iapU' leise: „Auch ich habe zu denken . . Und ihre »veißen Zahne leuchteten einen Moment zwischen ihren feinen, blassen Lippen, diesen noch unberührten und von fremden Mcinncr- lippen sicher noch nngeküßten Lippen. Und cS wallte etwa- ül mir aus wie glühende- Mitleid, das; diese so edle, gütige Frau da- Schönste im Leben nie gekannt bat, nie kennen wird: sich Heiner Liebe zu ergeben und die Erinnerung daran unauslöschlich in ihrem Busen zu verwahren. Ich sah in ihre Augen und ans diesen unberührten Mund, wäyrend ich ihre .Hand an meine Lippen zag, und da ging eS auf einmal so heiß erschrocken durch ihre Augen, sie trat zurück, und wie eine zarte rosige W^He lies eS rasch über ihr herbe- kluge- Besicht.
Wunderbares Rätsel des Frauenherzen-! Sic kennt zu gut den enormen Altersunterschied, der keine andern als mütterliche und freundschaftliche Gefühle auskommen lassen kann, sie spricht zu mir wie eine mütterliche Freundin, über vieles, was zwischen den junget« Leuten beider (Geschlechter Ute berührt tvird, sich aber unbefangen über die Lippen einer edlen Frau wagen darf, die jenseits der (Grenze jugendlicher Heißblütigkeit floht und dennoch dies erschreckte Zurück weichen vor dem bloßen. vielleicht einen Moment in meinen Atigen sich verratenden Gedanken, nicht nur ihre Hand, son dern in der Aufwallung kindlicher Herzlichkeit auch jhreLip Pen -u küssen, tvie einer Mutter oder Schtvester, »vie ich Tante ^.alli küsse. N,ed doch hätte ich es nie geivagt, obivohl mir ihr schelmisches. „teilte Nacht liebes Kind!" die Berechtigung dazu hätte geben können. Ja der Kuh ist ein -wcischneidi geS Xiitt); eine nnempsindliche Berührung, eine gcdanken lose Zeremonie oder eine rasende Gefährlichkeit, eine wilde Seligkeit, die alle Nerven zusammenschünelt und Tod und (^bre ans den, Wege schleudert und ewig nnvergeszlicheS Glück bedeutet. . Notabene! so stelle ich mir die Sache in der Lheorie vor, in der Praxis habe ich solch einen Kuh wedev gegeben noch empfangen, aber ich glaube, ich fürchte säst, ich wäre fähig so zu küssen, ja. ich wünsche es mir. ich sehne mich wahnsinnig danach, wenigsten- war dies in der Nacht der Fall, als ich in Regenwalde am offenen Fenster meine« :lnttn,er- stand, vom «chlase geflohen, tveil meine Gedanken »vell zu viel Neues und Ungeahntes ausgenommen hatte Es war so totenstill im Hanse. Die Nacht lag drauhen über Mn massigen Kronen der alten Eichen, deren leise- Schwan ken sie von den Wolken am Himmel abhob. durch die der Mond seine tcharsglänzende Sichel schob. Es Halle aufgehörl Zl- regnen, die Luft war frischer wie am Abend, von Osten wehte es leicht herüber. Morgen würde ein schöner Tag ,ver den, dachte ich -
Es wurde auch wirklich schön. Der Morgen war von
iiXl iJIk**' fin . fm prachtvollen herbst
»Jh»' k!, b fc u " b Waldaeruch, der mir angenehm entgegen »vchti. Ich haue trotz oder vielleicht wegen der großen Stille \V f ‘ n fl * cn Verrenhause. die Gedanken und Gefühle un mmen lieh, nicht so gut geschlafen, wie zu Hanse, a ^ möglichen Geräusche von der Straße, von Mono ImMi* ewig knarrendem Schild, vom Hof, von dem Fa Milien eben me,ne- kindergcsegnelen Hauswirte-, aus dem
G danken" ^"den. gewöhnlich in meine
^'oanren und Träume unberufen hinemspukten.
wie Kupfer stieg die Morgensonne langsam über deii blahblanen vunmel, in dem noch die Mondsichel lag äl i| klarem Wasser. und ein merkwürdig Heller' goldener Stern stand einsam dicht darüber. Da horte ich schoi! Ij 110 . 11 11,1 •’Oflufe flcbai, hörte Ruse, fernes Eisenklirren k 1 ^ 'i fj 11 pon dem Wirtschast-Hose her'
und da trat auch schon Gräfin Wanda im schwarzen Reitdreß
fAiLrif "nd gertenschlank an-sehend, eine
MO?.^samtene Jockei Mütze auf der schweren Masse ihrer F echten, deren Silbenäden ich selbst auf diese Ent ernnna hm leider sehr gut sehen konnte. ^"«ng
... ,2 ir ^} f ^ e mtc " c über den Arm geworfen ohne
gante Knoch^ ein/"/'"" für schöne Fühe nnd eie
" 1 , f f f ° furir ' "der ausgiebige Augenweide bot.
