Ausgabe 
23.1.1915
 
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Das Paradies der Erde.

Roman van Ada von G e r s d o r f f.

(Nachdruck verboten.)

(3'OrtKUtiitq.)

Bald war ich fix nnd fettig. Hub jo wmrdette ich denn auf dem öden Feldwege, den ich eben noch in wüster Pace hinuntergerast war, Langsam dahin. friedlich den sckloueu Abeudtzimruvl betrachtend, aber die reine Todesangst im Herzen, sie nicht mebr anzntreffen. Wie sie daherstbritt, hob sie ihr Kleid sorgsam doch, leise mit der schwere-, Silberkerte klingend, die sie um den Hals trng. Ihr Lächeln und ihr Mick sagten mehr afc> genug. um mich der Not* Wendigkeit zu. entheben, meinen Mendspaziergang, nach de»u ich kaum >n Hause qmvesen sein konnte, irgendwie vernünftig zu begründen, was ja doch mnnöglirlr ginvesen wäre.

Ich sagte also gar nichts; nicht einmal die schickliche ©r* tnndigllirg nach ihrem Befinden, ihrer knrzlichen Reise, brachte ich über die Livpen.

Einen Schritt vor ihr blieb ich stehen, wir sahen uns an, und da zuckte ihre Hand, von der sie den Handschuh halb abgestreift hatte, und ich zog ihn ihr vollends ab und nahm die attasweickw schmale Hand in meine graste Reiter !""st. in der ich sie auch behielt. So kehrten wir zusammen um und sagten immer noch nichts Jfber in der tiefen feierlichen Albend stille um nns her horte eines 00m andern deutlich das schwere Atemholen. das fast wie ein Seufzen klang und doch Seligkeit war.

Einnral, toährend der stumme» Sekunde. u»o wir beide nach Worten suchten, sahen wir uns blitzsctmeU an mtfr lächelten. Ich begann mich endlich \\t fassen

Sie waren tauge verreist, gnädiges Fräulein ?"

,^ch sagtegnädiges Fräulein^', wie ich zu Fräulein von .^allwein und zu Fräulein von Granstedt und zu jedem Mädchen der ersten Gesellschaft sage. Ich mochte den sehen, dem diesen, wunderbaren Geschöpf gegenüber der Standesunterschied zum Bewußtsein gekommen wäre!

Ja, ich habe mich tir Berlin in einem Geschäft vor­gestellt." sagte sie. mit ihrem schönen Trqan und dem pro- noncierten polnischen R.

Cie haben hoffentlich nicht gefallen und sind nicht engagiert?" sagte ich in einem beklommenen Versuch zu scherzen.

O doch," antwortete sie.aber erst zum Januar."

Gott sei Dank!" entfuhr es mir,ich ich dachte schon. Sie müßten sofort hin Also bleiben Sie noch fast vierzehn Tage hier?"

Ja. Das ist schön, auch-für Vater. Wir sehen uns dann wieder viele Monate nicht. Urlaub gibt s dort erst nach eitlem ganzen Jahr der Arbeit."

muß schwer für Ihren alten Vater sein, Sie so ganz

fortgeben zu müssen. Sie sind doch fern einziges K'iub. Und er ist nwlst schon an die Siebzig heran?"

Ja. Gr bat sehr spät geheiratet und hat meine Mutter st'hr geliel't Aber sie ivar aus besserem Stande als er und liebte den Luxus nnd alles, waü viel Geld kostete Vater konnte es ihr nie versagen, und taim kamen Utt glncksfälle Er besaß früher in Posen ein großes Geschäft, das eine Zertlaug sehr gnt ging Wie er dann so herunterkam. das hat ec mir nie sagen wollen. Als er hier her ging, ließ er mich bei einer Familie zuristk. -wo ich erzogen wurde Vor bald zehn Jahren."

Lieber Gott! So lange hat er nun schon ganz allein hier gehaust?"

Ja. Acht Jahre."

So sind Sie erst achtzehn ?"

Eden achtzehn. Ich weist, ich sehe alter aus ,Us «ch bin. Das macht das Leben," sagte sie mit einem großen traurigen Blick. der mich tief bewegte.

Dann müssen diese Tage, die Sie Ihrem Vater jetzt schenken können, ekne große Freude für ihn sein."

Freude?" wiederholte sie nach einem kleinen Zögern Vater steht es gar nicht gern. daß ich l-ange hier in Zww- titsch bin."

Warmn denn nicht?" fragte ich erstaunt

Ach. Sie ioerden lachen! Wegen des Militärs"

. da mnß ich ivirklich lachen." Ich tat es auch, ob- wolst etwas erzwungen, denn begreifen konnte ich das allen­fallsWir sind doch keine gannibalon." Was für ein dunkler ernster Blick das war, mit dem sie schnell den me inen traf, als ich mich bei diesen Worten zu ihr niederbeugte

Sie fragte mich dann atterhund. auch nach meinem Beruf, meiner Neigung dafür. Da konnte ich ihr allerdings sagen, daß er meines Lebens Freude, Hoffnung und In­halt sei.

* Als dann der Basar zur Sprache kam, fetzte sie mich durch ihre Menschenkenntnis und scharfe, schnell erfassende Beobachtungsgabe luahrhaft in Erstaunen. Auf nfetire Frage.. ,vte ihr unsere Damen gefallen hätten, antwortete sie.G-c» waren ausnahmslos wirkliche vornehme Damen und alle verstanden es gleich gnt. sich zu beherrschen. Dev schönen Frau von Behingslötven fiel das wohl am jckuoer sten. Die ist entweder sehr kraut oder sehr unglücklich, vielleicht beides oder eins durch das andre.. . Die große königliche Frau im schwarzen Seidentleide mit den dicken silbernschimmerndeu .'»öpfen über dem Scheitel (Gräfin Wietersberg nannte man sie) ist wundervoll Man könnte vor ihr hinknien nnd ihre iveißen .Hände küssen und fick um ihren Segen bitten. Ich glaube, sie konnte oder sie durfte nicht lieben, als sie jung war, und nun ist dogs alles still in ihr gestorben und sie scheint so sehr an das Entsagen gewöhnt zu sein, daß sie das bei alten edlen Frauen für selbstverständlich hält und nicht begreifen würde, daß es Frauen gibt, die diese Einsicht nicht teilen nnd doch gut sein Urnen ....