Ausgabe 
21.1.1915
 
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sprang herunter:Nachher absattelu.," besaht ich,jetzt nur schnell in den Stall mit ihm! Andre Sachen, zweiten- Ueberrock, zweite Mütze? Aber schnell? In ein paar Se künden muß ich lv-ieder fort!"

(Fortsetzung folgt.)

vom wandsbecker Voten.

Zu Matthias Claudüts' 100. Todestage, 21. Januar.

So reich gesegnet auch jenes große, durch die Gestalten Klop- stocts und Goethes umrahmte Zeitalter der deutschen Literatur und Bildung an seltenen Persönlichkeiten gewesen ist der alle Wandsbecker Bote behauptete doch auch unter ihnen allen seinen Platz. Es war an Matthias Claudius etwas Besonderes: eine riefwurzelnde Bodenständigkeit, ein inniges Berwvbensein mit Bolksart und Bolksgeist. Wohl mag etwas Wahres an jenenEin> saltsprätensionen", deren Goethe ärgerlich den Boten beschuldigt hat, sein, aber dafür ist dann auch wieder vielerorts echte Einfalt m seinen Schriften i:nd Gedichten, und wo er am besten ist, scheint die Stimme uralter Bauern- und Bolksweishcit selbst aus ,hm zu sprechen. Sein Winterlied, sein schönes GedichtTer Mond ist aufgegangen", die innigen Verse, darin er Sein und Wesen des Menschenlebens in wenigen Linien umfaßt, bleiben in ihrer Art Perlen unserer Lyrik, und aus Elaudins' G^ichteDer Tod mrd das Mädchen" hätte Meister Schubert nicht jene wahrhaft überirdischen Klänge hervorlocken können, hätte sie nicht schon vor lhm der Dichter angeschlagen gehabt.

Der Mann war im Leben wie im Dlchten. Wirklich bei sich war er nur in seinem stillen Wandsbeck, und als ihm Freund Derber ein einträgliches Amt am Darmstädtcr Hofe zu ver schassen gewußt hatte, da war doch seines Bleibens im Hessen lartbc nidjt lange, und von der vollen Krippe des Annes wandte er sich schon nach ein paar Jahren wieder zu seiner Wandsbecker Dürfttgkett. Dort lebte er. Dichter und Bauer, schwärmerisch und nüchtern zugleich. Bost, der sein Wandsbecker Leben längere Zeit mit ihm geteilt hat, erzählt, wie sie gewöhnlich bei einer Garten­laube aus emem Rasenstücke im Schatten lagen und dem Kuckuck und der RachtlgaU lauschten. Frau Rebekka, Claudius' innigst aelrebte Lebensgefährtin, die er stolz sein Bauerumädcheu nannte, ag dann, ihre kleine Tochter im Arme, neben den beiden mit wsgebundenen Daareii und als Sclstiferin gekleidet So tranken fte Kaffee oder Tee, rauchten eine Pfeife, und schwatzten oder dichteten etwas Gesellschaftliches für denBoten", den Claudius I<71 begründet hatte, und der bekanntlich das Werk seines Lebens geworden ist. Eine andere Schilderung gibt ein Bild von der Ungezwungenheit und Einfachheit des Lebens im Claudiusschen Kreise. Wenn die Familien Claudius und Bost deS Abends sammenkamen, dann ward die Tafel in dem Hause gedeckt wo nach vorhergegangener Untersuchung das mciftc Essenwürdige sich «and. .Eine bedeutende Rolle spielte ein Stück kaltes Pökelfleisch oder ein Karpfen, den man vom Fischer im Schloßgarten selbst aus dem Deiche heben sah und ins Schnupftuch gebunden nach Hause trug, Mer auch bei Reisbrei und abgesottenen Kartoffeln war man miteinander lustig. Wenn Claudius bei Boßens lvar, so hatte er ^mmer seine älteste Tochter mit einem Kreuzgürtel mis den kmicken gebniiden, die ward baim bei den Freunden aufs Bett gelegt, bis sie tvieder heim gingen. Eine lebendige Anschau­ung von dein Wandsbecker Idyll hat Chodowieki gegeben, der ans emem Kupfer zum Wandsbcckcr Boten den Leiter des Blattes wlbst wi Schlasrock und Pantoffeln, die Nackftmütze aus dem 'kopse, geschildert hat. Wie er über den Knaben den Ehrensprung tut, wahrend Rebekka mit den. Kleinsten aus dem Arme ver^ wundert und fröhlich zuschaut. Diesen Knaben hatte Claudius übrigens damals noch mcht, aber an Kindern I>at es zu feinen