flnem fröhlichen: ..Guten Morgen. Herr von Rehn
^ öum Kaffee rn der Hatte! Wir wollen gleich los "
^/ Mlch e,n. hernnterKukomme,,. Ich sprang leidrtfüßia 'vie ein Junge die schöne uralte Eichenlwlztreppe hinunter* !"" w'r das köstlich.- ...,d u-iMito Stücf tvc 1% schtneckcn zu lasten Alle-, ivas eine reiclx Landwirtidiah
0l t Echniackhaftem zu einem solennen ersten Früh- mck aufwe.ten konnte, war auf dem groß" Ti ch jn >^le anfgetragen Gräfin Herta tratet 5 S *n.lS
fumt großen SchaV gewickelt, fröstelnd nnd un- bttrd>i <uio nuht beneidend um unfern Ausflug zu Pferde an dem sehr srisck-e„ Herbümorgen in das regennasse Land. Die Pferde wurden ans die Rampe geführt. Apollo, etwas aufgeregt von dem fremden Stall, sah bildsckrön aus. rnkr schwoll das Herz vor Besitzerstolz und Reitersreude, denn ich wußte, Don der tolle Bursch sich von mir meistern lieh und Gräfin Wanda uns bewundern muhte. . . . Während ich die übliche Inspektion an Apollo vornahm, trat der Reitknecht heran, um der Gräfin aus ihren Goldfuchs zu helfen. Na, daraus hatte ich bloß gewartet! Mir das nehmen lassen! Ans dem kürzesten Wege unter Apollos Bauche durchfchlüp- fcnd, kam ich dem Reitknecht zuvor, und der schönste Francn- ftlß der Welt schmiegte sich in meine Hand, urtb ich stellte und) möglichst ungeschickt, um diese Wonne möglichst lange zu genießen. Als id> aufsah, lag wieder wie gestern abend em rosiger Schein aus ihrem Antlitz.
Wir ritten vergnügt in den frischen Morgen hinein. Die Raturbnder mit der Feder zu fixieren, Felder und Wälder, Forstbestand und Wildkultnr, selbst die prachtvollen Zwei« jähngen nnd die bildschönen Remonten, hatte für das Tage- bud) eigentttch keinen Zweck. Der Himmel mit den ziehenden Wildgansen nnd dem eleganten Riesendreieck der tfmmdje unb Fischreiher erschien tvie ein belebter Verkehrsweg und gern wäre man mitgezogen da oben in der glänzend blauen ^.llft an was? Auf der Erde loar's auds schön und min g«"ds ivoht schöner als aus dem Rücken Apollos, der zum Gluck nicht fliegen konnte. Die verheißungsvollsten Austal- teu machte er übrigens schon dazu. Ihn stachelte M der d>ö„e Hafer von .Reaentvalde und die sonnige kalte Hcrbstlust, vielleicht auch die Gesellschaft von Goldfnd-s mit den ruhigen, vollendet schönen Gängen; und ich muhte thil ein paarmal' scharf zurcchtweisen, bis Gräfin Wanda iiiil ihrem feinen Lächln riet, ich sollte ihn sich mal ans dem schweren Sandiveg, in den tvir bogen, austoben lassen.
„Er weiß scheint es, nicht, wo er mit der überschüssigen Kiast hin soll, es prickelt ihm in allen Adern und er will seinen isturnilauf haben, sonst wird er nervös. — Kommen Are: Los! Galopps sagte sie nnd strich freundlich mit der Hand über seine Nüstern, die gerade in ihrem Handbcreich ».ich dein .valfo ihres Goldfuchses schnüffelten Ich setzte ihn, ctiutTc. imevioartet bic Spore« in die Staufen «ub «ach ciniflem Stellen n„b Hauen ,1 ob er in >vah„sinniqe,n Tempo ben breiten -andtveg hinauf. Ter Goldfuchs, obwohl ohne lebe Unruhe, tadellos erzogen, blieb mir har! an ben Gur» te» Xte beiden Tiere gaben einander an Wert uiciNs »ach, mir das, Apollo ein paar Jahre weniger initerm Sattel war nnd heftiger im Temperainent. —
?,n her Försterei machten wir Mittag — asten «ebl,ill,- ner imbftramtüpögcl, so tadellos -»bereitet, mie das mir in *“"v r ^’ ,fn Waldioirtschisi zu finden ist, wo man das lieb" Edelwild in feiner Weise verdirbt und oerschandelt Dn,u einen exquisiten Ranenthaler! Ter praclchiolle Ritt, das schone, Interessante, Rene, iva-> j,tiv der -lnsenthalt bin- Ijer i«, Regeinoalbe geboten twttr, machte mich ganz iiber- niiiiig ni, kam ,nir selbst ganz sreind vor, dad Leben in tiwielitich nnd Umgegend erschien mir ;>aradlesisch, ,,„d »bei die fseinen »iivvllfommeiiheiken sehte ich mich lwnte hiniveg. . r ’ '
i. l '"b>i fuhren mir in den Wald, der Förster mit — >ie wrasiii lenkte dao hellbraune erstklassige In-fergestw,,» m rohfedernen Riemenzeng über Brust nnd Schultern Ich last neben ihr An, halsbrecherische,, Wegen ging es in abends
q r m ’ r &1U '^ Me ^rübni. da st die Bieidetopse hoch über uns standen, wen» sie drüben lan- tfn,c schwache, ein Zurnlkhalte» ein Tesckt am ^deizeug und wir Hütten unter Pferd und Wagen i», 7,!? " fl S«j ejße . n ' ,uflr berauschend schön! Ab „ndzu ein der Peitsche. lautloses Schauen, Rehioild in Gruppen, Fuchs miD Iltis über den Weg nnd der chvöls- ender, den ,ch morgen früh treffen sollte, «rat in stolzer Ruhe ans hie Lichtung . Herz und Nerve» schauerten Lebenslust und in vorahnender Weidmannsfreude
rann zurück ins ForsthanS nub wieder aus die Pjerde Apotto hatte ausgelobt Ruhig ,a„e„ö ,,„d nickend, schritt geivöhitt' h Me ^ben dem edlen Geführ ten, an den er sich
lFortsetzung folgt.)


