iBös Paradies der Erde.
Non,an von Ada von G e r s d o r s f.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ahnuiigk Jo. es ist Ernstes geschehen! Aber . chi denen^ an d.e ,ch dachte! -- Mir ,st'S geschehen, mir S; ^ch kmn, mich nicht fasse». Ich kann nicht be- gesehen! elttoa * ,nlr »>bt! — Ich habe — sie -
^ " n Leben jeden Mannes nur ^ a Denn daß es diese eine mehrmals
ffrkintJt 0 ** unmöglichI Sie steht immer ganz allein. Um
wkffiii’k'r'Ä T nichts. Ich stand in der Tür- »nd sah sre. Und sie sah mich.... Uni uns ein Mensckienstro,».
^"^"^V'^ufik, Sprechen. Lachen, Blumen, Wein, ttVr mm- ti nu , r f,e - die eine . und ihre Augen ..
iWprW f 1 ( ^oher kam sie? Wie war's denkbar, daß sie hierher kam, nach Zwielitsch, auf diesen Basar - denkbar, dort stand, keine drei Schritt vor mir, kein .Maukel
j,nillli tC $i C r'' U ' ( feine Traumerscheinung! Rein,
rhi.f , bo l‘ "nter dem rotweißcn Balda-
cl., 1 , rrnev Berkanfszeltes! Zu wem gehörte sie? Mit weni
KÄ n L nCn 2 ®. ie basalles mit allen nur denkbaren ^.ogtchkctten durch me men Geist blitzte! Aus Zwielitsch, aus «ii argegeud? Unmöglich Sonst hätten es die Zwielitscher ^^"'.ber Landadel, die Garnison, einer dem andern zehn Meilen in der Runde zngerufen. Nein, zu Bekannten gehörte sn nicht. Aber zu den Unbekannten, zu dem fremden Volk, oav nie oder nur feindselig unser Weichbild betrat oder die ^-ege des - fflzierkorps kreuzte. Eine Polin mußte. konnte sie nur sein Nur eine Poßtn sann so sinnbetörend schön und ernst und stolz aussehen, das weiß die Weltgeschichte Und auch die weiß roten Streifen ihres Zeltes, der weiße Adler lin roten <>elde der Flagge darüber deuteten ans Polen hin Und dennoch, wie sollte es denkbar sein, daß der hiesige polnische Landadel, der uns nur bittere Feindseligkeit Zeigte eine grauen und Töchter auf das Fest der preußischen weiter von Zwielitsch sandte?
i>.L stand irU regntigslos unb staunte sie an und mar- wite mich mit prägen, als trennte mich eine iveltentiefe >ktnst von ihr und keine Seele wäre um uns, die mir hätte Antwort geben können. Und nun kam das ganz Unerhörte- ** « ia! ? C !l ^"e sie schoii längst gekannt und geliebt. Wo? Wann? Bor Jahrtausenden vielleicht, als unsre Seelen in andern Körpern wohnten, zum erstennial auf die Erde geschickt, atv sie Kieopatra war und ich Antonius? ^a, ich kannte sie. das wußte ich!
c. ^ebnisse sind so überraschend, neu, so schreck-
hast seltsam, das; man wie festgebannt dasteht, sich geistig und körperlich wie erstarrt fühlt, das Einfachste und Zu- llachsttiegende, lvas man tun sollte, vergessend, betäubt wie ern Trunkener. Irgend jemand lachte und sa>gte ettvas zu
niir und schob iuich vorwärts uud ich ging »nechanisch weiter und stand vor ihr, wortlos. Und wir sahen »liis stumm an.
Vielleicht haben sich Adam und Eva im Paradies einst so angesehen, als sie sich zunr erstenmal erblickten. —
~ Da steht sie vor mir, umwallt von goldgelben losen «eroenfalten, die mit antik geformten Ainethystspangen uderall gerafft sind, so daß ihre schneeweißen Arme und Schultern hervorleuchten. In ihren nachtschwarzen Maaren, me ln schwerem starken Knoten hoch oben aus ihrem Scheint. geounden sind, schimmert eine goldene Kette, und ein rleines Kreuz von Amethysten hängt zwischen ihren langen, schwarzen Augenbrauen auf ihre Stirn hinab. Nie habe ich .lugen von dieser ins Tiesgriiire schillernden Farbe gesehen, ^ind dieser traurig ernste und doch stolze Blick erinnert an d-e gefangene königliche Löwin. Unsagbar schön ist der ^tund. Nichts auf Erden" kann den Mann, der ihn berühren durste, ans den Fesseln dieses Weibes lösen. — Der Angen- bU< *, lvv rch sw sah, war eine Offenbarnng, durch die ich mich selbst entdeckte und ein andrer wurde für alle Heit varry Rehn -> ergib dich! 'Ergib dich ohne Widerstands denn „sie" ist da! — Wie ein Dieb in der Nacht ist sie über dich gekommen, die große, wahre, ewige Liebe. Es ist Ta- tiana Korrolewski, die Tochter des alten polnischen .Handelsmannes mir gegenüber! Sie ist in Posen in einer renommierten Buchhandlung als Kassiererin. Ich weiß jetzt, daß ich sie wirklich kannte. Ich -sah ihr Kinderbild in ihres Paters Hause. Und was nun? — Was soll daraus werden?
Still...
Tatiaira ... Tatiana...
Ich mußte anfhören zu schreiben. Ein solches Gewimmel von Gestalten und Bildern erfüllte meine du ulte Stube und mein Gehirn. ^>ch konnte Freude uub Schinerz nicht mehr unterscheiden, alle Regungen des Gemüts fchienen vertauscht. Zn ^ett ging ich gar nicht. Ich zog rnich nur um, duschte und ging nach dem „Kloster" hinaus - vier Uhr morgens. Ich wußte, da saßen noch einige und ba gab's etwas, das jeden andern Reiz betäuben kann. Hohes Jen! Aber wie ich so durch den naßkalten nebeligen Winterinorgen die schmutzige Straße hinunterklirrtc und die finsteren alten Mauern sah und dahinter mir die Gesichter dachte, diese leeren, starr- gläsernen Aiigen, die heiseren tonlosen Worte, die häßliche trübselige Heimlichkeit... da mußte ich plötzlich an den besten alter Kommandeure denken und was er wohl dazu sagen würde, wenn er auch mich unter diesen Elementen fände.
Ich kehrte um. Der stille Gang durch solch einen finstern Morgen, wo man schon von fern vereinzelte Laute envacben- den Lebens und mühseliger Tagesarbeit ums tägliche Brot t - l J' k Cm Menschen gut, in dem auch ein neuer, vielleicht schwerer Tag mit seiner Kampsarbeit erwachen tvill, wenn auch nicht unis tägliche Brot seines Leibes, wohl aber um das feiner Seele, ohne das sie nicht leben tonn die Liebe!


