ver englische Hut.
Skizze aus unseren Tagen von Walter Kaulfuß.
tfinie 8eit öor AuSbruch des Krieges hatte Ich mir einen neuen Hut gekauft. Einen schwarzen, ftetten Hut mit hellblauem Mltter und Goldduchstaben darin. Tie Goldbuchstaben stammten von der Hutfabrik und zeigten neben der Firma auch die Form und die Echtheit des Hutes an.
..Echt enatischeS Fabrikat." hotte mir der Verkäufer gesagt, als ich mir in einem großen Hut laden die neue Kopfbedeckung kaufen wollte.
„Sooo?"
„Ja. fetzen Sie hier" — und damit nahm mir der Kauf- mann d.en .Hut, den ich schon liebevoll von allen Seiten de- setzen hatte, wieder aus der Hand, wandte itzn um und zeigte wir seinem Zeigefinger auf das hellblaue Futter — „sehen Sre, hier ,teht e$: Smith and Son. Made ,n Great-Britain. Noviry."
ijfyiti." Weiter sagte ich nichts. den Hut imeder
und setzte ihn aus. Alö ich in den Spiegäl sah, mußte ich ga- stellen, daß, er mir recht gut stand.
„Also wirklich letzte englische Neuheit?"
..Jawohl, mein Herr."
Ter echte englische Hut lvar mein Eigentum getvorden.
»»« besaß ich zwei derartige Kopfbedeckungen. Ter eine war für Die Wochentage, der andere — der englische — für <5onn- und Feiertage bestimmt.
Ter Krieg brauste über das Land und fegte mit sich weg Ä1A_ lvaS nicht gut deutsch war. Schilder wurden geändert, Gescv aftsempfehl ungen neu gednutt. Auf den Speisekarten fo> Ueißigte man sich der Anlvendnng von deutschen Bezeichnungen'. Kurzum — wir haben es ja auch alle miterlebt — cs begann, cme Remmung der deutschen Sprache. Ein jeder Mensch übte in tne,er Beziehung Selbstzucht.
ViS hierher hatte ich an meinem neuen Hut immer Freude gclmbt. Sorgfältig lag er ,nährend der ganzen Woche fein säuberlich tn ei ner Schachtel tm schrank und wurde am fiebenteic m der Woche l>ervorgeholt, damit er meinen Kopf ordenb- . Bon nun an lvar nur die „letzte englische Neiv- heit verleidet worden. Und da ich ein Mann von Grundsätze llül'? nur, den Hut nicht wieder aufzuseven. WaS
aber sollte rch mit dem Ting inack-en? vellchenken? Dann i!!K lmeder jum Zeichen lvidcr alles, lvao deutsch lvar.
Und das wollte ich doch gerade verureldcn. Sollte ich den Hut IZJ 5d,ranf verstubaen lassen? Tas wäre wohl möglich gewesen.
1111 X er ' * wmt *ch aus dem Spinde etwas herausholen mußte, lvmbe tch an Den englischen Hut erinnert tocrdeu. llnd daS würde dock) ärgerlich fein, zumal cr gutes deuisä>es Grld ge- hatte daS nun unwiederbringlich nach England gckonniieli lvar Mreb also nur noch das eine übrig: den Hut vernichten, so, daß er nimmer niehr zum Vorschein kam.
Sonntag morgen umrdc er denn zunr letzte,i Male hcrvorgeholt. Mit meinem Rasiermesser — daS Gott sec WnM war - schnitt ich bcii «fit cnglischen !F* und klem und brachte die emzeliicn Stücke zu memev »frau in die Küche, Damit sie Die Ueberreste sang- und klanglos rm Herde verbrenne.
Der englische Hut halte bestanden.
Ich beschloß, um die Ausgabe zu verschmerzen, einige Zeit den Alltagshut auch Lonntags zu tragen, so lauge, bis der Schaden, den ich nur selbst zuzuschreiben hatte, wieder ausgeglichen sein würde.
Aber eS kam anders. Meine Frau erklärte mir, ich könnte Inn dem alten Hut des Sonntags nicht über die Straße gehen und niumc mir unbedingt einen neuen kaufen. „Uedrigens" so setzte sw hinzu, „in diesen Zeiten des geschäftlichen Niederganges muß man unsere deutschen Kanflcute und Fabrikanten Unterstützen."
