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mit raschem Griff nach der Pistole; aber mit einem Lächeln zog er sie wieder zurück, als er den Mten erkannt.
„Nun. Vater Thibaul." sagte er in seinem etwas stockenden ooch immerhin gut verständlichen Französisch, „ich meute, dresmal wird Ihnen das kostbare Leben ihres Boncoeur noch erhalten blechen. Wer das Herumstreunen im Schützenfeuer müssen Sre rhm freilich abgewöhnen, wenn er es zu hohen Tagen bringen soll.
Es währte noch eine gute Weile, bis der junge Offizier sich hatte losmachen und in die Wohnstube zurückkehren können. Zwec Minuten später aber schlief er ebenso fest und traumlos nne ferne beiden Kameraden.
„Ter Alte, der Ihnen mit Ihrem Glühtvein so unfreundlich Be scheid getan hat, lieber Raden, ist tvirklich übergeschnappt," sagte er am nächsten Morgen. „Weil ich seinem winselnden Köter gestern abend noch die Pfote verbunden habe, hat er sich vor mir auf die Knie geworfen wie vor einem vom Himmel hcrabgestiegenen Eikge4»und hat selber geheult wie ein Schlofchuird. — Hoffnungslose Verrücktheit, aber glücklicherweise von der harmlosen Sorte."
vermischtes.
* Krieg und Geschält. Ter Krieg, der so viele Menschen brotlos macht, gibt andere»! wieder viel zu verdienen, und dabet find es nicht mir die Industrien, die von vornherein ans den Krieg geNelll sind, sondern anch Firmen, die biSber dem Bedürfnis des Friedens dienten, wissen sich den neuen Foidernngen geschickt an- znpassen. Nanz merklvürdige neue Erwerbszweige entstehen und daS ganze Erwerbsleben zeigt ein anderes Bild, von dem Tr. Ernst Franck tu einem Aui'at; der bei der Deutsche»! Verlags-Llnsialt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrt't »Ueber Land und Meer" erz-iblt. Eine grobe Elektri-itälSsirma z. B.. die in ihrem AnSlcmdsgeschäit bedeutende AuSiälle hat, brinqt manches wieder ein, indein sie Millionen von Metallknopien für die Heeresverwaltung hersiellt: andere Firmen liefern Hunderttansende von Helmsvitzen oder eine Million Brotbeutel oder 60 000 vorschrsitSmäßige Jnianterie-Leib- riemeu ufw. iln den glänzenden Geschälten» die die Konservenfabriken mache,,, ntmint die Weibblechinduslrie ihren 4lnteil, denn iür die Konservenbüchsen sind gewaltige Alengen Weißblech nötig, und die englische Ausfuhr an Weißblech fällt gegenwärtig ,veg. Leibst Industrien, die durch den Krieg naturgemäß sehr leiden, wie die Modebranche, erhalten doch auch dadurch einen Vorteil, inden, sie nicht niehr auf den Bezug teurer aiisländiicher Waren an- gelviefen sind. Freilich nützt es den, Dainenhutgeschäsl nicht viel, daß es keine teuren PaHer Modelle mehr zu beziehen braucht, iveiin d,e Kniidin überhaupt keinen neuen Hut fauU, sondern den vorjährigen zum llmarberten bringt. Die Verirnnidetei,pflege gibt vielen Indnsirieziveigen, besondeis den chemischen Fabriken, soivie allen Häuser», die Kraiikenvflegeart'.kel, Verbandstoffe und dergleichen erzeuge», sehr reichlich z»i tun. Gin Industriezweig, der während deS Krieges und nach ihn» — leider - auf groben Umsatz rechnen dark. tu die Fabrikation künstlicher Glieder, die ja bei der hohen Vervollkommnung dieser Artikel -ahlreiche,r Schwei-verwundeten den Wiedereintritt in die bürgerliche Existenz erleichtern. Ter Baum der Industrie treibt im Kriege aber auch sehr viele Neben- fchoßlinge, die zmn Teil recht wilnderlich anmllten. Gute Geschä'te machen die Fabrikanten von „KriegSschlagernE, iin Superlativ »Bombenkriegsschlagern". die etwa mit der Devie angepriesen werden: „Dieser Artikel wurde nnS von allen, die ihn zu Besicht bekäme»,, geradezu aus der Hand gerissen.- Es handelt sich dabei »im allerlei kleine Hausier» und Massenartikel, die auf de», Krieg Berug haben, Ansichtskarten, Ansieckiiadelii. Hindenburg-Büsten, KriegZsptelzena u»,d dergleichen.
— Gefälschte deutsche Kriegsgreuel im Film. Daß sich unsere Gegner, namentlich die Engländer, in ihren kAno- theatern au dem eigenartigen Genüsse erfrenen. Kriegsgrenel der Deutschen, versteht sich: erfundene, gefälschte, zu bewundern, läßt sich denken: allein, auch in Ländern, die neutral sind, werden solche „dentschen Kriegsgreuel" im Film gezeigt. Ein besonders krasser Fall der Art hat jüngst in den Vereinigten Staaten bedeutendes Aufsehen erregt. Er führte nach einer Mitteilung deck Amsterdamer „Algemcen .Handelsblad" zu einem Prozesse, und dem Filmfälscher wurde mittels einer kräftigen Strafe das Handwerk gelegt. Nur was für Kriegsgreuel es sich dabei handelt, teilt der Beruht des holländischen Blattes nicht mit. Es genügt auch, wenn man erfährt, daß die furchtbaren Kriegsgreuel der Deutschen, die auf den europäischen Schlachtfeldern ausgenommen fein sollten, so hcrgestellt waren, das; der Kinomann sich mit einer Truppe Kino schauspielcr nach New Versetz und die ganze Geschichte dort mimte. Den Amerikanern, die das erfahren hatten, wurde die (beschichte denn aber doch zu bunt; es fanden sich eine paar Kinogäste, die die Geschichte an die grobe Glocke bängten, und so kam die An gelegeil heit vor Gericht. Ter Kinofälscher wurde zu einer erheblichen Geldstrafe verurteilt. Er wollte sich mit dem Urteile jedoch nicht bescheiden, rief die nächst höhere Instanz an und wurde —« es gibt noch Richter in Amerika —* zu einer noch höheren Geldstrafe verurteilt, ganz abgesehen davon, daß seine gefälschten Greuel
films eingezogen wurden. In der Urteilsbegründung hieb es, daß das Zeigen erfundener Kriegsgrenel als unvereinbar mit der „pub-lic polictz" anzusehen sei. Ob es zugleich staatsgesährlick) oder eine Neutralitätsverletzung sei, darüber äußerte sich das Urteil nicht.
