um Verzeihung bitten zu müssen. Um Verze»bn»»a oder E»»1- kthuldigung hat mich die Gräfin Wanda ja nicht bittcu können Ich wüßte auch nicht wofür. Aber aus dem ganzen Briefe klang ein solch scheues gurücüveichen, eine solche Be
i orgniS, ich könnte falsche Schlüsse ziehen, jio ganz falsch Der* tauben haben, solch ein Verleuanen jenes LitualionszaubcrS, »aß »nir'o weh tat. Schade! Hätte sie eS doch gelassen, wie es war, so war'- gut und schön und sie stand nur hoch! -7 Warna» schrieb sie überhaupt? Ein großes ewiges Schwei* gen muhte über jenen Wunderdingen ruhen! Wie kann ne nur fürchten, daß sie sich lächerlich gemacht habe? Nun möchte ich mir fast den Vorwurf machen, in einer „inometttanen Stimmung" ein leichtfertiges Unheil angerichtet zu haben, tvic etwa eine brennende Zigarette, die man in einen herbst lichin Wald warf.. und nun schwelt und schwelt es! — Ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht, ob überhaupt noch irgend etwa- Nachkommen müsse. Jur mich war'- abgetan. - Gewiß hätte ich sie mir gern erhalte»», als Freundin, Schtoester, n'amcraoiii sozusagen. Welch ein Segen könnte eine so reine Beziehung für unsereinen sein! Aber wenn eilte Frau und nur im geringsten al-Frau interessiert, so ist die Naineradschast eine gefährliche Selbsttäuschung. Und interessiert sie uns überhaupt nrcht, so wird, glaube ich. Feilt Mann einen .Nameraden in ihr suchen. Mir »venigstenS siele zum Beispiel so etwa- bei der „Oberstwachtineister" gar nicht ein, und wenn ich ans einer »vüsten Insel mit ihr süße an den allerlängsten Regentagen und KaminscuernÜchten. — ES bleibt leider »vahr: eine reine Freundschaft ist zwischen Mann und Weib nicht denkbar, wenn sic nicht verheiratet sind. Na - und eine glückliche Ehe denke ich mir überhaupt nicht ander- lvie eine ruhige Freundschaft. Am besten antwortet man auf gewisse Briese gar nicht. Daö wird ja hiev auch nicht gefordert und Schweigen ist auch eine Antwort: Einverständnis. Eingeladen hat sie »nich nicht. Aber irgend luo wieoerbegcgnen werden wir uns »vohl. Sicher zum Basar.
Der andere Brief »var von Tante Lall». Sonderbare Gerüchte gingen über »nich um, schreibt sie. Ich sollte in Ztvielitsch seltsame Seiten herausrehren. den ausgesprochenen Blasierten und Sonderling spielen, die jüngeren Kameraden und ihre Kreise meiden und mich desto mehr an einen, in» Rufe der Ueberspanntheit und starker Nervosität stehenden älteren Herrn lPoncalet) angeschlossen haben. Zuletzt kan» a»»ch Tante- Besorgnis um ihren LiebltngS- »vunsch aum Borschein, mich nach alter Familientradition jll»»a und mit einem meiner Jugend entsprechenden Wesen verheiratet zu scheu, indein sie auf Huldiaungen au spielte, die ich älteren, in keiner Weise zu mir passende»» Damen zu Füßen lege — Die Kommanoeuse wäre ja den Jahren »»ach noch keine ältere Dame, schrieb sie, aber ihre Stellung »nachte jic zu einem ebenso ungeeigneten als gesähr- ltchen (Gegenstände meiner „Herrensivallllngen". Gefürchtet habe sie immer, in dieser Richtung einmal etwas über »nich ljören. Und so eine kleine, weltvergessene Garnison wie Ztvielitsch sei viel gefährlicher als das große Berlin mit seinen tausendfache»» Bcrsuchunge»». Da fände ein junger Mensch gar nicht die Zeit zu einer so einseitigen Verirrung» und durch die Vielheit der Erscheinungen würden feittr; Gedanken beständig abgelenkt Aber »venn einer sich bei dem stille»» eintönigen Leben in Ztvielitsch auch nochOvon den Kameradenkreisen abschließt und in unpassende Gesellschaft gerat, die ihn zu nehmen weiß, und »venn man in. acwissen Dingen »,och ein „imbeschrieveueS Blatt" sei »vic sch, dann hätten meine wahren Freunde recht, »nich zu warnen, möchten auch die untlausenden Gerüchte an und kür sich ganz harmlos sein, etwas Wahre- sei immer daran. — Zum Basar käme sie, also in acht Tage»», und ich sollte ihr ein Ehambre garnte besorgen, »n-glichst in meiner Nähe. Den Tag ivürdo sie ja doch bei mir verbringen ...
Wege»» des Basar- allein läme die gute Tante Lolli wohl schwerlich nach Z»viclitsch! Sie kommt wegen der Gerüchte. — Nun, da kann ich sie ja beruhigen,' nach alleit Seite» hin Ich bin iminer noch gänzlich „unbeschrieben"! Möchte nur »infto», wer ihr diese Gerüchte, woran imrner etrvas Wahre- ist, hinterdringt.
