^rff l Ich glaube doch, ach. es ist eins \o dumm wie tzwielitsch ist unvollkommen; das „Paradies der Ertp^ss und Pseroerücken und weiter bloß Gesundheit (rwck! Ich nehme bald mal Urlaub in die nichts? vol^ch Berlin! Also nun drauslos geschrieben, und „bollcÄ's namher mit der Zunge wieder auslecken sollte. Wen bei so etwas läßt man sich leicht -u einer indiskreten Prahlerei verleiten und dann möchte inan auf den Knien um Verzeihung bitten und sich die schönen 5? an de wieder aus sein tzäar legen und sie in heitzem Mitleid küssen um Verzeihung nicht hierfür, sondern nur filr tniS Ntederschreiben.
Also id> schickte Meier und Apollo DieuStag abend nach Regenwalde und suhr im Krümper mit den beiden Böcken von GtanstedtS r dMPt'hi .'n 'iin i nach mit Urlaub aus sechl uiibdreißig stunden. Habe bloß vieruiidzwanzig gebraucht. Es regnete nicht gerade, aber es siel feuchter Nebel. Das Barometer war gestiegen und liest silr morgen auf schönes Wetter hossen. Icd wickelte mich in meinen Mantel und setzte mich hinten bin. solche Gäule selbst zu fahren, ist kein Vergnügen, alle beide hartmäulig, reisten einem die Hände kaput.
Hochseudal ist der Anblick des Herrenhauses, wenn man von der Ehaussee abbiegt in die prachtvolle Eichenallee, die gerade daraus zuhält. Ein breiter, doppclslngligcr wcistcr Bau, liegt es da, iiralt, aber vornehin. Herrenhaus ist das richtigste Wort dafür. Eine pompöse Aussahrt, die hoch aus eine breite Rampe au die mächtige Eichennlr führt. Dann ein kreisrunder Rasenplatz mit einer sandsteinerncii Diana in der Mitte, die schlank und hoch von ihrem Sockel herab grüßt, wenn man die Allee hinausrollt. Eigentlich schade, dachte ich, daß blost die zwei alten Jungfern hier lvohnen. Der ganze Besitz fällt einmal au einen entscritten Vetter, der die Absicht haben soll, ein Majorat daraus zu machen. — Sehr vernünftig! Solche alte stolze Familiengüter eignen sich dazu, und nicht zum Kunkellchen.
Großartig sind die Räume im Innern des Hauses, enorm hoch und tief, alle braun unb düster vom Älter — viel Stein und Eisen und Eichkeruholz. Im Flur erl-ebt sich ein Riesenkamin mit sckpvarzcu Schloten, ringsherum aruvpieren sich ans Bärenfellen, Hirsch- und Luchsdecken Sessel nnd Bänke mit breiten Ledersitzen Die Simse zeigen allerlei Getier, riesige Raubvögel mit auSgebreiteten Scknvtngen. mächtige Elchsck-auseln. alles im Halbdunkel b<r holM'täselten Dicken sich verlierend. Dementspreckjend an Altertümlickikeit. Gediegenheit und Raumim-ilc sind die Zimmer mit ihren Möbeln in* träten, der Speisesaal mit den tn-ckenl-ohen. sck>on ganz rissigen, tief nachgedunkel' ten Bildern, lleber dem großen runden Tische/an dem wir speisten, brannten aus einem Messiuglrvuleuchter, der ür einen Dom nicht zu Nein gewesen wäre. still »lud seier» ich dicke Wackjskvrzen. Die alten Silberbestccke Ovaren so chir^er, dast es säst eine Arbeit ivar, sie zu l-alten. In einer uukelnden KristaNvase glänzte ein Riesenstreulst von blutroten (yeoraineu mit buntem Ähvrnlaub gemischt. Gräfin Wandas jilbenveister Barsoi ist ein Prachtexemplar; seine vor Klugheit leuchtenden Augen sind säst unnatürlich für Einen Hund. Sein Rücken überragte den Tisch, als er uns eine Weile still umkreiste, um daun ernst und langsam htnanszuschreiten und sich in der Flurhalle vor den Kamin au legen, von \vd aus er uns unverwandt betrachtete. Man »Mltc fragen mögen, waö er lvohl dabei dichte, so nach denklich sah er ans.
Gräfin Herta hat nicht den hohen Wuchs ihrer um füll 1 ßrtlKf jüngeren Schwester. Sie ist eher klein, gehl schon rech! gebückt und trägt ein Häubchen aus ihrem weisteu Scheitel. Aber viele Herzensgüte liegt in ihrem bleichen feinen Gesicht. Sie ist sehr kränklich und fährt niemals in die Nachbarschaft. Ganz der Gegensatz zu der kraftvollen, stolzen, ernsten Erscheinung ihrer Schwester Wanda. mit dem nicht hübschen, aber angenehmen Rassegesicht, in dem ein paar stahlblaue Augen mit ruhig klugem Blick stehen. Um den seinen blassen Mund zuckt es manchmal geheimnisvoll, als käme ihr irgend rine lustige Erinnerung im Gespräch, so dast man mitlächeln L"?'^hne ru wissen worüber, es aber gern ivissen möchte. Ein Inspektor, älterer, sehr netter Herr, und ein Forst veainter asten mit uns. Die Ställe und der sehr umfang »eick)e Forst mit dem großen Waldsee und der Fischerei Aeheu^der Gräfin Wanda unter. Die Schivester soll iron chrer ^cknvüchlichkeit eine nicktt *-mu* *u suchende Land- *lrtm fein. Das Gespräch drehte sich natürlich nur uni
die Winschaslsüiteresfen, und Ich freut« mich lehr, am andern Tage alles besichtigen und genießen zu dürfe«.
