Ausgabe 
9.1.1915
 
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fteiue Antwort:Guten Morgen, Fritz * Meder keine Antwort. Guten Morgen, Fritz." Da schreit einer aus den deutschen Graben. Guten Morgen."Wie geht e« euch 7*Sehr gut. -Komm ruber, Fritz.*Nein, wenn ich komme, werde ich totgescboüeiu Nein, du wirst nicht, komm rüber *Bange habe »ch nicht Komm, und du kriegst Zigarette,». Fritz*Rein, kom.u du halb herüber und ich komme entgegenSchön."Einer von unseren Jungens stillte sich also die Tasche mit Zigaretten und Nettem über den Graben. Der Deutsche kletterte über seinen und in der Mitte trafen sie sich, schüttelten die Hände, Fritz nahm die Zigaretten und gab datür Schokolade." Die Deutschen standen dabei obenauf ihren Gräben und die Engländer schwenkten »kre Mütze in der Lmt und lieben sie hochleben. Etwa 18 von unseren Leuten tarnen heraus und trafen sich mit ebenso vielen Deutschen. Das dauerte etiva eine halbe Stunde, dann kehrten beide zu ihren Schützen­gräben zurück, um wieder auseinander zu schieben. Ihr müöt aber nicht denken, dab wir desbalb dicke Freunde gewordei» sind; m der Nacht daraus fielen zwei von unseren Jungens, und wie eS drüben ging, rveiß ich nicht . . .*

In dem Brlese eines englischen MajorS liest rnan:Ich mutz Euch eine nette Geschichte von neulich erzählen. Das. . .Regi­ment und die Deiltschen ihnen gegenüber (ihre Schützengraben sind nur fünfzig Meter voneinander) haben sich ordentlich mit­einander angefreundet. Dabei greifen He sich kräfitg an, wenn sie den Beseht dazu erhalten. Sre hören einander sprechen und singen; in einer Nacht hatten die Deutschen ein Gramnwvbon, daS luftifl svielte, bis etwas daran zerbrochen sein »nutzte, denn einer von ihnen ries im schönsten Englisch herüber: ..Heda, ihr Bursche»», kann einer von e»»ch ein Grammophon reparieren? UnserS in hier -erbrochen." Einer von den Engländern ries zurück, er möchte es hinüberbringcu und daun wollte er sehen, waS er machen könnte; vielleicht ginge es noch, obwohl er bei einem deutschen Erzeugnis nicht allzuviele Hoffnung hätte. Da rnischte sich plötzlich ein anderer Deutscher hinein und ries, er kenne sie alle sehr gut von Glasgow her, wo er als Barbier in der Argyle Street gear­beitet habe..."

vermischte».

