Ausgabe 
16.1.1915
 
Einzelbild herunterladen

Ich flinfl tu bfn stall und sattelte Apollo. Meier lag im Bett neben ihn» x)ch beneidete ,hn last um seinen nngiauv- lichen -chtaf. denn er rührte sick» nicbt be^ neltenMrren

und Trampeln. als ,ch den Gaul »»erauszog Am r,tt ytvci

stunden in das langsam ans der Tämmernng nenvl tretende c^elände hinter den Pappeln de-^ -cknennanves stand der Halbmond so blau iwb iväiirig. dag di r alt« Bnrm»e »nie venve»nt auasad. Abcr er fiKiibilf den aller not»ve nd»gilen Sdiinnner siir Apollo Es »st bei Nad»l geradezu eine Wonne, aus ihm zn sitzen, dieser sidnre, ledernde, regelmaftigelnang gibt einem düs Gefühl eine» Kinde» in ba Kriege, dao von feiner Mutter bewacht wird, rix nt bade ,d» keinen Tu*mt in Rück»',du ans meinen gestrigen alS »nnitro ,!v plrusir. Ifr* nt da allerlei passiert, lvas tdi nicht ganz ignorieren kann und »na» nult, stört Ta ,st das N»edr-rsd»reidc i, sehr praktiid» Man wird sid, librr ll,»klare» klar und scheidet manches an». das sich sonst immer wieder unbernsen znnsdn'n die t^edanken drangt

Gräfin Uanda lvar gnch ans dem Basar. Es ka»n mir litchi unerwartet, aber es giiig nur doch wie ein Llict» durch alle Nerven. alS ich »ie sah zn gleicher Zeit mit der der; »>nd sinlib,inäenden Pol»n sie stand hart nebeii ihr. Wie tui d>t bar ernn jie anssah in ibrem langen schwarzen Ule,de von starre-. Leide. Tie Lilberfüden ihre» Haares schienen mir noch viel dichter neben der ebenholzschwarzen Krone über dem jungen, himmlischen (Besicht daneben.

Poncalet sagte einst, wie e» tausendmal leichter sei, einein beleidigten Mvnn in die Mündung seiner Pistole zu sehen, als einem Weibe, dem man web getan bat. vielleicht »veb tun mtts'te, in die traurigen Augen. Gerade die Aller besten, die Aller,nttttgslcii unter unS machten da feige kehrt, auch n.^nn sie sich gar keiner Schuld bewnstt seien. Aber das ginge Über unsere u raste, und was man vorher gar nicht war. wird man bei fold-er Begegnung, nämlich grausam. Ad» »rar alles zusammen: feige und grausam und schwach, während sie sich gar nichts merken lieft. Ruhig und vor- vt*,it freundlich grüftte sie »ntch. ihre Augen zeigten den selben »lugen » aren Blick, der alte Lchimmer ihres liebens­würdig sarkastischen Lächelns umaab ihren seinen blassen Mund, Es kam mir ans einmal völlig traun,hast vor, daft jeetwas ' zwischen unspassiert" sein sollte, wie man so sagt, und ihr seltner, banger Brief »vollte mir jetzt ganz anders erscheinen, wenn nicht der mattrote Schimmer über ihre herben, scharsgeschniltenen 'füge geglitten »väre. Aber das »rar doch nur natürlich: vielleicht hatte ich in den Brief mehr hineingelegt als borin stand, und dann »var es noch immer nicht ausgeschlossen, daft mir diese edle vornehme Frau doch noch ein guter, kluger Freund und Berater werden könne Tras dies nicht zn. so ivsar jedensatts eher mein Eni».finden als das ihrige daran schuld. Ach wallte erst seit wärt» ol'jd'iilen, als ich sie sah, und mich ans einem andern Wege an mein Hiiiimelsbilb !.'ranscküängeln. da kan, jie mir bereit» einen halben Schritt entgegen und reichte mir ruhig die Hand Cd» sie so ruhig »mir, »vie sie anssah? Tie Land war eiskalt, aber der Blick, der den »neiingen direlt suchte, so mütterlich herzlich das liebe feine Lächeln so l esch.i»nend überlegen, daft mir »var. als ob die schöne Hand »vieder so mütterlich über mein Haar streich- wie an jene»», Abend, und dich ich mich unwillkürlich in reinster Tantbarl. it und Verehrung darüber neigte. Aber sie wollte »ueinen Handkrift nicht und sagte mit ihrem schöne», tiefen L^rgan:Nicht doch lieber Rehn; Freunde wechseln einen Händ.'truck, und »vir »vollen Aren»,de sei», . bitte!" setzte sie etlras leiser Hinz»», nm meine sichtliche Verlegenheit zu beseitigen.

Ach raffte mi<l> denn auch zusanimen und rückte um den, i». rvor. nas mir eben auf der Lippe sah und gerade das hätte icl> nnterdrürkeit sollen, denn eigentlich »var es grau »am Ad> fragte sie nämlich, »ver das wunderschöne junge Mädchen im gelbe», üleide wäre, das mich in einer Weife frappiert l abe, wie es znir noch tzne in mdnem Leben ge­schehen sei, und wenn sie mich Ni bekannt »midini »vvltte, »uim- sie meiner tiefsten Dankbarkeit gewift

^ie sagte sreni,dlid>: .Sie haben vollkommen recht. El»rMs so Vollendetes an Schönheit siebt ,nan selten Es ist uns von, Komitee des B^isars ordentlich schiver ge»vorden, uns die kleine Schönheit von ihrem alten Vater, dem de- flaitnty,, Autiquirätenbündter in N-r Rosen nasse, auszubittcn, CM»* sie die von ihm gesch-nlrcn Gegenstände auch selbst hier verkaufen tonne."