«VJ «kmeru Hause.gefehlt: schließlich waren es ihrer zehn, und Elaudins hatte mit ihrer Ernährung und Erziehung alle Hände voll zu tun. Am bekanntesten unter seinen Kind, rn ist die älteste Tochter. Caroline. gtNvvrden. die dem jungen Buch Händler Friedrich Perthes als Gattin gefolgt ist. Eine edn GIcnilnuMdif Fannlienszene war es. wie der stilliebende Freier vom Weihnachtsbauine der errötenden Caroline einen vergoldeten Apfel als As symbolische Bekenntnis seiner Neigung überreichte, auch un Bilde ist die liebliche Szene, die man in BZaudts Lebeiisbrld von Caroline Perthes fein geschildert findet, fest- gehalten woiden. Ter wohlbekannte Gothaer Verlag von Perthev hat es seither his zum heuttgen Tage als eine Ehrenpflicht ange Anderen von Claudius liebend zu pflegen, und das Wertvollste der Clandruslileratur, wie die musterlwfte Ausgabe Ausgabe semer Werke von Redlich, die tüchtige ClandiuSbiographie J 0 . 11 aiP CV i' das erwähnte Lebensinld von Caroline usw ist bei Perthes erschienen.

Claiidius persönliche Erscheinung war nicht leicht zu ver * 0 e|fni. Ter Besuckser stand vor einer mittelgroßen Gestalt im mguemen Hausrock nnt schlicht zurückgestrichenem. von einenr Kamme znsainmengehaltenen Haar, schönen blauen Augen und Er charaktensttsch stark hervortretenden Unterlippe. Im Ge spräckf pflegte er sich des Plattdeutschen zu bedienen. Kennzeich nend für seine Unterhaltung ,oar ein sanfter Ernst. Er- sprach

wenig und in kurzen Satzeti, aber was er sprach, war voller Herzlickfleit. oft voller Witz und Laune. Die irrnige Fühlung mit der Natur lvar ihm tiefes Bedürfnis, und er wurde nicht müde, seinen Kindern die Augen über die Wunder der Schöp l"ng zu öffnen. Er tonnte mit ihnen Bocksprüngc wie ein. ausgelassener Junge machen, dennoch wurde ihre tiefe Ehr furcht vor dem Vater dadurch niemals gefährdet oder erschüttert. Mit dem zunehinenden Alter wurde Claudius ernster und hielt sich immer engn zu der Heilswahrhcit des Christentums. Von manchem atten Freunde sah cr sich geschieden: Bost ging einen anderen Weg, selbst Herder wurde kühler, lind Claudius faub sich gegen den Schluß seines Lebens in der deutschen Literatur ziemlich vereinsamt. In seinen letzten Lebensjahren hatte er noch Schweres zu tragen. Drr Krieg von 1813 trieb ihn ans Wands deck, und als er nach nrannigsachen Leiden und Beschwerden iiu Mai 1814 wieder in sein Haus zurückkehreu konnte, fand er da alles im Argen Daß sein Landesherr denn Claudius war dänischer ^Untertan - iirbem großen Befreiungskriege zu Na­poleons rsachc hielt, bas hat ihm das Herz gebrochen.

Neuer von den Taten der dicken Verla.

Zn den ungläubigen Thomassen, die nicht glauben rvollten, das das deutsche Heer im Besitze beloeglicher 42 Zentimeter- Mörser sei, gehörte im Anfänge des Weltkrieges der Amerikaner Jrvin S. Cobb, der als Kriegsberichterstatter derSatnrday Evemng Post" tätig ist. Er hat auch späterhin die dicke Berta nicht von. Angesicht sehen können, allein deuZche Stabsoffiziere haben ihn an den Stätten hernmgeführt, ivo sie gearbeitet hat, und »vas cr da gesehen hat, hat ihn so gründlich bekehrt, daß er nn richttges Loblied aus das Kruppsche Riescngeschüy an­stimmt. Beim Anblicke der Verwüstungen, so drückt er sich aus, hätte er kaum geglaubt, daß Menschen solche Bernichtnngsiverk- zeuge schassen könnten, die mit so teuflischer Genauigkeit arbeite», und so vollkommene Vernicht niig belvirken. Für die Wirkung

