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. „Ich mutz dich sprechen, Einzige. Geliebte! Unsrer Zn- runfl gilt cs, nnserm Gluck. --- Du mlißt zu mir kommen, dn mußt, es ist das Sicherste. In meinem Schutze kann dir nichts geschehen. Du wirst ja mein süßes Weib sein mein Heiligstes, das weißt du doch! Du mußt Vertrauen haben, bcbin gungsloses Vertrauen! Alles, was ich will, niufit dn,"darfst dn tun, als ob ich schon dein Mann wäre."
So rasend rasch das über meine Lippen stürzte, so per stand sie es doch, sie verstand es mit dem Herzen.
,/Jch weiß," slüperte sie, „daß ich in deinem Schutz bei oif am sichersten bin. Und mir haben auch keine Wahl als dies Aeußerstc. Ich vertraue dir, oh, bedingungslos! Und »ch komme — morgen, wenn cs dunkelt, um diese Stunde. Ich lverde dreimal rasch an dein Fenster klopfen." Was wir nun wagten, grenzte an Wahnsinn. Aber wer an unserer Stelle hätte es ittcht ebenso gemacht? Air hatten Augen und Ohren und alle Sinne und Nerven wo anders und würden es weder gesehen noch gehört haben, wenn die Welt und das Paradies oer Erde, Zwielitsch, in Trümmer gegangen wäre. Ich hob d,e Arme und sie neigte sich heraus. — Es war ein Kunststück: das breite Fenstersims war zwischen uns und das Fenster war keineswegs niedrig, ich stand viel tiefer als sie. Aber es ging — oGolt der Liebe! es ging. Sie stützte die Hände auf meine schultern und während ihr seidiges duftiges Haar mein Gesicht streifte, fanden sich uiisre Lippen, we,in auch nur eicht und fluchtig, zusammen. Ein Tropfen Wasser nach tage- langem Dürsten... bis heut abend — noch zwei Stunden muß er reichen. Mir ist verhältnismäßig ganz ruhig zumute. Bemahe feierlich und sehr ernst, gnr nicht so stürmisch chühend, daß ich mir selbst nicht trauen dürfte.... Nein Der ganze Ernst großer Entscheidungsstunden ist in mir. — Dezember. Die Entscheidungsstunde kam — aber ganz anders, wie ich sie erwartete. Die Mirsel sind ge- fallen, für immer — über mein ganzes Leben. Merkwürdig. daß ich das noch betone, als wenn sie nicht schon in dem Augenblick gefallen ivären, wo ich Tatiana zum erstenmal sah. Obwohl ich mir darüber längst klar war, sie £ 1 . 1 k - b' sohabe ich doch die allernächste Konsequenz dieses Entschlusses, nämlich des Königs Rock ansziel>en V müssen. noch nicht ein einziges Mal ernsthaft erwogen. Sobald sich mir der Gedanke daran ausdrangen wollte, habe ich ihn, als noch gar nicht an der Reihe, zurück? gewiesen, ich fürchte aus Feigheit. Auch war mir die ^age. ob ich geliebt wurde, so glühend geliebt, nrie ich }et lcuin tC ' k e ^"^sache "nd diese steht nun fest! Gott
Ich wartete auf Tatianas Besuch. Alles war vorbereitet, Meier weit fortgeschickt. zu Pferde mit einer Botschaft nach Groß-Rnnow deren Wichtigkeit der alte Baron wahr- schctnlich nicht ganz begreifen »vürde. Meine Fenster waren doppelt verhanat, die Lampe stand mit einem lichtdämpfen- den Schirm aus dem Schreibtisch. Bobby war mit Meiern fort, Mles war still, nur das melancholische Geräusch des Landregens, der seit gestern ununterbrochen fortrieselte, ^ dem Steinpflaster der Gasse draußen in einer nervenberuhigenden Monotonie zu hören und das seelen- ruhige Ticken des Regulators. '
Ich hatte bis eine Stunde vor der Zeit zu schreiben ver- mich die Sammlung und ich begann alle paar Minuten durch einen Spalt der Vorhänge m fcOcu. Wer konnte wissen, ob sie nicht viclttncht frühe?kam! n» d^obredet oder ob sie nicht das dreimalige Klopfe!,, an mein Fenster vergessen konnte? Ich raffte mich zu- Unb mich still in meinen alten Korbstnhlj
Aurück, nnvcrtvandt zum Bilde Kaiser Friedrichs einpor- liersnchte mir sein großes ergebungsvolles» Märtyrertum zu vergegenwärtigen, als Geaei gewicht meiner prickelnden Unruhe.
Da — bci3 dreimalige Pochen...
m.h fast stockendem Herzen erhob ich mich
un^öffnete die Tur und vor nur stand - Wladzio Korro-
^!^wente so hoher Spannung durch Unerwar- ^gelöst loerden, ist Zunächst alles Denken so gut wie 5^ an /wndelt rein mechanisch. So tat auch alten Mann eintreteu und folgte ihm in L^"bi?^alä ^nter uns schließend. Das geschah
chil erwartet^ ^ ^ ^ überhaupt niemand anders als
... s,"lkine Tochter erwartet," sagte er leise
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schlug sie iricht nieder, denn mein Gewissen war absolut rein. - Langsam tvich die seelische Lähmung! der Fordernng des Augenblicks.
