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im „Eldorado" mit den alteren Kameraden fachsimpeln und kannegießern? Ein äußerst sader Zeitvertreib, zu dein man nur der Abwechfluna wegen greift, Was soll man den Winter sonst den ganzen lieben Nachmittag machen ? Da kann man doch nicht aus den Gäulen bocken. Und die Gutsnachbarn heinisuchen ist zn dieser Jahreszeit auch nur ein süßsaurer Spast Interessante Weiblichkeit gibt'- nicht, Jagden nicht allzu reich. Cb ich wohl je irgendwo ivieder so schöne unvcr geßlick-e Stunden verleben werde wie in Negenwalde? Tort wohl schwerlich! Eie wird mich nicht wieder einladen, und unflcbeten darf ich nicht kommen. Schade! Ta kann man Weit in der Welt berumsnchen. ehe man wieder so eine Unterhaltung wie nkit ihr findet. Ueber alles konnte sie sprechen, nnd ganz unversehens merkte man, daß man auch nicht dumm war und wenigstens Gedanken l-atte. die nur niemand so schön aus einem heranszuholen verstand wie sie. Ach, wie schade, das; sie nicht zwanzig Jahre jünger ist, dann hielte morgen um sie an! Noch immer durchkreuzt sic meine Ge danken, worauf diese sich auch richten mögen, und oft muh ich mii Gewalt antun, um mich zu erinnern, dah ich in Zwie- litsch bin und nicht in Regenwalde.
Poncalet hat mich in seiner stillen melancholischen Art ganz in sein Herz geschlossen, seitdem ich ihm das geschriebene Blatt zurückgab, das er tags zuvor bei der Kommandeuse vcr^ loren hatte. Ich sagte nur, ich hätte es gesunden, aber nicht wo. Er wird s wohl wissen. Ich glaube, er hatte gute Lust, mtr sein Vertrauen zu schenken, das möchte ich jedoch in dieser bewuhten «vache nicht gern annehmen. Ta könnte man in eine verdammt schiefe Lage kommen. Mir tnt's leid um ihn Ist wohl nur das langu»eilige Leben in Iwielilsch schuld, dah wich ein Mann mit seinent volleii, warmen Herzen und felnem ästhetischen Geschmack aus bedenkliche Seitensprünge kommt. Cr hat mehr innerlichen Wert, glaube ich. als die meisten andern hier.
r. c ^ltnda hält Viel von ihm, das weih ich. und das
Ut last bestimmend für mein eigenes Urteil über ihn. Unter den v"chern. die er mir schickte, waren auch wissenschaftliche
^ *K Crr fr öbf c r *? ötur ' Theologie, Kunst: auch Bncklcs Ge chichte der Zivilisation in England nnd Earltilcs „Leben
letzterem hatte ich mich säst stehlnden Fußes festgelesen. Wie merkwürdig, dah man erst ^'^i^lverden und nach dem viertausend Einwohner zählenden Nest ^wielitsch kommen muh, um seinen Geist zu ^njusehcn. dah dieser ebensogut Nahrung ^ .^rper, den man auch nicht allein von Wuifei rn und Sekt, Zigaretten und Ballettensen ernähren lann, denn „er hungert nach seinem Brot, dem Wissen und s'inkm Wn„ der l'iebe" ko steh. ei in einem « Sfllii (ÄV ® ^ nur vor Jahre» einmal Tanlü
i - S i ba I ,d > am gestrigen Sonntagnachmittag ft nihV n n * aufmachte, als ich lieber am Kamin in Regen «Ä»' u ‘ M r nb i° l^'ter. Ist doch ein statisches Biest,
SnM, fine ' riM laustes Lamm dagegen, ^clicine kleine Garnison kann dem einen ein Paradies sein
£ Äa!'.n'a7 d'ldunüSanstalt werden. Es kommt ganz an . ^i bl<btc uon Goethe. Liliencron, Hebbel ,L... poncalet auch mit emgepackt. Aber alles hübsch mit ..12 •' a .?$ bl ° ^klsteSnahrung. Da käme ich mir doch bei ö0l# «euu 'ch mich mit weltschnierzlichen Ge b kinem Band Gedichte abends in meine Sofa ecke 8lva„?iniS.^'"'E' b,r ' ? s" seine besondere
...iie^obbve sein Terrier, begrühte mich herzlich und schien vollkommen Einverstanden zu sein, dah er für eine Weile e n dnnibe, mir hoben sollte, den., er nahm sofortauf baniX
M"" "ub lies' seelenruhig Poncalets Burschen ivieder abziehen. Guterzoaene Wter haben eben
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i obc )$[ Dienst Ersetze den Adjutanten
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mcht blicken Er ist wie immer- ernst uufr "V mt [lnb ^ immer
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Weihnachten statt. Dre Vorbereitungen sind einsNr^ilen unterbrochen.