,.Lebr sie denn jetzt bei ihm? Ach bade ** noch »,i« -»>' st Heu," stotterte ich el»va» hastig und meine Anige regt Heu innft »ich u ohl recht naiv gnsgenommen staben, denn die G,I. sin sab mich einen Moment lang mit leicht zttsammenu'cs », den Augenbrauen.prüst-nd an, eh' sic sagte: ..L»e ist bisher il, Polen gewesen Actzt, da sie, glaub' ich anstcr Ltellnng »st. wird s,e wohl Mir einige Hfit bei ihm bleiben "

Sie sah mich mit einem schnellen, »vie erschreckt nagen» den Bl»ctl an, und ich mnftte scinveigend meine Augen senken.

sjensichtticher häkke ich mich dieser derzen-knndigen Frau gegenüber nicht verrate», können. Ach suhlte und sic statte es bemerken müssen daft alles Blut au» mcitirm kaifern braunen (Besicht lvtch und »vie niriiiC Haut sahl »vurde, an die eigentüinlichc- Erscheinung bei Negern erinnernd, deren Haut färbe de, jaden Gcmütsasfekten in» Grünliche übergeht. K<an hat mich schon oft damit geneckt und ein Anldropolog hat sogar einmal behauptet, id» hätte unzweiielhast Ncgerblnt in den Adern.

Ad» erinnerte mich enblid» meiner gesellschaftlichen Pflichten und meldete mich zunächst beim Kommandeur und seiner Gemahlin, die beide unter dem sduvarz »veihe»» üo nigszelt standen. Ad» erschrak, »vie sie anssah so totenbleich, so schmal das Gesicht, die groste»l dunklen Augen ganz ein gesunken mit einem Blick »vie ein hilflos gequältes Tier, das Weifte ganz rötlich, als hätte sie Blut geweint statt Tranen. Ahr Haar »var nicht so fest und^glatt gescheitelt »vie sonst, sondern hing nachlässig über die Schläfe, als hätte sie darin gewühlt. Grafte »veiste Nelken stäke»» lose darin, die sie wahrscheinlid» aus einem neben ihr liegenden Strauste ge noinmen hatte. Allen andern Schmuck schien sie vergessen zn haben. Sie trug keinen Ring anher ihrem Trauring, kein Armband nichts. Es berührte mich sehr traurig, »vie sic mich ansah, so stumm fragend: Kannst du mir nicht helfen? Und in der Frage selbst lag die resignierte Antwort: Ich

weift ja, niemand kamt c!s auch du nicht-Alles, was ich

an Teilnahme und Opsersreudigkeit für diese Frau besaft, ver suchte ick' in den stillen langen Blick zu legen, mit dein ich dem ihrigen begegnete. Ter Oberst sah ernst freundlich aus »vie immer, und sein Blick »var »vie stets, »vohltvollcnd und herzlich. Tic liefe Güte seines Lächelns schien mir heute noch ausgeprägter als sonst, und auf der Stirn unter dein vollen silbernschintinernden Haar lag ein edler Ausdruck. Wenn er ai.ick» nichts »venigcr als eine stattliche imponierende Erschei- nung ist und in Front seiner Kürassiere mit dein Kürast und Adlerhel»n bei seiner untersetzten Figur beinahe grotesk er­scheint, kann man sich doch nicht dem Eindruck verschlieften, daft der Kops etivaS Bedeutendes hat. Unwillkürlich lieft ich immer meine Augen nmherschlveisen, Poncalet zu sehen, und hatte auch visionäre Augenblicke, die ihn mir bald in 'Uniform, bald in Zivil vorgaukelten. Doch Unsinn! seine Anwesenheit »väre Wahnsinn gewesen, oblvohl ich sie mir wirklich »vünschte, um ihn ins Gebet nehmen zu können. Denn heute »var »ch ganz in der Stimmung, »»»ich in andrer Leute Angelegenheiten z»l mischen und ein sehr eindringliches Wort mit »hin zu reden. Tie flehenden verängstigten Augen der Kominandeusc hatten mir'» angetan und morgen »vill id» ganz bestimmt hin und die Gelegenheit vom Zaun brechen, ihr indirekt meinen Beistand anzubicten. Ach bin überzeugt, daft ich damit ihrem Wunsche cntgegcnkomme.

(Fortsetzung folgt.)

Die ttüche im Krieg«.

Bei den r ei dg ich gefüllten Läden unib cs uns im Lande schwer, an irgend,relwe Not zu glauben, und Viele, welche neuer dings dre ernsten Mahnungen zn Svarsamwit in den verschie denen Zeitungen lesen, gehen unbenunniert darüber hur und leben in alter Weist weiter. Und dock sind alle ernst deutenden und weitblickenden Menscken sich einig darüber, daft uns, »venn »vir »o gedankenlos »reiterwirtschasten. im Frühling eine allge­meine Notlage erstehen kann. Ter Einzelne kann sick> srei- lick. nenn er die nötiaen Mittel hat, mit Leicinibkert vor dieser Nor schützen :^mn darf er sich dann nicht als einen Patriot an» dczkick.tun Tour mehr als je sollte diese eiserne Zeit jeden Einzelnen lehren, daft er während des Krieges nicht nur die Pflicht bat, für sich und seine Nächsten zu sorgen, sondern daft er die Mitverantlvortung für sein ganzes Volk trägt. Und »venn ünmcr noch so viele Nagen, daft ihnen die Gelegenheit fehle, etwas fürs Vaterland zu tun, so bietet sich hier besonders allen Frauen, aber audi den Männern. Gelegenheit genug, sich für das Volks»vohl zu betätigen. Tie gute Organisation zu Hanse