Dezember. Morgen also ist der Basar. Tante Lalli kommt am Bormittag an. Die Subskription-l»ste ist übervoll. Garnison und Land reich vertreten und alle-, was in der Bürgerschaft zu den Honoratioren gehört. Die Mädchen, die BerkaufSbuden haben sollen, sind von den Borstands- damen a,»-gewählt »vorder», nicht von mir, obwohl ick» doch
maltre de plaieir bin! Und ein PlaFer »ft es nun eigentlich »oirklich, die niedliche Bürgcr»ncifterotochter am tisch zu sehen und die fesche, kleine Postsekretärsfrau am Büfett.
Sonst und anderswo würde das ia überhaupt nie geschehen, daß „außergesellschaftliche Kräfte" an die Verkaufs tische zwischen den Damen der Gesellschaft placiert »verden. Aber nach langer Beratung wurde in Z»viel»tsch eine Ausnahme gemacht »mb von den gesamten Damen des Komitee-, an der Spitze die Kommandeufe und die Gräfinnen Wie tersberg, befürlvortet. Es sind zufälligerweise gar zukvenig geeignete Persönlichkeiten «nter unfern RegimentSdamen und unter den Landfamilien. Und »venn der gute Zweck, recht viel Geld einzunchinen,«erreicht »verden sollte, so »nutzte schon eine »veitgehende Toleranz geübt werden, auch der vielen Leutnants wegen, um» ihnen das Kaufen zu versüßen.
Der Eldorado»virt, Herr Karfunkeistein polnischer sJude reinster Rasse gibt das Lokal umsonst zu dem wohl- tütigcn Zrveck: vertvahrlofte Kinder des ganzen Kreifes, ohne Unterschied der Ko»»session, in einem eigenen Heim unter- znbringen und zu erziehen.
Die Ko»n»nandense hat übrigens das Präsidium behalte»» und wird beul abend die Lad»)patronesse deS ganzen Rummels sein. Alle Wünsche hat man an sic zu richten. Sie rvird in einer Art Zelt sitzen und dort Cercle halten Unten uns gesagt: sic wird die Zwielitscher für eine Mark Eintrittsgeld in der Nähe beivundern lasse»», »vaS Schönheit, Vornehmheit und Eleaan.; ist.
Der Eldoradosaal »tt märchenhaft geschinückt? Närnlich Papiergirlandcn und Jahnen, deutsche »rnd polnische, sogar eine Trikolore. Sie gehört, glaube ich, de»»r Uhr- macker. der vor» de»» Hugenotten ftainint, und als die größte hatte»» sie die Handwerker in der Mitte über dem Eingang anbringen »vollen; ich kan» zum Glück noch zu rechter Zeit, um dies zu verhindern. Aus jedem Treppenabsatz prangen Lorbeer und struppige Olea»ldcrbäuine mtt bunten Papier laternen, und sämtliche Bettvorleger des „Eldorado" schmücken als Teppiche die Stufen. Es muß magisch orientalisch wirken an» Abend! Besonders »venn Herr und Frau Karfuilkelstein die Honneurs des Palastes machen, muß der Oricutzauber vcrblüjscnd sei»».
Der Saal bietet, ein »venig aus der Ferne betrachtet, das übliche Basarbild; die Bude»» mit allen» möglichen Kram, der noch mit Papier und Tücher bedeckt ist, das „Königszelt" für die Präsidentin und am oberen Ende, vor den» Podium, kvv dir Musiker sitzen sollen, Nischen und Lauben und höchst verführerische Cabinets s 6 par£s in den Ecke»», verschleiert von Eseugittern, künstlichen Blattungcheuern, Teppiche»» und rotgeslaminten Eldoradotischdecken. Rote Papierlampions werden unbeschreibliche Illusionen verbreiten u»id »vas daran »»och fehlt, »vird der Sekt besorgen, den »vir in ungezählten Flasche»» gratis für „Vertvahrlofte aller Konfessionen" geliefert haben. Nachher sollen die Buden »veggeräuint und ein Tänzchen gemacht »verden. DaS ganze Regiment ist da, einschließlich der Avantageure, Einjährigen, Aerzre und Zahlmeister. —
Seltsam, eben kommt Meier und erzählt mir so beiläufig, daß er Poncalet gesehen haben will in Zivil. DaS ist doch kann» »nüglich... er hat ja eben erst Nachurlaub be- kommen. — Was un» Gottes willen sollte dem» das bedenken? Heute morgen waren seine Fenster noch alle verhängt. Und er »värc doch sicher bei mir gelvesen! Was nriU er hier? Z" diese»»'. Basar »vird er doch nicht notwendig sein. — Mir ist so sch»ver zumute. Wenn nur heute abend nichts sehr Ernstes passiert! —
(Fortsetzung folgt.)
Aus dem Ariegstagebuch eines Zel-Intendanten.
Mit geteilt von L. Malten.
Als mir meine Jüngste das Bändchen voll unbeschriebener Blätter in den Koffer sckob. mit der lakonischen Bemerkung: „So. Baker, das ist von mir. »venn du mal Zeit hast..mußte icy trvv des Ernstes der Situation doch herzlich lacken.
Was fidf solch Ding von Acktzeb.n sürr Ideen vo»n Krieg und von der Verantwortung der Beteiligten macht... Zeit.., un fremden Landen, dessen Sprache man schrver beherrscht, Quartiere suchen, zirka hundert Mann und Pferde unterbringcn rurd dazu mü Gelen unvorhergesehenen Dingen kämpifen . wer soN da z»» schriftlichen Ergüssen Zeit find<m! Man »vird froh »ein. »venn man seine Hennatberichte neben alten anirlichen Dingen.


