraben recht lrcht besetzt war. Ich äußerte meine Bedenken dem einenKom- pagmeführer". einem alten wetterfesten Feldwebel. Der aber be­ruhigte mich und meinte:Ta können Herr Leutnant versichert icm. tvir lassen keinen durch? Wenn wir man auch nur knapp llX) Mann stark sirrd, so haben wir doch insgesamt 500 Kinder! Verstehen, Herr Leutnant?"

Das Land des Fernsprechers

Die Bereinigten Staaten können mit Recht ani den Titel des .Landes des Fernsprechers* Anspruch erheben: zählt die Union mit ihren 10 Millionen Fernfprechanfchlüffen doch 2'/ mal so viel solcher Einrichtungen, wie die ganze übrige Kulturwell zusammen. Nach einer hübschen Uebersicht. die Burton I. >dendrtck tn McClures Magazine gibt, hat allein New York fo v,ele Fern- sprecbanfcblusfe, wie sechs europäische Länder zusammen uäncktch Oesterreich-Ungarn. Italien. Belgien. Norwegen, Dänemark und »olland. Eblkago, eine 2-Millionenstadt. lwt mehr Fernsprech- anfchlnssc als ganz Frankreich mit der 40 Millionen-Bevölkernng; Philadelphia mit seinen ea. I'/. Millionen Einwohnern ütn-rtrifft an Fernsprechern daS ganze russische Reich, und KansaS Eito lstlt noch mehr Fernspreckianschlüsse als ganz Belgien, l^anz England hak 650 000 Femjprecha,,schliche rnd ul>er1r,fft die Stadt New York nur um 200000! Vor 15 Jahren hatten die Vereinigten Staaten erst 650 000 Fernsprechanfchlüsje; in 15 Jahren also hat sich deren Zahl mehr alö veriünfzehnfack.t. Heute ist der Fernsprecher in den Vereinigten Staateii' allmächtig und allgegenwärtig: wo der Europäer schreibt. benutzt der Ainerikaner den Draht, ja. der Fernsprecher ist weiter verbreitet, als die Briespoft. nämlich in 70000 Orten gegen 58 000 der Post! In Euror>a gibt es nur »venige Gegendei,, die auch aus dem Lande ein dichtes Fernsprech­netz haben, während in den Bereinigten Staaten ein reichliches Dritte! der 10 Millionen Anschlüsse ans den» Lande zu fmben ist. Der Unterschied zwischen Stadl und Land ist damit tn mancher Hi»,stcht auf schoben: der Landbewohner kamt an de»n Cladtleben tetlnehi'.ien, er braucht ,»icht n,ehr die Erzenginsse seines BodenS zirr Stadt zn fahren, sondern verkailst sie dralstlicl). ferner ist die ländliche Einsaiilkeit persch,vn»»den: auf den, Lande kann inan jederzeit mit dem Feruspr-echcr die Fener,vehr l>erbeiruien. der ^eri,fpreck>er er-fetzt zunl Teil die Zeitung und fchl,eßl,ch hat sich herauSgestellt, daß Land'ireick)er imb Dieb« Häuser und Oftschaiten u,it Fernsprechanschlüssen ,neiden. Die amerikanifche.i Fern« preck^rgesellschaften rechnen mit einer gewalt.gen Weiterentwicklung de« FemfprechwesenS und legen daher jetzt schor, eine Menge neuer Linien an, die sich vielleicht nach zwei oder drei Jahrzehnten' de zahlt »nachen. So hat die BeÜ-Gesellschaft ln, vergär,ge::en Jahre für SOO ®UIUcneu nrite SMnini gebaut. Cie ,tnbfilt oear ffn