Kutschen unterschiedlichster Klassen vorbei jagen riesige feldgraue Autos dahin, beladen mit Ostizieren undÄerzten, Ordonnanzen oder Postpaketen, traben flinke. Meldereiter ihre Straße oder endlos lange schtrere <dentsä>e Bagage »lud Mumtionskol innen, neben denen die östcrreickn scheu Kolonnen mit ihren leichten Wagen nnd Pferdchen schier frölUich einherrollen, nnd z)viscl>en all die sein kunterk'nntcn Geivühl marschieren iinmer wieder Regimenter aller dentstben Gaue, inrd oft genirg auch noch lange Züge russischer befangener, llnd dann gibt cs anch hier natürlich Hunderte voll eursigen Händlern jeglichen Alters und von aller Art Güte, zahllose Herumsteher ilnd Flaneure mtb eine schier unabsehbare Schar von Mädchen zweifelhaften Herkommens.

Das flutet nnaushür.ich ans ruid nieder nnd anirlt brausend durcheinander. In den Nebenstraßen freilich ist es still. Aber diese Stifte ist etwas Fremdartiges in Lodz nnd wird nur er- zeugt durch das Schweigen der h ochra g er »den Fabriken, dieser überall in den Seitenstraß-n sich ausrichtend^m, weit ausgedehnten Nießmbanten, darin att die gen»altigett Maschinen, die wuchtigen, riesigen Schroungräder nnd Turbinen schlafen. Fast ansnahms los sind diese Untcrnebmuugen von deutschen» Geiste, deutsck>cnl Kazntal nnd deutschem Fleis^e gesck>afseu worden. In ganze Stadtteile gliedern sie sich mitunter: hier liegen Fabriken, Wohn- lranten, Schulen und Kranken Häuser, Kaufhäuser. Das ist sür das heutige Lodz kennzeichnend, daß hart neben dem blanken Herrenhaus die elende Hütte des Hörigen fteht, dicht neben dem Neuen das Alte Und Uralte, neben den» Städtchen der Riesensabrik der säst »veglose Pfuhl des wirr zusammengewür selten Vagabllnden- und Bettlervierteis. Das macht das Stadt bild bunt und abwechslungsreich, aber nicht schön unb auch »licht eigentlich interessant, zumal ixi die neuenreichert" Bau­ten nicht selten durch protzig überladene und geschmacklose Schau seiten entstellt nrcrdeu.

Man merkt es allenthalben, daß irr Lodz die Lebensmittel knapper sind, als sonst tvohl. Vielleicht freilich ist die Waren knappheit nur durch gewissenlose Spekulanten veranlaßt, die ihre aufgespeicherten Vorräte nur tropsenrveise heransbringen, nur die Preise zu treiben. Aber diesmal l>at nran die Rechrumg ohne den Wirt gemacht, das heißt ohne die deutsckw Heeresverwaltung, die umsichtig und schonungslos ihres Arntes waltet und regelnd und helfend eingreist. Nun u*efjc dem Großhändler, der sein voslgerüttelt Lager nicht öffnet! Die deutsche Heeresverwaltung greift nicht r»ur mit entschlossener Hand zu, sondern sorgt auch in aller Stille sür die Erschließung neuer Quellen und stete Zufuhr von ausjen. So war ein großer Tag jener 26. Dezember, der die .erste Lokomiotive auf der durch die wackeren deutschen Eisenbahner nnd Pioniere wiederhergestetltcn Kalischcr Strecke daherdampscit und in den Bahnhof von Lodz eintaujen sah. Der belle, langhinlwltende Pfiff der bekränzten Maschine klang »me der Anstalt zur großen Sinfonie des Wiedererstehens der schwer beimqestlchtcn Stadt

Das ttaufhaus au den Schützengräben.

In den ersten Wochen nach dem Ansbrnche des Krieges begegnete die Versorgung der an der Front stehenden Trup- pen mit Gebrauchsgegenstätlden und Ge»u»ßmitteln beson deren Schwierigkeiten. Bahn- und Postverkehr waren durch Truppenbewegungen in Anspruch genommen, und in den von den Truppen besetzten Städten waren großenteils die Ein­wohner gefluchtet, die Geschäfte geschlossen, ihre Eingänge verrammelt Da war es denn eilt glücklicher Gedanke, daß ein Hamburger Großhaus sich entschloß, einen selbständigen Warentransport an die Front zu organisieren. Mit den nöti­gen Enipfeblungen versehen, »nachte sich dies wandenlde Kauf­haus nach Osten und Westen aus den Weg. Es war eine inter­essante Expedition, »vie aus den imKonfektionär" veröffent­lichten Mitteilungen eines Teilnehmers zu ersehen ist. Zwei Mann und ein Kraftwagenführer leiteten das Wanderkalls- haus, das ans drei Waggons mit Zigarren, Zigaretten, Wurstwaren, Käse, Schmalz, Schokolade, Tabak. Streich­hölzern, Lichten, Taschenlampen, Batterieen, Stiefelschmiere, Briefpapier, Feldpostkarten und ähnlichen, dem Ävldaten willkommenen Gegenständen sich zusammcnsetzte. Auch ein Kraftwagen zur Benutzung unterwegs wurde mit verlade»!, und das erwies sich als eine sehr angebrachte Vorsichtsmaß­regel. Denn es war z. B. in dem verwüsteten Ostpreußen mit großen Schwierigkeiten Perbunden, bis in die vordere Kampf­front zu gelangen. War die Eisenbahn nicht mehr zu benutzen, so mnßte das Auto herhcrlten; die Waren wurden darin ver­laden, und man drang auf diese Weise so weit »vie möglich vor. Wo die Wege auch die Bc»lutzung des Kraftwagens aus­schlossen, »vurde der Versuch geinacht, mit Hilfe von Orts­vorsteher, Pfarrer oder Lehrer einen Wagen aufzutreiben, der als fahrendes Kaufhaus zu dienen hatte. So gelang es