'General JossreZHammer*. Der große Offensiv- vlan JosireS, der so früh durch die Berichte unseres GcneralstadS bekannt »vurde und so kläglich scheiterte, ist den Engländen» unter ei»»em kühnen Bilde »nitgeteilt »vorden, in dem der bekannte m,li- tärische Fachmann Hilaire Aelloc in der bekannten Zeilschrif! Land _ and Water d»e Kriegslage in Flanden» und Rordirankreich ver­anschaulicht. Da man den Briten die Sache nicht deutlich genug machen kann, so setzte er ihnen die Strategie Jofires folgender­matzen auseinander:Rehmen »vir an, cS hat jemand einen Hammer, und der Hammer ist so geartet, daß, wenn sei»» erster Schlag ohne E»1olg geschieht, er zerbricht und nicht »nehr zu brarrchen »ft. Und nun nehmen »vir an, datz die Ausgabe unserer Heere gegen die der Deutsche»» »nit den» Druck z»» vergleichen ist, den jen»and aus einen GlaSstab cuiSübt, um ih»» zu zerbrechen. Ein Fre»»nd hält de»» Hammer. »»»»» a»»f Eure»» Befehl loSzu- schlage»,. Wenn mau nun nicht den richtigen Augenblick »vähtt, in de»n die Stelle, ans die der Hammer schlägt, bereits durch den Dr»»ck Eurer Hände geschwächt ist, dann wird die Stange nicht zerbrochen und der Schlag des Hammers ist »unsonst. Wählt »na»» aber de»» richtigen Moment ans, gerade den, in den» Eure Hände stark genug sind, die Glasstange zu zerbreche»», daun »vird der Ha»n,ner gerade die genügende Kraft ausübe»», un» da? geivünschte Resultat z»» erzielen, in den» er feine Kraft der durch Eure Hände a»»sgeübte»» Wirkung hi»»z»»sügt." Der Si»»n dieses ebe»»so geheim- nisvollen wie »vunderlichen Bildes wird vo>» Belloc dahin ge­deutet, daß der Glasstab die deutsche Front ist, die Hände, die ihn z»lsa»»»»»»e,»drücken, si»»d die französischer» und englischen Truppe»»; der Hammer aber bede»»tet die Reserven, die Iofsie zur rechten Zeit in- Feld führen »nutz, un» die deutsche Heereßinacht zu zer­schmettern. In der rechtzeitige»» Einsetzung der Reserven bestand nach BellocS Meinung das »vichtigste Geheimnis der Strategie Napoleo»»s, und auch er hat öfters in der Anwendung dieses Mittels gefehlt, indem er seine Reserve»» öfters zu spät ei,»setzte, so bei Borodino u»rd BeÜe Alliance. Joffre sei ein würdiger Schüler Napoleons ; er werde den Schlag »nit den» mystischen Hamnier nicht zu früh und »»lcht zu spät führen; dab Ei,»setzen seiner Re­serven in» richtigen Moment müsse den Sieg bringen.

* Der Geleitbries. Eine echt russische Geschichte erzählt ein italienischer Berichterstatter, der nach Warschau in der Hoffnung gekommen »var, an die russische Front zu gelange»». Ausgerüstet mit einein ivunderschönen Empfehlungsschreiben des ristsischen Bot­schafters » Ro»n an die Militär- und Zivilbehörden deS Zaren­reiches, kain er nach Warschau und suchte zun» Generalgouverneur zu gelangen. Er tomn»t zu dessen sehr einfache»»» Hans, drückt eine <fstaSt»ir auf, durchschreitet den Vorraum, geht einige Stufen hinauf nirgends eine Glocke, im Vorzimmer kommt die Ordonnanz »nit einer Verbeugung auf ihn zu, hebt einen Vorhang und tobt ihn eutlrete»», ohne a»»ch n»»r nach seiner Visitenkarte zu fragen.