Dezember. Ter Winter ist mild und schneefrei bis jetzt, die Reitivege gut. Der Oderst fordert niich öfter auf, mit il/iii b u reiten Er ist ein l-ervorragendcr Reiter und seine Pferde sind edelsten Blutes. ->u Inh sieht er kaum wie ein gürassieroberst aus, dazu ist er nicht groh genug, lleberhaupt fehlt feiner Erschenutna das Schneidige. ,Ter kurze Bollbart in feinem alten cyesicht und das kurzgeschnit jene Haar sind schon stark mit Grau vermischt Man könnte sich wundern, das; er noch dienl, wenn man ihn au Fuß "khk, aber mir wissen alle, welch ein Rcitgenie und- welch ein l-ervorragender Führer er ist. llnd wie versteht er cs, ein Ossiziertorps zu behandeln! Tiefe unbestechliche ^rchtigkeit, Billigkeit! Das innerliche Wohlwollen, das er jedem einzelnen entgegenbringt. wirkt so anspornend, daß man wirklich ein aanz ruppiger Kerl sein mühte, tuciui man nicht sein AeußersteS tun wollte. Wir unterhalten uns slott UNO nicht nur vom Fach nnd vom Wetter und von Pstwdeu € lieht, er würdigt mich auch, über tiefere und ernstere Tinge zu sprechen, und ich wundere mich manchmal über sein vielseitiges Wissen und Berstäudnis ans allen möglichen Gebieten und freue mich, dah er mir wirklich viel mehr als eine Turchschnittsbildung zuzutraue.. scheint, wie ich sie doch nur habe Was für einen gütigen nnd säst väterlichen Blick er nianchmal hat, wenn er mich aus irgend eine Beinerknng meinerseits prüfend ansieht! Ja, es sind interessante Ritte nnd meui Gedantenganl vergißt völlig die törichten Seiten- sprunge in den Regemoaldcr Weg, wenn wir da vorbei- komm-en. sEs klingt ja parodox, aber der Oberst erinnert mich manchmal in seiner Art zu sprechen und zuzuhören an Gräfin Wanda. — Eingeladen bin ich aber nicht ivieder worden. Seine Frau soll nicht ivohl sein. — Es ist mit ihrer Lunge nicht ganz in Ordnung, sagt er und sürch tet, daß sie doch noch nach dem Süden müsse, ivenn die strengere Mälte imrtlich kommt, die für deu Januar vro- Phezeit wird. Ich erschrak säst, als ich es hörte. Tann sind alle Heide weg, irämlich sie und Poncalet. - Denn er hat schon Aachnrlaiib bis Weihnachten... immer in Familien- angelegeiiheiten. Die müssen ja unglaublich verwickelt sein, lrenn er bannt so endlos zn tun hat.
Dezember. Höchst überraschend! Ich saß am Spätnachmittag da und schrieb gerade daö Borhergegangene m uuJ d"ch, als Meier hereingestürzt kommt, hinter ihm Bobbl- der nur fast an die Nase springt vor Anfreaung. „Der Herr Oberst!" meldet mir Meier.
Ich mußte ihn empfangen wie ich ging nnd stand, in der ^.itewla und Zivilhoseu. — Er hatte eine kleine Dienstsache sagte er. einen Bericht über einen Einjährigen, der etwas ausgefrelsen hatte Aber die Sache iväre nicht so schlimm und auch nicht eilig, und ich merkte sehr bald den Vorwand Er wollte nur einmal recht in Ruh.' mit rnir sprechen und zwar über — Ponealet, den er für meinen Intimus nn Regiment h<tlt, ivas ja die andern auch glauben, weil er öfter mit nur allein verkehrt und mir sogar seinen ^^eltebten Kitter anvertraut hak. Ucbrigeus benahm sich Bobbh seltsain Er kennt doch den Oberst, aber er spratia ihn nicht an, zoridern zoa sich au mein Knie zurück nnd sah nnch und ihn abwechselnd stumm verwundert an.
Ich schickte Meier mit einem Sckireiben in der Neinen DlEnstanaelegenheit zu dem betre,senden Wachtmeister, und
e UOd l f dn ' l0b ' stand der Kommandeur am Fenster und sah still m den reanerischen Mend ans die eleudc- Gasse hinaus, wo >rorrolewskis Schild heiser krächzte und knarrte und der alte Manu eben aus seiner Tür geschlürft kam tun b\e ausgestellten Herrlichkeiten, Erzeugnisse der spanisch- Topserkunst, Herei,izunehmen und vor Nacht in
1‘Ln T 11, ^ Wh. 'vie er. vor Devotion fast eisttibind. die Nnisorm an meinem Fenster grüßte. :=
(Fortsetzung folgt.)
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«klzze von Rein hold Ortmann
S. 1 , £ «ttSST,;» ? blutiungen Leutnant-, die stch's
eben mi Wohn.immec de Lebrerbäusck-eri.Z b'.ineni aeniackt hatten'.
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