Kchristleitnng: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Bei

denn wirklich, die Wagen bis zu den an der Front befindlicher" Truppen vorzntragen. Unsere »vackeren Feldgrauen aber waren über das Erscheinen des Feld-Kaufhauses regelmäßif hochbeglückt und nutzten die Gelegenheit sich zu versorge» reichlich aus. Die Waren fanden reißenden Absatz, und di» Tageseinnahme belief sich mitunter ans 5)000 bis 6000 Mark. Dafür mußte freilich anch so »nanrhe Schwierigkeit in Kauf genommen werden. Oft wurde das fahrende Kaufhaus von Kanonendonner begleitet nnd zuweilen selbst von Kugeln entpfangen, und »vas die Schlafgelegenheiten betrifft, so mußte man sehr vorlieb »rehmen. Aber die Unternehmung er füllte ihren Zweck vollkommen nnd erst, als die Verkehrs Verhältnisse sich besserten und die großen Züge von Liebes­gaben bei den Truppen einzutrefscn begannen, kehrte das Kriegs-Kaufhaus wohlverrichteter Sache znm Elbestrand zurück. _

vermischte».

Eine Geschichte v o n den Barbaren, die für den Geist unserer Truppen bezeichnend ist, wird inlieber Land und Meer" crzäblt. Nach einem hartnäckigen Kampf hatte ein bäuerisches Lolldwehrbataillon mit vielen andern Truppen die Franzosen a,»s einem heißinnstrittenen Ort geworfen, nnd die kampsinüdcn ^Soldaten durften nun rasten. Die Mannschaften »vare,l vom größten Durst und .Hunger geplagt, und so erlaubten ihnen die Vorgesetzten, die Häuser nach genießbaren Dingen zu durchsuchen. Die zahlreichen mit der Flagge des Roten Kreuzes geschmückte»» Gebäude »vuiden natürlich verschont, in den andern von den Eintvohnern verlassenen .Häusertl aber machte man sich gründlich an die Arbeit, um noch etwas aufzn treiben. Viel »var es glicht. Nur in cine»n »veiter curßen an der Ortsgrcnze ge­legenen Häuschen fand man Lebensmittel nnd Wein in Fülle, und die glücklichen Entdecker füllten denn auch ihre Feldflaschen mit dem feurigen Bacchustrank, versahen sich mit Speck nnd Brot nnd wollten so mit und trinkbarer Beute beladen ab ziehen. Da siel der Mick eines bayerischen Landwehrinannes auf eineir kleinen Zettel, der an der Haustür bestchigt war. Die Schrift besagte, daß der Besitzer und die Besitzerin des .Häus- chells, zwei hochbetagte Leute, sich in anerkennens»oerter Weise um die Pflege der Verwundeten verdient gemacht hätten und anch deutschen Soldaten.Hilfe airgedcihen ileßen Sofort ertöne ans dem .Munde des Wehrmai ms ein kräftiges:Halt, Käme raden! Daher mit Euren Sacken. Wir müssen sie sofort »nieder zurücktragen, denn ein Hundsfott derjenige, der einen deutsclwn Befehl nickt respektiert und da seht her, hier steht einer!" Dabei zeigte der Brave auf die Inschrift und erläuterte bcu Herzildrängendrn, daß der Zettel getviß von einem Offizier, der beriets früher hier gerveseuen dciltschen Truppen angescblagell worden sei. So sehr die Leute sich über die erbeuteten Sacheit gefreut hatte», so hungrig u»ld durstig sie »varen, trotzdem trug jetzt jeder die mitgenommenen Eßwareu uird den Wein wieder in .das Haus zurück. Der Weiil »vurde in ein sauberes Gefäß geschüttet: Speck und Brot aus den Tisch gelegt »md dazu ein Zettel, aus .den der wackere Landivchtmanu mit Bleistift die Worte schrieb:Entschuldigen Sie, Mosjö und Madam B..., Deutsche lmtteu Hunger, ihre Lebensmittetwageu aber lagen tuett zurück. Wir suchten also und fanden Lebensmittel, aber auch einen Zettel, der uns von Ihrer Tätigkeit für Verwundere er­zählte. Sie opfern also der Menschlichkeit, und drum petzen »vir wieder hungrig ab. Von Ihren Sachen fehlt keine Krume!"

Zilderräl el.

Auslösung in »iächster Nuiinner.

Auflösung dcS Anagramms in voriger Ntliinner: Lech, Elch.

ühl'schcn Nniversitä!s-Vnch- und Ctcindruckcrei, R. Lange, Gießen.