Bald nach Tische zog sich die Gräfin Herta zurück ruch auch die Beamten verschwanden. Gräfin -l^anda und ich hatten aber gar keine Lust, schon zur Ruhe zu gehen Wir setzten uns au den großen Kamin in der Halle, der Jäger, der bei Tische bedient hatte, stellte einen runden Tisch mit einer sehr schönen rotschimmernden Kiipserplatte zwischen uns, daraus Zigaretten und alles Nötige zur Bereitung eines prima ff. Rotweinpimschcs. Zarewitsch, der Barsoi, lag dicht vor seiner Herrin, die ab und zu mit der Fußspitze liebkosend über seinen Kops und Nacken strich. Dabei konnte ich ihren ausfallend schmalen hochspannigen Rasse- suß manchmal bewundern, während sie nachdenklich ernst ins Feuer sah. den Kops an die silbergrauc Luchsdecke ihres Sitzes zuriickgelegt, so dast ihr nur matt von der Glut beleuchtetes Gesicht halb im Schalten war. Von dem Plafond herab verbreitete eine große eigenartige Laternenlampe von mattgeschlifsenem undurchsichtigen Glase einen angenehm gedämpften Schein, den das rötliche Licht voin Feuer her überwog. Der heiße Wein duftete und die feinsten russischen Zigaretten sandten ihre Ringelwölkchen in die farbige Dämmerung llrrd draußen strich der ansgestandene Wind durch die Aeste der alten Eichen, die noch mit ihrem vollen Laube rauschten - Es »uar gemütlich, es war romantisch schön, eS ivar wie der Ansana eines Romans, wie ein Gedicht von — ie, ich weiß nicht recht von wem? Ich dachte plötzlich an ton Llbcnd mit Poncalet bei der Kommandcnsc und über meine ganze Haut ging ein Kribbeln wie von tausend kleinen, süßen Stichen.
Schade, schade... sünsnndvierzig Jahre! — Nein, da ist nichts zu wollen, kein Anfang, kein Ende. Aber bezaubernd, seltsam eittlulleud, alles kritisches Denken, alles objektive Kühle ausschließcnd ivaren eben Situation und Umgebung doch! Ich bin so außerordentlich empfänglich für alle ästhetisch schönen Genüsse der Sinne, so stark davon zu beeinflussen, ich bin von reiner Aenßerlichkeit förmlich zu beranscljen, in süße Melancholie zu nnegen. Ich sehe uird l)öre dann alles nur nno durch einen Schleier nnd darf mir dann nicht über den Weg trauen, das weiß ich sehr gut, obwohl ich nur sehr selten in meinem Leben solch starken Situationszanber empfunden habe, wie an diesem wiirdiaen regnerischen Herbstabende ar Kamin dieses alten, stillen, vornehmen Hauses ganz allein mit diesem vornel-men erblühten Mädchen. Von deni Gesicht sah ich nur die Umrisse mit dem vollen dunkelblonden Haar, das in dicken Flechten mehrere Male uni ihre Schläfen gelegt war. Bei Tage sah man die vielen Silberfäden ganz gut, jetzt nicht, nnd ich habe eine eigentümliche nchuHche für schöne Haare und schö-ne Füße bei Frauen. Das Haar der Komtesse mußte in ihrer längst begrabenen Jugend wunderbar schön und von ungewöhnlicher Länge genasen sein irnd dabei weich wie Seide. Und das ivar eS nwhl eigentlich noch immer. „Eck-önes HaarSchönes Haar!" liest ich mir entschlüpfen, berauscht wie ich war, aber nur allein von der Situation, nicht vom Punsch, an deni ich nur genippt, svnst hätte ich eS nicht *u sagen geivagt. nnd dabei l-atte ich ganz vssen nach ihrem Kopf geblickt.
Sie lächelte ein kleines, freundliches Lächeln, sic wies meine Kühnheit nicht zurück. — .Ha." sagte sie, „früher war cs mein Stolz, jetzt ist es mir sehr oft eine Last. Ich must zu viel Zeit daraus verwenden, die ich wichtigeren Dingen entziehe, und bei meinen Beschäftigungen draußen ist eS mir unbegncm. Aber geradezu abschneiden — "
~ «ein!" ries ich ganz erschrocken, „das Selbstmord für emc Dame —"
wäre halber
S,e »uckte leicht dir Achsel»: ..Zeh», sunsz.-h» Jahre - flciotö; jcßt hal es wenig Wert, nieniand zu Jreud', »demanh ,u Leid' - c*cr letzteres doch Wollen sehen, vielleicht ul,neide ich «s bald ab. wie die Nonne, die ins Kloster geh,, oder bereits »» Kloster ist," stlgle sie mit dem leichten humorvollen Lippe»,ucken hinzu- „dann bleibt das Haar immer >ung und blond, und ich kann mir's manchmal an- sehen „,,d nilch — erinnern," schloß sie etwas leiser.
(Fortsetzung folgt.)