Eine Stunde später stand ich üit Laden des Huthändlcrs. in dem ich mir nirzlich den Englisckfen gekauft hatte. Eigentlich lvollte ich dre,cs Geschäft nicht mehr betteten. Aber, sagte ich mir, gehe dorthin, und lvenn dir der Mann loicder ausländisches Fabrikat vorlegt, so mache ihn auf sein Deutschtum aufmerksam. So erfüllst bn eine gute vaterländische Pflicht.
„Ich möchte einen neuen Hut kaufen "
„Bitte sehr mein .Herr. Hier ist eine Auslvahl guter Ware. .Ans deutschen Fabriken hervorgegangen."
Aha, dachte ich bei mir. Hat mich schon gelernt, deutsch zu fein.
Ich sah mir die Hüte an. Sie lvarcn sehr schön, l-atten eine gute Form. Nur eins gefiel mir nicht, sie hatten alle ttm Futter. Wie em Blitz schoß es mir durch den Kops: deck «ausmann hat das Futter hcrauSgetrennt. um seine englische Ware loszuwerdeu. Warte, Fr-cundchcn, das werde ich heraus- krtegen. Tafür wirst du bützeu müssen.
^... "baben Sle^keine Hüte mit Futter Ich wünsche einen Hut Mit hellblauem ^eidenfutter."
Ter Kaufmann wurde verlegen.
„Bedaure wirklich, mein Herr," jagte er nach einer kleinen Krause, „aber die gefütterten Hüte sind zurzeit ansgegangen Tie neue Sendung tnnt m den nächsten Tagen ein."
Nun schwol mir btr JjomiiL Aus solche Art wollte der Kau,'. « bo £J ?u , bliflm ! * 4uft, P- Da kam er bei mir an die falsche N"sse Jch sagte ihm mit aller DcuIItchleil. das, tch mir eine r«>chchunä >'crbü,e und er solle sehen, datz er seine an», tondlto^ Ware bn den Hottentotten loö werde, aber nicht bei den Teuttchen Der Kaufmann hatte verstanden. Als ich schon die Türkttme in der Hand hatte, rief er n»ich zurück, entschuldigte sich — ich wußte m Augenblick nicht, ivoftlr. — und gab nur «ine Erklärung ab. Em über daS andere Mal mußte er sich überbneinen Scharfblick wundern, was mir natürlich gelvaltig Freude machte . Herr, wenn Sie diesen Hut kaufen, so haben Sie
deutsches Fabrikat erworben und ihr Geld deutschen Fabrikanten und deutschen Arbeitern zusließen lajsen."
, doch aber nicht möglich. Denn daS sind doch die
meichen Hüte, die Sie mir vor einigen Wochen als englisches Fabrikat vorlegten. Sie haben eben nur daS Futter heraus gettcnnl. damit man den Ursprung nicht erfahren kann."
„Wieder haben Sie recht, bis zu einem gewissen Punkt." „Und der loäre?"
Mutter ist herauöaetrennt worden, aber erst, nacksdem V? 11 de"l Fabrikanten erfahren habe, da!; er jahrelang eine Täuschimg begangen tzabe."
„DaS ist ja geradezu empörend."
^ , au ^ ^der. bedenken Sie, mein
Herr, das Publikum hat eü so gewollt."
ÄA machte eine ablvehrende Betvegung.
„Doch, eS ist so. Denken Sie an die Zeiten zurück. Wollte derttfche Hüte kaufen? CS mußte englische Form, eS mußte eiiglische Mode sein. Und wir haben in Deutschland sehr viele Hatfabriken mit Tausenden von Arbeitern. Sie alle wollten leben. Und da sie ihre Waren absetzen mußten, so begingen sie eben die verlangte Täuschung."
cL* 0 * ± rfin £? Privatissimum, das mir der Kaufmann biklt. Ich errötete wohl und wollte inich entfernen.
r' l ,ll, l n a i ri .'i ID ^f f ,i n f e Täuschung nicht mehr Vorkommen. Das kaufende Publikum selbst wird daran Mitarbeiten."
