Ausgabe 
13.1.1915
 
Einzelbild herunterladen

27

lüurifii es itbariatt*, denn sic hatten den Krieg vislang wahr- lrantg nicht von seiner vergnüglichen Seite kerrnen gelernt Und ltf empfanden es nie ein Äeich.nk des Hinimels. das. ihnen gerade dte-> Qua«,er beschert worden war Das nebenan gelegene Slml bans lvar als Feldwache cingcrichlet und ün Fall eines Alarms mtt zwanjig Schritten erreichbar £<i drüben aber in den kahlen >tla,sezin,mern lvar es bei weuem nicht so behaglich wie hier JJ dMwohtrg durchwärmten Stübckun mit den von der jungen vehrerSfran mit freundlicher BcreitnnNigfeit hergerichteten sau­beren Lagcrnätten. mit der gemütlichen Hängelampe über dnu Llsch und mit den dampfenden, lieblickfe Düfte anshauchenden Gknhwnnglasern unter dieser Lampe. ^

Tie Frau war eine von jenen, glück! ick>crlveise keineswegs allzu seltenen Französinnen, die den durch den Verlaut des Kriege- geschaffenen Verhältnissen in vernünftiger Weise Rech nun- zu tragen und obendrein recht gute Miene zum bösen Spiel tu machen ,visen Sie betrachtete die deutschen Eindringlinge naht als Kinder mordende Barbaren und fürchtete sich vor ihnen darum nicht im geringsten. In seinem M'anövcrguartier hätten die drei Leutnants besser aufgehoben sein können, als unter ihrer hausmütterlichen Obdut. Sie hatte nicht nur nach besten

r v fn l ,a leibliche Wohl der ungebetenen Gäste gesorgt, sonderit sie liest sich jetzt sogar herbei, ihnen aus ein halbes Stündchen Gesell,chast zu leisten und sie nach der deutschen Stadl altSzufragen, in der nach einer vor ftrrzem eingetrossenen Nach richt ,hr ins Feld gezogener Mann bril und unversehrt als Kriegsgefangener weilte. DaS Geplauder »var im besten Zuge, als die Tür der Stube aufging und als sich eine höchst sonder, bare, nicht eben anmutig wirkende Gestalt über die Schlvelle schob. Es war ein kleiner, Näglich verwachsener Mann von gnomenhaftem Aussehen und mit einem Gesicht, das ebensowohl das eines Vechzigjährigen wie das eines Achtzigers fein konnte. L^hne ein Wort zu sprechen und nach einem einzigen schiefen Veitenblict auf die deutschen Offiziere humpelte er au der Wand entlang und liest sich auf die Ofenbank fallen.

».. ."vrute abend dürfen Sie sich hier nicht aufhatten. Vater T^baut, wandte fid? ihm die junge LehrerSfran freundlich zu. ,,^as Zinnner gehört für diese Nacht den Herren Deutschen."

Nun, es-wird bod; wohl noch erlaubt sein, sich zu wärmen," knurrte der Alte.Nachher gehe ich schon in meine Kammer öu dem armen Boncoeur, den mir die deutschen zusd-anden gefchvsten haben, weil er daS letzte lvar, was mir noch genommen lverdcn konnte."

Tv Frau schien gewillt, ihre ^lufforderung zu iviederholcu ; aber einer ber Oniziere legte sich ins Mittel und erklärte, daß der alte Mann immerhin dableibcn könne, bis er sich gründlich durchwärmt habe Tie kleine Wohltat könne man einen, gebrech licken Greise unmöglich versagen.

. "S a : fr in bfr Atzten Zeit sehr gebrechlich geworden, der gute Bater^ Th,baut," stimmte die Lehrersfrau zu, und mit ge dampfter- Stimme ergänzte sie:Auch mit seinem Verstände ist es nicht mehr ganz richtig. Er redet überhaupt nur noch von seinem angcschossenem Hunde."

Gehört er zu Ihrer Familie?"

