Sflö Dgrudies der Lrde.
btoman von ?! d a von Oersdorfs.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.,
Dezent der. Bon dem schweren Ernst des Schicksals, dos drei Menschen Zugleich zermalme« zu wollen schien, bis ms Tresste erschüttert, ging ich gestern nacht gar nickt zu Bett. Ich sollte raten, helfen und ich sah doch keinen 'Ausweg. Das Schicksal mußte seinen Gang gehen. Ich aber auch. Ohne mir vorher zurechtgetegt zu haben, was ich tun und reden sollte, befand ich mich früh um sieben Uhr Ui>r der Dur des Konnnandeurs. Es nnrr nvckr vol.ig dunkel, kaum ein graufahler Dämmerschein kroch am Fimmel herauf.
^ Dann stand ich in seinem Arbeitszimmer. Ans dem Schreibtisch brannte die Lampe mit der großen grünen Kuppel und er fast in voller Uniform davor, als erwarte er einen Besuch, eine Meldung. Seine Haltung, uric er sich erhob und mir schweigend gegenübertrat, war so ruhijgl und fest wie immer. Mer der Ausdruck in feinem Gesicht gab mir einen Stick durchs Herz Dieses gütige, edle Gesicht mit den sonst so freundlich milden Augen und dem liebenswürdigen Lächeln schien wie erstarrt in herrisch beherrschtem Schmerz, die Lippen so fest znsammengepreßt, daß die markante Form des Kinns ausfällig hervortrat, eine tieseingegrabene Falte aus der Stirn, in den Almen einen abwesenden kalt-ruhigen Blick fester Entschlossenheit. Mir ituu die Kehle Plötzlich wie zugeschnürt. Eine Meldung hatte ich nicht zll machen, das sah er wohl, obwohl ich im Meldeanzug war. Schweigend setzte er sich wieder an den Schreibtisch und wies höflich einladend ans den Sessel gegen über dem selnigen. Ein zufälliger Blick auf den Schreibtisch machte mich zusammenzucken und bestürzt sah ich ihn an. Da lag sein Abschiedsgesuch — dieser große, schon tnver- tierte Brief an das Militärkabmett Seiner Majestät hhu nichts andres.
„Ja," sagte er, ein wenig leiser wie sonst, aber mit völlig unbewegter Stimme, „das mußte sein .. Was führt Sie zu mir? Sie kommen nicht zum Kommandeur, -nie ich sichle. Sie kamen als Mann zum Manne, als Freund eines Dritten, der dieser Freundschaft nicht nmvert sein kann."
Aufs höchste überrascht, fand ich augenblicklich kein Wort der Entgegnung oder der Frage, während er schweigend vor fick hinsah. „Sie Wichten alles, Herr Oberst ?" stotterte ich. „Bon %
„Ja Bon meiner — von Harriet Und ich habe Sie erwartet, lieber Freund. Ihrer Vermittlung, Rettung, Hilfe, die Sie ihr versprachen, bedarf es nicht Hier ist vollkommen klare Situation. Ich will Ihnen das darlegen. Sie werden nie im Leben so überrascht worden sein von der Lösung eines so furchtbaren Konfliktes. Aber ui> will es so Sic ist
fnr mich " er brach ab und sein der Büste des Kaisers über den, Schreibtisch zngewendetes Gefickt erschien noch nutze weg Ucker, noch verschlossener in der grauen Blässe, die sich über die scharsgeschnittenen Züge legte. — „Diese Lösung, begann er wieder, „ist für mich unbedingt die schwerste, die zu finden war. Und rvenn sie bekannt würde, würde mich -alle Welt verurteilen und der Fluch der Lächerlichkeit wäre mir obendrein sicher. Aber mein Entschluß ist unwiderruflich. — Ich verdamme meine Frau nickt, und vom rein menschlich: n Standpunkt aus verdamrne ich auch nicht unbedingt den Mann, der sie liebt. Als Mensch steht mir nicht das Recht zn, hier zu richten, zwei andre Menschen.zeitlebens tief Unglücklich zu «rächen. Die erste Schuld trifft mich selbst. Ich haue unrecht. Im Sturme spät erwachter Leidenschaft das junge, lebenSfrol-e, warmherzige und unerfahrene Geschöpf an mich, den dreißig Jahre älteren Manu, zu ketten, ihrem jugendlichen edlen Triebe, andre zu beglücken, nach zugebe«, denn ich hatte wissen müssen, daß sie sich täuschte über ihr Gefühl sowohl wie über ihre Kraft Diese Stunde ist nickt die erste, in der ich bereue und gutzu-machyl Wunsche. Biete andre gingen ihr schon voraus — sorgenvolle., bange Stunden — Nie gab sie mir Veranlassung, darüber nnt ihr zu sprechen, aber sie kämpfte wie tck und ihre Gesundheit begann darunter Zn leiden, und ich fürchte sehr für ihr junges Leben, rvenn sie an meiner Seile weiter kämpfen und leiden soll... Ueber ihn, den Grafen, habe ich schon einmal mit Ihnen gesprochen und unser Urteil stimmte überein. Jahrelang hat er, wie ich wohl weiß, das eiserne Joch qualvoller Selbstbeherrschung getragen. Daß seine Kraft der gewaltigsten aller Leidenschaften.'die ihn für die gleichaltrige Frau ergriff, auf die Dauer nrchl gewachsen war, ist für mich tein Grund, ihn zur Verantwortung zu ziehe::, wie dies sonst £ii geschehen pflegt Sterben soll er dafür nicht. Denn wenn ick» ihm gegenüber trete mit der Waffe in der .Hand, dann ist es kein Spuck, dann stirbt er?" Einen Moment flammte ein Blitz so glühe,* den .Hasses in den eingesunkenen Augen des alten Manne i auf, daß ich an seine beispiellose Objektivität nicht mehr recht glaubte. Aber gleich darauf fuhr er so ruhig und iß~: lassen wie vorher fort: „Er, der Graß würde ,nich nick! treffen. Und sie und ick, die stirnckbleibenden? Trennung ans jeden Fall. Beide friedlos, glückros für alte Zeit Ihr so zartes Leben sicherlich gebrocken. Nein, das sott so nick! sein. Nicht dnrck mich. E§ ist Sitte, ist genJfermaßen Gesetz für uns, das; der verratene Gotte fick sein Riecht mit betvafsneter Hand zu rücknimmt." Ein verächtliches stolzes Lächeln zuckte flüchtig um seine feingeschnittenen Lippen. „Ich verzichte darauf." —
Jeder Kamerad n»ird begreifen, das; ick im ersten Moment betroffen mein Auge von dem Offizier abwandte, der mir sagte, daß er seine Ehre nicht mit Blnt reintvaschen lvollte — so einfach menschlich die Gründe auch erscheinen. Als aber mein Blick ans das edle, jetzt von Grain gezeichnete Gesicht zurücklehrte, das in Mi,inten gealtert war ,lnd ,ntch