Lchnell kaufte ich mir einen neuen Hut. Deutsches Fabrikat.
. VrVL ux.f tr ? 6e I ,cI . L nir bin. daß ich den „englischen Hut" eigentlich hätte nn Lpinde verstauben lassen können bis zum heutigen Tag. War das Futter heraus, war er deutsch.
Ich schluckte diese ErkenmniS herunter.
Aber die „Ohrfeigt, die ich soeben erhalten hatte, brauute heiß auf meiner Wange._
wie man Weihbrot frisch erhält.
m Laöidurch einen Beschluß des BundeSrats erlassene Verbot der Nachtbackercl bereitet den Freunden der Brötchen und Semmeln ! oIIfn s'l'-um Morgenkaffee und zum Frühstück ihr frisches, knusperiges Weißbrot nehmen? Nim, auch für dieienigen. die zur .Krie^szeit ihre Brötck)en nicht missen mögen oder tic anS Gesundheitsrücksichten nicht entbehren können, ist gesorgt.
? Katz hat eingehende Untersuchungen über d,e Ursache des Altbackemoerdeiis dcS Weißbrotes angestellt, S't um gleich vorwegzunehmen, besonder« Mrotschränke für kleinere und größere Betriebe bmien ließ, die jid) als äußerst brmlchbar bewährt l-abeu. Das Innere des Bröt- chenS die sogenannte Krmne, vermaa heute jeder Bäcker so zii, backen, daf, ftc ftch ohne Anwendung besonderer Kunstgriffe Mölf bis fttnszehu Stunden frisch erhält. Etwas anderes ist es aber mit der Rinde, die ihre Knusperigkeit sckpiell verliert. Gerade diese Kiiusperiw- - a ^!L r Wtpot Weißbrot feinen besonderen Reiz und Geschmack. DaS Weichwerdeii der Rinde »vird, wie Katz seststellte, durch den Unterschied der Wasserdampfspannung von Krume Mid Kruste bedumt. Während die Krume fast die gleiche Dampfspannung w.e remes Wasser, nämlich 97 bi* 100 v H. besitzt, hat die Kruste durch das starke ?toSttocknen im Backofen eine sehr niedrige Damp^ spannung von höchstens 1ü v H. erhalten Beim Aufbttvahren der Brötchen beginnt daber bald Wasser von der Krume zur Kruste zu drmgen. und diese Wasserausnahme der Rinde, die natttrlich durch die Aufbewahrung des Gebäcks in feuä>ter Luft noch beschleunigt so,rd, hält so lange an, b,s in der Dampfspannung zuckschen Krume sind Kruste Gleichgewicht besteht. Das Weichloerden der Rinde ist also ein OueUunasvorgang, bei dem sich Wasser zwischen den kleinsten Teilchen der Kruste lagert. Um diese Verändenmg zahlenmäßig zu untersuchen, hat Katz die Kruste eines frischen Brötchens zu kleinen Schuppen geschabt und diese über Schwefelsäure-Wasser- Gemisches von bekannter Wasserdampfspannung stehen lassen, so datz er den jesveils verschiedenen Wassergehalt genau feststellen konnte. Labe, zeigte sich, daß die Rinde solange knusperig bleibt, pls sie nicht mehr denn 18 v. H. Wasser enthält. Sobald sie mehr Wasser anmimmt. wird sie weich. Dieser Wassergehalt von 16 v. H. entspricht aber einer Wasserdampfspannung von 85 v. H. der Maxi malspannung. Oder mit anderen Worten: in einem Räume mit aetrockrieter Luft, bei der die Feuchtigkeit nur 85 v. H. oder weniger beträgt, bleibt die Rinde ständig knnsperia; freilief; darf die Aus nicht zu weit geben, damit nickst etwa die Krume a\\ Wasser verliert und so daS tzmiere des Gebäcks trocken lvird. Man darf sich also von einem Feuchtigkeitsgehalt von 85 v. H. nicht weil nach unten entfernen Im allgemeinen kann mm, sagen, daß bei Feuchtigkeiten von 75 bis 80 v. H Spannuiig die Rinde der Bröl