. 'd a \. ? T cin kntjernter Verwandter meines Mannes, und ,vir haben ihn zu uns genommen, als er ganz arbeitsunfähig wurde. Tenn er hat sonst ninnanden auf der weiten Welt"

Tas Ohr des Alten mutzte doch, feiner sein, als sie ange­nommen hatte. denn er hob den Kopf und mischte sich mit feiner schwachen, heiseren Stimme ein:

^niemanden. Und warum nicht? Weil mir die

Teutfchen rm Unglücksiahr 1870 meine drei Brüder erschossen * agc ' Herren Offiziere, an einem

Lage? Es hatte ihnen genug fern können - nicht wahr? Aber

8L!ü£ unc f r i ött i ld > Sze mußten mir jetzt auch nock) meinen Boncoeur zuschanden schieben - das letzte, was ick hatte. Gott wird fte richten."

ic. JS?*ZLt dater Thibaut," beruhigte die junge Frau.Es ist doch nock, gar mcht gelmß, ob es gerade eine deutsche Kugel war, die der arme Lund erwischt hat. Er kam mit einer -er­schollenen Pfote nach Hause gehmkl, das ist alles, was wir wissen "

tt 1!, W:1DCr « '"scheiden, ob kr böse, h-kcrfüllte Blük. den der Alte zum Trsche hinüberwarf, der Sprechenden gelten

nurein® Wnf ® rn* fnra8

halben" CmCt ^ ° Wiiete b'n Res. in seinem

Trinken Sie, Vater Thibaut," sagte er freundlich. Auch dre innerliche Erwärniung wird Ihnen gut tun "

Ter Angeredete richtete sich aus und griff nach dem Glase- Augenblick mitsamt seinem Inhalt so wuchtig aus die Backsteine des Fußbodens zu schleudern vast nach allen Richtungen hm die Scherben sprangen Tann bumvelte

m.m fnfl l?nh Tr Ö n ,DUlIe n l id> Tr rinct «kwrchtrtkn Äkwal.Ia, Ln. stand noch e"nnÄ' b#S b " «»'"

nehL bfr «m den ich aus euren Händen

Meine dre, Brüder gut, fie ruhen in m<w ormer Boncoeur, ber sich drüben in seinen ^uch über seine klZ- Flu^-

I Machend slos, hinter ihm die Tür inS Schloß. Die drei ! Osf,ziere sahen sich kopfschüttelnd an. Und als sich nach einer kleinen Weile die durch das Benehmen des Alten in sichtliche Verlegenheit "ersetzte Lehrersfrau verabschiedet hatte, meinte der eine. ..Liefe,, verrückten Greis sollte inan lieber zu seiner eigenen Sicherheit e,»sperren. Wenn ihm znialtig eine Flinte in die Hand fiele, wäre er imstande, das ganze Dorf durch irgend eine Dunm, den ms Unglück zu bringen."

Aber die beiden anderen lachten ihn ans, weil ihnen der kleine Verivacl fene mir seiner pathetischen Verfluchung mehr komisch als geineingefälirltch vorgekommen war. Und dann streckten sie ficl alle dre, mit Seufzern innigsten BehaacnS auf die lang ent bcyrten, htv-mlisch bequemen Lagerstätten. Ter Warner entschlum­merte zuerst, und sein Bettnachbar folgte ihm schon nach wenig Minuten ms holde Reich der Träume. Ter dritte aber konnte trotz aller bleiernen Müdigkeit den erquickenden EcÄaf nicht finden Ertt waren es allerlei HeimatSgedanken, die Um wach erhielten, und dann war es das wahrhaft nervenzerreißende Gewinsel eines vund^, der sich irgendwo in unmittelbarer Nähe befinden mußte. TaS Cter litt offenbar große Schmerzen, denn es hörte nicht auf zu klagen, und der Leutnant z,veifelte nicht, daß Vater Thibautü angcfckiosfener Boncoeur der Urheber der jämmerlichen Töne sei. Eine Viertelstunde und noch eine hielt er es standhaft aus: dann lvar es Mit der Widerstandskraft seiner ohnehin etwas zer­mürbten Nerven zu Ende.

Ich werde der armen Kreatur zun, Wohltäter werden, indem ,ch ihr den Gnadenschuß gebe." dachte er.Ihr ist die Erlösung nicht weniger zu gönnen als mir der Schlaf, den ich mir U»ahr hastig sauer genug verdient habe."