Schristleitnng: A»»g. Goeh. - RotationSdntck »n»d Verlag der

Der Italiener glaubt, man habe ihn nicht verstanden oder e» liege sonst ein Irrtum vor, aber da hört er schon :Gute«» Taa. Womit kann ich . . Kein Jrrt»»m, der Gouverne»»r steht in Person vor ibm und fragt ihn mit ermutigender Miene nach seinen» Begehr. Haben Sie eine gute Rene gehabt? Ab, ich verstehe! An die Front ! Gewiß, sehr interessant. Meine Erlaubnis? Glauben Sie, datz die nötig ist ? Mit einen» so schonen Brief von dem Botschafter! Ich begreife: für alle Fälle. Rehmen Sie Matz. Ich »vürde mich « »virklich freuen, Ihne»» »»»"»glich sei», zu können. Warte», Sie: eine Idee. Sie könnten nach Bialistok gehen, sür den Anfang: zum Hauptquartier. Patzt Ihnen das? Ich »vürde Ihne,» einen Brief für ^den Ge»»eral Leontiesf, meinen Freund, geben. Bon dort würden sie Sie dam» je nach de»» U»nstä»»den nach Ostpreußen oder auch gegen Petrikan schicken, »vie Sie lieber wollen und »vo eS Jh»»e»» »ntereffant erscheint. Patzt Ihnen daS? Einverstanden. Sofort, sofort. Fünf Minuten nur. Wollen Sie eine Zigarette?" In fünf Minuten ist der Briet geschrieben; dann »vird er versiegelt. Hier. Weiter brauchen Sie nichts. Sicher, Bialistok, Haupt­quartier. Wie? Sie werden sehe»». Sie »verden sehe»». Keine Schwierigkeiten. Aber es »var »uir eii» Bergnüge»». Wie »»»einen Sie? Aber ich bitte Sie. Auf 2r iedersehen und gute Reise!" Der Italiener eilt geflügelten Fußes davon. Er sieht' sich bereits in» Hanptgl»artier, drei Tage später an der Front. Er braucht mir noch ein Pferd z»i kaufe»». Aber plötzlich steigt ihn» ein leiser Verdacht auf. Der allzu leichte Triumph »nacht ihr» unsicher. Er zieht den Briei mißtrauisch aus der Tasche. Das Siegel »st geivitz sehr schön, aber »vas mag in dein Br,eie sie'"°, ? Ihm kommen immer inehrZiveilel. und schließlichspringt Siegel vo»r selber ab," erzähl! er. Und er liest:Lieber Iwan Georqieivitscb. der Ueberbrtnger dieses Briefes, Italiener, nichts als Iour»»al»st, möchte sehr gern an die Fro»»t kommen. Ick» »veiß »vol»l, datz das »»»»- »nöglich ist. Aber da ich es für falich halte, ibm feilt Anliegen direkt abzuschlagen, so schicke ich ihn 3»» Euch, damit IhrS ihm selbst sagt. So »verde ich eS auch mit den anderen »narben, die noch kommen sollten. Man muß 3»t den Ausländern höflich sein, nicht wahr? Entschuldigt also die kleine Störung. Habt Ihr die Hand­schuhe bekommen, die ich Euch geschickt habe? Mei»»e Fra»» grüßt Erich und Ennadla Paulowna. Euer herzlich ergebener Freund .. Unnötig zu sagen, daß Iwan Georgieivitsch nicht mehr die kleine Mühe auf sich zu nehmen brauchte,es ihm selber zu sagen*.

Der Bär in Arantreich.*)

'S Bärche uff de Speifekat Sn.i t e' feine Rümmer;

Zu fein» Sekt bestellt e hat Sich en ganze Hummer.

Wie de Hninmer rvard gebracht, Saat entsetzt des Barche:

No. »vas haivwese gemacht 's fehlt den» Krebs e' Scherchel"

Saat der Kellner:Kriegerisch Sr»»,» die Hummern alle;

In em Kampf iS sicherlich Den» e' Scher entfallet*

Saat der Moses Bär, der dick, Gott, »vaS tapfre Biehcherl Nemme Se de», da zerick Bringe Se de Sieger!"

) AuSBesternitz, Heit 3, Kriegsnummer*. Neueste Scherz­gedichte in uasfanischer Mundart von Rudolf Dietz. Mit viele», Bildern. Verlag des Verfassers, Wiesbaden, Schützenhofslratze 14 Preis 60 Psg. _

Sitatenrätsel.

AuS jede»»» der fotgeubcu Zitate ist ein Wort zu nehme»», so datz sich ein neues Zitat ergibt:

1. Bescheidenheit ohne Matz ist verkappter Stolz.

2. Arbeit gewinnt Feuer auS den Steinen.

3. Schaffen und Strebe»» allein nur »st Leben.

4. Es ist der Krieg ein roh geivaltsau» Handwerk.

5. Lerne leiden, ohne zu klage»».

-Y 6. Leiden und sterbe»» jeder »nutz erben.

7. Wer Sorge hat, der hat nicht, »vaS er hat.

3. Rur der ist froh, der geben »nag.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummert

Verzeih' der Jugend Uebernmt,

Auch »venu sie toll und töricht war;

Bede»»ke, nach^Hes So»»»merS Glut Ist erst der Himmel rein und klar.

'scheu UniversitälS-Vuch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.