IS
Geht* Ham. gehtr Ham. ihr Lumpenhund'!
im Militärfignal voll K. Altwallstädt (Jen«),
Putzt mir nickt mit Hammerschiag,
«L-t mir nicht mit Hand!
Mit Kreide, mit Kreide?
Honst kommt der Herr Seracant!
» (Honst wird'«? Gewehr zu schand?)
(Preustisther Zapfenstreich.)
AuS dem Lärme der Dreschflegel, aus denk Klappern der Vtichlke, mw den Arbeitsgeräuscken der per schieden ft nt Ha nt» werter hört die Phantasie de» Menschen allerlei Worte her- mik. Um wie viel mehr nuifjte sie sich verlortr sühlen, denr Klange der Glocken, dem Hornruf des Hirten oder den Trommel- und Trompetensignalen des Soldaten passende Tertlein nnter- gulegen? Bon diesni volkstüntlichen Reimen fesselt uns heute natürlich- vor allein die letztgenannte Gruppe, und mancher läßt sich tvohl gern einnral wieder an die Worte erinnern, die inan h. B. aus dem Zapfenstreich derausgchört l-at oder aus eiireni anderen, ihn, meist vorausgehenden Abendsignal, dem söge,rannten hocken". Hierher gehören das bekannte „Putzt mir nick^ mit Hammerschlag" oder das altpreustiscl-e.
„Zu Bett, zu Bett, die Trommel geht,
Aus das; rhr nwrgeu frith aussteht Und nicht so lang im Bette leer!"
Neuere Texte verspotten in derber Weise Napoleon und die Franzosen oder bringen die Freude über deutsche Erfolge tzum Aridruch rvie z. B.:
„Tie Preusten haben die Schlacht gewonnen,
Sie werden bald nach Paris hinkommen,
's ist wahr, 's ist lvahr, 's ist wahr!"
oder:
„Tie Preusten baden Paris genommen,
Nun »verden bessere Zetten kommen."
Besonders beliebt ist auch die Fassrmg:
^Tie Franzose,» haben's Geld geswhlen,
Tie Preußen wollen's iviederholen,
Geduld, Geduld, Geduld!
(Durra, Hurra, Hurra!)"
DaS Liebchen, von dem der Soldat sich trennen muh, nwnn M rlbendsignal ertönt, spielt begreiflicherweise in manchen Tex- i«r die Harrptrolle. Ein solcher la,Uet
..Soldaten sollen nach Hause gehn Und nicht mehr bei den» Liebchen stelm,
Zu Bett, zu Bett, zu Bett Zu Bette, wer ein Liebchen hat.
Und wer keins hat, imtfc auch zu Bett,
Zu Bert, zu Bett, zu Bett!"
Einem Münsterischen Zapfenstreich legte man sogar die Klage einer verlassenen Braut unter und liest das Berslein mit den Worten beginnen:
Ich Hab' einmal ein HauS gebaut Am Eck.
Ick Hab' einmal ein' Schatz gehabt,
Ist weg . .
Mit einent Hausbau fänat auck; ein altes. ,oohl von den Kindern einst gesungenes Zapfenstreichreimleiu an, daö in drol- kßger Weife ein Unding behauptet und sogleich^ widerruft: „Ter Kaiser hat ein Haus gebaut Bon Buttermilck und Sauerkraut,
Es ist nicht wahr, wahr, wahr!" oldenbnrgischc Zapfenstreich wiederum sollte klingen rvie: ,,'T is 'n Slump (Zufall),
'T is 'n Slunrp,
Tat 'n Soldat jn Himmel kumbt"
itin besonders rvarmes Interesse haben wir selbstverständlich ^^utungen des österreichischen Zapfenstreiches. Unsere Waffenbrüder erklären ihn recket drollig mit den Worten) „Drei lederne Strümps.
Zwei und drei sind fünf.
Und wenn ich ein' verlier,
Hab' ich doch iwch vier."
Tie Kinder bevorzuge wohl auch die Bariante:
„Drei lederne Strümps,
Zwei und drei sind fünf.
Mein Baker hat ein Kartenspiel.
Hat nichts als lauter Trümpf."
Und wer kennt schließlich nicfjt das lustige:
^AehtS ham, gehts Ham, ihr Lumpenhund.
Ihr freut dem Kaiser 's Brot umsunst (vom Mund).
^^T**** ^ öm ' gehts Ham, gehts Ham!"
.. nun zu anderen Signalen! Ist die Nacht verstrichen,
so hört der Soldat den Weckruf des Hornisten erklingen. „Ihr mm genug geschlafen! Steht auf! Steht auf! Steht 2Ü f® "nt e- chm ms Ohr. auf *a« er sich so gern noch evwwlleaen würbe. Und zu Mittag wieder glaubt er aus Estrnf an die Unteroffiziere die Schmeichelei zu vernehmen: „Halunken, Halunken, Halunken zu Tisch?"