, Er stand aut, griff nach der neben ihm liegenden Mauser- Mole und verließ das Zimmer, um den unerträglich gewordenen Winjellauten nachzugehcn. Auf den schmalen Hausgang mündeten etliche Türen Eme von ihnen war um Fingerbreite geöffnet, und durch den Svalt siel ein schmaler Lichtschimmer. Um nicht etwa in daS Schlafgemach der Lehrersran zu geraten, blieb der i Leutnant stehen und fragte:

Sind Vic da drinnen, Vater Thibaut? Und ist es Ihr ! Hund, der so elend heilt?" ^

L*r wartete. Aber es kam keine Antwort. Auch die Klagetöne waren plötzlich verstummt, während ein anderes Geräusch, wie das Klappern einer Tür oder eines Fensters, vernehmlich wurde Ter Leutnant zauderte und war schon halb entschlossen, wieder umzukehren, als das Gewinsel von neuem einsetzte, diesmal noch beweglicher als zuvor. Jetzt lvar kein Zweifel mehr, daß es in dem Raume hinter der angelehntcn Tür seinen Ursprung hatte, und mm besann sich der Offizier nicht niehr, diese Tür vollends zu öffnen. ,

Wenn die winzige, von einer flackernden Kerze matt erhellte Kammer wirklich Vater Thibaut- Wohnstube war, so stellte sie der Mildtätigkeit der Lehrcrsgattin nicht eben das glänzendste Zeugnis aus Denn es war eigentlich nichts weiter darin als ein arm- selige- Bett. In den getvürfelten Kissen dieses Bettes aber lag nicht Vater Thibaut, sondern eüi mittelgroßer, struppiger Hund, der sich unabläfsig bemühte, lvinselnd an dem schmutzigen Lappen zu zerren, mit dem seine rechte Vorderpfote umwickelt »var. Sonst war kein lebendes Wesen zu erblicken. Hatte Vater Thibaut bis letzt seinem vierbeinigen Liebling Gesellschaft geleistet, so mußte er auf die Frage des Offiziers hin durch die ins FreieEsahrenhf Tur oder durch das niedrige Fenster die Flucht ergriffen haben.

Mit der Pistole in der Hand trat der Leutnant an das Bett. Da hob der Hund den Kopf und sah ihn aus großen Pralinen Augen an so angstvoll flehend und zugleich fo demütig ver­trauend. daß der junge Offizier die Waffe weglegte und sich mederdeugte, um den primitiven Verband zu lösen und die Wunde des schmerzgepeinigten Tieres zu befichligeii.-

Draußen vor dem niedrige,i Fenster aber stand zu eben dieser £**«*Ä..* fcw *& verwachsener Mann, ein Jagdgewehr schußfertig tm Anschlag und die haßglühenden Augen ebenso wie die Mündung der Waffe aus den Offizier da drinnen gerichtet, dessen Bewegnn- aen er mu gespannter Aufmerksamkeit verfolgte. Sein welker knöcherner Finger lag am Abzug, und sein zahnloser Mund ivar schief gezogen ,m Uebermaß der Erregung.

Vater Thibaut hatte durch den Türspalt gespäht, als er den Vchrttt des ONizrerö auf dem Gange vernonmren; er hatte die Viltole ,n »einer Hand gesehen und war sogleich übcrzengt gcivesen. daß es das Leben feines armen Boncoeur abgesehen sei Ta hatte er die unter den Kissen seiner Lagerstätte versteckte, mit ge. hackten, Blei geladene alte Jagdflinte herausaerissen und hatte sich durch die zweite Tür der Kammer ins Freie hinaus geflüchtet. Was er iramner getan hätte, um seine in der Maienblüte ihres Lebens ae- fallenen Bruder zu rächen für feinen allen, struppigen Hund lvürde er es unbedenklich tun. Leben um Lebens

Aber Nws er erwartet hatte, ereignete sich nicht. Und »vas sich erngnete. dünkte ihn em schier unfaßbares Wunder Tenn er sah daß der funge Deutsche ein Päckchen aus seiner Tasche zog und daß er die verletzte Pfote des Hundes so sorgfältig und so reget «"«feine alten, zitternden Finger es nimmermehr vermocht hatten Ta wurde es dem mordbereiten Alten dimkel vor S J SiJ?I lb fc ü5 t i ? n< 9JKJf fn,0 i «ufffirei schleuderte er plötz In hfH'rJ 1,011 ^h,^."weg Als seine Gnomengestalt

in der Tür der Kannner erschien, fuhr die Hand des Leutnants