* Synthetische Lacke. Ir mehr das feindliche Ausland bestrebt ist, unsere Zufuhr zu unterbinden, desto reger zeigt sich der deutsche Erfindergeist. So berichtet die Elektrochemische Zeitschrift über die Ersindung eines synthetischen Lackes, der dem die aus den Kolonien kommenden Harze und Oele entbehrlich sind. Das hierzu vertvendete Harz ist em synthetisches Kunst- produkt, das aus Karbolsäure und Formatdehyd getvonnen wird, indem man beide in gickchbossenem Gefäße eine Stunde lang erhitzt. Die so erhaltene Masse ergibt, wenn sie abgekühlt wird, ein Harz, das bei achtzig bis hundert Grad Celsius schmilzt, spröde» und in gewöhnlichen Lösungsmitteln leicht löslich ist. Mischt man 20 Teile davon nett 70 Teilen Alkohol und 10 Teilen Amylazetat, so entsteht ein Lack, der, wenn er einem Erhitzungspvozesse von 200 Grad Celsius unterworfen wird, durch Säuren und Ammoniak kerne Zersetzung erleidet und sich auch in starken Alkalien nur sehr langsam löst. Gegenstände, die mit Hzesem Lack iibafrogen, getrocknet und eine Stunde lang erhitzt worden sind, »vid?rstehen selbst zersetzenden Dämpfen, »veshalb dieser synthetische Lack für medizinische und chemische Laboratorien besondere Bedeutung besitzt. Damit überzogene Instrumente aus Messing, Kupfer oder Silber behalten lange ihren Glanz, denn der Lack schützt gegen die Witteruugs- einflüsse, gegen Alkohol, Seifenwasser, Ammoniak, Essig und ankere lösende Mittel.
vüchertlsch.
— Lieb' Vaterland magst ruhig sein! Ein Kriegs- bilderbuck mit Knüttelversen von Arpad Scümidham'mer. Verlag von Jos. Scholz in Mainz. — Der bekannte Künstler der MNiu- chener „Jugend" schenkt hiermit unseren Jmigen ein herzerfrischendes Büchlein, das mit kurzen. treffenden Verschon und farbigen Bildern die Geschichte von Michl (Deutschland^ und Seppl (Oesterreich erzählt, »nie sie von fünf bösen Buben angegriffen »verden und diese verhauen. Bilder und Verse spiegeln einen kindlichen, harmlos fröhlichen Humor, dem Gedankengang unserer Jüngsten angepaßt.
— Nachrichten über di e deutsche und österreichische Kriegsflotte vom R e i ch s m a r i n e a m t wieder gestattet. Wohl noch nie seit Bestehen des Deutschen Reiches war in den letzten Monaten eine so starke Nachfrage nach Büchern über unsere Kriegsflotte und gerade jetzt mutzte jeder Flottenfreund seine Buchhandlung mit dem Bescheid verlassen: „vorerst sind Bücher mit Angaben über unsere Flotte verboten". Ende Dezember wurde vom Marineamt die Erlaubnis erteilt, daß auch die Flotten des Deutschen Reiches und von Oesterreich wieder in Bild und Wort zur Darstellung gebracht »verden dürfen. Heute läßt Kapitünleutnant Weyer, der als erste Autorität auf dem Gebiet des Flottenwesens gilt, als ziveiten Teil seines in der ganzen Welt verbreiteten „Taschenbuchs der Kriegsflotten", das in diesem Jahr bisher nur die fremden Kriegsflotten enthalten hat (München, I. F. Lehinanns Verlag. 4,50 Mk ), nunmehr „Die deutsche und österreichische Kriegsflotte" erscheinen. Das Büchlein enthält die genauen Schissslisten mit Angaben der Gefechtswerte aller deutschen und österreichischen Schiffe: Wasserverdrängung, Schnelligkeit. Geschütze. Torpedos, Panzerung. Dampfstrecke, Länge und Breite, Besatzung, Bauwerst us»v. sind bei jedem Schiss genau verzeichnet. Zudem ist jede Schisssart durch Photographie, Grundriß, Aufriß und Schattenriß zur Darstellung gebracht.
5ka1-riufgade.
Vorhand läßt sich bis Null ouvert reizen, ,veshalb Mittelhand, die anfangs mit Solo spielen wollte, Grand ansagt aus folgende Karten:
Sie verliert das Spiel, obgleich die übrigen Wenzel verteilt sitzen Was für Karten befafseu die Gegner und wie ivar der Gang des Spieles'?
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung deö Logogriphs in voriger Nummer: Fackel, Dackel.
Kchriftleitnug: Aug. Goctz. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen ttniversitäls-Bnch' und Steiudruckerei, N. Lange, Gießen.