die dicke Berta zum erstenmal ans französischem Boden gesprockien. Aus den Erläutenmgcn der deutschen Offiziere entnahm er. daß die dicke Berta 89 Kilometer weit von iljrent 3idc entfernt stand und sich erst einschießen inußte. Dieses Einschießen die ersten Schüsse gingen zu lueit uwr ein bitterer Borge jchmack für die Besatzung des Forts. Die Einschußlöcher auf freiem Felde, die dabei entstanden waren, besichtigte der Ame­rikaner aus dem Wege zum Fort. Hübsch hintereinander in Abständen von rund 150 Metern (so schreibt er) sahen wir eine Reihe schornsteinfürmiger Krater mit glatter Wandung. Bon einem solck-en Krater nahmen wir die Masse: oben war cr durchschnittlich .5060 Fuß (1518 Meter) lweit, und er reichte bis zu einer Tiefe von 18 Fuß.( 5^2 Meter) in den Kalkboden. Nach unten verjüngte cr sich, und auf dem Boden hätten gerade noch zsvei Mann Platz gehabt. Wir waren erstaunt darüber, daß eine Granate von etrva einer Tonne so konstruiert sein konnte, daß sie soweit in festen Boden eindringen konnte. ohne» zu explodieren. und daß sie bei der Explosion so »oohlgesonnte Höhlungen erzeugte. Am meisten waren wir darüber verwun­dert, daß die aufgeworfene Erde, gairze Wagenladungen, nickt zu entdecken war. Sie war nicht etwa am Rande der .Höhlung anfgehäuft, sie lag auch nicht in der Nähe aus den: Felde, son der« sie lvar verschlvunden, und daraus entnachi'en wir, daß die Kraft der Explosion so stark war, daß der ganze Boden zer- pulven und als feiner Staubregen aus die Erde niedergesallen sein mußte." Das Erstaunen des Amerikaners stieg noch mehr, als er bei dein^ Fort selbst die Gesckwßwirknng sehen konnte. Das Fort Des ^sarts ist 1883 ungelegt, aber im Sommer 191.» weiter ausgebant. also ein ganz modernes Fori, und seine Be satzung lvähntc sich in Sicherl^ir vor dem deutsckh'N Angriff. Wie enttäuscht und überrascht sie ivnrde, ist bekannt. 'Der Amerikaner folgte bei seinem Besuche der Einschußöffnung eines Treffers Durch ein Loch in der ersten Briisttvehr gingen wir hinein, daun ging es über einen halb mit Trümmern angeftillten Gra ben, und so kamen uht in das einstige Herz des Zvrts. Hätte ich nicht schon eine gcnässe Vorstellnng von der vernichtenden Kraft der tonnensckweren, vier Fuß langen Geschosse gehabt, so l>ätte ich behaupt et, die Stelle, an der wir stmroeu, sei sttintn'u laug bombardiert rvorden, daß hunderte von Bomben hier ein geschlagen hätten Nun aber glaubte ich denr deutschen Haupt mann gern, als er mir erklärte, wahrscheinlich hätten nur fünf oder seckfs Geschosse das Ziel getroffen. Mögen es selbst sechs gelvcsen sein? Mer was diese sechs angericküet hatten, läßt sich rncht bcsckfreiben. Jetzt erst rmiß ich, n»as d,is Wort Chaos eigentlich bedeutet: hier war e$ ansckianlich definiert. Alles zi: schildern ist nicht möglich, aber einige Einzelheiten werden gr nugen. Hier hatten sich die nnterirdiscktz'n Gewölbe, die Schlaf säle, die Magazine lrefnndvn. Alles tvar. jetzt nur ein Loch in; Bodeu, und wir standen am Rand und sahen in die endlo- fch ein ende Tiefe. >?Ns lvir aufwärts blickten, sahen wir 40 Fllß über uns eine große Oeffnung im Ei-dboden Nassen. Um uu-^ herum lagen MetallspUtter. ans deren Form ick, erkenne» konnte.