T<n Estrnf «ur die Bataillone dagegen deutet man» erste Bataillon!
TaS erste nicht, das erste nicht. daö znreite Bataillon?
Tie Füsilier, das schwarze Korps?"
Od«.-:
„Das erste Bataillon hat große Leute,
Das zweite, das hat auch ein paar.
Maikäser flieg!"
Derb hunwristisch ansgelegt lvird dann »meder daü Signal sik' die einzelnen Kompagnien. das bekanntlich übersetzt wich: „Tie erste Kompagnie l-at Läuse,
Die zweite, die hat auch ein paar ujw."
Am fdjöitften offenbart sich der Reichtum an Militär-Signale»« nattlrlich bei Feldübungen.
„Jetzt kommt die stolze Kavallerie,
Was macht denn nun die Infanterie?
Karree, Karree!"
So blies man srül-er, wenn nach dem Erscheinen der Kavallerie ein Karree gebildet wurde. Und dem lebhaften Signal, das den Retter zur Karriere anseuerte, legte man die gut angepaßten Worte unter:
„Schenkel ait, Schenkel an!
Last ihn lausen, ivas er kann!"
Etwas anders freilich klang es. wenn früher eine geplante yelddienstübung des schlechten Wetter« wegen „abgeblascn" wurde:
J5t geit nich, et geit ntch, et geil den ganzen Tag stich!
Wie könnt nich ruf !"
M'tcrfjt interessant ist schließlich die „Trommelspracke". mit deren Deutung sich das Bolk von jeher gern besaht hat. Zur Zeit einer mit Recht gefürchteten Soldateska hörte der arme Land» mailn aus dem Trommelschlag »richtS anderes heraus als die fUdttifcfK Warnung:
„Tromm, tromm, tromm,
Hüt" dich, Bauer, ich komm.
Ich bring" dir nichts, ich nomm.
Ich siech' dir Küh nick Kälber ab
Und frag" dich nicht- darom!" oder : r
„rnumpeooe, tpuvtpevoe, vum!
HÜt' dich. Bauer, ich kinnm.
Ich nehm" dir Küh und Kälber »veg Und frag" dich nicht darum 1"
Dem tosen Dirnlein freilich, das dem schmucken Krieger willig ins Feld nacl>zog. klang der Wirbel verlockeirder — so wie eS ja auch in einem Wildenbruchschen Drama heitzt:
.^Trommel ruft: Bumm, bumm!
Mägdlein, ich werbe dich,
Mägdlein kumm!"
Auch verschiedene TrominelmSrsche finb kulturhistorisch bemerkenswert. Beim Spiestrutenlaufen — das m<ui auch als das sogenannte „ehrliche Gassenlaitsen"" bezeichnet, weil diese Strafe den Soldaten nicht ehrlos machte, wie etwa daS Gestäuptwerdcn durch Henkeröhand — stand an» Eingang der durch zwei Reihen Holdaten gebildeten „Gasse"" der Tambour; und während der Delinquent, nehmen wir an, ein Deserteur, von den Kameraden Birkenrutenhiebe, oder falls er Kavallerist war, Schläge mit Steigbügelriemen erhielt, wurde getrommelt, und diesem ,,Sp cfr* rutcnmarsch"" legte nian die eindringlichen Worte unter»
„Warum bist du weggelausen.
Warum tust du das ?
Nun mustt du durch die Gassen laufen,
Wie gefällt dir daS?" oder : .
' „Wenn einer desertieren will Und weih doch nicht den Weg,
So bleib' er bei der Kompagnie,
So kriegt er keine Schläg."
Ein schweizerischer Trommelmarsch, der au- dem Ende de- 18. Jahrhunderts stammt, sei ebenfalls noch erwähnt. Das ca ira und die Assignaten der Franzosen sollen durch das Berschen verspottet werden, das man ihm untergelegt hat, und daö lautet» „Seira (ca ira), seira, seirassa!
Geld ist besser als Ässigna.
Asstana ist Lumpengelb,
V Patriote -iehnd ins Feld,
Ohne Strümps und ohne Schuh ^ <
Kren sie nneder der Heimat zu!"
vom vertehr zwischen den Schützengräben.
Aus englischen Coldatenbriefen.
In englischen Blättern liegt eine Reibe von Briefen auS de»» Schützengräben vor. die vom Berkehr. der sich zwischen den beiden seindlichen Linien entwickelt hat. einige belustigende Zlmscheniälle berichten. .Unsere Schützengräben/ schreibt ein Soldat vom Esser- Regiment an seine Verwandten, .sind nur dreißig oder vierzig Meter von den deutschen entfernt. Unsere Jungend hatten sich daher angewöhnt, hm,Iber zu dem Fetnd alles mögt,che a„ rufen, und wir erhielten auch Antworten von ihm. So kan, es eines Tage» zu folgender Szene: Bon unseren Gräben: „Guten Margen, Fritz.«