„Ja. Ich habe Tatiana erwartet, um mit ihr über unsre Zukunft zn sprechen," sagte ich und lud ihn ein- sich auf den Sessel am Tische zu setzen. Cr nahm aber cnien zur Seite stehenden Rohrstuhl. —
„Sie wollen meine Tochter Tatiana heiraten?" fragte er, mit seinen braunen Knochensingern leicht aus der Tischdecke umherlastend.
„Ja, Herr Korrolewski, ich will sie heiraten," sagte ich ebenso lakonisch, wie die Frage gestellt war.
„Sie sind sich klar über die Möglichkeiten? Es gibt über- Haupt solche?"
Die hatte ich mir eben selbst noch nicht klar gemacht^ niid ich zögerte «neu Monrent mit der Antwort, währender, vielleicht nur um mir Zeit zu lassen, beifügte: „Ich hörte und sah alles, was an meinem Fenster gestern ahend vorging. Und ich sagte es meiner Tochter, und daß ich selbst zu Jlmen gehen ivürde statt ihrer. Meine Menschenkenntnis tauscht mich selten: seit dem Basarfeste, von dem mau mir erzählte, wußte ich, daß Sie eine (Yefahv für Tattana sein ivürdcn — und Tatiana für Sie. — Ich habe Sie als einen guten und vernünftigen Menschen schätzen^gelernt und würde Ihnen Tatiana gern geben, wenn Sie den untergeordneten Kreisen angehörten', aus denen sie selbst stammt. Obgleich ich Pole bin mit meinem Herzblut und als solcher ein Feind der Preußen, insonder- heit der preußischen Ofsiziere, wird das kein Grund für mich sein, nicht auch Ausnahmen zu machen. Ms eine solche habe ich Sie kennen gelernt, dazu genügte mir ein Blick in Ihre Augen, ein paar flüchtige Worte an dem Tage, als Sie mich überritten. Dennoch wünschte ich von Herzen, Sie und Tatiana hätten einander me gesehen, und nur mit großem Widerstreben erlaubte ich ihr, au dem Basar teilzunehmen. Ich habe es geahnt, daß Sie wie kein anderer meinem Kinde gefallen würden, und daß Tatianas große Schönheit und ihr leidenschaftliches Naturell Sie be- stricken uiüßten. Es war kein Wunder. Ich traute Ihnen nicht e J u leichtfertiges Spiel mit ihr treiben würden; ich fürchtete aber Schlimmeres — daß Sie das Unglück ihres Lebens werden würden."
Ich machte eine heftig abwehrende Bewegung, uitb er pausierte m seiner langsamen, augenscheinlich sehr überlegten Rede, m der außer dem scharf polnischen Akzent nichts den Polen verriet, wohl aber eine mich überraschende tiefere Geistesbildung hervortrat.
„Herr Korrolewski," sagte ich ernst, „Sie sprachen altes aus, was ich heute abend mit Tatiana besprechen wollte Aber werter wollte ich auch mit ihr überlegen, wie wir die schweren Hindernisse, die unfern, Glück entgegenstehen, gemeinsam be- Wlder streben —"U b,efcn Schwierigkeiten zählte sie auch Ihr
„Das hat aufgehört seit gestern abend, wo sie zu meinen Füßen lag und wernte und sagte, daß ihr Herz brechen würde, uud daß sie nicht leben könnte ohne Sie, und daß Sie das Unglück ihres Lebens werden würden, wenn Sie nicht ihr Glück werden könnten. — Mein junges Weib, zwanzig Jahre lünger als ich, lag so wie Tatiana zu meinen Füßen und wollte ihr Glück von mir erflehen — ihre Liebe zu einem an- - r c 'i* d) gab sre Nicht frei — da ging sie — und ging ms Wasser. Das weiß das Kind nicht. Ich hatte hinter Tattana gestanden, gestern abend, und alles gehört, was Sie zu lhr agten v^ch halte das nicht für Tatianas Glück — auch Nicht für das Ihrige, Herr Leutnant von Rehn. Aber soll ich es auf mich nehmen, auch der Tochter, wie einst ihrer Mutter M.s^^ru, was sie für ihr Lebensglück hält, wenn sie es F «kommen kann, und vermag ich ihr ein besse- 2? i n schufen ? Ich bm ein alter Mann und wer weiß, wie bald sw ganz allein steht auf Erden. Also, Sie wollen
von^Rehn?'^ ^wna zu Ihrer Frau machen, zur Frau sagte ^^ewegt"^^ ba ^ ^ das will, Herr Korrolewski,"
"Aiiaüa ® ^anz arm. Sie arbeitet, um zu ^den. Jch bin mcht wieder zu Vermögen gelangt; ich arbeite auch, um nur zu leben. Zurückgelegt habe ich nichts "
„Das ist das wenigste!" ries ich abwehrend. „Ja es all??gibt^ °" ar ba & ^ kö sein werde, der tatiana
(Fortsetzung folgt.)


